Bordeaux

Unser Campingplatz nördlich von Bordeaux und nicht weit von der Autobahn A 630 gelegen. Hier verbringen wir die nächsten zwei Nächte, auch um uns von den ersten beiden anstrengenden Etappen etwas zu erholen (Quelle: openstreetmap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Von der Bushaltestelle nördlich des Campingplatzes geht es mit der Buslinie 75 zwei Stationen bzw. etwa 1,8 km in Richtung Parc des Expositions (Messegelände). Leider gibt es keine direkte Verbindung. Am Messegelände müssen wir deshalb umsteigen in die Straßenbahn Linie C, die uns in etwa 30 Minuten in die Innenstadt bringt (Quelle: openstreetmap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Samstag, 16.03.2024

Nachdem wir uns gestern noch an der Rezeption des Campingplatzes Tickets für die öffentlichen Verkehrsmittel besorgt hatten, können wir heute unbeschwert in die Stadt fahren. Die Bushaltestelle befindet sich unmittelbar vor dem Platz, außerdem kann man hier auch Fahrräder mieten.  

Der Busfahrplan.

Das Foto zeigt die Straßenbahnhaltestelle am Messegelände. Die Linie C, mit Ziel Pyrénées fährt in Richtung Innenstadt.

Will man das Zentrum besuchen, steigt man am besten am Börsenplatz oder am Porte de Bourgogne im Stadtteil Saint-Michel aus. Das sind dann etwa 13 bis 14 Stationen.

Gegenüber der Straßenbahnhaltestelle befindet sich etwas versteckt hinter Bäumen eine größere Parkfläche. Die wird derzeit von einer größeren Wohnwagenkolonie eingenommen. Während wir auf die Tram warten, kommen etliche Passanten aus diesem Bereich zur Haltestelle gelaufen.  Dann endlich kommt die Tram und wir können einsteigen. Die Leute aus dem Wohnwagenlager verteilen sich in mehreren Grüppchen in der Straßenbahn und fangen alsbald an, laut zu diskutieren. Wir verstehen nicht, worum es geht, es sieht aber nach ganz normalem Smalltalk mit dem kleinen Fehler einer in keiner Weise angepassten Lautstärke aus. Die Beschallung hält die ganze Zeit an und immer wenn neue Leute einsteigen, setzen sie sich kurz hin und erschrecken angesichts der Dezibel, die da auf sie zukommen. Manche Jugendliche haben einen Kopfhörer auf den Schultern liegen, der ruckzuck an den Ohren Platz nimmt. Wer nicht derart präpariert ist, rollt die Augen und sucht rasch sein Heil im hinteren Teil der Tram.

 

Nach etwa der Hälfte der Strecke wird es auf einmal ganz ruhig und kurz darauf steigt die ganze Blase aus. Die drin bleiben, denken einfach nur: Gott sei Dank! Doch wir haben uns zu früh gefreut. Auf dem gegenüberliegenden Gleis steht eine größere Gruppe von Fahrscheinkontrolleuren, und die Leute aus dem Wohnwagenlager fürchten wohl zur Kasse gebeten zu werden.  Doch die Kontrolleure machen überhaupt keine Anstalten zu uns rüber zu kommen, sondern plaudern ganz entspannt miteinander und so kommt es wie es kommen muss. Kurz bevor die Türen schließen sind plötzlich wieder alle in der Bahn und weiter geht es.

 

So bleibt uns der Lärm bis in die Innenstadt erhalten, dann werden wir endlich erlöst von diesem unsäglichen Geschrei. Das war offenkundig eine Truppe von berufsmäßigen Schwarzfahrern, die bestens auf die örtlichen Gepflogenheiten eingestellt sind. 

Die Pont de Pierre im Stadtzentrum von Bordeaux.

La Porte de Bourgogne unweit der Pont de Pierre. Hier verlassen wir die Tram.

Unmittelbar südlich des Porte de Bourgogne schließt sich dieser Markt an. Feilgeboten werden überwiegend Kleidung, Stoffe und etwas Ramsch. Wir laufen einmal nach Süden und wieder zurück, finden aber wenig, was unser Interesse wecken könnte. 

Deshalb bewegen wir uns auch schon recht bald vom Fluss weg in Richtung Innenstadt, wo wir auf diesen kleinen Obst- und Gemüsemarkt treffen, wo wir uns mit Gemüse, Salat, Oliven, Knobi und Käse versorgen.

Und dann treffen wir endlich auf den von uns in jeder Stadt gesuchten Gourmettempel.

Vor dem Gebäude bietet eine Verkäuferin afrikanische Textilien an, die Michael meist recht gut gefallen, denn farbenfrohe Kleider liebt er. 

Danach nähren wir uns den leiblichen Genüssen. Beim Metzger halten wir uns noch zurück wegen der fehlenden Tasche, aber der Käse sieht einfach zu verlockend aus.

Dieser ausgesprochen sympathische Käseverkäufer mittleren Alters ist ein Dampfplauderer vor dem Herrn. Bis wir hier unseren Käse bekommen, das dauert endlos. Und dennoch ist es ausgesprochen kurzweilig. Obwohl wir wenig verstehen, entnehmen wir der Gestik und Mimik von Verkäufer und Kundschaft, dass hier ausgesprochen wichtige Dinge des täglichen Lebens vermischt mit Sprüchen zur Lebensweisheit zum Besten gegeben werden. Die ganze Warteschlange ist nur am Schmunzeln.

 

Noch doller wird es, als wir dann dran sind. Denn mein Hinweis, dass ich kein Französisch verstehe wird erstens ignoriert und zweites gekontert mit dem Hinweis, ich hätte doch soeben Französisch gesprochen, also könne ich doch Französisch. Zum Antworten komme ich dann ohnehin nicht mehr, denn mein Gegenüber preist wortgewaltig seine Käsequalitäten an. Mit einem sehr lustigen Unterton, meint er, mit 200 Gramm Käse brauche ich gar nicht erst anzufangen, hier gäbe es nur viertel, halbe und ganze Käse. Und er redet und redet und redet, während Michaels Ohren längst klingeln. Am Ende versetzt er uns in den Glauben, wir hätten ein Superschnäppchen gemacht, was mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der Fall ist, aber er muss ja auch von etwas leben.

 

Ein Spaßvogel und ein geborener Verkäufer. Im Grunde genommen macht er auch nichts anderes als die Marketingstrategen der großen Konzerne. Aber auf dieser persönlichen Ebene hat das doch eine ganz andere Qualität, da macht das Einkaufen noch richtig Spaß. Wir haben jetzt jedenfalls für mindestens eine Woche einen vorzüglichen Käsevorrat, auf die Verkostung freuen wir uns jetzt schon.


Oben und unten: Arche de la Grosse Cloche et église Saint-Eloi. Der Torbogen Große Glocke und die Kirche Saint-Eloi im Stadtzentrum von Bordeaux.

 

Wir sind dann in der Nähe des Marktes Les Halles ausgestiegen und durch die Straßen an diversen Marktständen vorbeigeschlendert. Anschließend ging es kreuz und quer durch die Stadt. Einen Plan hatten wir nicht, weil wir ja ursprünglich gar nicht in Bordeaux halten wollten. Trotzdem haben wir eine ganze Menge von der Innenstadt gesehen.

 

So gegen 13:30 Uhr bewegen wir uns in Richtung eines öffentlichen Parks nördlich der Altstadt, der sehr schön angelegt ist. Nach einer längeren Rast geht es in Richtung Norden zu einer weiteren Belebten Zone wo sehr viele Lädchen zum Flanieren einladen. Danach sind wir platt, laufen zurück zur Straßenbahn und fahren in Richtung Messegelände zurück. Der Bus zum Campingplatz fährt erst in 40 Minuten, deshalb beschließen wir zurückzulaufen, nicht schön der Weg, aber schneller als zu warten.

 


Die Galerie Bordelaise in der Altstadt von Bordeaux.