Samstag, 21.06.2025 - von Daugavpils über Zarasai nach Kirdeikiai - 125 km
Das Kärtchen zeigt den Ort Zarasai mit dem Freizeitgelände auf der großen Insel und der Aussichtsplattform im Süden der Stadt (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Von Daugavpils geht es über die A 13 und die A 6 nach Zarasai. Die Entfernung beträgt etwa 30 km. In Zarasai steuern wir einen Parkplatz nördlich des Stadtzentrums in der Vilniaus gatve 74 - 78 an. Westlich des Parkplatzes grenzt ein See an und in diesem wiederum befindet sich die sogenannte Große Insel von Zarasai. Die Insel erreicht man über einen etwa 200 m langen Straßendamm. Auf der Insel befindet sich ein Naherholungsgebiet, in dem unterschiedlichste Freizeitaktivitäten angeboten werden, die häufig mit Wassersport verbunden sind. Heute herrscht dort gähnende Leere, aber im Sommer ist hier bestimmt Hochbetrieb. Auf dem Parkplatz treffen wir einen alleinreisenden Schweizer aus Bern, mit dem wir lange angeregt plaudern und Urlaubserfahrungen austauschen.
Der Parkplatz vor der Großen Insel von Zarasai (litauisch: Zarasų didžiosios salos stovėjimo aikštelė) ist ein zentraler Abstellplatz für Besucher des Erholungsgebietes auf der Insel im Zarasaisee. Die Insel ist über die Didžiosios salos gatve zu erreichen.
Vom Freizeitpark zurückkommend, erreichen wir wieder unseren Parkplatz und wenden uns von diesem jetzt dem Seeufer zu (vgl. Kärchen oben). Hier führt ein abwechslungsreicher Weg, der teilweise sogar auf Holzbohlenbrückchen über das Wasser geführt ist, etwa einen Kilometer nach Südosten zum Zarasų apžvalgos ratas, einer kreisrunden Aussichtsplattform. Sie ist einer der Hauptgründe, weshalb wir Zarasai überhaupt ansteuern. Allerdings liegt der Ort ohnehin auf dem Weg in Richtung Vilnius, einen großen Umweg muss man also nicht machen.
Der Weg ist natürlich frei von Autoverkehr, und man läuft hier wirklich sehr entspannt, überwiegend direkt am Seeufer entlang. Wer nur die Aussichtsplattform sehen möchte, der kann die übrigens auch direkt ansteuern, denn auch dort gibt es einen Parkplatz. Der ist allerdings kleiner als der unsrige und an Wochenenden oder in der Hauptreisezeit vermutlich gut besucht. Da ist es dann wieder von Vorteil, wenn man früh unterwegs ist.
Blick von der Seeuferpromenade in Richtung Nordwesten auf die Große Insel im Zarasaisee mit den Freizeiteinrichtungen.
Nach 20 Minuten gemütlichen Laufens erreichen wir die futuristische Edelstahlbrücke mit dem Observationspunkt 17 m über dem Zarasaisee. Unten sieht man die kleine Seepromenade, auf der wir gekommen sind und die von der Aussichtsplattform auch noch weiter nach Süden führt.
Die erst 2011 errichtete Aussichtsplattform macht schon etwas her und ermöglicht auch schöne Ausblicke auf den See. Hätte man hier einen Turm errichtet, wie es deren ja so viele im Baltikum gibt, wäre die Aussicht noch um einiges besser. Wir vermuten aber, dass es hier in erster Linie darum geht, auch bewegungseingeschränkten Personen einmal einen schönen Ausblick zu verschaffen, denn der Zugang ist barrierefrei und vom Parkplatz unmittelbar neben der Hauptstraße sind es nur etwa 100 m Wegstrecke bis zur Aussichtsplattform, also das ist wirklich für jeden zu schaffen.
Auch wenn wir nur kurz in Zarasai Station machen, können wir erkennen, dass man in der Stadt und deren Umfeld durchaus zwei, drei Tage richtig Spaß haben kann. Das in hohem Maße glazial überprägte Baltikum bietet im Verbund mit dem nordischen Klima insbesondere eine Fülle von Möglichkeiten für Wanderungen und sportliche Aktivitäten auf und im Wasser, sodass es einem nicht so schnell langweilig wird. Und solche Outdooraktivitäten sind gewissermaßen das baltische Pfund, mit dem man hier wuchern kann. Und die werden von staatlicher wie von kommunaler Seite auch vielfach unterstützt.
Den Rückweg nehmen wir durch das kleine Stadtzentrum, und auch das ist ein lohnender Weg, denn die Stadt hat sich fein herausgeputzt. Im Bildhintergrund sieht man die Maria Himmelfahrt Kirche von Zarasai.
In der Stadt findet heute eine Motorsportveranstaltung statt, deshalb ist ein Teil des Zentrums für den Verkehr gesperrt. Zunächst werden die aufgemotzten Pkw dem interessierten Publikum präsentiert. Aber man sieht schon, dass die Stadt auch einen kleinen Parcours abgesteckt hat, damit die Fahrzeugeigentümer auch einmal zeigen können, was in den Fahrzeugen steckt. Große Motorsportfans sind wir aber nicht, deshalb streben wir jetzt zielgerichtet unserem Womo und anschließend der nächsten Station unserer Reise zu.
Unser nächster Stopp folgt nach weiteren 25 km Strecke und heißt Salakas. Leider passen wir dabei nicht auf, verlassen die Hauptstraße und nutzen eine Nebenstraße, die nach wenigen Kilometern in eine Schotterpiste mündet, sodass wir schon wieder über 10 km Piste fahren müssen. Vermutlich fahren wir über die Straßen 102, 5313 und 5306, aber das wissen wir selbst nicht so genau, manchmal haben wir einfach einen Blackout. Das ist aber bei Rentnern gelegentlich fast unvermeidlich und auch nicht so schlimm, weil die ja mehr Zeit haben.
In Salakas treffen wir auf eine schöne, massiv gebaute Kirche, die mit Natursteinen aus Plutoniten (Tiefengesteinen, vgl. Glossar) erbaut ist. Außerdem gibt es einen hübsch angelegten Park mit Fotokunst. Wenn wir es richtig interpretieren, sind es Fotos aktueller und ehemaliger Einwohner. Keine schlechte Idee.
Direkt an der Kirche haben wir einen Parkplatz gefunden, auf dem wir unseren Brummer stehenlassen können. Von hier aus können wir nun auch einen Spaziergang ins Zentrum des Ortes unternehmen, das sind gut 500 m Strecke. Dabei sehen wir wieder einige hübsche Holzhäuser, die wir hier aber nicht zum Besten geben. Ansonsten ist in dem Ort eher wenig los. Er liegt halt an der Strecke und da kann man schon einmal anhalten und sich die Beine vertreten.
Frontalansicht des Kirchturms der Salako Švč. Mergelės Marijos Sopulingosios bažnyčia.
Kirchenansicht, wenn man von Nordosten in den Ort hineinfährt.
Zurück am Wohnmobil, können wir direkt neben der Grünanlage um die Kirche aus erhabener Position auch noch einen Blick auf die Kinderstube eines weiteren Storchenpaares werfen.
Das Kärtchen zeigt den Badeplatz in Ignalina (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Die dritte Station am heutigen Tag ist Ignalina. Hier halten wir auf einem Parkplatz unweit eines Badeplatzes am Gavyssee und machen Mittag. Es gibt hier auch zwei Miettoiletten, von denen aber nur eine sauber ist. Etwa 300 m hinter unserem Parkplatz befindet sich ein wirklich schöner Seestrand, den man mit feinem Sand aufgewertet hat.
Wir befinden uns hier am Rande des Aukštaitija-Nationalparks (litauisch: Aukštaitijos nacionalinis parkas) dem ältesten Nationalpark Litauens. Die genauen Grenzen erschließen sich uns wieder einmal nicht, weil wir auf die Schnelle kein Kartenmaterial besorgen können. Der Nationalpark liegt im Osten des Landes und ist bekannt für seine wald- und seenreiche Landschaft, die sich perfekt zum Wandern, Kajakfahren und für Erholung eignet, wie wir gleich noch sehen werden.
Es gibt die Möglichkeit, sich sportlich zu betätigen, zwei mit Holzeinfassungen abgegrenzte Bereiche für Schwimmer und Nichtschwimmer und einen Flachwasserbereich für Kleinkinder. Darüber hinaus sind Schaukeln aufgebaut, und hat man Sand an den Füßen, kann man den an einer Außendusche wieder loswerden, die außerdem geeignet ist, kleine Dreckspatzen wieder sauber zu bekommen, bevor es nach Hause geht. An einem mobilen Kiosk gibt es ein paar Snacks und Getränke. Die Auswahl ist aber begrenzt, ein paar Brote sollte man vielleicht auch selbst mitbringen. Das alles ist aber kein Thema für Wohnmobilisten.
Ignalina ist der größte Ort am Rande einer weiteren Seenplatte, von denen wir im Baltikum schon so viele gesehen haben, und auch hier wird Wassersport jedweder Art wieder einmal ganz großgeschrieben.
Zwischen sehr viel Sonnenschein erhalten wir immer wieder mal eine kleine Erinnerung daran, dass der Himmel auch anders kann.
Das Kärtchen zeigt den Weiler Ginučiai mit der historischen Wassermühle (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Im Weiler Ginučiai selbst finden wir keinen geeigneten Parkplatz, denn der Platz, den es gibt, ist mit Pkw zugestellt. Wir drehen also, fahren wieder aus dem Weiler heraus und finden am Rande einer Bushaltestelle Asyl.
Von dort laufen wir nun wieder zur Wassermühle zurück. Auf dem Weg dorthin sehen wir schon, woher der Wind weht. Kanus und Paddelboote stehen an der gesamten Seenplatte hoch im Kurs, wir könnten hier direkt loslegen.
Das ist der Parkplatz direkt an der Wassermühle, auf dem wir ursprünglich anhalten wollten. Mit etwas Glück bekommt man auch mit einem Wohnmobil Platz, aber man behindert auf den meisten Plätzen doch ganz schön die Pkw oder wird u. U. selbst so zugeparkt, sodass man nur mühsam wieder herauskommt, weshalb wir den Platz, außer am frühen Morgen eher nicht empfehlen können.
Und hier sehen wir den Hinweis auf die lokale Attraktion, die Überreste einer alten Wassermühle. Die Wassermühle von Ginučiai ist die einzige von 6 Mühlen im Park (Minčia, Ginučiai, Pakretuonė, Pakasas, Gaveikėnai und Brukninė), die bis heute ihre originale Ausstattung besitzt und bis 1968 in Betrieb war. Sie diente nicht nur der Herstellung von Mehl, sondern versorgte das Dorf auch mit Strom. 1978 wurde sie durch die Nationalparkverwaltung restauriert und erhielt außerdem ein neues Dach. In der Mühle können sich Besucher über die Brotherstellung informieren und auch in der ehemaligen Müllerwohnung übernachten. Und Räuberpistolen gibt es auch. Man erzählt sich, dass der Teufel gelegentlich in der Mühle vorbeischaut.
Hier haben wir die alte Wassermühle von der Straße aus aufgenommen.
Und hier sehen wir die Schokoladenseite der Mühle. Während die Weiler entlang der Strecke alle wie ausgestorben wirken, ist das in Ginučiai anders. An der alten Wassermühle verbindet ein Flusslauf zwei Seen. Man befindet sich hier also direkt an einem Wasserwanderweg.
Wegen des Wehrs an der Mühle und einer Wasserrutsche müssen die Kanuten oberhalb der Mühle den Fluss verlassen, das Boot über die Straße tragen und können dann auf der gegenüberliegenden Seite weiterfahren. Eine kleine Slipanlage hilft, den Aufwand gering zu halten. Die meisten Kanuten haben allerdings gar kein Interesse, gleich weiterzufahren, denn hier an der Mühle gibt es Verpflegung, und die lockt nicht nur Pkw- und Radfahrer, sondern auch die Wasserwanderer an, die körperlich wahrscheinlich noch mehr leisten als alles, was sich auf der Straße bewegt.
Die Mühle, die Wasserutsche, die den Überlauf des Flusses unter der Brücke hindurch leitet, das Flüsschen selbst, das sich jenseits der Mühle seinen Weg durch das Unterholz sucht, und natürlich die Kanuten – das alles sind schöne Fotomotive, die uns eine ganze Weile in ihren Bann ziehen.
Hier sehen wir den Fluss westlich der Mühle. Er verbindet auf etwa 1,20 km Strecke den Sravinaitissee im Osten mit dem Aimajassee im Westen der Straße 1423. Wenn man das Gewässer sieht, kann man sich gut vorstellen, dass eine Bootstour hier richtig Spaß macht.
Hier sehen wir die Boote der Wasserwanderer, die es sich in der nahegelegenen Gaststätte gut gehen lassen, um anschließend mit neuen Kräften den Weg fortzusetzen.
Und hier sehen wir die 100 m nördlich des Flusses befindliche Gaststätte mit Innen- und Außenbereich, in der man es sich, der Witterung entsprechend, gut gehen lassen kann. Es gibt geräucherten Fisch oder eine Fischsuppe, eine ganze Reihe von kleinen Gerichten, Eis und natürlich diverse Getränke.
Hier sehen wir den überdachten Außenbereich der Gaststätte. An warmen Tagen kann man es, geschützt vor Regen, auch hier draußen gut aushalten.
Das Kärtchen zeigt unseren Übernachtungsplatz in Kirdeikiai (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Nun benötigen wir noch einen Übernachtungsplatz, den wir, nur 6 km entfernt von der Wassermühle, auf dem Picknickplatz in Kirdeikiai finden. Im Netz steht, die Zufahrt sei unproblematisch. Das würden wir für mittelgroße Womos so nicht mehr bestätigen. Bäume wachsen halt, und wenn da nicht bald mal nachgeschnitten wird, ist die Zufahrt für größere Fahrzeuge als den Bulli Geschichte. Da hier gelegentlich kleine Veranstaltungen stattfinden, die vielleicht doch mal einen Kleinlaster für den Transport benötigen, besteht Hoffnung, dass sich jemand erbarmt und die Gehölze zurückschneidet. Neben den störenden Gehölzen gibt es auch einige größere Pfützen und feuchtes Bankett. Also, man muss schon ein wenig konzentriert zu Werke gehen, um nicht irgendwo stecken zu bleiben oder sich das Fahrzeug ordentlich zu verkratzen.
Hat man die Zufahrt erst einmal hinter sich, steht man auf einer Schotterfläche, die Platz für etwa 10 Pkw bietet. Dahinter befindet sich, abgegrenzt durch eine Reihe von Findlingen, eine große Wiese. Am See befindet sich ein Steg, von dem aus man ins Wasser gleiten und eine Runde schwimmen kann. Angler und Freizeitsportler nutzen den Steg als Einstieg in ihre Boote.
Auf der Wiese sind eine überdachte Bank-Tisch-Gruppe, eine Schaukel und eine Umkleidekabine platziert. Mit Stechmücken haben wir heute wenig Probleme, weil ein leichter Wind beständig weht, der uns die Blutsauger vom Leib hält. Die Toilette ist aktuell leider zum Weglaufen, gut dass wir autark sind.