von Kirdeikiai nach Labanoras

 

Sonntag, 22.06.2025 - von Kirdeikiai über Ladakalnis nach Labanoras- 44 km

Heute schlafen wir bis 09:00 Uhr. Das Wetter ist wieder mal durchwachsen, da haben wir keine Eile. Wir frühstücken und relaxen. Außerdem ist die erste Gasflasche leer, sodass der schon seit längerer Zeit erwartete Gasflaschentausch ansteht. Da hat die Gasflasche doch tatsächlich 7,5 Wochen gehalten, obwohl sie bei unserer Abfahrt bereits angebrochen war. Gut, dass wir die Heizung so selten eingeschaltet haben. Das zeigt aber auch, dass zwei volle Gasflaschen bei mäßigem Heizen ohne weiteres 3 Monate halten können. 

Ladakalnishügel

Das Kärtchen zeigt den Ladakalnishügel und unseren Wanderweg am südlichen Ufer des Linkmenassees über die Brücken 1 und 2 (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Gegen 11:00 Uhr brechen wir dann aber doch auf, lange genug gegammelt haben wir ja. Wir fahren zunächst einmal zurück in Richtung Ginučiai, wo die Straße kurz vor der westlichen Ortseinfahrt zum Ladakalnishügel abbiegt. Der Parkplatz ist gut gefüllt, ist halt Sonntag, da machen viele einen Ausflug ins Grüne. Aber wir haben Glück. Nach ein wenig Warten wird genau der richtige Platz frei und wir können unser Gefährt nun vernünftig einparken.

Wir laufen hinauf auf den Ladakalnishügel und sind überrascht über die gute Aussicht. 

Denn der Hügel ist nicht bewaldet, sondern gibt die Sicht auf mehrere Seen frei. Wir wollen fast schon wieder umdrehen, entscheiden uns dann aber, ein Stück Weg entlang des Südwestufers des Linkmenassees abzulaufen. 

Der Weg verläuft unweit des Seeufers, wie so oft bei den baltischen Seen hat man aber dennoch wenig Sicht auf den See, denn dichte Baumreihen nebst Unterholz und Schilfgürtel lassen selten einen wirklich freien Blick auf den See zu. Trotzdem ist der Weg recht abwechslungsreich, mal laufen wir durch lichte Birkenwäldchen, mal durch Kiefernwald, mal durch sumpfiges Gelände und dann wieder über sanft federnde, mit Holzschnitzeln aufgefüllte Waldwege. 

Schließlich erreichen wir die Brücke 1, unter der das Wasser vom Linkmenassee über einen schmalen Kanal in den Alksnassee abläuft. 

An dieser strategisch günstigen Stelle hat die Forstverwaltung oder wer immer dafür in Litauen zuständig ist, einen Ruheplatz für Wasserwanderer eingerichtet.

Gut markiert und weithin sichtbar, ist insbesondere allen Einheimischen klar, wozu dieser Platz gedacht ist. Der westeuropäische Tourist dürfte bei den Bootsverleihern aber auch eine Einweisung in Englisch bekommen. 

Wir überqueren die Brücke 1 und folgen dem Wanderpfad entlang des südlichen Seeufers des Linkmenassees bis zur Brücke 2 (vgl. Kärtchen).  

Zwei Paddelboote am Ufer des  Linkmenassees. Hier ist der See noch recht breit, wird sich nun nach Süden aber deutlich verengen. 

Hier sehen wir den  Linkmenassee an der Brücke 2. Der See wirkt an dieser Stelle eher wie ein Fluss. Aber mit dem Boot ist es bestimmt angenehm, wenn man unweit des Ufers sanft über das Wasser gleiten und dabei vielleicht auch das eine oder andere Tier beobachten kann. 

 

Wir laufen noch bis zum östlichen Ende des Sees und kehren dann auf dem Weg, den wir gekommen sind, zum Wohnmobil zurück. Die Strecke beträgt gut 3 km, also keine allzu mühsame Angelegenheit, zumal der Weg fast auf einem Niveau verläuft.

Der Regionalpark Labanoras

Mit unserem Gefährt setzen wir unseren Weg in Richtung Regionalpark Labanoras fort und erreichen gegen 15:00 Uhr die gleichnamige Kommune. Der Regionalpark Labanoras ist ein Regionalpark in den Rajongemeinden (in etwa Verbandsgemeinden) Švenčionys, Molėtai und Utena. Die Parkverwaltung befindet sich zentral im Weiler Labanoras. Das Parkterritorium beträgt etwa 55.000 ha. Der Park wurde am 24. September 1992 errichtet. Geschützt werden der Forst Labanoras und seine Landschaft. Der Ort Labanoras mit den gleichnamigen Seen ist Teil der Seenplatte westlich von Ignalina und die ist wiederum Teil des Aukštaitija-Nationalparks (Oberlitauen). 

Die ganze Region ist bekannt für ihre dichte Konzentration von 126 Seen, die durch Flüsse wie die Žeimena, Kiauna, Lakaja und Būka verbunden sind und oft als "Mekka des Wassertourismus" bezeichnet werden. Westlich direkt angrenzend liegt auch das Lakaja & Molėtai-Seengebiet. Der Hauptort für den Tourismus in diesem Gebiet ist Palūšė (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Wir halten erst einmal am einzigen Einkaufsladen weit und breit, denn wir haben Hunger. Der Ort erinnert Michael ein wenig an seine Kindheit Anfang der 60er Jahre im Taunus. Denn hier in diesem winzigen Lädchen geben sich alle die Klinke in die Hand. Man kennt sich und es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Die Warenauswahl ist begrenzt, aber die dringendsten Bedürfnisse können hier befriedigt werden. Unter einer Baumreihe westlich des Lädchens sind mehrere Tische aufgestellt, an denen Locals ein Bierchen trinken oder eine Kleinigkeit essen und plaudern können. Wir stellen unser Auto hinter das Lädchen, setzen uns ebenfalls an einen der Tische, kaufen im Lädchen ein Brot und ein paar Würstchen und machen daraus ein improvisiertes Mittagsessen. Zu schade, dass wir der Landessprache nicht mächtig sind. In Englisch versucht jedenfalls keiner, mit uns anzubandeln. Nachdem der Hunger gestillt ist, tasten wir ein wenig die Umgebung ab und sehen, dass gleich westlich des Lädchens eine schöne Holzkirche steht.    

Ganz sicher sind wir nicht, vermuten aber, dass es sich bei diesem Gebäude um den zur Kirche gehörenden Glockenturm handelt. 

Und hier im Bild sehen wir, unweit des vermutlichen Glockenturms, das große Portal der Kirche der Geburt der Allerheiligsten Jungfrau Maria in Labanoras und dahinter die zugehörige Kirche.

Wir gehen um das Gebäude herum und treffen am hinteren Ende des Gebäudes auf dieses kleine Seitenportal.

Noch einmal die Kirche der Geburt der Allerheiligsten Jungfrau Maria in Labanoras (litauisch: Labanoro Švč. Mergelės Marijos Gimimo bažnyčia) aus einem anderen Blickwinkel. Die ursprüngliche historische Holzkirche wurde am 21. Dezember 2009 durch ein verheerendes Feuer fast vollständig zerstört. Nach dem Brand wurde die Kirche wieder aufgebaut, um das architektonische Erbe der Region zu bewahren. Die Kirche gilt als ein zentraler kultureller und religiöser Ort im Labanoras-Regionalpark. 

Unser Auto steht gut, also setzen wir unseren Spaziergang fort und laufen zwei Hauptstraßen des Ortes ab, um uns die lokalen Holzhäuser anzusehen, die in unterschiedlichen Erhaltungszuständen die Straßen flankieren. 

Die alten Häuser fügen sich gut in die Landschaft ein, und manche zeigen hübsche Details.    

Bei einigen hat man das Gefühl, hier müsste wieder einmal Hand angelegt werden. Holz ist halt pflegeintensiv, da muss man sich rechtzeitig kümmern, wenn man lange etwas davon haben möchte.

Und wieder andere befinden sich in einem Zustand, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dass dort überhaupt noch Leute leben. Michael kann sich auch noch gut erinnern, wie es in den 60er-Jahren war, mit Holz, Kohle und Briketts zu heizen. Torf blieb uns immerhin erspart. Er weiß noch, wie man sich redlich mühte, die Glut vom späten Abend irgendwie bis in die frühen Morgenstunden zu retten, um rasch ein neues Feuer zu entfachen und die Kälte der Nacht schnellstmöglichst zu vertreiben. Oft waren alle Bemühungen vergebens, die Wohnung war komplett ausgekühlt und man musste mitten im Winter mit bibbernden Händen das Feuer ganz neu aufbauen. Da ist eine Zentralheizung schon etwas ganz anderes. 

Eine gute Idee sehen wir hier. Der Grundstückseigentümer hat das lebendige Unterholz so ineinander verflochten, dass im Zuge des Wachstums ein recht solider Zaun entstanden ist. So spart er Geld, und der Zaun erneuert sich jedes Frühjahr wieder.

Schon ganz früh im Jahr denkt man hier an den langen Winter, in dem man sich Berge von Holz selbst erarbeitet oder von entsprechenden Lieferanten herankarren lässt.  

Hier hat man sich richtig ins Zeug gelegt, dem Haus einen frischen Anstrich verpasst und damit der weiteren Verrottung der Außenfassade einen Riegel vorgeschoben. 

Ein alter Brunnen im ländlichen Litauen ist oft ein malerisches Symbol für das traditionelle Leben. Typisch sind hölzerne Konstruktionen, oft mit einem überdachten Rollensystem, um den Eimer hinunterzulassen und das frische Wasser nach oben zu befördern. Historisch gesehen waren Brunnen, ähnlich wie alte Bäume, Treffpunkte im Dorf, an denen Nachrichten ausgetauscht wurden.  

Labanorasseen

Es ist inzwischen 17:00 Uhr und es wird Zeit, sich ein Nachtquartier zu suchen. Das finden wir ganz in der Nähe am östlichen Ortsausgang von Labanoras.

Zwischen zwei Baumgruppen machen wir es uns gemütlich. Nach ein wenig Vor- und Zurückrangieren stehen wir gut. Wir schaffen es sogar noch, unsere Satanlage auszurichten für den abendlichen Krimi. 

Hier sehen wir die Lage des Übernachtungsplatzes nur wenige hundert Meter östlich des Weilers Labanoras. Warum in Wikipedia im Plural von den Labanorasseen gesprochen wird, können wir allerdings nicht ganz verstehen, denn wir sehen hier nur einen See und nicht mehrere (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Wir haben hier wieder einmal ein richtig lauschiges Plätzchen gefunden, eine Lokalität, an der man leicht mehrere Tage bleiben könnte. Unsere 10 Wochen reichen eigentlich bei weitem nicht aus.

Ja, so ein Boot, das könnten wir jetzt auch richtig gut gebrauchen, um einmal auf den See hinauszufahren.  

Zum ersten Mal treffen wir auf einen Platz, der richtig gut belegt ist. Möglich, dass das am Wochenende liegt, möglich aber auch, dass die Ferien bereits begonnen haben. Jedenfalls bleiben auch am Sonntagabend die meisten Gäste vor Ort und genießen die Natur. Darunter sind auch viele Kinder, denen es hier am See, auf der großen Wiese und im angrenzenden Wald richtig gut gefällt. Wo hat man schon einmal so viel Freiheit? Es ist ein wenig wie Bullerby.    

 

Am Abend trifft hier auch ein Alleinreisender aus Heilbronn mit einem Microwohnwagen ein. Der ist ein bisschen schrullig. Als 75-jähriger Alleinreisender ist das auf Dauer vielleicht unvermeidlich.

Wir laufen ein Stück durch den angrenzenden Wald.

Dann geht es an den Rand des Sees. 

Aber der Himmel ist uns nicht ganz geheuer, deshalb entfernen wir uns nicht allzu weit, um jederzeit in Richtung Womo sprinten zu können.   

Doch wir haben Glück. Die Nässe bleibt, wo sie ist, und wir verbringen hier einen wirklich schönen Nachmittag und Abend.