Šlītere und Schiffsfriedhof Mazirbe

Dienstag, 20.05.2025 - von Šlītere nach Kap Kolka und Valgalciems - 109 km

Das Kärtchen zeigt die Lage von Parkplatz, Leuchtturm und einem hübschen Holzbohlen-Rundweg durch ein sumpfig-mooriges Gelände mit Bruchwald jenseits der Geländeabbruchkante (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).  

Wir waren gestern zu müde, um uns noch groß im Umfeld unseres Übernachtungsplatzes umzusehen. Dementsprechend konnten wir auch nirgendwo einen Leuchtturm ausmachen. Angelika kann sich ohnehin keinen Leuchtturm so weit im Hinterland vorstellen, also gibt es den auch nicht, basta. Michael kann sich wiederum nicht vorstellen, dass alle, die von diesem Turm berichteten, Tomaten auf den Augen hatten. Jedenfalls sieht sich Michael genötigt, das ganze Umfeld abzusuchen, um den Turm zu finden.  

Zunächst sieht er sich aber mal den Parkplatz an. Hier sehen wir zwei Toilettenhäuschen, die inzwischen außer Betrieb genommen worden sind. 

An deren Stelle sind diese beiden getreten. An unserem Besuchstag waren die einigermaßen sauber. Davon abgesehen gibt es keinerlei Ver- und Entsorgung, wäre auch erstaunlich in oder am Rande des Nationalparks.  

Nachdem das geklärt ist, begibt sich Michael auf den Weg in Richtung Geländeabbruchkante. Und siehe da, 300 m weiter steht der Leuchtturm in voller Pracht. Die Bäume am Parkplatz haben die Sicht auf den Turm derart eingeschränkt, dass er kaum zu sehen war. Wie man sieht, ist die Tür noch geschlossen, Michael ist für den Aufstieg einfach noch zu früh unterwegs. 

Michael lichtet das Gebäude von allen Seiten ab und sieht dann, dass das Gelände hinter dem Leuchtturm steil abfällt in Richtung einer Talaue, die gut 20 Höhenmeter tiefer liegt. Einer Schautafel entnimmt er, dass es dort unten auch Elche geben soll. Aber Michael macht sich nichts vor. Geschrieben wird diesbezüglich viel, zu sehen gibt es wenig bis nichts. Michael geht zurück auf den Parkplatz und holt Angelika ab, um den Wanderpfad in der Talaue abzulaufen. Von der steilen Treppe sagt er natürlich nichts. Wer so kleingläubig die Existenz des Leuchtturms negiert, verdient eine Lektion.  

Die lange Treppe hat einen Riesenvorteil. Man sieht oben gar nicht, wie lang die wirklich ist. Die Treppe besteht aus 170 Stufen, die Stufentiefe ist gering und bei manchen Treppenabschnitten stehen Balken ein wenig hervor, sodass man hier wirklich langsam machen und auf seine Schritte achten muss.  

Angelika stöhnt auf halber Strecke schon einmal vorsorglich, aber bis sie tatsächlich realisiert, wie weit es hier nach unten geht, sind wir fast schon am Einstieg in den etwa 3 km langen Naturpfad. Günstig ist auch, dass es hier zuerst nach unten geht. Im umgekehrten Fall hätte Angelika wohl gleich umgedreht.  

Unten angekommen geht es die ganze Zeit auf Holzbohlenwegen entlang. Am Fuß der Böschung treffen wir auf eine Mischung aus Auenwald und Moorpfad. Es gibt eine ganze Reihe von Hinweistafeln, aber leider sind die weit überwiegend in Lettisch verfasst, und so können wir nur aus Icons oder Fotos erschließen, worum es gehen könnte. Man kann es den Letten allerdings nicht verübeln, denn hier gibt es bei 2 Millionen Einwohnern nur eine begrenzte Manpower, und man kann sich eigentlich nur wundern, wie sie so schöne Wege wie diesen überhaupt zustande bringen.  

Am Wegesrand sehen wir dieses hübsche Farnwäldchen.

Selbstverständlich finden auch Pilze und Moose in dieser feuchten Umgebung eine Heimstatt.

Der Holzbohlenweg hat seine besten Tage schon hinter sich. Allerdings sehen nicht alle Wegabschnitte so desaströs aus. Zu beiden Seiten des Holzbohlenweges breiten sich Bärlauchwäldchen aus und die ganze Umgebung duftet nach Knoblauch. Der Bärlauch ist kurz vor der Blüte, lange wird es also nicht mehr dauern, bis diese Duftnote wieder verschwindet. Erneut treffen wir auf Farne, die mit dem Bärlauch assoziiert sind und deren Individuen sich kegelförmig nach oben öffnen und schöne Fotos ermöglichen.

Hier lässt es sich wieder einwandfrei laufen. Am dichten Vegetationsbestand kann man erkennen, warum Elche, die hier vielleicht tatsächlich unterwegs sind, selten gesehen werden. Bis wir die im dichten Unterholz sehen könnten, hätten die uns schon dreimal aufgrund unserer Geräuschkulisse oder unseres Duftes wahrgenommen.   

Der Auenwald wird nun zunehmend trockener. 

Zwischen dem reinen Laubwald schalten sich zunehmend Nadelhölzer ein. An vielen Stellen liegt Totholz, das teilweise den mit viel Fleiß gefertigten Holzbohlenweg in Mitleidenschaft gezogen hat. Moose breiten sich aus und Baumpilze saugen ihren Nektar aus vermodernden Stämmen.

Schließlich erreichen wir eine Lichtung mit Kiefernsolitären. Die Sonne scheint vom blauen Himmel und es wird richtig schön warm. Das sieht schon fast wie ein Hochmoor aus. Der Laubwald ist nun völlig von den Koniferen verdrängt, die allerdings zu Zwergwuchs neigen. 

Der hier noch beständig nach Nordwesten verlaufende Rundweg biegt schließlich nach Südwesten und dann nach Süden um und bewegt sich jetzt wieder zurück in Richtung der Geländeabbruchkante (vgl. hierzu auch unser Kärtchen).  

Und schon verabschieden sich die eben noch so zahlreichen Nadelhölzer und der Laubwald und die Staunässe kehren zurück.  

Diese Rampe hat man offensichtlich benutzt, um an der Geländeabbruchkante Material von oben nach unten oder umgekehrt zu befördern. Inzwischen ist sie funktionslos. 

Hier sind wir am Ende des Rundweges angekommen und stehen wieder vor den 170 Treppenstufen. Also 3 km ist dieser Weg nicht lang, eher so 1,5 bis 2 km. Vielleicht haben wir etwas falsch verstanden. Abgesehen von der Treppe ist es ein richtig schöner Wanderweg durch einen ausgesprochen urwüchsigen Wald. Und bei der Treppe denkt ihr immer nur daran, wie sich euer Kreislauf freut. 

Bis wir uns im Womo wieder sortiert haben, ist es schon 11:15 Uhr und somit ist jetzt auch der Rote Leuchtturm geöffnet. Also sollte Michael den auch noch schnell mitnehmen. Der Eintritt kostet 3 Euro. Eine ältere Dame sitzt unten im Turm in einem kleinen Büro und wartet bereits auf die Besucher. Die Attraktion ist gar nicht einmal die Aussicht, sondern der Turm selbst. Denn der ist liebevoll restauriert und mit reichlich Infotafeln zur einheimischen Tier- und Pflanzenwelt bestückt. 


Selbst der Aufgang wird zu einem Erlebnis. Denn die Treppen und die zugeordneten Etagen sind farblich aufeinander abgestimmt. Die Treppe zur ersten Ebene ist grau, die zur zweiten eigelb, die zur dritten hellbraun und die letzte dunkelbraun gestrichen. Wirklich schön gemacht. Zum Leuchtfeuer hoch darf man natürlich nicht, aber unmittelbar darunter befindet sich ein kleiner Rundgang, von dem aus man durch kleine Fenster in alle Richtungen nach draußen schauen kann. 

Leider lassen sich die meisten Fenster nicht öffnen, aber die Sicht ist ohnehin nicht so berauschend, und da macht das nichts. Gegen 11:30 Uhr verlassen wir Slītere. Von Slītere fahren wir nur ein kurzes Stück bis zur anderen Seite der Küstenstraße nach Mazirbe. Dort soll es laut Womoführer einen kleinen Schiffsfriedhof geben.

Das Kärtchen zeigt unseren Parkplatz, den kleinen Schiffsfriedhof und den Mündungsbereich des Moorwasserflusses (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Den im Womoführer angegebenen Parkplatz finden wir nicht. Aber 1300 m nach einem Hinweisschild treffen wir kurz vor der Küste an einem alten, verrosteten Kontrollturm auf diesen Wanderparkplatz, wo wir unseren Brummer abstellen können. Von der Stelle aus passt zwar nun die Beschreibung des Womoführers nicht mehr, denn wir sind ja ganz woanders ausgestiegen. Aber vom Strand aus sollte der Schiffsfriedhof trotzdem zu finden sein. 

Also machen wir uns auf den Weg Richtung Meer und sind erneut begeistert, denn der Strand sieht schon wieder anders aus als an den Lokalitäten zuvor. Ein wenig zu euphorisch angesichts des herrlichen Umfeldes, laufen wir Meter um Meter die Küste nach Südwesten hinunter. Dabei vergessen wir landseitig nach dem Hinweisschild zum Schiffsfriedhof zu suchen und laufen natürlich prompt vorbei. Das einzige, was uns ins Auge sticht, ist das offensichtlich verschmutzte Ostseewasser. Eine hellbraune Brühe lässt uns Abstand zur Ostsee halten.   

Dann sehen wir in einiger Entfernung einen küstenparallelen Fluss, der ebenfalls braun gefärbt ist. Und nun wissen wir auch, was es mit der scheinbaren Verunreinigung des Ostseewassers auf sich hat. Es ist das Flusswasser, das sich höchstwahrscheinlich aus den Abflüssen einiger küstennaher Moore speist und dadurch diese dunkle Farbe annimmt. 

Je weiter wir den Fluss hinauf laufen, umso dunkler wird das Wasser, bis wir fast schon eine schwarze Brühe sehen. Der Fluss biegt schließlich landeinwärts ab und schneidet uns den Weg ab. Nun gibt es kein Weiterkommen mehr. Also drehen wir um und versuchen noch einmal unser Glück an der Zuwegung zu den Häusern.  

Und dieses Mal finden wir das Hinweisschild. Vom Strand aus ist das allerdings nicht zu sehen und so war es kein Wunder, dass wir daran vorbeigelaufen sind. 

Für das, was wir dann zu sehen bekommen, ist Schiffsfriedhof ein großes Wort, denn wir sehen nur zwei Boote und einige Überbleibsel. Die Fotos sind schnell gemacht und dann geht es zurück zum Wohnmobil.

Also wegen dieser Rudimente müsst ihr wirklich nicht den Weg nach Mazirbe antreten, aber der Strand in Verbindung mit dem Moorwasserzufluss, den fanden wir dann doch recht interessant. 

Der Tag ist noch lange nicht vorbei, aber wir haben wieder einmal viel zu viele Bilder gemacht und die müssen wir nun teilweise auf der nächsten Unterseite unterbringen.