Von Molėtai nach Nemenčinė

Montag, 23.06.2025 - von Labanoras über Molėtai nach Nemenčinė - 100 km

Von Molėtai geht es auf der parallel zur A14 verlaufenden Straße 172 nach Süden.

Um 07:00 Uhr schlürft Michael seinen ersten Kaffee draußen auf einer Bank am See. Über dem gesamten Platz liegt eine himmlische Ruhe. Alles schläft noch und die Sonne beginnt gerade erst, ihre Kraft zu entfalten.   

Um 08:00 Uhr ist dann auch Angelika wach und wir frühstücken. Zeit haben wir genug, denn ein großes Programm haben wir heute nicht.

Wir fahren zunächst auf der 114 in Richtung Molėtai und biegen in dem Örtchen Mindūnai auf eine Nebenstraße nach Süden ab (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Die Nebenstraße führt uns dann in Richtung eines Campingplatzes und zu einem asphaltierten Waldparkplatz, von dem aus wir fußläufig den höchsten Aussichtsturm Litauens erreichen können. Den Fernsehturm in Vilnius lassen wir da mal außen vor. 


Ein ganz klein wenig Eiffelturm sehen wir hier. Dieser Turm ist zwar bei weitem nicht so hoch, dafür aber kostenlos, es gibt keine Wartezeiten und dennoch hat man eine ordentliche Aussicht.  

Mit dem Teleobjektiv wirkt die Krone des Aussichtsturms inklusive der großzügig dimensionierten Aussichtsplattform noch beeindruckender.  

Der Aufstieg erfolgt über eine Wendeltreppe, die wieder einmal angenehme Tritthöhen aufweist. Da muss man die Balten wirklich loben, wie schön die das immer hinbekommen. 

Hier sehen wir bereits den Blick von der Aussichtsterrasse auf den Vorplatz um den Turm. 

Gleich daneben beginnt der Campingplatz, auch der ein wirklich schönes Fleckchen Natur. Der ist übrigens auch gut besucht, überwiegend sind es Einheimische, die hier mit Zelten die Nacht verbringen. 

Wir genießen den Ausblick über die Baumwipfel auf die angrenzenden Seen.

Das Kärtchen zeigt den Zugang zum Campingplatz, den Waldparkplatz, den Standort des Turms und den Zugang zum See in Mindūnai (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Nach dem Abstieg vom Turm gehen wir hinunter zum Strand und sehen uns den Uferbereich und den Steg an, der etliche Meter in den See hineinragt.

Das Wasser ist wieder einmal glasklar, wirklich schön hier. Wir verlassen jetzt den herrlichen Spot  bei Mindūnai und fahren in westliche Richtung ins 12 km entfernte Molėtai.

Kurz vor Molėtai treffen wir auf die A 14, die uns sehr schnell nach Vilnius bringen würde. Allerdings sind derzeit große Streckenabschnitte der A 14 Baustelle und es macht nicht wirklich viel Freude, diese Straße zu benutzen. Wir fahren jetzt erst einmal in die Stadt hinein, um in einem Lidl-Markt unsere Vorräte aufzufüllen. Unmittelbar neben dem Lidl ist eine Fischräucherei, in der wir uns eine frisch geräucherte Makrele besorgen und gleich einmal ein zweites Frühstück einlegen. Schmeckt echt lecker, die Makrele. Vom Lidl geht es wieder nach Norden in Richtung des Stadtzentrums. Wir erhoffen uns ein schönes Stadtzentrum und vielleicht auch ein paar schöne alte Holzhäuser. Doch so richtig reizen kann uns die Stadt nicht. 

 

Immerhin haben sie einen schönen Busbahnhof, der uns ein Foto wert ist. Vom Busbahnhof brechen wir wieder auf in den Süden, folgen allerdings nicht der A 14, sondern der 172, die in etwa parallel zur A 14 verläuft. Die Karte verspricht eine landschaftlich schöne Route, was wir zumindest in Teilen bestätigen können. Allerdings hat sich die Sache mit den Baustellen inzwischen herumgesprochen, und so läuft nun ein wesentlicher Teil des Verkehrs von und zu der Hauptstadt über die völlig überlastete 172, und das führt zu gewissen Problemen.  

Die Straße 172 ist im Übrigen eine richtige Rumpelstrecke: jede Menge Flickstellen, heruntergefahrene Straßenränder, Spurrillen, alles dabei. Hinzu kommen zahlreiche Kurven, Engstellen und der dichte Verkehr und an den Ortsdurchfahrten Bodenschwellen. Also ist es mit dem Überholen ganz schwierig. Es nutzt auch nichts, einmal rechts heranzufahren und die Drängler vorbeizulassen, denn kaum hast du eine Kolonne vorbeigelassen und bist wieder auf der Straße, versammeln sich schon wieder die nächsten Drängler hinter dir.

 

In Giedraičiai, 25 km südwestlich von Molėtai, gibt es eine kleine Ablenkung und eine gute Gelegenheit, die ganz Eiligen wieder einmal passieren zu lassen. Dazu kommt uns die klassizistische St.-Bartholomäus-Kirche mit dem markanten, frei stehenden Glockenturm aus Feldsteinen gerade recht. 

Auf diesem Bild sehen wir den Glockenturm der St.-Bartholomäus-Kirche in Giedraičiai. Der zeichnet sich durch seine robuste Basis aus Natursteinmauerwerk und einen hölzernen Aufbau aus. Die Kirche wurde Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut und ist ein bedeutendes religiöses Wahrzeichen der Region.
Nach 15 Minuten Pause machen wir uns wieder auf den Weg. Zum Glück haben wir es jetzt nicht mehr allzu weit, denn die Fahrerei bleibt ein mühsames Geschäft, und wir sind froh, als wir endlich nach Osten abbiegen und die Nord-Süd-Route verlassen können. Endlich sind wir wieder in ruhigerem Fahrwasser und tuckern jetzt ganz gemütlich noch 14 km bis nach Nemenčinė. 

Nemenčinė

Das Kärtchen zeigt unser heutiges Tagesziel Nemenčinė. Hier haben wir einen Badeplatz am Gélasee ausgemacht, an dem wir die Nacht verbringen wollen, um morgen dann weiter nach Vilnius zu fahren (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Auf diesem Foto hat unser Brummer bereits seinen Übernachtungsplatz eingenommen. Keine gute Wahl, denn er steht zu nahe an den Picknickplätzen. Allerdings ist der Platz dort hinten weniger schräg und wir kommen ohne Keile aus. 

Der idyllisch gelegene Badeplatz gefällt uns richtig gut. Als wir ankommen, stehen auf dem vielleicht 30 Pkw fassenden Parkplatz gerade einmal 6 Fahrzeuge und deren Insassen verlieren sich im weitläufigen Gelände oberhalb des Sees im Wald, wo zahlreiche Grillplätze eingerichtet sind.

Neben den Bade- und Grillmöglichkeiten gibt es auch Angebote für sportliche Betätigungen. Kein Wunder, dass dieser Platz gut angenommen wird. Allerdings dürfte auch die relative Nähe zur Hauptstadt eine Rolle spielen.

Die Toiletten sind nicht perfekt, aber einigermaßen sauber.

Und auch an Müllbehälter wurde gedacht. Und es ist kaum zu glauben, aber auch hier wissen alle, wie man diese Behälter benutzt. Kein Krümelchen liegt daneben oder im Wald oder am See. Da kann man als Mitteleuropäer echt neidisch werden.

In dieser vergrößerten Darstellung sieht man die Zufahrt zum See noch einmal etwas besser (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Wir machen einen kleinen Ausflug zum Seeufer und dann an diesem entlang. Vom Badestrand geht es in Richtung eines Schilfgürtels, an dem der ufernahe Weg endet.

Deshalb laufen wir die Böschung hinauf in den Wald.

Hier oben kreuzen jetzt wieder diverse Pfade. Unser Weg führt weiter nach Norden, und wir folgen jetzt wieder dem Seeufer, nun aber mit einem ordentlichen Abstand zum Gewässer. Obwohl im Wald eine ganze Reihe von Sitzgelegenheiten und auch die eine oder andere Schutzhütte aufgebaut sind, gibt es kaum noch freie Plätze. 

Überwiegend junge Leute belegen die Plätze und machen nicht den Eindruck, als ob sie schnellstmöglich wieder hier wegwollen. Sie haben sich mit Snacks und Getränken eingedeckt, Ghettoblaster und kleine Zelte aufgestellt, und es sieht so aus, als würde das heute für einige eine recht lange Nacht werden. Für uns ist das aber kein Problem, denken wir, denn Bänke und Tische sind weit entfernt vom Parkplatz. 

Wir laufen noch bis an das nördliche Ende des Gélasees und erreichen diesen strandähnlichen Seezugang. Hier drehen wir um und laufen zurück zu unserem Mobil. Im Womo gibt es dann ein verspätetes Mittagessen, und während wir ganz gemütlich essen, sehen wir, dass der Platz langsam ganz schön voll wird. Und nicht alle Pkw halten hier, einige fahren sogar mit reichlich Ausrüstung in den Wald hinein. Erstaunlich, dass das erlaubt ist. Sind das Schüler und Studenten, die den Abschluss des Schuljahrs feiern? Dann würde es uns nicht wundern, dass die Forstverwaltung hier Fünfe gerade sein lässt. So richtig schlau werden wir aus der Sache aber nicht, ist aber auch egal, wir stehen hier gut. Wir machen uns bettfertig, dann kann der Abend kommen.

 

So gegen 21:00 Uhr versammelt sich direkt neben unserem Fahrzeug eine kleine Gruppe von Leuten, die immer mehr Zulauf bekommt und die nun anfängt zu palavern. Auf dem ganzen Platz gibt es nicht ein einziges Fahrzeug, wo palavert wird, nur genau neben uns bleiben die am Pkw, statt sich in den Wald auf Bänke und Tische zu verkrümeln. Das geht eine ganze Weile so und wir wünschen uns, was wir uns höchst selten wünschen. Regen, richtig viel Regen, am besten einen Wolkenbruch.

 

Einen Wolkenbruch gönnt uns der Himmel heute erst einmal nicht, aber immerhin einen leichten, andauernden Schauer, der die Plaudergruppe aber wenig beeindruckt. Die Balten sind wetterfest. Schließlich zeigen die fortdauernden Niederschläge und die jetzt doch zunehmende Intensität aber doch Wirkung und die Plaudergruppe löst sich langsam auf. Michael sieht wegen der Uhrzeit einmal aufs Handy und da setzt zu später Stunde doch tatsächlich noch einmal der Verstand ein. Heute ist der 23.06.2025. Da sollte man ja fast annehmen, dass dann morgen der 24.06.2025 ist. Und da war doch was, oder? Ja, da ist Mittsommernacht und Feiertag. Wir sind aber auch Dussel. Hätten uns doch denken können, wenn am 24.06.2025 Feiertag ist, dass am Abend davor alles in Feierlaune ist, zumal am Mittsommertag. Nun ja, diesmal war das Glück in Form eines Schauers auf unserer Seite, nächstes Mal zahlen wir dann wieder Lehrgeld. Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir den Wochentag und/oder das Datum vergessen.   

 

Mit dem nachfolgenden Link Kaunas KZ Kauen geht es weiter mit dem Reisebericht Baltikum. 

 

Ihr könnt euch aber auch erst noch Vilnius und die Wasserburg Trakai ansehen, und am Ende des Reiseberichts Vilnius und Trakai zum Reisebericht Baltikum mit unserer letzten Station Kaunas zurückkehren. 

 

Weiter mit Vilnius und Trakai