Hooksiel

Anfahrt ostfriesland

Sonntag, 02.04.2023

Endlich geht es wieder los, endlich wieder eine Ausfahrt. Michael ist schon ganz kribbelig. Ein bisschen mulmig ist uns diesmal aber auch, denn wir haben ja eine kleine Gästin an Bord und wir wissen nicht wie sie drauf ist. Sie mag nämlich keine Autobahnen und wir haben heute mehr als 500 km Autobahn vor der Brust. Ob sie diese weite Strecke ohne Murren akzeptieren wird oder ob wir unterwegs zwingend pausieren müssen, wird sich noch zeigen. Wir sind jedenfalls auf alles eingestellt.

Damit es unserer Gästin auf der langen Reise nicht zu langweilig wird, verspricht Angelika sich nach hinten zu ihr zu setzen, um sie mit allerlei Spielen, Reimen und Rätselheften bei Laune zu halten. Das ist allerdings etwas voreilig, weil Erwachsene auf der Dinettebank deutlich unbequemer sitzen als Kinder.

 

Das Auto haben wir gestern schon geladen. Nun muss nur noch das Kind fertig frühstücken, bevor es dann gegen 07:30 Uhr tatsächlich losgehen kann. Um Staus möglichst komplett aus dem Wege zu gehen, haben wir ganz bewusst das Wochenende für die Anfahrt ausgewählt. Da es heute fast den ganzen Tag regnen, morgen aber die Sonne über Hooksiel stehen soll, wäre es schon schön, wenn wir die gesamte Strecke heute bewältigen würden.

 

Gegen 09:30 Uhr machen wir im Raum Köln/Bonn ein ausgedehntes Frühstück. Unsere Kleine darf während der Vorbereitung mit Michael draußen herumspringen und sich die Beine vertreten. Lang dauert der Ausflug nicht, denn das Wetter ist wenig einladend. Eigentlich ist das jetzt das Erwachsenenfrühstück, aber das Kind frühstückt selbstverständlich mit. Unglaublich, was die Kleine verputzen kann. Eigentlich hat sie ganztägig Hunger.

 

So gestärkt geht es weiter bis 200 km vor dem Ziel. Wir kommen ohne Stau bis dahin durch, allerdings gibt es gelegentlich zähfließenden Verkehr. Leichte Unmutsäußerungen kann Angelika mit etwas Mühe kanalisieren. Die nach 13:00 Uhr anstehende Mittagspause wird von "unserem" Kind wohlwollend zur Kenntnis genommen.

 

Gegen 14:00 Uhr geht es weiter. Die letzten 200 km kommen wir prima durch, die Autobahn ist jetzt ziemlich leer und bringt uns bis Wilhelmshaven. Nur die letzten 10 km müssen wir noch über Landstraßen fahren.

 

Der Regen bleibt uns tatsächlich den ganzen Tag treu. An der Küste kommt hinzu, dass Windstärken von 6 bis 7 erreicht werden und die Temperatur sich dem Gefrierpunkt nähert. Alles in allem ein richtig garstiges Wetter, bei dem man keinen Hund vor die Tür jagen möchte.

In Hooksiel checken wir auf dem Wohnmobilhafen an der Ostdüne ein, der zu einem größeren Campingplatz gehört. Im Luftbild konnten wir erkennen, dass der Stellplatz von Grünflächen und dem Deich umgeben ist. Also genau das, was wir für unseren Springinsfeld suchen. Das Wetter und die niedrigen Temperaturen konnten wir natürlich nur bedingt voraussehen. Und so stehen wir nun vor dem Deich unweit der Nordsee auf patschnassem Gelände und der starke Wind schüttelt unser Wohnmobil ordentlich durch. Immerhin können wir uns so aufstellen, dass uns der Wind überwiegend von der schmalen Seite entgegenkommt, das macht es etwas erträglicher.

Schon bei der Anfahrt sehen wir Schafe auf dem Deich grasen, deshalb will unsere Kleine unbedingt noch einmal auf die Weide. Was da wettermäßig auf uns zukommen würde, hat sie allerdings nicht bedacht. Also mummeln wir uns ein, so gut es eben geht und sind nach der langen Fahrt erst einmal ganz froh ein paar Meter laufen zu dürfen. Auf kürzestem Weg geht es auf die Deichkrone und dann immer dem Deich entlang in Richtung Schafherde. Die Schafe scheinen das Wetter auch nicht zu mögen, haben sich in die äußerste Ecke der Weide zurückgezogen, stehen wie in einer Wagenburg eng zusammen und warten auf Besserung.

Für uns heißt das zwischen reichlich frischem Schafmist Schlangenlinien laufen. Auf halber Strecke erbarmen sich die Schafe und kommen uns entgegen. Zunächst bleibt uns dieses Verhalten unverständlich, dann vermuten wir, dass sie am Abend irgendwelche Leckerlies bekommen und vermuten wir würden die nun bringen.

Also nehmen sie immer mehr Fahrt auf, denn wer zuerst am vermeintlichen Futtertrog ist, bekommt besonders viel ab. Als sie uns schon fast erreicht haben, wird es unserer Enkelin doch etwas mulmig und sie versteckt sich hinter uns. Erst als der Trupp neugierig vor uns stehen bleibt und uns von allen Seiten beschnuppert, siegt die Neugier und so werden die Tiere nun genauer unter die Lupe genommen.

 

Bei näherem Hinsehen meint sie, die könnten auch wieder einmal eine Dusche vertragen, denn so richtig sauber sind die nicht und Schmutz an den Fingern mag unsere Kleine gar nicht. Nachdem die Neugier jetzt gestillt ist, bemerkt sie auch schlagartig, dass der Wind richtig garstig bläst, die Finger trotz Handschuhen frieren und will jetzt ganz schnell ins warme Auto. Als wir das endlich erreicht haben, schlottern alle.

 

Nach dem Aufwärmen wird unsere Kleine bettfertig gemacht und soll jetzt schnellstmöglich schlafen. Aber das Auto wackelt so stark, dass sie bei diesem Gewackel "auf gar keinen Fall" einschlafen kann. Ist ja auch kein Wunder, wenn Frau zum ersten Mal so durchgeschüttelt wird im Wohnmobil. Wir kennen das ja schon.

 

Eine Dreiviertelstunde benötigt unsere Bedenkenträgerin, dann gleitet sie trotz allen Windes ins Reich der Träume und ein anstrengender Fahrtag endet.

 

In der Nacht gibt es dann sogar echten Frost, das hatten wir uns doch etwas anders vorgestellt. Aber wir haben ja eine Heizung an Bord, da lässt es sich auch im Wohnmobil ganz gut aushalten. Als dann gegen Mitternacht auch der Wind langsam abflaut, wird es fast schon gemütlich.