Nationalpark Jasmund

Sassnitz Hafen, Küstenschiffahrt

Sonntag, 26.09.2021

Route der Ausflugsboote östlich des Nationalparks Jasmund vom Stadthafen in Sassnitz bis zum Königsstuhl und zurück (Quelle: openstreetmap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

 

Für den heutigen Sonntag haben wir unseren Füßen Ruhe verordnet. Auf dem Parkplatz Hagen steht unser Gefährt ganz wunderbar und so entschließen wir uns heute einmal mit dem Bus zu fahren. Unser Ziel ist der Stadthafen von Sassnitz, wo die Ausflugsboote zur Kreideküste ablegen. Mit dem Handy checken wir, wo der günstigste Ausstiegspunkt ist und laufen dann in Richtung Hafen. Die ehemals vorhandene Kreidesteilstufe ist im Bereich der Stadt überbaut oder derart begrünt, dass man sie nur als Geländeanstieg wahrnimmt, vom Gestein selbst sieht man so gut wie nichts mehr. Weil die reguläre Fußgängerbrücke gesperrt ist, müssen wir einige Umwege laufen, bis uns ein Treppenabgang dann endlich unserem Ziel näherbringt.

Am Hafen angekommen werden wir gleich von „Schleppern“ angebaggert, ob wir nicht eine Rundfahrt machen möchten. Überlisten können sie uns heute nur bedingt, denn genau das hatten wir ja vor. Aber wir hätten vielleicht eines der kleineren Boote auswählen sollen, denn die dürfen aufgrund des geringeren Wellen- und Tiefgangs näher an die Küste heranfahren, als es die MS Alexander darf, die wir nun besteigen. Das erfahren wir aber erst während der Fahrt. Wie dem auch sei, wir sparen immerhin eine halbe Stunde Wartezeit, denn das Schiff sollte eigentlich schon ablegen, wird aber nun noch 5 Minuten warten, bis sie uns an Bord genommen haben.

Wie man sieht, gibt es unten am Stadthafen auch einen Womostellplatz. Wir hätten also auch mit dem Fahrzeug hier her kommen können. Aber man weiß nie, wie viel freie Plätze gerade zu Verfügung stehen und dann kann das insbesondere in der Saison schon mal schief gehen.

Obwohl wir als letzte an Bord gehen, ist auf dem offenen Oberdeck noch genügend Platz. Warm genug eingemummelt sind wir und so sehen wir nun erwartungsfroh unserem Ausflugsziel Kreideküste entgegen. Der durch einen etwa 1 Kilometer langen Wall aus Gesteinsblöcken und aufgesetzter Kaimauer geschützte Hafenbereich öffnet sich nach Süden. Deshalb bewegen wir uns nun erst einmal in die falsche Richtung, um raus auf die offene See zu gelangen. Im Süden sehen wir in der Ferne den Industriehafen von Sassnitz (Mukrane), in dem die Röhren für die umstrittene Ostseepipeline Northstream 2 lagern und die Fähren nach Schweden und Dänemark ablegen. Endlich ist das Ende der Barriere erreicht und wir können nach Nordwesten abdrehen.

Trotz des deutlichen Abstands zur Steilküste bekommen wir die Klippen formatfüllend ins Bild, was allerdings nur dem mitgeführten Teleobjektiv zu verdanken ist.

Der Kapitän erläutert während der Fahrt, worauf man achten sollte und welche markanten Punkte jeweils zu sehen sind. Natürlich haben wir auch gehofft, den einen oder anderen Meeressäuger vor die Linse zu bekommen, aber da haben wir heute kein Glück.

In gut 45 Minuten fahren wir etwa 10 km die Küste hinauf, bis wir auf Höhe des Königstuhls abdrehen. Den Königstuhl bekommen wir dabei von der Seeseite deutlich besser zu sehen, als das von einem der landseitigen Aussichtspunkte aus möglich gewesen wäre.

Die Sonne lässt sich während der Hinfahrt kaum blicken, auf der Rückfahrt ist es dann etwas besser, aber so richtig zufrieden sind wir nicht. 

Kurz vor der Wende sehen wir die Vitoria-Sicht. Dort oben standen wir gestern noch und genossen die Aussicht.

Links die Victoria-Sicht, rechts der Königsstuhl. Die Besucherplattform ist 2021 in der aktuellen Bauart letztmalig zu begehen, sie soll umgestaltet werden.

Die feinen Linien im Kreidefels überwiegend von links unten nach rechts oben verlaufend, sind Feuersteineinlagerungen.

Die scheinbar endlose Kreideküste.

Nach gut 90 Minuten endet die Rundfahrt. Unsere Füße haben sich während des Ausflugs ganz gut erholt und so entschließen wir uns von Sassnitz aus nach Norden am Fuß der Klippen in Richtung Piratenbucht und Erns-Moritz-Arndt Blick zu laufen.

Auf einer ausgemusterten kleinen Seebrücke haben Kormorane und Möwen Platz genommen und starten von hier aus ihre Beutezüge in Richtung Ostsee.

Die wissen ganz genau, wo sie in Ruhe rasten können. Und das Geländer eignet sich hervorragend als Startplatz für Beutezüge, schließlich sind die Kormorane alles andere als begnadete Flieger.

Der Himmel ist heute wieder mal unberechenbar. Sonnige Abschnitte wechseln mit dichten Wolken und leichtem Nieselregen ab.

Immer wieder trifft man auf malträtiertes Treibholz.



Abgebrochene Gehölze klammern sich an den letzten Rest Mutterboden und treiben neu aus, bis die nächsten Sturmfluten ihnen endgültig den Garaus machen. Rechts im Bild senkrecht verlaufende Feuersteinlagen.

Aufgang von der Piratenbucht zum Hochuferweg.

So monoton wie die Kreideküste aus der Ferne erscheint, ist sie bei weitem nicht. Bei etwas mehr Sonnenschein hätte man die Küste noch deutlich besser in Szene setzen können.

An schmale Strandabschnitten wird man sehr nah an die Steilwand gezwungen. So ein richtig gutes Gefühl hat man nicht dabei.

Hier hat man zwar mehr Abstand, aber das andauernde Laufen über diese Gerölle ist recht unangenehm für das Geläuf.

Abgestorbene Algenteppiche ebnen uns den Weg.

Findling ohne Namen, ist wohl etwas zu klein, als dass sich jemand erbarmt hätte.

Felsabbruch unweit der Piratenbucht.

Eine Gruppe Schwäne betreibt intensive Körperpflege am Strand. Schön, dass sie uns erlauben, aus der Nähe zuzusehen.

Hier haben die Gletscher ganze Arbeit geleistet.

Und nochmal Treibholz.

Ein letzter Blick auf die Kreideküste, dann geht es zurück in den Hafen von Sassnitz.

Immer schön, wenn man in den Häfen noch einen kleinen Snack bekommt. Wir sind ja nun doch wieder ein ganzes Stück gelaufen.

Jetzt geht es ab zum Bus und anschließend zurück zum Parkplatz Hagen, wo unser rollendes Heim schon sehnsüchtig auf uns wartet.