Ockerpfade von Rustrel

ockerensemble "Le Sahara"

 

Donnerstag, 10.11.2022

Wir hatten schon Sorge, dass der Regen uns auch den heutigen Tag vermasselt. Doch die Wolken sind wie weggeblasen, der Himmel überwiegend blau und die Sonne scheint. Und so fahren wir heute 9 km gen Osten nach Rustrel, wo es südöstlich der Gemeinde das Felsenensemble Le Colorado Provençal bzw. Le Colorado de Rustrel zu bestaunen gibt (Quelle: openstreetmap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Ockerfelsen südöstlich der Gemeinde Rustrel (Quelle: openstreetmap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Die Ockerfelsen südöstlich der Gemeinde Rustrel. Die Erkundung startet am Parking des mille couleurs. (Quelle: openstreetmap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Unmittelbar südlich der D22 fährt man auf einen langgezogenen, geschotterten Parkplatz an dessen hinterem Ende ein Bereich als Wohnmobil-Parkplatz ausgehalten ist. Die Einfahrt ist erst ab 09:30 Uhr möglich, wir sind gut eine Stunde zu früh vor Ort. Für den Parkplatz zahlt man 10 € pro Wohnmobil. Für Bullis gibt es an der D22 ein paar Ausbuchtungen, die man nutzen kann, aber man weiß halt nie, wie sicher das ist. Weiter westlich gibt es auch noch einen Campingplatz "Camping Le Colorado". Wer gut zu Fuß ist, sollte es von dort bis zu den Ockerfelsen schaffen und kann sich dann ebenfalls die 10 € sparen, denn eine Einlasskontrolle haben wir nirgendwo sehen können.

Auf dem Parkplatz stehen die Mobile etwas schräg, immerhin gibt es Schatten, was besonders im Sommer wichtig ist. Groß ist der Platz nicht, aber es sind eh nur 3 Wohnmobile vor Ort, da gibt es kein Gedränge. Die Franzosen nehmen sich deshalb, trotz Campingverbot auch alle Freiheiten, breiten sich aus und frühstücken erst einmal in aller Ruhe. 

 

Um dem Massenbetrieb aus dem Weg zu gehen, sind wir pünktlich um 09:30 Uhr vor Ort. Wie wir später bemerken, hätten wir uns das sparen können. Im Winter ist hier wenig los, von Busladungen voller Touristen zum Glück keine Spur. Nur mit dem Gegenlicht haben wir um die Mittagszeit ziemlich zu kämpfen.

 

Wie schon in Roussillon gibt es auch hier zwei unterschiedlich lange Wanderwege. Der Circuit du Sahara ist 2,1 km lang und soll in 40 Minuten zu bewältigen sein. Der Circuit du Bélvèder, der den ersten Weg mit einschließt,  ist 3,9 km lang und soll in 1 h 45 zu bewältigen sein. Der kürzere Weg weist wenig Niveauunterschiede auf und ist damit auch für Leute geeignet, die nicht gut zu Fuß sind. Zugleich führt er durch den schönsten Teil der Ockerbrüche. Man verpasst, abgesehen von einigen wirklich schönen Aussichtspunkten also nicht allzuviel. Wer Michael kennt, der weiß, dass der natürlich wieder einmal den längeren Weg nehmen muss. Wenn man schon mal hier ist.....

 

Diesmal halten wir uns übrigens auch an die vorgeschlagene Route, um unterwegs besser abschätzen zu können, wo wir uns in etwa befinden. Für die längere Strecke benötigen wir mit Päuschen und reichlich fotografieren am Ende ca. 3 Stunden.

Auf einem breiten Schotterweg geht es erst einmal leicht bergab. Von Ockerfelsen ist hier weit und breit noch nichts zu sehen.

Im Tal angekommen geht es dem Bachbett (führt vermutlich nur Wasser wegen des gestrigen Starkregens) entlang an einem kleinen Brückchen mit Einbahnstraßenbeschilderung vorbei. Der Weg ist nun potteben, ein richtig schöner Wanderweg, sehr bequem zu laufen.

Hinweisschilder sorgen immer wieder für Orientierung.

Etwa 600 m unterhalb des Parkplatzes erreicht man diese Lokalität. In der Saison werden es sich viele hier gut gehen lassen, im November müssen wir darauf verzichten. 

Überall sieht man noch die Spuren der gestrigen Starkniederschläge. Für mehr als etwas größere Pfützen reicht es in den meisten Bachbetten trotzdem nicht.

Es zieht sich sich und nach gut 30 Minuten gemütlichen Gehens wünscht man sich, die Felsen mögen sich doch nun endlich mal zeigen.

Nach 800 m Wegstrecke kreuzt ein schönes kleines Aquädukt unseren Weg.

Nun folgt ein Hohlweg, das Gelände steigt etwas an und die Gerölle behindern ein wenig den geraden Gang.

Und dann ist es endlich so weit, die ersten Ockerfelsen tauchen auf. Wie man sieht, hat es sich gelohnt einen Tag zu warten bis der Himmel blau ist. Denn beim fotografieren muss man sich heute kaum Mühe geben, die Fotos machen sich von selbst. 

Die Holzpfosten, die hier im Bild ganz gut zu erkennen sind, dürfen nicht überschritten werden. Der Zugang zu so mancher Felswand und zu so manchem schönen Motiv ist damit deutlich eingeschränkt. Michael ficht das in der Regel nicht an, doch hier beäugt das Personal argwöhnisch jeden Schritt und weist jeden, der der Grenze zu nahe kommt zurecht. Wie man in alten Aufnahmen erkennen kann, gab es früher deutlich weniger Einschränkungen. Schade, dass die Zuwegung nun so streng reglementiert ist.  

Der lichte Bewuchs in herbstlicher Aufmachung gibt den satten Farben des Ockerfelses eine ganz besondere Note.

Red Canyon. Leider darf man nicht so richtig hinein gehen. Blöde!

Auch hier sieht man an den Stöcken wieder den teils doch recht schmalen Pfad, der begangen werden darf.

Und auch hier wieder Zugangsbeschränkungen. Immerhin sorgen wechselnde Naturfarben nun für zunehmend prächtigere Felsformationen. Mit der stetig ansteigenden Sonne bekommen wir an einigen Stellen aber auch zunehmend Probleme mit dem Gegenlicht.

Gelbe, braune, rote, weiße Erdfarben, dazu die Grüntöne der Vegetation, herrlich das Zusammenspiel.

Hier überschreitet Michael ungestraft den Rubicon. Keine Aufsicht da! Da kann man schon einmal nach einer optimierten Aufnahmeposition jenseits der Begrenzungslinie Ausschau halten.

Erodierte Felswand im höheren Teil des Geländes.

Ein solches Ensemble haben wir nicht noch einmal finden können. Die Farbgestaltung von Mutter Natur ist überragend. Leider gibt es inzwischen schon ziemlich Probleme mit dem Gegenlicht. Die Aufnahmeposition ist durch die Begrenzung stark eingeschränkt, die Wände relativ schattig und man muss ärgerliche Kompromisse eingehen. Wie man sieht, lohnt sich der Besuch aber auch dann, wenn man bereits in Roussillon war. Wer genug Zeit hat, sollte sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen.    

Blick von Le Sahara in die Verwitterungszone des angrenzenden Geländeanstiegs.

Die bis hierhin abgelichteten Felsgruppen liegen überwiegend in dem als Le Sahara bezeichneten Bezirk.