von Grāveri nach Daugavpils

 

Mittwoch, 18.06.2025 - von Grāveri über Kraslava nach Daugavpils - 84 km

Čertoka ezera skatapunkts bei Grāveri

Das Kärtchen zeigt unseren Übernachtungsplatz an Tschertoksee und Jazinkssee (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Hier sehen wir unseren wirklich gemütlichen Übernachtungsplatz auf einem Höhenzug, der Jazinkssee und Tschertoksee trennt. 

Wir haben richtig gut geschlafen und sind bereits gegen 07:00 Uhr wach. Von unserem Übernachtungsplatz fahren wir vor zum Parkplatz 1. 

Wir haben ja mittlerweile mitbekommen, dass die Balten am Morgen schwer aus den Betten kommen. Dementsprechend ist der Parkplatz 1 jetzt, anders als gestern Abend, komplett leer. Nun können wir frühstücken und uns am Tschertoksee ein wenig umsehen.  

Nach dem Frühstück geht es an den Tschertoksee. Auf allen Wegen und Plätzen ist es wunderbar sauber, zumindest im ländlichen Raum finden die Balten fast immer den Weg zu den Mülleimern. Dieses Wissen ist ja in Mitteleuropa ziemlich abhanden gekommen. 

Eine Schautafel erläutert die Erholungsmöglichkeiten im Umfeld der Seen.

Oberhalb des Tschertoksees hat man mit einigem Aufwand und naturnah diese Terrassenkonstruktion errichtet. 

Der Čertoka ezera skatapunkts (Aussichtspunkt am Chertoksee) ermöglicht einen schönen Blick auf und über den See und erleichtert auch bewegungseingeschränkten Personen den Zugang.

Wer mehr sehen möchte, kann bis ganz hinunter an den See absteigen und den Rundweg um das Gewässer nehmen. 

Auf dem Rundweg sieht man entlang des Ufers unterschiedlichste Kleinbiotope, es lohnt sich also, die paar hundert Meter in Angriff zu nehmen. Allerdings gibt es hier an einigen Stellen auch reichlich Stechmücken.  

Etwas oberhalb des Sees befindet sich dieser Rastplatz. Wie lange man dort rastet, entscheiden nicht selten die bekannten Plagegeister der nördlichen Hemisphäre. Wir verlassen nun unseren Übernachtungsplatz am Tschertoksee, fahren vor zur Hauptstraße und bewegen uns auf der P 62 weiter in Richtung Krāslava.

Orthodoxe Kirche im Weiler Grāveri.

Die P 62 verläuft jetzt westlich des Weilers Grāveri, der etwas oberhalb der Straße auf einem kleinen Höhenrücken thront. Bei einem flüchtigen Blick nach oben, entdecken wir nach nur 2 km Fahrtstrecke im Vorbeifahren eine hübsche kleine Kirche. Leider finden wir auf die Schnelle keinen Parkplatz und hochfahren wollen wir auch nicht. Also nutzen wir eine Bushaltestelle, um kurz anzuhalten. Michael holt rasch den Fotoapparat aus dem Rucksack und begibt sich nach oben. Die Strecke ist dann aber doch etwas weiter als gedacht und die Kirche wirklich sehenswert, und so dauert die ganze Aktion wieder einmal länger als geplant.  

Die Orthodoxe Kirche des Erzengels Michael im Weiler Grāveri. In der Landessprache: Grāveru Sveta Arhistratiga Mihaila pareizticīgo baznīca. Hier hat man sich mit den Instandsetzungsarbeiten wieder einmal wirklich Mühe gegeben. Um diese frühe Zeit ist natürlich kein Mensch vor Ort. Hinein können wir also nicht. Aber das Bauwerk gibt auch so genug her.   

Auch die Rückseite des Kirchenschiffs ist sehr schön gestaltet. Der Stopp hat sich gelohnt. Von hier aus fahren wir nun in einem Rutsch die letzten 22 km bis nach Krāslava hinunter. 

Krāslava

In Krāslava machen wir sicherheitshalber die Handys aus, um nicht in das weißrussische Netz zu geraten. Dadurch wird die Parkplatzsuche etwas schwieriger. Wir drehen einige Runden, bis wir unweit der zwischen 1755 und 1767 errichteten Römisch-katholischen Ludwigskirche, im Seitenstreifen der Baznīcas iela einen geeigneten Parkplatz finden. Die Parkplätze, die sich zentrumsnäher angeboten hätten, sind zugestellt oder einfach zu eng, um dort mit einem Womo zu rangieren. 

Unweit unseres Parkplatzes hat sich jemand seinen privaten Traum von einem Haus erfüllt. Den Platz können wir uns gut merken. 

Gleich gegenüber befindet sich der FIXprice-Supermarkt. Hier kauft die russische Bevölkerung ein. Das Warenangebot weicht deutlich von dem ab, was wir ansonsten so kennen, und wir können mit vielen Artikeln nicht viel anfangen, weil wir überhaupt keine Vorstellung haben, wie die denn schmecken könnten. Wie im ganzen Osten des Baltikums leben auch in Krāslava relativ viele russischstämmige Bewohner und das wirkt sich im gesamten Stadtbild aus. Immerhin sind die Preise niedriger als im Westen Lettlands.

Über die Hauptstraße Brīvības iela laufen wir hinunter ins Zentrum von Krāslava und kommen dabei an der Orthodoxen Kirche des Heiligen Fürsten Alexander Newski vorbei. 

Diese hübsche Installation soll wahrscheinlich den Stilbruch im Mauerwerk kaschieren. Es ist fast gelungen. 

Die Orthodoxe Kirche des Heiligen Fürsten Alexander Newski noch einmal von der Straße aus aufgenommen. Dann laufen wir die Hauptstraße hinunter Richtung Zentrum. Auch hier gibt es wieder eine ganze Reihe alter Holzhäuser, die man fotografieren könnte, aber davon haben wir inzwischen so viel gesehen, dass wir uns das hier und heute ersparen.  

Der Marktplatz, im unteren Teil der Brīvības iela und von dieser, sowie der Rīgas iela begrenzt. Leider haben wir uns den falschen Tag ausgesucht, den Markt hätten wir gerne einmal gesehen. 

Aber wir kommen trotzdem auf unsere Kosten. Direkt oberhalb des Marktes befindet sich in diesem Ziegelbau das Café Ziedi, in dem wir uns eigentlich nur zwei Rosinenschnecken holen wollen.

Als wir hineingehen, sehen wir aber, dass die Bäckerei gleichzeitig noch eine Art Kleinkantine beherbergt. Hier werden einfache Speisen angeboten, die nicht nur vor Ort verzehrt werden, sondern auch gerne mit nach draußen oder sogar mit nach Hause genommen werden. Deshalb herrscht ganz schön Besucherandrang und wir müssen uns etwas gedulden. Es sind einfache Gerichte wie Frikadellen mit Gemüse oder Krautsalat, Suppe, Nudelsalat und natürlich Kaffee und Kuchen. Und es ist eine Kombination, die in einer unserer heimischen Bäckereien eher untypisch wäre, die wir aber lustig finden. 

Wir platzieren uns im Café und probieren einmal die Frikadellen mit Krautsalat, und die schmecken ganz ordentlich. Die angebotenen Backwaren wären dem Aussehen nach bei uns eher nicht konkurrenzfähig. Interessant ist auch, dass ganz gleich, was man auf den Teller haben möchte, alle Speisen denselben Preis haben. Denn die Preisfindung sieht so aus, dass der Teller am Ende gewogen und so der Endpreis ermittelt wird. Insgesamt kann man hier recht günstig essen und es schmeckt auch. Wenn es euch also in einem der folgenden Jahre nach Krāslava verschlägt, probiert es doch einmal aus. 

Vom Café aus geht es noch zum örtlichen Busbahnhof. Viele Leute sind im Baltikum mit Bussen unterwegs. Die Busse haben sich hier gegenüber der Bahn mindestens gut behauptet, wenn nicht sogar durchgesetzt. Vermutlich sind Busse für kleine Länder einfach die flexiblere Lösung.

In der Region Krāslava wird auf die historische Präsenz von Wikingern verwiesen, die einst in dieser Gegend an der Daugava siedelten und in alten Sagen erwähnt werden. Darauf könnte dieses stilisierte Modellboot hinweisen. Während die Wikinger längst Geschichte sind, ist Wasserwandern an der Daugava weit verbreitet. Der mäandrierende und immer noch sehr ursprüngliche Fluss bietet mit zahlreichen Inselchen beste Voraussetzungen für Kanuten. Wer daran Spaß hat, der kann sich hier wie an sehr vielen anderen Plätzen im Baltikum so richtig austoben. Unter www.visitkraslava.com findet ihr ein sehr informatives Faltblatt zu den möglichen Freizeitaktivitäten im Umfeld von Krāslava.  

Das Kärtchen zeigt die Lage des potenziellen Übernachtungsplatzes Adamovas dabas taka (links im Bild) und des lokalen Aussichtsturms Priedaines skatu tornis schräg gegenüber auf der anderen Daugavaseite (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Nachdem wir nun gut 2 Stunden trockenen Fußes durch die Stadt laufen durften, ist für 12:00 Uhr wieder Regen angekündigt. Also sehen wir zu, dass wir zum Womo oben an der Kirche zurückgehen. Von hier aus geht es nun zum Picknickplatz Adamovas dabas taka westlich von Krāslava. 

Den Picknickplatz Adamovas dabas taka testen wir nun mal auf seine Übernachtungstauglichkeit. Infrastruktur gibt es leider keine, der Platz ist relativ klein und liegt, wie man hier sieht, recht nahe an der Hauptstraße A 6 nach Daugavpils. Da sollte sich doch eigentlich etwas Besseres finden lassen.  

Priedaines skatu tornis in Krāslava

Eine weitere Alternative, die wir ebenfalls testen möchten, ist der Parkplatz beim Aussichtsturm Priedaines skatu tornis in einem Wäldchen südlich der Daugava. Von dort aus soll man auch einen schönen Ausblick über den Fluss haben.  

Hierzu müssen wir wieder nach Krāslava hineinfahren, dann den Fluss überqueren und danach auf die kleine Nebenstraße Dārza iela abbiegen, die uns schließlich zum Turm bringt. Schotterpiste erwartet uns diesmal nur auf den letzten paar hundert Metern, aber die Äste der eng ständig stehenden Bäume ragen in den Weg hinein und wir müssen uns zwischen Schlaglöchern und diesem ganzen Geäst hindurchmogeln. Oft haben wir Bedenken, ob wir überhaupt noch eine Stelle zum Wenden finden am Ende eines solchen Weges. Aber es klappt. 

Als die grüne Enge endet, tut sich unmittelbar vor einem hölzernen Aussichtsturm ein ausreichend großer Parkplatz auf. Dort angekommen sind wir erst einmal im Womo festgenagelt, denn es regnet ohne Unterbrechung von 13:00 bis 16:00 Uhr. Also machen wir Mittagessen und beschäftigen uns so gut es geht. 

Dann endlich lässt der Regen nach und Michael geht gleich auf den Turm hinauf. Ein Foto auf halber Höhe zeigt, wie stark der Niederschlag bereits den Untergrund aufgeweicht hat.  

Von oben hat man wirklich eine tolle Aussicht auf den Fluss und auf den in der Tiefe befindlichen Parkplatz. Die Lichtverhältnisse sind am Abend nicht besonders günstig, weil der Blick nach Westen geht. Fahrt den Turm also, wenn möglich, am Morgen an. Wer da hinaufgeht, sollte einigermaßen schwindelfrei sein und sich nicht zu viele Gedanken über die Statik machen. Das Holz ist an einigen Stellen verrottet und der Turm bewegt sich ein wenig im Wind. Die Geländer sind im unteren Teil der Treppen zu niedrig. Wer auf einer der Treppen ausrutscht, muss aufpassen, dass er nicht über die Balustrade fällt. Dazu muss zwar einiges Pech zusammenkommen, aber auszuschließen ist das nicht.  

Hier der Blick von ganz oben auf den Waldparkplatz und unseren Brummer, der da unten ganz alleine steht. Eine Toilette ist auf dem Platz übrigens vorhanden, oder besser: ein Erdloch. Im aktuellen Zustand ist es aber nur im äußersten Notfall zu benutzen. Hier den Bückling zu machen, kostet Überwindung. Sucht euch also besser eine andere Location, wie zum Beispiel den Busbahnhof, wenn ihr mal müsst. Auch dieser Platz sagt uns als Übernachtungsplatz nicht so recht zu. Wegen weiterer Regentage und fehlender Infrastruktur werden wir Krāslava heute doch noch verlassen müssen. Schade drum, aber vielleicht kommt man ja in wenigen Jahren zu einem anderen Ergebnis.  

Als Michael vom Turm kommt, fahren wir noch in die Oberstadt hinauf, in die Pils iela in der sich das Schloss der Grafen Plater befindet. Der blaue Himmel täuscht wieder einmal. Es ist wie verhext heute, man kann sich einfach auf nichts einstellen. Kaum ist man draußen, kommt der nächste Schutt. 

 

Das Bauensemble wurde von 1750 bis 1791 errichtet. Ursprünglich im Barockstil geplant, wurde es zu Beginn des 19. Jhd. im Stil des Klassizismus umgebaut. Im Schloss befinden sich die barocke Bibliothek von 1759, sowie das Geschichts- und Kunstmuseum von Krāslava in einem Nebengebäude des Schlosses.

Wir hätten uns gerne noch den Schlossgarten angesehen, doch wir wissen nicht, wie lange es trocken bleibt. Und nachdem wir in Krāslava nichts Geeignetes finden konnten, haben wir ja auch noch ein gutes Stück Weg vor uns, also fahren wir weiter nach Daugavpils und hoffen, dass wir dort fündig werden. 

Daugavpils

Das Kärtchen zeigt unseren Übernachtungsplatz in Daugavpils am Rande eines Vogelschutzgebietes (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Der Parkplatz befindet sich in der  Valnu iela 23, hinter der Polizei. Es ist ein relativ neuer Platz mit Toilette. Tagsüber ist der Platz aktuell zu etwa zwei Dritteln belegt. An Wochenenden könnte er auch voll belegt sein. Er eignet sich auch schlecht für Autoposer, denn die wollen ja mit quietschenden Reifen ihre Runden drehen, und dafür fehlt hier der Platz. Wie man sieht, ist der Pkw-Andrang am Abend überschaubar. Kaum jemand stellt da noch sein Auto ab, das sind doch gute Voraussetzungen für eine ruhige Nacht.