Schwedenreise Übersicht 3

04. Juli bis 26. Juli 2023

Das Kärtchen zeigt ganz grob den ungefähren Verlauf auf dem letzten Teilstück unserer Reise. Über den Inlandsvägen, bzw. die E45 ging es nach Süden und schließlich nach Westen an die schwedische Nordseeküste. Zählt man nun alle drei Übersichtskarten zusammen, dann kommt man auf ca. 3.700 km Strecke. Tatsächlich sind wir alleine in Schweden jedoch gut 5.000 km gefahren. Zu den bei der Planung ermittelten Kilometern kann man also getrost noch einmal 25% draufschlagen, um am Ende die tatsächlichen Streckenkilometer zu erhalten.

Nachdem wir bei Strömsund den Vildmarksvägen verlassen haben, geht es in einem Rutsch bis nach Åsarna. Dort wenden wir uns am 05.07.2023 wieder nach Westen, um die höchste Paßstraße Schwedens, den Flatruetvägen zu erreichen. Nachdem wir wochenlang auf Rentiere gehofft, aber nicht ein einziges zu Gesicht bekommen haben, sehen wir zwischen Åsarna und Ljunggdalen endlich welche.

Erst sind es nur einige wenige, die aus dem dichten Unterholz auf die kaum befahrene Straße drängen. Ob es das Grün der Straßenränder, die bequeme Zuwegung oder die Wärme des Asphalts ist, die sie hier herauslocken? Wir wissen es nicht!

 

Nachdem wir auf eine erste Gruppe gestoßen sind, stehen nun alle paar Kilometer immer neue und größere Gruppen auf dem Asphalt. Wo es möglich ist, halten wir an, machen Fotos und sehen, dass unweit des dichten Unterholzes dutzende Tiere parallel zur Straße entlang laufen. Aber die halbwilden Rens sind erstaunlich scheu und weichen frühzeitig unserer Kamera aus, sobald wir uns dem Dickicht nähern. 

Schotterpiste auf dem Flatruetvägen, unweit des höchsten Punktes.

Gedenkstein am höchsten Punkt des Flatruetvägen. Mit 975 m ist der auch nur 100 m höher als das Stekenjokk. Bis zu 6 m Schnee sollen hier fallen.

Am 07.07. und 08.07.2023 sind wir bereits im Nationalpark Hamra. Was uns hier besonders angenehm auffällt, ist, dass der Weg mal nicht bergauf und bergab geht, sondern fast eben verläuft, sodass man richtig bequem wandern kann.

Auf der Fahrt von Mora zum Ransäter Rastplats, sehen wir am 09.07.2023, kurz vor dem Lisskogsåsens Rastplats, dieses schöne Ensemble am Rande der Europastraße 45. Bei Värnäs fahren wir auf die Straße 62 ab.

Am Montag, dem 10.07.2023 erreichen wir Karlstad. Dort stehen wir auf einem freien Parkplatz am Ende der Seminariegattan und unweit des Mariebergskogens. Das ist ein wirklich schön gestalteter Freizeitpark, der vom westlichen Bogen des Klarälvenflusses eingerahmt wird. Ein Traum für Familien mit Kindern. Im Park gibt es ein Straßenbähnchen, eine Minigolfanlage, einen 3 km langen Naturlehrpfad, einen kleinen Strand, Grillplätze, ein Café, einen Haustierzoo, diverse Spielplätze, ein Naturkundemuseum, historische Gebäude, die man hier wieder errichtet hat und ein Amphitheater für Events. Da wird also für jeden etwas geboten und die allermeisten Attraktionen sind kostenlos. Da kann das Wochenende kommen. 

Schautafel Mariebergskogens. Von Karlstad geht es über die E 45 zur Straße 164 und auf der Richtung Billingsfors und Dals Långed. Dort übernachten wir und fahren am nächsten Morgen weiter nach Tanumshede.

Am 12.07.2023 sind wir in Tanum. Die Felsritzungen von Tanum liegen auf dem Gebiet der schwedischen Gemeinde Tanum in der historischen Provinz Bohuslän. Sie sind etwa 3000 Jahre alt und gehören zur Bronzezeit. Durch den großen Reichtum unterschiedlicher Motive – bisher wurden über 10.000 Gravuren entdeckt – geben die Felsenritzungen Aufschluss über das religiöse und soziale Leben dieser Zeit.

 

Aus einer Vielzahl von Fundstellen wurden 1994 insgesamt sechs ausgewählte Plätze in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Jede der sechs Stätten (Vitlycke, Aspeberget/Tegneby, Fossum, Litsleby, Gerum und Kalleby) besteht aus einer großen Felsplatte und besitzt aufgrund ihrer Gestaltung einen unverwechselbaren Charakter.

 

Als die Felsritzungen geschaffen wurden (1800–500 v. Chr.), haben diese Plätze möglicherweise direkt am Meeresufer gelegen. Heute befinden sie sich aufgrund der skandinavischen Landhebung 25–30 m über dem Meer.

Am 13.07.2023 erreichen wir Fjällbacka. Der Ort ist bei Touristen ausgesprochen beliebt und er wird sowohl von der Land- als auch von der Seeseite aus angefahren. Insbesondere Norweger lieben es mit ihren teueren Jachten durch die Schärengärten nach Fjällbacka aufzubrechen und es sich dort in lauen Sommernächten gut gehen zu lassen. Manche Norweger scheinen im Geld zu ersaufen und bringen die in Schweden ohnehin schon hohen Preise hier noch einmal auf ein höheres Niveau. Wohl dem, der seine Speisekammer mitbringt.

Ein Besuchermagnet ist die Kungsklyftan, eine etwa 200 m lange und 40 m tiefe Schlucht, die durch die Astrid-Lindgren-Verfilmung Ronja Räubertochter einem breiteren Publikum bekannt wurde. Wer die mal kurz für sich haben möchte, muss früh aufstehen, denn hier ist ganztägig bis in die Abendstunden ordentlich Betrieb. Am Ende der Kungsklyftan gelangt man über eine Holztreppe und diverse Stege auf den Vetteberget, von dem aus man eine tolle Aussicht über Fjällbacka und die Schären hat.

Blick vom Vetteberget in Richtung Schären. Man könnte natürlich auch etwas weiter oben auf dem nackten Fels oder auf einer Bank sitzen. Aber so eine Felskante, die hat doch einen ganz anderen Reiz.

Sundown in Fjällbacka, herrlich. Blick vom Vetteberget, oberhalb der Kungsklyftan auf die vorgelagerten Schären Westschwedens.

Auf dem Weg von Fjällbacka nach Smögen erreichen wir am 16.07.2023 Bovallstrand. Bei 13 Grad Wassertemperatur ab in die Fluten. Die Jugendlichen frieren natürlich überhaupt nicht und sind b.. b.. b.. begeistert. Nichts für uns. 

Smögen besuchen wir vom 17. bis 19.07.2023. Nach Auswertung der in P4N eingetragenen freien Parkplätze sind wir skeptisch, ob wir dort überhaupt einen kostenlosen Parkplatz finden werden. Die erste Nacht verbringen wir dem entsprechend in Kungshamn, aber auch das ist nur eine Notlösung. Dann erfahren wir, dass wir jenseits der Smögenbrücke am Informationszentrum kostenlos übernachten können. Tagsüber kostet der Parkplatz allerdings 38 Kronen pro Stunde. Hier ist also ein gutes Zeitmanagement gefragt. Wer es bequemer haben möchte, geht auf den benachbarten Stellplatz.

Wir empfehlen, keine 38 Kronen pro Stunde zu berappen und stattdessen den größten Teil des Tages im Naturreservat nördlich Smögens zu verbringen. Dort gibt es westlich des Sotekanals im Raum Soteleden/Kuststigen bzw. Ramsvikslandet herrliche Wanderpfade durch die urwüchsige Natur Südwest-Schwedens. Der perfekte Ausgangsort ist Haby Parkering. Das sind so etwa 10 km von Smögen bis dorthin.

Fährt man in Richtung Smögenbrücke den Berg hoch, sollte man den Fuß vom Gas nehmen. Direkt vor der Brücke befindet sich rechts der Straße ein Park- und links der Straße ein Stellplatz.

Der Parkplatz oben rechts auf diesem Bild befindet sich auf der Ostseite der Smögenbrücke am Kungshamnberget. Hier darf man 2 Stunden frei stehen. Die Aussicht ist grandios, vor allem wenn man das Auto verlässt und auf den Kungshamnberg hochläuft oder sich auf die Brücke begibt. Der Parkplatz ist sehr beliebt. Tagsüber ist es nicht ganz einfach das Womo hier unterzubringen. 

Fischerhütten vor nacktem Fels. Die prominenteste Häuserzeile am westlichen Ende der etwa 1 km langen Smögenbryggan, gewissermaßen dem "Strip" von Smögen, ganz im Süden der Stadt.

Auf der Smögenbryggan tanzt tagsüber der Bär. Auf der einen Seite der Bryggan Restaurants, Boutiquen, Souvenirläden, auf der anderen Jacht an Jacht. Auch hier haben die Norweger alles fest im Griff. Es fließt der Champagner, man zeigt, was man hat und das ist nicht wenig. Aber schon gegen 20:00 Uhr zieht sich alles zurück ins Private, die meisten Restaurants schließen und der Tourispuk endet bis zum nächsten Tag.

Blick vom Kungshamnberget auf Kungshamn. Das ist die südöstlich von Smögen liegende Nachbarstadt. Aufnahmepunkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite vom Parkplatz Ostseite Smögenbrücke. Dort befindet sich ein kleiner Stellplatz. Der dürfte allerdings nicht gerade ruhig sein bei dem Verkehr über die Brücke.

In Südwestschweden befindet sich auf der Inser Tjörn, rund 70 Kilometer nördlich von Göteborg, bei dem kleinen Örtchen Skogsborg der Pilane Skulpturenpark.

 

Weithin sichtbar thront die gigantische Skulptur Anna von Jaume Plensa auf dem vom Eis glatt geschliffenen Fels. Zu diesem dauerhaften Wahrzeichen der Küste Bohusläns gesellen sich jeden Sommer abwechselnde Ausstellungen renommierter Künstler, deren Skulpturen sich über die 8 Hektar große Kulturlandschaft erstrecken.

Aktuell befinden sich auch Wurzelskulpturen von Ai Weiwei vor Ort.

In Kungälv finden wir 15 km nördlich von Göteborg einen mögliche Bleibe für die Nacht. Denn in Göteborg wollen wir nicht übernachten. Zu viel schlechte Presse bezüglich Womoaufbrüchen und Überfällen. Unser Stellplatz liegt unweit der Festung Bohus. Am Abend machen wir noch einen Ausflug durch die mit Holzhäusern flankierten Gassen der Altstadt, die Neustadt ist wie so oft etwas fade. Stilvoll bauen können sich heute nur noch wenige leisten.

Um 02:30 Uhr klingelt in Kungälv der Wecker. Scheiß Nachtfähre. Nun heißt es möglichst leise das Fahrzeug startklar zu machen, um die anderen Camper nicht zu wecken. Dann geht es über die Autobahn ins nächtliche Göteborg. Nachdem wir zwei Abfahrten verpassen, dürfen wir 15 Minuten lang Ehrenrunden drehen, dann haben wir es ins Terminal geschafft. Nachts ist weniger Betrieb und so geht es beim Einchecken, nicht zuletzt auch wegen der Hilfe des lokalen Personals doch recht schnell und schon sind wir auf der Fähre. Und recht bald schon geht es unter der Älvsborgbrücke hindurch.

Dann geht es vorbei an einem für uns Landratten doch recht mächtigen Kran. Nun wird der Fjord immer breiter und wir erreichen schließlich die Nordsee. In 3,25 Stunden erreichen wir Dänemark.

In dieser dreiteiligen Übersicht konnten wir nur die wichtigsten Ziele aufführen. Darüber hinaus konnten wir außerhalb von Nationalparks und Tourihotspots aber noch so viele schöne Flecken ausmachen, dass wir die vermutlich gar nicht alle in unserem Bericht unterbringen können. Für Naturliebhaber und für Leute, die gerne entspannt Auto fahren, ist das Land ein absoluter Traum. Wir wollen aber auch nicht verhehlen, dass uns die Moskitos an einigen Tagen ganz schön zugesetzt haben und wir gerade in den Nationalparks manchmal die Flucht antreten mussten, um den Drecksviechern zu entgehen. Ja, ich weiß, die sind megawichtig für das Ökosystem, die Scheißviecher. Frag mal Elche und Rentiere, was die von denen halten.