Hiiumaa und Happsalu

Dienstag, 03.06.2025 - vom RMK Platz Palli telkimisala nach Haapsalu - 94 km 

RMK Palli - Tahkuna - Heltermaa - Haapsalu

Wir haben göttlich geschlafen und sind gegen 08:00 Uhr auf den Beinen. Wir machen uns stadtfein und fahren zunächst einmal nach Körgessaare, weil dort weit und breit der einzige etwas größere Supermarkt ist, wo wir unsere Vorräte auffüllen können. Wie üblich sind wir noch zu früh, denn der Laden öffnet erst um 10:00 Uhr. Mit uns stehen schon 3 Camper in Lauerstellung, einheimische Kundschaft ist nicht zu sehen. Also die merken hier die Saison bestimmt ziemlich deutlich. So richtig losgehen wird es in etwa zwei Wochen und vor allem, wenn in Estland die Sommerferien beginnen. Hier am Coop können Camper übrigens auch Trinkwasser aufnehmen, wenn man vorher gefragt hat und der Betreiber einverstanden ist. 

Von Körgessaare geht es nun zum Tahkuna Tuletorn, einem Leuchtturm am nördlichsten Punkt der Insel Hiiumaa. Die Strecken auf der Insel Hiiumaa sind immer recht kurz, und so sind wir schon 15 Minuten später am Leuchtturm. 

Tahkuna Tuletorn (Leuchtturm)

Der Tahkuna Tuletorn vom Parkplatz aus aufgenommen.

Das Kärtchen zeigt den Standort des Tahkuna Tuletorn im Norden der Insel Hiiuma (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Jetzt gibt es erst einmal Frühstück und danach tut Michael, was er nicht lassen kann: Er besteigt den Turm. Ein Camper aus Nürnberg erzählt uns, er habe die letzte Nacht hier am Turm verbracht, und als er am Morgen aus dem Auto geschaut habe, seien zwei Elche durch die Bucht geschwommen. Es gibt sie also doch, wir sind einfach immer nur am falschen Ort.

Der Turm ist immerhin 42 m hoch und das verleiht ihm ein schlankes Erscheinungsbild. Der Eintritt kostet 4 €, für Rentner allerdings nur 2 €, das hört man doch gerne. Tritt man unten in den Turm ein, ist die Stahlkonstruktion erstaunlich geräumig. Durch eine Schranke geht es über eine bequem zu besteigende Stahltreppe nach oben.


Die Tritthöhen sind angenehm, und so wird das eine recht gemütliche Angelegenheit, wenn man sich ausreichend Zeit lässt. Oben angekommen pfeift einem ordentlich der Wind um die Ohren. 

Unten war es richtig schön warm, und so ist Michael nun etwas zu kalt angezogen und fröstelt sich einen ab. Es hilft alles nichts, die Bilder müssen gemacht werden, und zwar auf allen Seiten. Auch diese Ecke von Hiiumaa ist richtig schön. Wir werden wieder viel zu viel Zeit brauchen, um uns all das anzusehen. Hoffentlich bekommen wir heute Abend die Fähre noch, denn wir würden auch gerne einmal bei schönem Wetter mit der Fähre fahren.  

Unten sehen wir den kleinen Parkplatz, auf dem die Wohnmobile abgestellt sind. Schwalben steigen hinauf bis zur Spitze des Turms, gleiten elegant durch den Wind und lassen sich treiben. Sie spielen mit dem Element und es scheint ihnen richtig Spaß zu machen. Nachdem alle Bilder im Kasten sind, geht es wieder hinunter. Die letzten beiden Treppen klappern ganz schön, aber davon sollte man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.  

Unten angekommen drehen wir noch eine Runde um das Kap. Dabei treffen wir auf dieses Denkmal, das an die Katastrophe der Estonia-Fähre am 28.09.1994 erinnern soll. 

Das Schiff war auf dem Weg von Tallinn nach Stockholm. Von 989 Passagieren und Crewmitgliedern überleben nur 137 Menschen. Es war die größte Schiffskatastrophe der Nachkriegszeit in Europa.

Eigentlich wollen wir nun noch an die Südspitze von Hiiumaa, um uns dort ein Naturschutzgebiet anzusehen. Aber es ist jetzt bereits 14:00 Uhr, bis dorthin bräuchten wir 30 Minuten, dann nochmal 30 Minuten bis zur Fähre, und je nachdem, wie lange wir dort spazieren gehen, würde es dann schon knapp bis 17:30 Uhr. Außerdem wissen wir nicht, wie gut die Fähre ausgelastet ist. Wäre blöd, wenn wir mit der letzten Fähre um 17:30 Uhr nicht mehr mitfahren könnten. Nach kurzem Überlegen entschließen wir uns, direkt zur Fähre zu fahren und bereits die 16:00 Uhr Fähre zu nutzen. Sollte die überbucht sein, hätten wir dann noch eine zweite Chance. Auf dem Weg zur Fähre gehen wir in Kärdla noch in einen Rimi-Supermarkt. Der ist günstiger als der COOP, dort besorgen wir uns noch etwas für das Mittagessen. 90 Minuten vor Abfahrt der 16:00 Uhr Fähre treffen wir am Fährhafen eine. Wie schon an den beiden ersten Fähren, wählen wir die Spur für die Barzahler, fahren an den Schalter heran und entrichten unseren Obolus. Wir dürfen dann in Spur 5 Aufstellung nehmen und sind erst das zweite Fahrzeug in der Bereitstellungsspur. 

Nun haben wir alle Zeit der Welt, das Mittagessen zuzubereiten und ein paar Fotos von dem kleinen Fährhafen und der einfahrenden Fähre zu machen. Mit dem Mittagessen sind wir gegen 15:45 Uhr fertig und während wir das Geschirr reinigen, sehen wir schon die Fähre einlaufen. Jetzt aber schnell. Ruckzuck ist alles verstaut, Foto und Laptop gesichert, und schon dürfen wir vorziehen. Die dritte Fährfahrt ist die längste. Heute sind wir 75 Minuten unterwegs. Die erste Fahrt dauerte dagegen 35 Minuten und die zweite 60 Minuten. 

Beim Übersetzen nach Hiiumaa mussten wir uns noch im Schiffsbauch verstecken, das ist heute zum Glück nicht nötig.

Denn heute ist es wunderbar warm und sonnig, wir sitzen am Bug auf dem Oberdeck, haben massig Platz und können von dort das Geschehen verfolgen und die Überfahrt in vollen Zügen genießen. 

Auf halbem Weg kommt uns die Schwesterfähre entgegen, die können wir dann auch noch ablichten, und schon nähert sich der Festlandshafen in Rohuküla und wir müssen zurück ins Auto.

Zurück auf dem Festland in Haapsalu

Das Kärtchen zeigt den Standort des Alten Bahnhofs (Lokomotiven und Waggons), der Bischofsburg Hapsal und des Übernachtungsplatzes in Marienholm (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Nach dem Anlegen geht es in einem Rutsch bis Haapsalu. Vom Fährhafen Rohuküla sadam sind es auf der Straße 9 gerade einmal 10 km bis Haapsalu. Dort möchten wir uns die Burgruine anschauen. Als wir auf das Zentrum zusteuern, führt uns die 9 direkt am alten Bahnhof vorbei. Dort steht ein wunderbares hölzernes Bahnhofsgebäude und davor sind ausrangierte Lokomotiven platziert. Da kann Michael unmöglich dran vorbeifahren.  

Der Erhaltungszustand ist nicht immer der beste, aber so eine Dampflokomotive und selbst eine alte Diesellok machen schon etwas her.

An diesem Modell wurde schon kräftig gearbeitet.

Auch ein paar alte Güterwagen hat man auf dem Bahnhofsgelände bereitgestellt.

Hierbei dürfte es sich vermutlich um eine Diesellok handeln. Ein Stromabnehmer ist jedenfalls nicht zusehen. 

Zum Abschluss noch ein Prachtexemplar von einer Dampflokomotive. 

Unser nächster Stopp liegt im Stadtzentrum an der Ruine der Bischofsburg Hapsal. Am Lossiplats (Schlossplatz) finden wir einen kostenlosen Parkplatz, auf dem wir unser Womo abstellen können. Das ist doch wirklich mal schön, dass die Stadt nicht gleich wieder die Hand aufhält. Wir gehen als Erstes zur Burg, die hat einen frei zugänglichen Teil und einen kostenpflichtigen Teil. Letzterer schließt um 18:00 Uhr und das ist bei unserer Ankunft. Hinein können wir also nicht mehr. Aber auch der jetzt noch frei zugängliche Teil hat durchaus seine Reize und verdient einen Besuch.  

Die Aufnahme zeigt die Bischofsburg Hapsal. Wir sind ja nun nicht zum ersten Mal zu früh oder zu spät an einer Location eingetroffen, die es verdient hätte, besucht zu werden. Aber wir grämen uns nicht. Wir haben so viel gesehen, da wird es einigen Aufwand erfordern, sich überhaupt zu vergegenwärtigen, wo wir überall unterwegs waren.

Gegenüber der Bischofsburg Hapsal üben junge Lettinen eine Choreografie für ein Fest ein. Michael könnte sich vorstellen, dass es dabei um die Mittsommerfeier geht. 

Danach geht es in die Stadt. Das kleine Zentrum ist ganz hübsch, auch das Kurhaus, die Kirche oben und eine kleine Uferpromenade machen was her. Aber viel ist nicht los, die meisten Geschäfte sind bereits geschlossen. Besonders gut gefallen uns wieder einmal diverse Holzhäuser, selbst dann, wenn sie ihre besten Zeiten hinter sich haben bzw. dringend mal renoviert werden müssten. Wir haben davon nun aber schon so viele gezeigt, dass wir an dieser Stelle darauf verzichten wollen.

Dafür möchten wir diesen hübschen Pavillon präsentieren, den man an prominenter Stelle in den See gestellt hat.

So ganz leuchtet uns der Sinn dieses Gebäudes nicht ein. Wir haben uns aber überlegt, dass es im Winter im Baltikum sehr kalt werden kann. Und vielleicht dient dieser Pavillon dann dazu, auch bei niedrigsten Temperaturen einen Blick auf einen dann vielleicht zugefrorenen See zu werfen und sich dabei gleichzeitig ein wenig aufzuwärmen. Während Michael sich erst ab 15 Grad Celsius aufwärmen kann, macht das ein echter Balte schon bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. 

Das Kärtchen zeigt eine vergrößerte Darstellung des Stadtteils Marienholm, mit unserem Übernachtungsplatz (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Nach dem Stadtbummel müssen wir uns entscheiden, ob wir in der Stadt übernachten oder noch etwas weiterfahren, um Strecke zu machen.   

Michael würde am liebsten noch etwas weiterfahren, aber Angelika geht es nicht so gut und wir finden bei unserer Suche einen wunderschönen Platz im Stadtteil Marienholm im Norden von Haapsalu bzw. an der Ostsee mit zwei Toiletten (Porzellantoiletten mit Wasserspülung), die sogar warmes Wasser haben (Handwaschbecken) und sauber sind. Also bleiben wir in der Stadt und müssen dann morgen etwas mehr Strecke machen. Mit uns übernachten hier 6 weitere Wohnmobile. Die wissen alle, was sie an der Location haben. 

Als Zugabe erhalten wir noch einen wunderschönen Sonnenuntergang. Wir können uns wieder einmal nicht beklagen.