Kaunas und das KZ Kauen

Montag, 30.06.2025 - von Trakai nach Kaunas - 99 km 

Bevor wir uns nun zu unserer letzten Station im Baltikum aufmachen, zeigen wir hier noch einmal unseren Übernachtungsplatz Automobilių stovėjimo aikštelė, den wir bereits im Reisebericht zu Vilnius beschrieben haben. Der Platz liegt in der Plomėnų gatve bzw. an der Straße 107, westlich von Trakai (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Über eine kurze Stichstraße (Waldweg mit Restasphalt) gelangt man auf den asphaltierten und recht geräumigen Parkplatz mitten in einem kleinen Wäldchen. Man steht annähernd waagerecht und der Platz ist zumindest in der Nebensaison nicht überfüllt. Folgt man fußläufig vom Parkplatz dem Waldweg weiter nach Osten, gelangt man an einen Badeplatz. Der gibt den Blick auf den Totoriskessee und die Stadt Trakai am gegenüberliegenden Seeufer frei. Wir verbringen hier eine sehr ruhige Nacht. Die Straße 107 hört man ein wenig, aber das ist bei dem Nebensträßchen hier kein Problem.

Vom Übernachtungsplatz am Westufer des Totoriskessees starten wir am frühen Morgen nach Kaunas. Über die Straße 107 geht es zunächst nach Norden, wo wir nach ca. 20 km Strecke auf die Autobahn A 1 bzw. die E 85 auffahren. Nun sind es nur noch 70 km Autobahn und weniger als eine Stunde Fahrtzeit und schon sind wir am Ziel. 

Nordwestlich von Kaunas trifft die A 1 an einem Autobahnknotenpunkt auf die A 5 und hier liegt in unmittelbarer Nähe dieses Knotens auch unser erster Stop, das ehemalige Konzentrationslager Kauen. Bei dem Straßengewimmel müssen wir ganz schön aufpassen, dass wir die Ausfahrt nicht verpassen (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Das Kärtchen zeigt das recht große Areal der Gedenkstätte mit dem IX. Fort im hinteren Teil des Geländes (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Hier kann man in etwa erahnen, welche Ausmaße das Areal hat. 

Alleine die Aufgabe, die riesigen Grünflächen den ganzen Sommer lang kurz zu halten, dürfte die Gärtner mehr als gut beschäftigen. 

Das Neunte Fort ist eine unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg fertiggestellte Festungsanlage der Festung Kowno, die heute als Gedenkstätte für die Opfer der stalinistischen Verfolgung und des nationalsozialistischen Massenmordes dient.

Das IX. Fort wurde ab 1902 erbaut. Dies geschah im Rahmen des Ausbaus der Festungsanlagen, mit dem die damals zum zaristischen Russland gehörende Stadt Kaunas (damals Kowno) zu einer militärischen Festung ausgebaut werden sollte. Im Jahr 1924 wurde im Fort eine Außenstelle des Gefängnisses von Kaunas eingerichtet.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Fort einige Jahre wieder als Gefängnis genutzt. Ab 1948 siedelten sich Gewerbebetriebe an, die im Fort bauliche Veränderungen durchführten. Im Jahr 1958 wurde im Fort ein Museum eingerichtet. Die Ausstellungen im Museum und auf den Freiflächen im Fort befassen sich nicht nur mit den Vorgängen in Kaunas, sondern haben auch den gesamten Holocaust in Litauen zum Thema.  

Wie im Bildhintergrund des vorangegangenen Fotos bereits zu erkennen ist, befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Forts ein monumentales Denkmal, das in seiner wuchtigen Ausführung dem Leid entspricht, das Zehntausenden hier zuteil wurde. Das Denkmal erreicht eine Höhe von bis zu 32 Metern und wurde vom Bildhauer Alfonsas Vicentas Ambraziunas konzipiert. 

   

Das Konzentrationslager Kauen (KZ Kauen) wurde aus dem Ghetto Kauen in der zweitgrößten litauischen Stadt Kaunas, im Stadtteil Vilijampolė, gebildet. Nachdem die deutsche Wehrmacht im Juni 1941 das zuvor sowjetisch kontrollierte Litauen besetzt hatte, errichteten die Nationalsozialisten nach einer ersten Mordserie im Sommer 1941 das Ghetto Kauen zur Zwangsumsiedlung der noch überlebenden 30.000 Juden. Die SS wandelte es im August 1943 in das Konzentrationslager Kauen um, mit zunächst noch 17.000 Juden. Es hatte 17 KZ-Außenlager. Ab dem 8. Juli 1944 wurde das KZ Kauen vor der näher rückenden Roten Armee geräumt. Diese traf am 1. August ein und fand noch 90 überlebende Juden vor. Von Wikipedia gibt es hierzu eine etwas umfangreichere Dokumentation, die unter dem nachfolgenden Link einzusehen ist https://de.wikipedia.org › wiki › KZ_Kauen.

Inschrift vor dem Monument. Das bis zu 32 Meter hohe Betonmonument besteht aus drei Skulpturengruppen, die Schmerz, Hoffnung und Befreiung symbolisieren.   

Obwohl die schiere Größe der Skulpturengruppen alleine schon recht beeindruckend ist, verstärkt die Schrägstellung der Betonelemente diese Eindrücklichkeit  noch um einiges, wenn man direkt vor dem Monument oder darunter steht. 

Zu dem monumentalen Erscheinungsbild gesellen sich Gesichter, mal verzweifelt, mal ins Leere blickend, die Figuren kantig, grobschlächtig und dann wieder entschlossen, mit erhobenen Fäusten Widerstand signalisierend, für Michael in Gänze ein gelungenes und dem Ausmaß des Verbrechens angemessenes Denkmal.  

Bei der Größe der Installation benötigt man einige Zeit, bis man sich die vielen Details angesehen hat. Und es macht natürlich auch Sinn, mehrfach den Standort zu wechseln, denn im Wechsel von Licht und Schatten, aber auch des Betrachtungsortes ergeben sich immer wieder neue Eindrücke, wie man ja auch in den Bildern erkennen kann.   

Auch die stilisierten Figuren und Köpfe selbst haben monumentale Ausmaße. Michael hätte gerne einmal gesehen, wie die Arbeiten vonstatten gingen und mit welchen technischen Raffinessen dieses Gesamtkunstwerk geschaffen wurde. Vielleicht sieht man davon etwas im Museum.

Das Mahnmal wurde am 15. Juni 1984 der Öffentlichkeit vorgestellt. Vor dem Mahnmal befinden sich dazu Gedenktafeln der Städte Berlin, München und Frankfurt am Main. Weitere Informationen siehe Wikipedia.

Weil heute Montag ist, ist das Museum geschlossen. Im Netz konnten wir einige flüchtige Blicke auf die Exponate des Museums werfen. Schwer zu sagen, wie aussagekräftig die Bilder sind. Schön ist in jedem Fall, dass man auch montags auf das Gelände kann und zumindest die Installationen im Freien, die ja einen nicht unerheblichen Teil der Gedenkstätte repräsentieren, ansehen kann. Neben dem IX. Fort und dem vom Bildhauer Alfonsas Vicentas Ambraziunas erschaffenen Mahnmal gibt es auf den Freiflächen auch noch einige kleinere Installationen.  

Hier sehen wir die Kunstkomposition Seelen bzw. Kompozicija "Sielos".  

Hier sehen wir die künstlerische Installation "Walk as Freedom Walks". Frei übersetzt etwa: "Folge der Freiheit" von Justinas Gražys. Die Installation thematisiert sowjetische Gräueltaten bei der Verschleppung litauischer Staatsbürger und weist darauf hin, dass diese bis in die Gegenwart fortbestehen, wenn man sich etwa die Verschleppung ukrainischer Kinder ansieht. Zu dieser Installation gibt es nachfolgend einige Erläuterungen in Englisch.  

Erläuterungen zur Installation aus Maschendraht- und Stacheldrahtzäunen. Das auch noch zu übersetzen, war Michael dann doch etwas zu aufwändig. 

Die Installation (UN)FILLED VOID erinnert an die Massendeportation der Sowjets am 14. Juni 1941.  

Bei dieser Massendeportation wurden die Männer von ihren Frauen und Familien getrennt und in Arbeitslager verschleppt. Die Frauen und Kinder deportierte man in abgelegene Gebiete der Sowjetunion. Eine detaillierte Beschreibung der Abläufe haben wir leider nur in englischer Sprache finden können.

Wir bleiben eine gute Stunde auf dem Gelände des IX. Forts, dann fahren wir ins Zentrum von Kaunas und lassen uns am Parkplatz in der Jaksto gatve 18 A nieder.