Roussillon

Von Avignon nach Roussillon

Montag, 07.11.2022

Von Süden kommend, steuern wir über die D900 und die D149 gegen 11:00 Uhr Roussillon an. Die Gemeinde Roussillon ist nicht mit der Region Roussillon, einer alten Kulturlandschaft und historischen Provinz im Pyrenäenvorland zu verwechseln. Diese Region umfasst in etwa das heutige Département Pyrénées-Orientales mit der Großstadt Perpignan als Hauptort.

Wo wir unser Fahrzeug abstellen können wissen wir nicht so recht, denn die Campingplätze sind alle geschlossen und einen Stellplatz in Ortsnähe können wir in park4night nicht ausfindig machen. Die Ortsdurchfahrt ist für Wohnmobile gesperrt und wir möchten auch ungern in einer zu engen Straße stecken bleiben. Und so fahren wir mit gemischten Gefühlen auf der D149 bis an den Ortsrand der Gemeinde. Dort sehen wir rechts der Straße den Parkplatz Saint Joseph, der von der D149 und der D104 eingerahmt wird.

Als wir auf den Parkplatz einfahren, entnehmen wir der Schautafel, dass wir hier sogar übernachten dürfen. Acht Stunden parken von 08:00 Uhr bis 16:00 Uhr kosten 3 €, übernachten von 16:00 Uhr bis 08:00 Uhr kostet 6 €, das sind doch faire Preise. Allerdings gibt es dafür keine VE und keinen Sanitärbereich, man muss also autark sein.

Im November ist natürlich auch kein Betrieb und so haben wir fast freie Platzwahl. Im Sommer ist es sicherlich keine gute Idee hier erst mittags einzutreffen.  

Wie man sieht ist der Platz recht schön gestaltet, auch an die sommerliche Hitze wurde gedacht.  

Und trotz der Koniferen haben wir sogar Fernsehempfang, was allerdings nicht an jedem Platz möglich sein wird. Durch die beiden Straßen hat man schon etwas mehr Lärm als üblich, aktuell finden wir es aber erträglich.

Roussillon liegt im Département Vaucluse in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Die Gemeinde hat lediglich 1300 Einwohner und ist Teil des Regionalen Naturparks Luberon. Sie ist als eines der Plus beaux villages de France (eines der schönsten Dörfer Frankreichs) klassifiziert.

 

Bekannt ist der Ort vor allem durch seine ockerhaltige rote Erde, die als Rohstoff zur Herstellung von Farben verwendet wird. Roussillon war bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts Zentrum des Ockerabbaus, der inzwischen jedoch zum Glück eingestellt worden ist. Denn sonst wären womöglich all die schönen Ockerwände und -klippen, die hier zu bestaunen sind längst verschwunden. Am Ortsrand befindet sich der Sentier des Ocres, der Ockerlehrpfad.

 

Darüber hinaus haben zahlreiche mehr oder weniger bekannte Maler schon um 1900 Gefallen an dem Ort, den Ockerfelsen und des durch Wein- und Lavendelanbau geprägten Umfeldes gefunden. Und weil die Maler gerade nichts besseres zu tun hatten, haben sie dieses alles auf Leinwand gebannt und der Region hierdurch zu erhöhter Aufmerksamkeit verholfen.

     

Obwohl Roussillon deshalb schon lange kein Geheimtipp mehr ist, war es für uns, angesichts einer sehr kurzen Vorbereitungsphase ein Zufallstreffer. Michael las etwas von einem Ockerpfad, sah ein paar bunte Bildchen und war begeistert vom Farbenspiel der Gesteine.

 

Mit dem wenigen, was uns bekannt ist, reisen wir also mit einer gewissen Erwartungshaltung an und sind begierig den Ort endlich zu sehen, zumal wir um diese Jahreszeit von einem solch strahlend blauen Himmel zuhause nur träumen könnten. Und 16 bis 18 Grad sind allemal angenehmer als 35 Grad im August oder Minusgraden zuhause.

 

Also verlieren wir gar nicht viel Zeit, sondern verrammeln unser Fahrzeug und laufen die ca. 1 km Strecke in Richtung Dorf. Die Straße steigt übrigens nur leicht an, die Strecke ist also gut zu bewältigen.

 

Als wir das Dorf erreichen sind wir fasziniert. So viele malerische Ecken auf so engem Raum, der historische Kern ist ja wirklich winzig, das ist schon erstaunlich. Man kann die Kamera fast hinhalten wo man will, überall finden sich Motive in Form enger Gässchen, Gebäudeensembles, Restaurants, Boutiquen, Lädchen, Kunstgalerien. Und wir sind fast alleine, können uns die Motive so richtig zurechtlegen, ohne dass Massen von Besuchern ständig durchs Bild laufen. Ein Träumchen! Bei den Aussichten möchte man Maler sein.    

 

Einen Preis bezahlen wir aber auch. Viele von den gerade aufgeführten Sehenswürdigkeiten sind geschlossen, auch Märkte und Ausstellungen öffnen, wenn überhaupt, nur kurzzeitig und mit eingeschränktem Warenangebot. Und die Lavendelblüte (Ende Juni bis Mitte Juli) und die Düfte des Sommers, die wir unbedingt wieder einmal erleben möchten, sind natürlich auch längst passé.

Stellplatz, historisches Zentrum, Ockerpfad und Ockermuseum (Quelle: openstreetmap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Einer unserer ersten Eindrücke ist diese schöne Häuserzeile am Rande des historischen Ortskerns.

Angelika detailverliebt.


Zwei der vielen malerischen Gassen. Zu dieser doch etwas kühleren Jahreszeit sind die warmen Farbtöne besonders willkommen.

 

Eine von vielen kleinen Kunstgalerien.

Eine weitere Kunstgalerie.

Der Glockenturm im historischen Ortskern.

Der Glockenturm von der gegenüberliegenden Seite.

Die Kirche Saint Michel im oberen Teil der Gemeinde

Das daran anschließende Gebäude findet auch Gefallen.


In diesem schönen Lädchen (Boutique Cricri, 31 rue Richard Casteau, 84220 Roussillon) erwerben wir Farben der Provence für die "Daheimgebliebenen". Michael würde mehr Schaden als Nutzen damit anrichten. Schon besser, wenn das Material in die richtigen Hände kommt.

Das Sortiment klein aber fein.

In der Bildmitte, beflaggt, das Rathaus.


Links bzw. oben im Bild: Hier im Sommer mit einem kühlen Glas Wein den Tag ausklingen lassen, das hätte was. Rechts bzw. unten: Straßenleuchte vor morbidem Charme alter Gemäuer. Das ist doch Kunst, oder?

Das Restaurant Le Castrum und die Mairie im Bildhintergrund.

Das Carpe Diem, man beachte die darüber befindliche Dachterrasse des angrenzenden Restaurants.

Carpe diem, also „Nutze oder genieße den Tag“. Das muss man uns natürlich nicht zweimal sagen. Allerdings genießt ein jeder den Tag auf seine Weise.  

Das lauschige Plätzchen nochmals aus einem anderen Blickwinkel.

Historische Ölmühle Roussillon.

Am nördlichen Ende des historischen Ortskerns befindet sich eine Aussichtsterrasse, von der aus man einen herrlichen Blick auf das Umland hat.

Blick auf die Monts de Vaucluse im Nordosten von Roussillon. Rechts oben im Bild, am Horizont der helle Fleck, ganz klein zu sehen, der Mont Ventoux.

Etwa 30 km nördlich (Luftlinie) von Roussillon der Gipfel des Mont Ventoux, mit 200 mm-Teleobjektiv herangeholt. Im Vordergrund wieder die Monts de Vaucluse. Als Tour de France - Fan wäre Michael zu gerne einmal hochgefahren. Aber in diesen Tagen ist dort oben Frost angesagt, da müssen wir mit unseren Sommerreifen fernbleiben. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Blick über einen Teil des historischen Ortskerns in das östliche Hinterland.

Blick über einen Teil des historischen Ortskerns in das östliche Hinterland. Einfach schön hier und den Ockerlehrpfad haben wir ja noch gar nicht gesehen.