Zaragoza

Samstag, 23.03.2024

Gegen 09:00 Uhr geht es in die Stadt. Eigentlich wollten wir heute recht früh auf den Straßenmarkt gehen, aber wir sind spät dran und wir haben vor allem gar keine Idee wo denn ein solcher sein könnte. Erneut geht es mit dem 41er-Bus zum Puerta del Carmen.

 

Der Bus ist heute viel leerer als gestern, vielleicht liegt es daran, dass wir heute für spanische Verhältnisse doch noch recht früh sind. Wir laufen von der Puerta del Carmen in Richtung Markthalle. Wenn es einen Straßenmarkt geben sollte, müsste der im Umfeld der Markthalle zu finden sein. Doch wir finden nichts und wir haben auch keine Lust lange zu suchen.

Bevor wir uns allerdings auf den Weg zum Aljafería, dem Stadtpalast machen, stärken wir uns noch in einem Café. Für vier Kaffee und zwei Stückchen bezahlen wir 11,63 €, da kann man nicht meckern. Dann brechen wir auf in Richtung des Palacio de la Aljafería.

Auf unserem Weg nach Westen wollen wir die Hauptstraßen wegen des Straßenlärms vermeiden, folgen deshalb der Calle de San Pablo und kommen dabei eher zufällig auch an der Iglesia de San Pablo vorbei. Wieder so ein schönes Bauwerk. Man kann hier in der Altstadt blind hinlaufen, wo man will, über kurz oder lang landet man immer einen Volltreffer. Deshalb kommt uns der Weg zum Stadtpalast auch gar nicht weit vor. Denn wir kommen durch so viele Altstadtgassen, wo es immer wieder allerlei zu sehen gibt, wir können die Fotos hier gar nicht alle zeigen, das gäbe einen eigenen Reisebericht nur zu Zaragoza.

Von der Calle de San Pablo hangeln wir uns schließlich zur palmengesäumten Calle del Conde de Aranda durch.

Kurz vor dem Stadtpalast treffen wir auf die Kirche Unserer Lieben Frau von Portillo. Von hier aus sind es nur noch gut 200 m und wir stehen vor dem Palast.

Der Palacio de Aljafería ist ein ehemals islamischer Palast im historischen Zentrum von Zaragoza. Er hat einen grob quadratischen Grundriss und ist von Wehrmauern und einem Graben umgeben. Er beherbergt heute ein Museum, einen in ehemaligen Kasernen untergebrachten Verwaltungstrakt sowie das aragonesische Regionalparlament.

Der älteste Teil der Aljafería stammt aus dem 9. Jahrhundert. Saragossa wurde von den Mauren regiert, die den Troubadour-Turm bauten, der bis heute steht, da er in den Rest der umgebenden Struktur integriert wurde. Zwischen 1065 und 1081 wurde der maurische Taifal-Palast an derselben Stelle errichtet, und durch diesen Bau verschmolzen der Palast und der Turm miteinander.

Während dieser Zeit war Saragossa die Hauptstadt eines muslimischen Staates, bekannt als Taifa von Saragossa, der auch Teile der heutigen Regionen Katalonien und Valencia umfasste. Die Taifa von Saragossa wurde von einer arabischen Dynastie namens Banu Hud regiert, und der Taifal-Palast der Aljafería war ihr Zuhause.

Wir umrunden die Anlage einmal komplett und sind beeindruckt von dem monumentalen Bauwerk.

Westlich des Stadtpalasts schließt eine palmengesäumte Grünanlage und nördlich davon der Parque de la Aljafería an. Wer genügend Zeit hat, sollte sich auch diese grünen Oasen ansehen, denen in Zukunft, im Zuge des Klimawandels eine immer größere Bedeutung zukommt.

Wir gehen Wege nur ungern zweimal, denn neue Wege bringen meist auch neue Ein- und Ansichten und so führt unser Rückweg in das historische Zentrum nun an der Plaza de Toros vorbei. Die Stierkampfarena aus dem 18. Jahrhundert weist eine eindrucksvolle Fassade aus mehreren Ebenen mit Säulengängen und Ziegelbögen auf.

Die Stierkampfarena hatten wir zwar auf unserer To-do-Liste, aber als wir dann ganz in der Nähe sind, hätten wir es beinahe noch vergeigt. Hier gibt es so viel zu sehen, da verliert man schnell den Überblick. Um Besuchszeiten kümmern wir uns schon gar nicht, wir schaffen es ja in den zwei Tagen nicht einmal alle interessanten Punkte der Stadt anzusehen. Auch von außen ist es ein wirklich schönes Gebäude, an dessen Anblick man sich erfreuen kann.

Hier sehen wir das Aragonische Institut für Zeitgenössische Kunst und Kultur Pablo Serrano in der Calle del Dr. Fleming

Das Pablo Serrano Museum zeigt zeitgenössische Kunst. Das Anliegen des Museums ist es, das zeitgenössische Kunstschaffen anhand der Bildhauerei bekannt zu machen. Es wird ein bedeutender Teil des Werks des Künstlers Pablo Serrano aus Aragón aus der Phase vom figurativen Stil bis zur Zeit direkt vor dem Expressionismus gezeigt. Es ist einfach unglaublich, was diese Stadt alles zu bieten hat. In 2.000 Jahren Geschichte sammelt sich halt so einiges an.

Vermutlich einfach nur ein Wohngebäude mit einer Ladengalerie im Erdgeschoss. Aber ein Haus mit Charakter.


Im Zentrum haben wir ja nun fast alles gesehen, deshalb marschieren wir noch einmal ganz in den Osten der Altstadt, um uns auch noch die Iglesia de Santa María Magdalena anzusehen.

Die Iglesia de Santa María Magdalena weist eine Besonderheit auf, der wir in Spanien sicherlich noch öfter begegnen werden. Das Bauwerk enthält Elemente des Mudéjarstils, den wir u. a. an dem mit glasierten keramischen grünen und weißen Fliesen verzierten Glockenturm gut erkennen können. Der Mudéjarstil, der durch das Zusammenleben von Juden, Mauren und Christen entstand, war auf der iberischen Halbinsel der prägende architektonische Stil des 12. Jh. Charakteristisch ist der Gebrauch von Ziegeln. Der Mudéjarstil bildete keine neuen Strukturen oder Formen heraus (wie etwa Gotik oder Romanik). Vielmehr handelte es sich um eine Neuauslegung der westlichen Baustile unter dem Einfluss moslemischer Architektur. Toledo gilt als Geburtsstätte des Mudéjarstils mit seiner spezifischen Bau- und Zierweise (vor allem Zierrat aus Gips und Ziegelstein).


Von der Iglesia de Santa María Magdalena geht es nun noch einmal nach Westen in Richtung zentrum. Dort steht unweit der Basilika Nuestra Senora del Pilar die Catedral del Salvador, ein weiteres herausragendes Bauwerk der Stadt. Uns ist schon ganz schwindlig bei der Fülle der Bauwerke, wir bekommen die kaum noch sortiert.

 

Die Geschichte der Catedral del Salvador reicht bis in die Römerzeit zurück, als sie ursprünglich ein Forum war und später während der maurischen Herrschaft in eine Moschee umgewandelt wurde. Nach der Reconquista (Rückeroberung) im Jahr 1118 durch Alfonso I. von Aragon wurde sie als Kathedrale von San Salvador geweiht und im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut, wobei verschiedene Baustile wie Romanik, Gotik, Mudéjar und Barock zum Tragen kamen.

Die Kathedrale zeichnet sich durch eine einzigartige Mischung aus verschiedenen Baustilen aus.

Der früheste Teil aus dem 12. Jahrhundert zeigt romanische Architektur, während die Apsis prächtige Mudéjar-Kunstwerke aufweist, die ihr 2001 den Status eines UNESCO-Weltkulturerbes einbrachten.

Die Pasaje del Comercio y la Industria, El Ciclón. Sie befindet sich gegenüber der Basilika Nuestra Senora del Pilar an der Plaza de Nuestra Señora del Pilar.

Das Café 1885 in der Calle de Alfonso I ist unsere letzte Station, bevor es in Richtung Bus und danach zurück zum Campingplatz geht.

 

Zaragoza hat uns tatsächlich auf dem falschen Fuß erwischt. Hier hätten wir gut und gerne 4 bis 5 Tage bleiben können, um uns der Stadt mit etwas mehr Ruhe zu widmen. Die Stadt hat allerdings einen Vorteil. Sie lässt sich auf dem Weg nach Andalusien gut in unsere Reiseroute einpassen und insofern sollten wir in der Lage sein, uns alles noch einmal etwas genauer anzusehen.