Brescello

Don Camillo und Peppone

Samstag, 07.05.2022, Fahrt von Cremona über Brescello nach Mantua

Heute ist Fahrtag. Den frühen Morgen verbringen wir aber noch in Cremona. Cremona haben wir nur noch einmal angesteuert, um auf dem Markt ordentlich einzukaufen. So wollen wir unseren Italienurlaub kulinarisch noch etwas verlängern, wenn wir wieder zu Hause sind.

 

Zurück am CP spülen wir, machen das Auto startklar, bezahlen am Automaten und würden gegen 10:30 Uhr gerne aufbrechen. Doch leider lässt sich das Tor nicht öffnen. Das ausgerechnet am Samstag, wo das Büro nicht besetzt ist. Die Notrufnummer ist auch nicht zu erreichen, also sind wir erst einmal gefangen. Von draußen möchte ein Camper rein, aber das klappt auch nicht. Also rufen wir eine Stunde lang immer wieder beim Notruf an, bis endlich jemand abnimmt und den Platzwart verständigt. Gegen 13:00 Uhr werden wir endlich frei gelassen. Was genau die Ursache war, können wir nicht herausfinden. So befreit können wir uns nun aber endlich auf den Weg nach Brescello machen. 

 

Zum Thema Technik noch eine Anmerkung: Die Toiletten, die bei unserem ersten Campingplatz-Besuch in Cremona ohne oder mit defekter Klobrille ausgestattet waren, hat man inzwischen instand gesetzt. Es ist also nicht so, dass hier nichts repariert wird, es dauert einfach nur etwas länger, als wir das von zu Hause gewohnt sind. Korrekt müsste man sagen, gewohnt waren. Denn inzwischen ist ja von deutscher Zuverlässigkeit und Gründlichkeit auch nicht mehr viel übrig.

Brescello ist ein Dorf mit etwa 5.500 Einwohnern in der Provinz Reggio Emilia in der Region Emilia-Romagna. Es liegt am südlichen Ufer des Po, etwa in der Mitte des Dreiecks, das von den Städten Parma, Modena und Mantua begrenzt wird. Weltweite Bekanntheit erreichte der Ort als Schauplatz der fünf zwischen 1951 und 1965 verfilmten Geschichten um Don Camillo und Peppone auf der Grundlage der Romane von Giovannino Guareschi. Der Ort wurde vom Regisseur gegen die Wünsche Guareschis ausgewählt, der seinen Geburtsort Fontanelle di Roccabianca vorgezogen hätte.

Zu dem Parkplatz in Brescello haben wir nach den Erfahrungen in Baratti kein Vertrauen. Hier wurde auch schon mal ein Auto aufgebrochen, der Platz ist relativ leer und man kann sich leicht in die Botanik verkrümeln. Also gehen wir nicht zusammen, sondern nacheinander in den Ort, was angesichts der geringen Größe für uns etwas unbequem ist, aber auch kein wirkliches Problem darstellt. Schädlicher ist es schon für die lokale Wirtschaft, denn ohne Wohlfühlcharakter möchte man hier nicht lange verweilen, macht lediglich einige Fotos, sieht sich vielleicht einmal die Kirche und das Museum an und verschwindet wieder. Und genau so machen wir es dann auch.

Brescello und Boretto, nördlich von Parma und südlich des Po gelegen, spielen in den Filmen beide eine Rolle (Quelle: openstreetmap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Die wichtigsten Lokalitäten in Brescello, ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Quelle: openstreetmap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Wie man den Kärtchen entnehmen kann, befindet sich der Parkplatz an der nördlichen Bebauungsgrenze des Ortes unmittelbar vor dem Damm, der in früheren Jahren den Ort vor den Fluten des Po schützte. Auf dem Weg in den Ortskern begrüßt ein großformatiges Bild mit den Konterfeis von Protagonist und Antagonist die Besucher.

Die zumindest dem vor 1970 geborenen Publikum vertraute Kirche des Ortes, die Chiesa di Santa Maria Nascente.

Es gibt Filme, die man einmal sieht, und das reicht dann auch. Don Camillo und Peppone haben wir über die Jahrzehnte bestimmt 20 Mal gesehen und haben uns immer wieder von neuem kaputt gelacht, trotz der durchaus ernsten Hintergründe. Inzwischen ist auch bei uns ein wenig die Luft raus, aber wir hatten so viele lustige Nachmittage und Abende, dass wir diese "Komödie" wahrscheinlich nie vergessen können.   


Kennern braucht man sie nicht vorzustellen. Für alle anderen: Links bzw. oben Monsignore Don Camillo, rechts bzw. unten der Bürgermeister Peppone, beide nicht schlecht getroffen. Monsignore ist die Anrede für einen Priester der römisch-katholischen Kirche, dem ein päpstlicher Ehrentitel verliehen wurde. Monsignore ist italienisch für „mein Herr".

Das alte Rathaus Peppones.

Beschauliche Betriebsamkeit im Café Don Camillo.


Das Kirchenschiff, mit dem "sprechenden Jesus", der befindet sich heute allerdings in einer kleinen Seitenkapelle, nicht mehr am Hauptaltar.

Gebäude mit der Patina der 50er Jahre.

Vor dem Don Camillo und Peppone Museum steht auch der amerikanische Panzer, den Peppone sich seinerzeit für den Fall der kommenden proletarischen Revolution gesichert hatte und in einer Nacht- und Nebelaktion zusammen mit seinem Erzfeind Don Camillo im Sumpf versenken musste.

Ausgang des Don Camillo und Peppone Museums. Hinter dieser Tür steht das rote Motorrad Peppones. Da die Filme alle noch in Schwarz-weiß gedreht wurden, war das damals kaum präsent.

Das berühmte rote Motorrad mit Seitenwagen.

Die Nacht wollen wir nicht in Brescello verbringen. Also schauen wir in P4N nach, wo denn im näheren Umfeld noch ein geeigneter Platz zu finden sein könnte und kommen so auf den Stellplatz in Mantua.

Wie man sieht auch der Platz eine etwas trostlose Veranstaltung im Niemandsland. Dennoch ist die Straße nicht weit, also auch nichts mit völliger Ruhe. Aber man sollte auch die Vorteile zu schätzen wissen. Wir haben hier Platz ohne Ende und genügend Womo-Nachbarn um uns hier sicher zu fühlen und wir haben für morgen schon einen Teil der Fahrtroute zurückgelegt. Bis zum Gardasee ist es von hier aus dann nicht mehr weit.  

Wenn kein Hahn danach kräht, kommen die Stühle raus. Und so können wir es uns mit einem Glas Wein und etwas zu knabbern in diesem öden Umfeld doch noch ganz gut gehen lassen.

Für ziemlich wenig Leistung bezahlen wir 10 Euro, nicht schön, aber man gönnt sich ja sonst nichts.

Da wir Brescello rein zufällig entdeckt haben, waren wir natürlich komplett unvorbereitet, sind dann mehr oder weniger dort reingestolpert und haben dabei auch einiges übersehen. Auch wenn alles sehr klein ist: Der vielen schönen Erinnerungen wegen können wir uns durchaus vorstellen, den Ort noch einmal in aller Ruhe anzusehen. Noch besser wäre im Open Air Kino vor Ort in einer lauen Sommernacht einen der Filme anzuschauen. Selbst wenn der in italienisch wäre, Gestik, Mimik und unsere Vorkenntnisse würden vollkommen reichen, um die wirklich wichtigen Zusammenhänge zu verstehen.