Litauen, Lettland, Estland

Im Rahmen einer knapp 10-wöchigen Wohnmobilreise besuchen wir im Frühsommer 2025 das Baltikum. Die Wenigsten werden sich eine so lange Reise durch diesen doch etwas abgelegenen Landstrich leisten wollen oder können. Wir liegen also mit unserem Ansinnen nicht unbedingt im Trend, und dafür gibt es auch gute Gründe. Zum einen verfügt das Baltikum nicht gerade über ein badefreundliches Klima. Darüber hinaus werden die drei Kleinstaaten von einem übermächtigen Nachbarn bedroht und es fehlt die Fülle herausragender Bauwerke und kultureller Einrichtungen, wie man sie in vielen Ländern West- und Südeuropas antrifft. Und leider ist inzwischen auch der Preisvorteil, mit dem diese Länder lange punkten konnten, in mancherlei Hinsicht dahin. In Sachen Natur ist das Baltikum allerdings ganz weit vorne.  

 

Geographie

Die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen haben insgesamt eine Bevölkerung von etwa sechs Millionen Menschen, verteilt über eine Fläche von etwa 175.000 km². An das Baltikum grenzen östlich Russland und Belarus, südlich Polen und die russische Exklave des Kaliningrader Gebiets sowie westlich und nördlich die Ostsee bzw. der Finnische Meerbusen an. Lettland und Litauen haben eine Fläche von rund 65.000 km², Estland eine Fläche von etwa 45.000 km². Die erstgenannten sind also etwas kleiner als Bayern (ca. 70.000 km²), Estland ist etwas kleiner als Niedersachsen mit 47.000 km² bzw. gut doppelt so groß wie Hessen. 

 

Warnung: Fahrt auf gar keinen Fall mit erhöhtem Blutalkoholspiegel und denkt dabei auch an den Restalkohol. Die Strafen im gesamten Baltikum sind drastisch. Wir werden am Ende unseres Reiseberichts darauf noch etwas ausführlicher eingehen (Unterseite Erläuterungen). 

 

Anfahrt

Die Anfahrt erfolgt vom Rhein-Main-Gebiet über Bamberg, Görlitz, Lodz, Warschau und Suwalken. Letzteres liegt noch in Polen kurz vor der Grenze zu Litauen. Die Autobahn in Polen, ist aktuell auf der von uns gewählten Strecke für Fahrzeuge unter 3,5 Tonnen mautfrei und in einem überwiegend sehr guten Zustand. Die Gesamtstrecke vom Rhein-Main-Gebiet bis zur litauischen Grenze beträgt etwa 1.400 km, das ist ähnlich lang wie die Atlantikroute durch Frankreich nach Spanien. Da die Route ins Baltikum aber überwiegend aus Autobahnen und gut ausgebauten Landstraßen besteht, ist die Strecke für uns in 3 Fahrtagen gut zu bewältigen. 

 

Unsere Route durch das Baltikum

Für die Planung der aktuellen Route hat Michael den Womoführer Baltikum als Grundlage genommen (4. Auflage 2020). Außerdem haben wir uns für Litauen mit großformatigen Karten eingedeckt. Wir finden es immer ganz praktisch, wenn wir etwas "Greifbares" dabei haben. Im Baltikum ist aber noch ein ganz anderer Aspekt von Bedeutung. Wenn ihr längere Zeit unweit der russischen Grenze unterwegs seid, besteht die Gefahr, dass sich euer Handy in das dortige Netz einwählt und ihr nach dem Urlaub eine saftige Rechnung präsentiert bekommt. Deshalb war unser Handy im grenznahen Bereich immer ausgeschaltet. Darüber hinaus sind uns die baltischen Sprachen nicht gut vertraut. Wir können nur wenig ableiten und deshalb ist auch der Reiseführer noch wichtiger als sonst. Denn in dem ist dann doch der eine oder andere Aspekt erläutert und man steht nicht immer gleich auf dem Schlauch.  

 

Was die Planung der Reisen angeht, nimmt Michael das normalerweise immer selbst in die Hand. Aber im Baltikum bot es sich tatsächlich an hiervon abzuweichen und den Womoführer als Grundlage zu nehmen. Im Womoführer Baltikum sind 17 Einzeltouren ausgehalten, die fast alle lohnenden Ziele dieser drei Staaten beinhalten. Wir sind die Touren nicht exakt nachgefahren, haben sie aber doch in weiten Teilen nachvollzogen. Allerdings muss man auch sagen, dass sich aufgrund der dünnen Besiedlung des Baltikums (Estland hat weniger Einwohner als München, Lettland geringfügig mehr als Hamburg) und des ausgedünnten Straßennetzes so manche Route ganz von selbst ergibt.

 

Die drei Hauptstädte Vilnius (Litauen), Riga (Lettland) und Tallinn (Estland) haben wir aus dem Reisebericht bewusst herausgenommen und separat aufgeführt. Wer nur einen Kurztrip per Flugzeug für ein verlängertes Wochenende plant, der findet so schneller wonach er sucht.

 

Von Polen kommend, starten wir unsere Reise durch das Baltikum in Litauens Südosten, wenden uns dann von Kaunas nach Westen in Richtung der Ostseeküste, folgen der Küste einige Zeit nach Norden und drehen dann bei Palanga wieder nach Osten ab, wo wir den Berg der Kreuze und schließlich die Bierstadt Biržai erreichen. Von hier aus geht es dann nach Bauska, das bereits in Lettland liegt.  

 

Von Bauska geht es zurück in Richtung Ostsee nach Ventspils und dort weiter zum Kap Kolka. Am Kap Kolka erreichen wir die Bucht von Riga, der wir nun nach Südosten bis in die gleichnamige Hauptstadt Lettlands folgen. Von Riga wenden wir uns wieder nach Norden bis wir bei der Stadt Ainaži den nördlichsten Staat des Baltikums, Estland erreichen. Von Ainaži fahren wir über Pärnu in Richtung Virtsu, wo wir mit der Fähre auf die drei großen Inseln Estlands, Muhu, Saarema und Hiiumaa übersetzen.  

 

Von der Insel Hiiumaa kommend, erreichen wir unweit Haapsalu wieder das Festland und bewegen uns jetzt in Richtung der nördlichen Ostseeküste des Baltikums, der wir bis zur estnischen Hauptstadt Tallinn folgen. Von Tallinn aus fahren wir weiter nach Osten bis wir Narwa an der russischen Grenze erreichen. Von Narwa aus führt unser Weg meist unweit der russischen Grenze durch die drei baltischen Staaten wieder nach Süden bis in die litauische Hauptstadt Vilnius. Über die Burg Trakai führt uns ein letzter Ausflug nach Kaunas. Hier endet unsere Baltikumsreise und wir fahren über Polen zurück nach Hause.

 

Von den knapp 10 Wochen Gesamtreisezeit haben wir mehr als 8 Wochen in den drei baltischen Staaten verbracht. Abgesehen von den drei Hauptstädten glänzen alle drei Staaten mit reichlich Natur. Dabei sind sie weniger gebirgig als Norwegen oder Schweden. Für alle, die weniger gut zu Fuß sind, erleichtert das die Erkundung auf Schusters Rappen. Die Landschaften sind aber auch etwas monotoner ausgebildet. 

 

Ein größeres Problem waren fehlende öffentliche Entsorgungsstationen, wie man sie in Frankreich oder Spanien häufig antrifft. Wir sind noch nie so lange und so oft mit vollen Tanks herumgefahren, weil wir entweder befürchteten nicht rechtzeitig ordentliches Trinkwasser zu bekommen oder unseren Ballast (Abwasser) loszuwerden. Hierzu mussten wir auch einige Male deutliche Umwege in Kauf nehmen. Zweimal haben wir mehrere Tage nur Brotzeit gemacht, um Schmutzwasser zu sparen. Diesen Zustand zu ändern, wäre unsere Bitte an alle drei Staaten. Denn nicht alle Fahrzeuge verfügen diesbezüglich über ausreichende Kapazitäten. Und wie das dann endet, wissen wir alle. Dass die Balten gerade ganz andere Probleme haben, ist uns nicht entgangen und man sollte deshalb auch etwas Geduld haben. Aber man könnte für die Entsorgung ja Gebühren erheben, die eine Einrichtung kostenneutral machen, und die Wohnmobilisten gleichzeitig nicht überfordern. 

 

Bei den Hauptstädten sind sich Angelika und Michael einig. Unter Berücksichtigung aller für Wohnmobilisten relevanten Aspekte liegt Vilnius (Litauen) für uns an dritter Stelle, Riga (Lettland) gefiel uns ein wenig besser und der klare Sieger ist Tallinn (Estland). Ob groß oder klein, wir lieben kompakte Städte, verwinkelte Gassen, bunte Märkte und historisches Flair und da bot uns Tallinn so ziemlich genau das, was wir uns vorstellen. Davon abgesehen ist es keineswegs so, dass sich ein Besuch von Vilnius nicht lohnen würde. Vilnius hatte auch ein wenig Pech, weil wir dort das schlechteste Wetter hatten und durch die beiden anderen Hauptstädte schon etwas gesättigt waren. Also fahrt ruhig auch nach Vilnius und lasst euch von unserer subjektiven Einschätzung nicht abschrecken.  

 

Soweit auf historische, architektonische, politische, geografische und geologische Zusammenhänge Bezug genommen wird, sind diese überwiegend Wikipedia entnommen.