von Pärnu nach Liiva

Estlands Südwesten

Donnerstag, 29.05.2025 - von Pärnu nach Liiva (Insel Muhu) - 131 km

Heute soll es eigentlich in den 25 km nordöstlich von Pärnu gelegenen Nationalpark Soomaa gehen. Dort befindet sich ein großes Moorgebiet, zu sehen gäbe es also sehr viel Natur und nach allem, was wir herausfinden konnten, ein wirklich lohnendes Ziel. Das Problem ist allerdings, dass es dort die nächsten Tage regnen soll. Darüber hinaus haben wir erfahren, dass die Fähren auf die westestnischen Inseln Muhu, Saaremaa und Hiiumaa an den Wochenenden oft gut gefüllt und deshalb auch teuer sind. Das, was sich da in mehrfacher Hinsicht zusammenbrauen könnte, gefällt uns gar nicht. Als Wohnmobilreisende sind wir es aber gewohnt flexibel auf ungünstige Umstände zu reagieren. Und so entscheiden wir uns heute Morgen sofort den Weg in Richtung Inseln anzutreten. 

 

Während wir frühstücken stöbern wir gleichzeitig intensiv im Netz, um weitere Informationen zu bekommen und sehen dabei, dass es in Pärnu einen Lidl gibt. Der kommt uns gerade recht. Wir decken uns für mehrere Tage mit frischen Lebensmitteln ein und fahren anschließend zu einem öffentlichen Brunnen, um uns den Trinkwassertank vollzumachen. Unser Grauwassertank ist fast leer, Toilettenboxen haben wir zwei dabei und ansonsten werden wir öffentliche Trockentoiletten nutzen oder auch einmal an einem kostenpflichtigen Stellplatz entsorgen. 

 

Noch ein Wort zu Pärnu. Die Stadt hat uns gut gefallen und wir denken sowohl der Strand als auch die Altstadt sind einen Besuch wert. Leider war die Parkplatzregelung bei unserer begrenzten Zeit heute zu undurchsichtig, deshalb haben wir auf einen Besuch verzichtet, denn wir hatten keine Lust schon wieder einen Strafzettel einzufangen. Schade, denn wir hätten uns die Stadt gerne einmal angesehen. 

Bis zur Muhu-Fähre in Virtsu sind es 70 km. Die Straße 60 ist in gutem Zustand, die Zahl der Lkw nimmt deutlich ab und so kommen wir gut voran. Mit der 60 nehmen wir hier allerdings den kürzesten Weg und nicht den schöneren, den der Womoführer vorgeschlagen hätte. Allerdings ist auf diesem Streckenabschnitt wenig zu verpassen und das wenige ist eher für kompakte Wohnmobile geeignet und nicht für unseren Brummer.

Hier sind wir unserem ersten Zwischenziel schon recht nahe.

Wir stehen am Fähranleger zur Insel Muhu: Aufgrund unserer heutigen Planänderungen sind wir zeitlich weit vorne. So können wir in Virtsu am Fähranleger erst einmal ganz entspannt schauen, wie die Abläufe sind. Unsere Befürchtung ist, dass wir entweder nur online oder mit einer App bezahlen können, die wir wieder einmal nicht haben. Also parken wir erst einmal am Straßenrand und sehen uns um. Michael läuft hinüber an das Kontrollhäuschen an der Zugangsschranke zum Fähranleger und fragt gleich mal, ob wir hier bar bezahlen können. 

Aber selbstverständlich erwidert ihm eine freundliche Dame mittleren Alters. Wir sollen ganz einfach, wie früher üblich an das Gate heranfahren das Bargeld bereit halten, zahlen und uns dann in die Warteschlange jenseits der Schranke einreihen. Zu allem Überfluss fährt die Fähre auch noch in 10 Minuten ab und hat genügend Platz für alle Fahrzeuge in der Warteschlange, da haben wir ja richtig Glück. Mit 15 Euro ist die Überfahrt auch nicht teuer und so sind wir froh, dass wir uns gegen den Regen und für die Inseln entschieden haben. Durch die eingesparte Zeit können wir uns hier 2 Tage mehr Zeit nehmen, das tut uns mal ganz gut.

Schon gleiten wir sanft über die Ostsee.

Der Aufenthaltsraum der Fähre sieht recht ordentlich aus, hier fühlt man sich wohl.

Hier passieren wir die Gegenfähre, die gerade den Inselhafen Kuivastu verlassen hat. Die Überfahrt mit der Auto-Fähre vom Festlandhafen Virtsu zum Inselhafen Kuivastu auf Muhu dauert etwa 30 Minuten, dabei werden etwa 7 km Strecke zurückgelegt und schon sind wir Insulaner.

Nach weiteren 11 km Landstraße erreichen wir ungefähr in der Inselmitte von Muhu den Ort Liiva. Hier befinden sich ein Coop-Supermarkt, ein Obst- und Gemüsestand, zwei Schnellrestaurants, eine Bäckerei und diverse Parkplätze. Das allerwichtigste an diesem Platz ist aber eine saubere Toilette (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Wir platzieren unser Fahrzeug auf dem östlichsten der drei Parkplätze und dann wird gekocht. Den Kühlschrank haben wir uns ja in Pärnu ordentlich vollgemacht.  

Wie man sieht, gibt es Bratwurst mit Bratkartoffeln. Dazu besorgen wir uns hier noch einen Salat, und dann heißt es: Lecker Essen ist fertig. 

Der Coop am Platz verfügt über ein ganz ordentliches Sortiment, aber auf den Inseln sind die Preise schon etwas höher. Die Ware muss ja erst einmal hierherkommen.

In diesem unscheinbaren Flachbau wird eines der besten, wenn nicht das beste Brot des Baltikums gebacken, behaupten wir jetzt einfach mal. Wer das Brot frisch anschneidet, wird nach der Brotzeit wenig oder keine Reste haben. Wir haben uns am Ankunftstag eines geholt und am nächsten Tag noch einmal zwei weitere. Die Teile sind nicht übermäßig groß und ähneln äußerlich Briketts. Aber das sind Briketts, die es in sich haben.

Ob der Obst- und Gemüsestand immer so klein ist oder im Sommer anbaut, wissen wir nicht. Die eine oder andere frische Kleinigkeit bekommt man hier aber.

Nachdem jetzt alles so gut geklappt hat, werden wir übermütig. Wir wollen uns Muhu auf eigene Faust ansehen und fahren dazu die nördliche Küste ab. Dort soll es mehrere Klippen geben, die wir uns gerne einmal ansehen wollen. Wir weichen hierzu von der Route des Womoführers deutlich ab und werden ziemlich enttäuscht, weil die meisten Wege für unseren Brummer viel zu eng sind und wir nirgendwo so richtig zum Ziel kommen. Es ist aber auch eine Zeitfrage. Denn wenn man die Insel über die Ringstraße, bestehend aus den Straßen 149 und 152 erkundet und genügend Zeit mitbringt, dann kann man an einigen Punkten auch das Auto direkt an der Ringstraße parken und die letzten 500 m bis 1000 m zu Fuß an die Küste laufen und dabei viel Freude haben. Weil wir uns diese Zeit heute aber nicht nehmen wollen, versuchen wir es mit dem Kopf durch die Wand und das geht halt manchmal schief.  

Ein wegen der fortgeschrittenen Zeit letzter Versuch ist der Besuch von Lalli bzw. Lalli sadama. Zwar reicht auch diese Straße nur für ein Fahrzeug, aber der Verkehr ist so gering, dass wir am frühen Abend keinen Stress mehr bekommen.

Das Kärtchen zeigt den kleinen Hafen von Lalli sadama (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Wir treffen auf einen malerischen kleinen Hafen, in dem zahlreiche Fischerboote vertäut sind. 

Das sieht hier allerdings alles nach Gelegenheitsfischerei aus. Man kann sich kaum vorstellen, dass man mit diesen kleinen Bööötchen seinen Lebensunterhalt verdienen kann.

Wir laufen ein wenig herum. Weil aber nichts Besonderes zu sehen ist, wird das ein kurzes Vergnügen. 

Nachdem wir im Norden und Osten von Muhu keinen Übernachtungsplatz gefunden haben, fahren wir zurück nach Liiva und übernachten auf dem großen Parkplatz unweit der Muhu Bäckerei bzw. unweit des Coop-Parkplatzes.

Diese Schilder sieht man auf den westestnischen Inseln öfters. Wenn doch nur einmal einer kääääme. Aber bitte dann, wenn wir gerade langsam unterwegs sind. Mit Ausweichmanöver ist hier nämlich nicht viel, bei der geringen Straßenbreite. Und ein Elchtest mit einem Wohnmobil braucht auch kein Mensch.  

Freitag, 30.05.2025 - von Liiva (Muhu) zum Kuressaareuhu Museum - 131 km 

Wir haben auf dem Parkplatz in Liiva prima geschlafen, frühstücken noch auf dem Platz, weil wir hier auch eine saubere Toilette haben und machen uns dann auf den Weg nach Koguva.  

Das Kärtchen zeigt Koguva mit dem Parkplatz, dem Muhu Museum und dem Hafen (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Gleich am Ortseingang von Koguva treffen wir auf diesen schönen und kostenlosen Parkplatz, auf dem man auch hätte übernachten können. Ein Niederländer hat das wohl auch gemacht. Auch hier gibt es wieder eine saubere Toilette. In Koguva bzw. gleich nebenan befindet sich das Muhu Museum, das wir heute allerdings nicht besuchen werden. Wir sehen uns lieber in dem Weiler Koguva um und laufen danach hinunter zum Hafen.

Auf unserem Weg treffen wir auf diese Trockensteinmauer. Während der Unterbau aus Findlingen besteht, könnte es sich bei den plattigen Gesteinen über den Findlingen um das lokal hier anstehende Gestein handeln. 

Und hier noch eine Besonderheit. Konstruktionen aus einem Findlingsunterbau und einem Holzoberbau treffen wir in Estland öfters an. Ob das Holz dabei nur getrocknet werden soll oder tatsächlich als Einfriedung dient, ist uns dabei nicht so ganz klar. 

Wir nähern uns dem Hafen und passieren diesen schönen Grüngürtel. 

Der Hafen von Koguva ist ganz nett und dort befindet sich auch ein Stellplatz, aber es ist nicht wirklich ein Publikumsmagnet. Dazu müsste man sich etwas mehr einfallen lassen. Aber die Verbindung zu einem offenen Gewässer, komme sie auch noch so bescheiden daher, hat immer etwas Magisches.  

Am Ende ist es einfach ein schöner kurzer Spaziergang, man flaniert hier entspannt durchs Grüne und genießt die stille Umgebung.

 

Im Ort treffen wir auch ein Schweizer Pärchen, mit dem wir unsere Urlaubserfahrungen austauschen. Sie erzählen uns, dass es in den Schären bei Turku in Finnland eine tolle Ringstraße gäbe, die sie gerne einmal befahren würden. Das wäre auch für uns interessant. Aber dafür müssten wir eine ganze Woche von unserem Urlaub abzwacken. Hinzu kommen Fähr- und Dieselkosten, also, das sollten wir uns genau überlegen. Vielleicht könnte man das mal bei einer Fahrt zum Nordkap mit einbinden.  

Wir drehen eine Runde um das Hafenbecken und laufen anschließend zurück zum Parkplatz am Ortseingang von Koguva. Über den Muhu-Damm geht es hinüber auf Estlands größte Insel Saaremaa.