Montag, 05.05.2025 - von Birštonas nach Rumšiškės bei Kaunas - 69 km
Heute geht es nach Kaunas. Gerne hätten wir auf dem dortigen Campingplatz übernachtet, aber leider ist der noch geschlossen und frei zu stehen ist uns jetzt jedenfalls noch zu gewagt. Wir können
das Risiko im Baltikum noch nicht so richtig einschätzen. Was nutzt uns ein kostenloser Platz, wenn wir den ganzen Tag unsicher sind, ob wir unser Auto unbeschadet wiedersehen.
Die Straße nach Kaunas hinein erscheint endlos. Eine Unmenge Ampeln, Bodenschwellen und Blitzgeräte machen die Anfahrt ziemlich anstrengend. Wir steuern einen großen Markt, den Zentralmarkt von
Kaunas an und hoffen, dass der so beeindruckend ist, dass sich die Anfahrt gelohnt hat. Bedauerlicherweise ist das dann nicht der Fall und wir sind ein wenig genervt von Kaunas. Eine Sache wollen
wir uns dann aber doch noch gönnen. Ca. 15 km östlich von Kaunas befindet sich das Freilichtmuseum Rumšiškių kultūros centras, das unter anderem alte Bauerngehöfte aus der
Historie Litauens zeigt. Etwas Ähnliches kennen wir aus Deutschland, Schweden und Dänemark. So etwas gefällt uns, also fahren wir dorthin und erreichen den Ort Rumšiškės gegen
12:00 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 10 €, für Rentner nur 5 €, da kommt Freude auf.
Außerdem können wir auf dem Parkplatz vor dem Museum für 2 € übernachten. Was wollen wir mehr. In Kaunas auf dem Campingplatz hätten wir wohl 25 € berappen müssen.
Lage und Ausdehnung des Freilichmuseums (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Der Eingang zum Freilichtmuseum Rumšiškių kultūros centras.
Jenseits des Empfangsgebäudes führt der Weg hinunter in eine kleine Talaue.
Eine breite, bequem zu begehende Holzbrücke quert die Talaue.
Eingebunden in viel Grün gibt das heute ein entspannter Nachmittag. Das Gelände ist relativ weitläufig und die ganze Runde soll etwa 6 km Wegstrecke umfassen. Wir machen uns bei schönstem Wetter auf den Weg. Allerdings ist es die letzten zwei Tage deutlich kühler geworden und wir müssen uns schon etwas wärmer anziehen.
Die einzelnen Gehöfte sind wirklich schön restauriert und ein kleines Dorf hat man ebenfalls aufgebaut. Die rechteckige Anordnung der Gebäude, um einen großen Platz kann Michael gut nachvollziehen. Er kennt sie aus vielen alten Fotografien, wo es so etwas auch in Deutschland gab. Die Wege sind in gutem Zustand und die Streckenführung zwischen Wiesen und Wäldchen ist sehr abwechslungsreich. Wir erreichen einen großen, gepflasterten und rechteckigen Platz, um den herum diverse Holzhäuser gruppiert sind. Auf der Südseite steht eine hölzerne Kirche.
Die Häuser, meist in dezenten Pastelltönen angestrichen und mit leichtem Vintage Touch, fügen sich harmonisch in ein stimmiges Gesamtbild.
Schön aufeinander abgestimmte, unaufdringliche Farben machen auch den Reiz dieses Gebäudes aus.
In der Platzmitte hat man einen ehemaligen Brunnen platziert.
Der Brunnen aus der Nähe betrachtet mit einer Viehtränke.
Ein liebevoll hochgezogenes dekoratives Mauerwerk umfriedet die hölzerne Kirche.
Die hölzernen Kirche auf der Südseite des Museumsdorfes. Draußen haben UV-Licht und Regen, Eis und Schnee der Holzkonstruktion schon etwas zugesetzt.
In den Innenräumen der hölzernen Kirche präsentiert sich das Holz wie am ersten Tag.
In den Innenräumen der hölzernen Kirche am Museumsdorf.
Die Besucherinformation.
Von einer jungen Frau erfahren wir einiges über das Museumsdorf und das Leben der heutigen Generation angesichts einer permanenten Bedrohungslage.
In den verschiedenen Gebäuden trifft man auf Sachkundige, die Auskünfte zum Museum und dem einen oder anderen Gebäude geben können. Allerdings haben überwiegend die Litauer etwas davon, denn die Fremdsprachenkenntnisse der Leute sind noch nicht so ganz sattelfest. Aber auch eine missverständliche Kommunikation kann recht lustig sein und so haben wir bei verschiedenen Gebäuden trotz aller Unklarheiten einen lustigen Nachmittag.
Aussichtstürme scheinen die Balten zu lieben. Davon haben wir nun schon einige gesehen. Dieser hier ist nicht allzu hoch, trotzdem muss Michael natürlich wieder einmal nach oben steigen.
Dieses Gebäude diente vermutlich der Vorratshaltung. Ungebetene Gäste wurden von den Vorräten ferngehalten und die Stelzen sorgten für dauerhaft trockene Lagerung.
Eine von vielen verschiedenen Möglichkeiten, einen Zaun zu errichten. Dieses Model dürfte seine Funktion sicher recht gut erfüllt haben. Und es sieht auch noch gut aus.
Auch eine Windmühle gehört zur Ausstattung des Museumsdorfes.
Warum der Baum hier so windschief daherkommt, ließ sich nicht ergründen.
Die Gärten und Außenanlagen der Bauernhäuser kommen meist sehr gepflegt daher.
Auch dieses Gebäude sieht eher nach Vorratshaltung, denn nach einem Wohnhaus aus.
Eine weitere, etwas kleinere, hölzerne Kirche befindet sich im Norden des Museumsgeländes. Hier nähern wir uns nun dem Ende unseres Besuches. Wir verbringen knapp 4 Stunden in dem Freilichtmuseum und sind am Ende 10 km gelaufen. Wie schon bei den vorangegangenen Freilichtmuseen mit alten Bauerngehöften sind wir auch diesmal nicht enttäuscht worden. Zurück am Auto sind wir schon ein wenig platt, machen Mittag und ruhen uns dann im Wohnmobil aus. Draußen wird es immer kälter und wir können uns nicht motivieren noch einmal in den benachbarten Ort zu laufen.
Die Nacht haben wir auf dem Parkplatz direkt vor dem Freilichtmuseum verbringen dürfen. Wir sind am folgenden Morgen ein wenig skeptisch, ob wir dafür wirklich nur 2 € berappen müssen und ob sich die Schranke, hinter der wir stehen, auch wirklich öffnen wird. Doch sie tut es. So endet ein rundherum gelungener Besuch. Und auch wenn das mit Kaunas jetzt nichts geworden ist, haben wir eine zweite Chance, wenn wir von unserer Rundfahrt durch das Baltikum zurückkehren in den Süden Litauens.