Die Insel Hiiumaa

Montag, 02.06.2025 - vom RMK Tuhkana (Saaremaa) zum RMK Platz Palli telkimisala (Hiiumaa) - 119 km 

Die Halbinsel Kõpu (estnisch Kõpu poolsaar) erstreckt sich im äußersten Westen der Insel Hiiumaa in die Ostsee. Auf der Halbinsel liegt das Wahrzeichen der zweitgrößten estnischen Insel, der mächtige Leuchtturm Kõpu (estnisch Kõpu tuletorn). 

 

Die Halbinsel Kõpu (historischer deutscher Name „Halbinsel Keppo“) ist etwa 21 Kilometer lang und bis zu 7,3 Kilometer breit. An ihrer westlichen Spitze liegt die Landzunge Ristna (Ristna neem) mit ihrem Leuchtturm (Ristna tuletorn).

 

Die höchste Erhebung der Halbinsel ist der 78 Meter hohe Tornimägi („Turmberg“). Die Küstenlinie wird von hohen Dünen und zahlreichen Findlingen (estnisch Hiidrahn) wie dem Kõpu Suurkivi mit 175 m³ Inhalt geprägt. Die Landschaft ist durch drei große (Natur-)Schutzgebiete geschützt. 

 

Nordwestlich der Halbinsel befindet sich in der Ostsee das Kõpu-West-Tief, eine unterseeische Senke; mit einer maximalen Tiefe von 168 Metern gehört sie zu den tieferen Bereichen des nördlichen Westlichen Gotlandbeckens. 

Vom Windmühlenpark in Angla kommend, stehen wir hier bereits am Fährhafen von Triigi. Vor dem Anleger haben sich schon eine ganze Reihe von Fahrzeugen aufgestellt, was darauf hindeutet, dass die Morgenfähre jetzt jeden Moment kommen muss. Und so ist es dann auch. Die Fähren sind relativ klein und doch passen alle Fahrzeuge drauf. Wir hätten sogar mitfahren können, aber der Regen ist inzwischen so intensiv, der Blick durch einen wolkenverhangenen Himmel so getrübt, dass wir ernsthaft zweifeln, ob es überhaupt Sinn macht, überzusetzen. 

Also lassen wir die Morgenfähre ziehen, machen uns einen zweiten Kaffee und schauen noch einmal nach, was es auf der Insel Hiiuma denn zu sehen geben könnte. Da uns noch reichlich Zeit bleibt, gehen wir erst einmal duschen. Michael besorgt die Tickets drüben beim Hafenmeister. Für 3 Euro gibt es anschließend eine schöne warme Dusche, so lässt sich die Zeit gut überbrücken. Während wir warten, tauchen Werner und Jaqueline aus Zürich, die wir in den letzten Tagen immer wieder an diversen Locations getroffen haben, auf. Sie wollen ebenfalls die nächste Fähre nach Hiiumaa nehmen, haben ihr Ticket aber bereits online gelöst. 

Obwohl das Wetter immer noch recht bescheiden daherkommt, ringen wir uns dazu durch, auch ein Ticket zu lösen, und reihen uns nach dem Duschen in die Warteschlange ein. Dann vergeht die Zeit wie im Flug und schon legt die zweite Fähre des Tages an. Bei richtig miesem Wetter setzen wir über. Eine Stunde dauert die Fahrt und 15,20 € kostet der Spaß für zwei Rentner inkl. Fahrzeug, ansonsten wohl etwa 17 €. Fotografieren können wir vergessen, also setzen wir uns ins Warme und plaudern mit Campern aus Kleve. Die Schweizer dürfen wegen des Hundes nicht in die Cafeteria und alleine wollen sie den Hund auch nicht im Auto lassen. Schnell ist die Stunde vorbei und schon entlässt uns die Fähre wieder aus ihrem stählernen Bauch. Hiiumaa, wir kommen.  

Das Kärtchen zeigt die Halbinsel Köpu, ganz im Westen der Insel Hiiumaa, mit der Lage unseres Übernachtungsplatzes und der beiden von uns besuchten Leuchttürme Köpu und Ristna (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Wir lassen erst einmal den ganzen Fahrzeugschwall vorbei, damit wir ungestört unser Tempo aufnehmen können und niemandem im Weg sind. 

Insel Hiiumaa - Köpu Leuchtturm

Danach machen wir uns auf den Weg nach Westen zum inländischen Leuchtturm von Köpu. Vom Fähranleger in Sõru sadam sind das gerade einmal 40 km. Die Straßen sind leer und es fährt sich prächtig, wenn man sein eigenes Tempo gehen kann. Während der Fahrt lässt der Regen nach und die graue Wolkendecke wird heller. Dann sehen wir, dass die Straße zunehmend abtrocknet, und schon reißt der Himmel auf und erste Wolkenfenster lassen etwas Blau erkennen. Als wir den Leuchtturm erreichen, haben wir einen wunderbar blauen Himmel. Wer hätte das gedacht? Vergleicht den Himmel mal mit dem Bild am Fähranleger Triigi.


Der Leuchtturm ist ein sehr mächtiges Bauwerk und er wartet mit einer Besonderheit auf. Im unteren Teil des Aufstiegs ist eine Treppenstufe fast doppelt so hoch wie üblich und es ist extrem unbequem, da hinaufzugehen. Und der Abstieg ist noch schlimmer. Nach diesem Besuch werden die Adduktoren ganz schön ziehen und wir werden uns die Überdehnung erst einmal aus den Gliedern laufen müssen. Zudem muss man darauf achten, dass man sich nicht den Kopf stößt, also alles recht mühsam.  

Ein Pärchen aus Kleve berichtet, dass ein Filmteam des WDR soeben vor Ort war, um die Location für einen Reisebericht über Estland abzulichten. Einen WDR-Reisebericht über Estland 2025 haben wir auf Youtube tatsächlich gefunden, von diesem Turm wurde darin aber nicht berichtet. Der ist wohl der begrenzten Sendezeit zum Opfer gefallen.

Der Blick von oben ist wie so oft bei Leuchttürmen grandios. Drei Euro kostet der Spaß, da kann man wirklich nicht meckern.

Ein letzter Blick mit dem Teleobjektiv nach oben, dann geht es weiter zum nächsten Leuchtturm und zur westlichen Landspitze der Halbinsel Köpu. 

Insel Hiiumaa - Ristna Leuchtturm

Nun seht euch mal dieses Sträßchen an, einfach herrlich, hier Auto zu fahren. Wir sind gerade wieder losgefahren, als wir die Schweizer eintrudeln sehen. Unmittelbar vor ihnen sind allerdings gerade zwei Busse auf den Parkplatz eingefahren. Eine so große Menschenmenge auf einem Leuchtturm, das kann nur schiefgehen, also drehen die Schweizer ab und fahren genau wie wir zum Ristna-Leuchtturm. Wir trudeln nach ihnen ein, weil wir uns unterwegs kurz verfahren haben. Und so steigen wir nun zusammen den Turm über eine Wendeltreppe hinauf, bei der man einen Drehwurm bekommen kann. 


Der Ristna Leuchtturm auf der Insel Hiiumaa mit der Halbinsel Köpu.

Auch hier haben wir wieder, zusammen mit Werner und Jaqueline aus Zürich eine tolle Aussicht und sehen wegen der Nähe zum Meer sogar das westliche Ende der Insel. Das Kassenhäuschen ist noch nicht besetzt, dementsprechend ist der Besuch heute kostenfrei. 

Blick auf das westliche Ende der Halbinsel Köpu und damit auch der Insel Hiiumaa. Gut 200 km westlich von hier liegt Stockholm. 


Nachdem wir wieder abgestiegen sind, verabschieden wir uns von den Schweizern. Die wollen nochmal zu einem Lost Place ganz in der Nähe und dann bestimmt auch noch einmal zu dem verpassten Leuchtturm in Köpu. 

Wir nehmen uns den Strand vor. Vom Meer können wir nie genug bekommen, denn das ist von Frankfurt immer recht weit entfernt. Und die einsamen Strände hier oben sind noch verlockender als die völlig überlasteten Strände Mittel- und Südeuropas. Hier bekommt man die Natur noch gratis, wie es überall sein sollte. Liegestühle für 14 € am Tag, das ist einfach Wucher, und alles nur, um sich wie ein Hähnchen grillen zu lassen. Nein danke, dann lieber kühle Witterung und einsamer Strand. 

Blick vom Strand zum Ristna-Leuchtturm.

Auch hier liegen wieder reichlich Findlinge in der Ostsee. 

Eine schöne Pflanze, deren Namen wir allerdings nicht kennen. Laut KI soll es sich um die Samenstände der Gewöhnlichen Kuhschelle, auch bekannt als Gewöhnliche Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) handeln. Wollen wir es mal glauben.

Insel Hiiumaa - RMK Platz Palli telkimisala

Telkimisala bedeutet auf Deutsch Campingplatz, Zeltplatz oder Zeltbereich. Es handelt sich um ein Areal, oft in der Natur, das speziell zum Zelten oder Campen vorgesehen ist, häufig mit Feuerstellen oder Trockentoiletten ausgestattet. Es wird oft in Verbindung mit RMK (estnische Forstverwaltung) Naturcampingplätzen genutzt. 

Nach einem langen Tag gibt uns dieses Schild Hoffnung auf einen geruhsamen Abend. 

Das Kärtchen zeigt die Lage des RMK Campingplatzes Palli auf der Halbinsel Köpu, ca. 5 km nordwestlich der Gemeinde Luidja (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Wir wollen nun noch ein Stück nach Norden vorankommen, um morgen nicht zu weit von der Fähre entfernt zu sein. Dann können wir den voraussichtlichen Sonnentag auf der Insel genießen und am Abend wieder in Richtung Festland aufbrechen. Natürlich hätten wir gerne wieder einen RMK-Parkplatz, wenn möglich mit Trockentoilette. Doch das wird ein mühsames Unterfangen, weil wir den Zugang zunächst nicht finden. In Luidja folgen wir einer etwa 5 km langen Schotterpiste, die allerdings in einem relativ guten Zustand ist, keine Waschbrettpiste also. Am Ende der Piste stoßen wir auf einen wunderschönen Strand neben einem entsprechenden Platz, den wir auch noch mit unserem Brummer erreichen können. Und so werden wir nach mehreren Fehlschlägen dann doch noch fündig und verbringen die Nacht am RMK Platz Palli telkimisala. 

Es ist recht windig, was dafür sorgt, dass wir einigermaßen Wellengang haben, was uns aber vor allem die Stechmücken vom Hals hält. Also, wenn hier noch eine saubere Toilette wäre, nicht auszudenken.  

Weil es heute wieder etwas kühler ist, machen wir uns ein kleines Feuerchen an und wärmen uns an der Glut. 

Zum Kochen haben wir heute keine Lust mehr. Aber wir haben ja noch unsere gute Dosenwurst von Michaels Cousine Annelie. Die wurde jetzt lange genug durch Europa gefahren und ist heute Abend fällig.

Schon wieder ein Turm, der bestimmt eine gute Aussicht böte. Leider ist der gesperrt, also wird es diesmal nichts mit der Vogelperspektive.  

Wie man sieht, ist der Strand aber auch von unten nicht gerade hässlich. Und wir haben ihn wieder einmal ganz für uns alleine. Fast schon ein wenig zu einsam. Wenn demnächst die estnischen Ferien beginnen, wird sich das sicher deutlich ändern. Also genießen wir es. 

Auch die Vögel nutzen die langen Tage in Europas Norden und sind spät am Abend immer noch unterwegs.  

Nachdem wir lange Zeit dachten, die Wolkendecke zieht nun wieder komplett zu, wird der Himmel am späten Abend leuchtend gelborange und so bietet sich uns ein traumhafter Sonnenuntergang.   

Es ist längst 21:00 Uhr durch und das nach osteuropäischer Zeit, und immer noch steht die Sonne am Himmel. Und selbst um 00:30 Uhr, als die Sonne längst untergegangen ist, zeigt ein Blick aus dem Womofenster, dass es nicht vollständig dunkel ist. Und wir fragen uns, ob es in der Nacht überhaupt irgendwann vollständig dunkel wird. Heute Morgen hätten wir uns das wieder einmal nicht träumen lassen. Wir bleiben übrigens die Nacht wieder mal alleine. Und es ist traumhaft ruhig.