Gruissan

Stellplatz 4 Winde

Donnerstag, 17.11.2022

Bis etwa 06:00 Uhr haben wir auf dem Stellplatz in Béziers gut geschlafen, dann wurde der Verkehr auf der nahegelegenen Straße deutlich intensiver, insbesondere einige Motoradfahrer drehten richtig auf und dann war es mit dem Schlafen vorbei. Wir haben uns hier trotzdem wohlgefühlt. Wenn wir schon einmal wach sind, können wir uns auch bei Zeiten auf den Weg machen. 

Über die D609 tuckern wir ganz gemütlich die 40 km gen Süden. Kurz vor Gruissan machen wir noch eine längere Rast, dann geht es in den Ort. An der Avenue des Quatre Vents, der Zufahrt zum Stellplatz, brettern wir erst einmal vorbei und haben dann etwas Mühe den Stellplatz zu finden. Im dritten Anlauf schaffen wir es dann endlich. 

Frei übersetzt, die Allee der vier Winde. Michaels Französichkenntnisse sind leider äußerst begrenzt. Seit 40 Jahren arbeitet er daran, bedauerlicherweise ohne nennenswerten Erfolg.

Gruissan: Stellplatz, Saline, Altstadt und Strand in Gruissan Plage (Quelle: openstreetmap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Die Karte zeigt unseren Stellplatz an den Yachthäfen, die Burgruine, um die sich der historische Ortskern gruppiert, einen recht kleinen Stellplatz für Surfer am Meer, die es nicht so gerne sehen, wenn der wenige Raum von gewöhnlichen Wohnmobilisten belegt wird und die Saline "Le Salin de l'île Saint-Martin de Gruissan", auf dem gegenüberliegenden Ufer des Kanals "Étang de Gruissan". Étang bedeutet unseres Wissens nach Teich, wird aber vielfach auch für die deutlich ausgedehnteren Flachwasserbecken des Brackwasserbereichs, im Übergang zum Mittelmeer verwendet. Vom Stellplatz bis zur Burgruine sind es etwa 1,5 km, das ist fußläufig leicht zu schaffen, erst recht wenn im Sommer alle Läden geöffnet haben. Bei der Fülle an Campern und Schiffseignern tanzt hier im Sommer der Bär. Und weil die Straßen dann kaum noch den Verkehr aufnehmen können, lässt man das Womo zu der Zeit bestimmt gerne mal stehen.  

Einfahrtsbereich zum Stellplatz. In Gruissan waren wir noch nie. Wie immer hoffen wir einen schönen Stellplatz unweit der Stadt und dennoch in der Nähe des Wassers zu finden. Das ganze natürlich kostenlos, selbstverständlich ohne Mücken und mit traumhaften Sonnenuntergängen. Zuviel des Guten sollte man meinen, aber wir kommen der Sache diesesmal schon recht nahe. Wir denken, im November ist hier bestimmt nichts los, hoffentlich sind wir nicht alleine. Tatsächlich stehen hier an die 100 Fahrzeuge und wir haben Mühe überhaupt eine Lücke am Rand des Platzes zu finden. Wie wir später noch erfahren werden, stehen hier eine ganze Menge Spanienfahrer, die den Platz gut kennen und wissen, dass sie hier auch mit größeren Fahrzeugen und selbst mit Anhängern gut und sicher und um diese Jahreszeit auch noch kostenlos unterkommen. Bei Temperaturen um 20 Grad lässt es sich hier bestens aushalten und so erholen sie sich einige Tage, bevor es endgültig in den tiefen Süden oder vielleicht sogar nach Marokko geht.

Und so sieht es auf dem Platz aus. Die Randlagen und insbesondere die Wasserfront sind natürlich als erstes belegt. Ggf. muss man zunächst einen Platz in der Mitte ansteuern. Aber die Fluktuation ist hoch und so findet man in der Regel recht bald ein gemütlicheres Plätzchen.

Zwei VE-Stationen gibt es, die sind bei der hohen Fahrzeuganzahl auch notwendig. Grau- und Schwarzwasser entsorgen und Trinkwasser aufnehmen ist auch im Winter möglich und auch das ist derzeit kostenlos.

Hier hat jemand mitgedacht. Um zu verhindern, dass besonders intelligente Zeitgenossen ihre Toilettenbox am Trinkwasserhahn spülen, hat man den Anschluß mit einer Edelmetallblende versehen. Sehr lobenswert!

Wie hier zu lesen ist, zahlt man selbst in der Hochsaison nie mehr als 10,50 €. Für das Gesamtpaket ein dickes Dankeschön an die Gemeinde Gruissan. Wir quittieren so etwas, indem wir bevorzugt in solchen Gemeinden unsere Vorräte ergänzen und damit den lokalen Einzelhandel unterstützen.  Eine Hand wäscht die andere.

Die Duschen werden im Lauf der Saison sicherlich auch benutzbar sein, aktuell sind sie jedoch geschlossen.

Gegen 14:00 Uhr geht es in das Städtchen. Kaum hat man den Stellplatz verlassen, trifft man auf diesen palmengesäumten Yachthafen. Nicht nur bei schönem Wetter eine Augenweide.  

Vor einem Waschsalon in der Avenue des 4 Vents sehen wir diese belesene "Katze". Die letzte Lektüre scheint allerdings etwas schwer gewesen zu sein. Also muss sich Katze oder Kater erst einmal erholen. 

Hunderte von Segelbooten liegen hier vor Anker und das ist bei weitem nicht der einzige Yachthafen in der Gemeinde. 

Palmengesäumt auch das Nordufer.

Ferienwohnungen in der östlich des historischen Zentrums gelegenen Neustadt.

Originell, wenn es ein privates Domizil sein sollte.

Auch innerhalb der Neustadt gibt es noch reichlich Liegeplätze. Wer es sich leisten kann hat seine Yacht direkt vor seinem Appartement. An der Anzahl der vorhandenen, jetzt aber geschlossenen Geschäfte, Bistrots und Restaurants kann man sich ausrechnen, was hier im Sommer abgeht. Das eine oder ander Cafe ist aber auch jetzt geöffnet und eine Boulangerie können wir auch ausfindig machen, da werden wir uns morgen früh gerne bedienen.

Brücke über das Hafenbecken.

Blick auf die Altstadt mit dem Burgberg und dem Barbarossaturm.

Einige hundert Meter weiter beginnt die Altstadt.

Ein Bouleplatz am Rande der Altstadt. Hier sieht man schon, dass das Spiel viele Freunde hat und sich auch jüngere Semester in die Spielerschar einreihen. Nur die Frauen scheinen noch keinen rechten Gefallen an den Kugeln gefunden zu haben. Voller Stolz posieren einige Herren vor unserer Kamera.

 

Mit Boule (von französisch la boule „die Kugel“) oder dem Boule-Spiel werden verschiedene Kugelspielarten bezeichnet. Die heute populärste ist Pétanque, aber auch Boccia ist in Deutschland sehr bekannt. In Frankreich wird häufig Boule Lyonnaise oder das daraus abgeleitete Jeu Provençal gespielt (Wikipedia).

Kunstgalerie in der Altstadt.

Immer wieder erstaunlich, wie wenig es für eine attraktive Hausfront braucht.

Selbst die Details stimmen. 

Ein weiters Beispiel.

Etwas spartanisch, aber doch stimmungsvoll, so manche Altstadtgasse.

Auch die gegenüberliegende Häuserzeile kann sich sehen lassen

Aufgang zum Burgberg.

Am linken Bildrand die Kirche "Église Notre-Dame de l'Assomption de Gruissan", unterhalb des Château de Gruissan - oder besser, das was von dieser ehemaligen Burg noch übrig ist.

Angelika hat sich der inneren Werte dieses Hauses angenommen, wirklich schön, der unaufdringliche Glanz. 

Ganz erstaunlich auch, wie gut das Handy mit den doch etwas schwierigen Lichtverhältnissen klarkommt. Aber das liegt sicherlich an der Benutzerin.

Fischerboote am Étang de Gruissan.

Étang de Gruissan bzw. Canal du Grazel.

Wir waren am Ende ja 2 x 2 Tage vor Ort. Leider war die Fischhalle nur an einem Tag geöffnet. Das Angebot war jedoch so rar, das wir nichts kaufen konnten. Immerhin konnten wir unseren zweiten Aufenthalt so timen, dass wir am lokalen Markttag hier waren. Das war wirklich schön. 

Heute hatten wir wirklich einen sehr abwechslungsreichen Tag. Bis wir zurück am Womo sind, steht die Sonne schon wieder über dem Horizont