Castillo de Zamora

Von Zamora über Miranda nach Bilbao.

Montag, 20.10.2025, Abfahrt nach Miranda de Ebro

Bevor wir nun Zamora verlassen, sehen wir uns noch das Castillo im Südwesten der Stadt an (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Das Castillo in den guten Zustand zu versetzen, in dem es sich heute präsentiert, muss schon eine ordentliche Kraftanstrengung gewesen sein. 

Wir besichtigen zunächst noch einmal den Teil der Außenanlagen, den wir gestern links liegen gelassen haben, und genießen die Ausblicke ins Tal auf der flussabgewandten Seite des Höhenzuges.

Dann geht es in Richtung des Eingangs. Die Pforte zum Castillo ist offen. Jenseits des Torbogens überreicht uns ein freundlicher Herr zwei Tickets, dann dürfen wir eintreten.

Als Erstes sehen wir uns unten einmal um. Das muss einmal ein wirklich prächtiger Bau gewesen sein.  

Wir haben keinen blassen Schimmer, wann eine Restaurierung eines historischen Gebäudes als wirklich gelungen angesehen werden kann. Wir können es nur an Äußerlichkeiten festmachen, und da sind wir wirklich beeindruckt, was eine doch eher kleine Stadt auf die Beine stellt, um die Historie wieder aufblühen zu lassen.   


Natürlich kann es Michael wieder einmal kaum erwarten, endlich nach oben zu kommen, denn von dort hat man einfach den besten Überblick. 

Zwar hat ein vollständig restauriertes Gebäude mit einem entsprechend wiederhergestellten Innenleben einen ganz besonderen Reiz, trotzdem findet Michael so manche Ruine ähnlich spannend.

Denn in einer Ruine bekommt man einen viel besseren Einblick in bautechnische Details.

Blick von der Wehrmauer des Castillos in südliche Richtung auf die Jardines de Baltasar Lobo und die dahinter liegende Kathedrale von Zamora. Jenseits der Kathedrale fällt der Höhenzug zum Douro ab.

Angelika begibt sich auf die Nordseite der Festung. Durch die vielen unterschiedlichen Aussichtspunkte bekommt man immer neue Eindrücke vom Gebäude selbst und auch von der Umgebung. Es macht echt Spaß, sich die Vorzüge dieses Gemäuers einzuverleiben.

Treppengewimmel hinter einer der Festungsmauern auf der Südostseite.

Das Eingangsportal mit der Ticketausgabe.

Blick nach Nordosten von einem der beiden Wehrtürme.

Aus dieser Position kann man die rautenförmige Struktur der Anlage erkennen. 

 

Schade, schade, dass uns die Zeit davonläuft. Ganz gleich, ob es das Innenleben der Kathedrale, die Markthalle, so manches historische Gebäude in der Altstadt, vielleicht auch Teile der Neustadt und des Umlandes, die Aceñas de Olivares (historischer Komplex von Wassermühlen am Fluss Duero) oder die gegenüberliegende Flussseite mit schönen Fotopunkten in Richtung Altstadt betrifft: Es gibt hier noch einiges zu entdecken. Die Stadt liegt jedenfalls für einen Besuch in Portugal strategisch günstig, und so dürfen wir hoffen, dass dies nicht unser letzter Besuch war. Einstweilen sind wir erst einmal froh, dass wir diese Perle überhaupt für uns entdeckt haben.  

Zurück am Stellplatz bereiten wir unsere Abreise in Richtung Bilbao vor. Nach 20 Minuten sind wir startklar. Unser heutiges Ziel ist die Kleinstadt Miranda de Ebro, nordöstlich von Burgos an der Autovia AP-1 bzw. der N-1 gelegen. Von Zamora sind es laut Navi 303 km. Das bedeutet etwa 4 Stunden Fahrt.  

Miranda de Ebro

Von Zamora fahren wir zunächst auf der Autovia A-11 nach Tordesillas. Die Straße ist nicht besonders angenehm zu befahren, das Fahrzeug wird ein wenig durchgerüttelt, aber wir kommen immerhin flott voran und es ist kein Vergleich zu den Schotterpisten des Baltikums. Nach 60 km Strecke wechseln wir kurz vor Tordesillas auf die Autovia A-62 in Richtung Valladolid und erreichen wenige Kilometer hinter Tordesillas bei der Urbanización El Montico einen Rastplatz.

 

Klugscheißerinfo: Bei spanischen Städtenamen bedeutet "Urbanización" (Urbanisation) meist eine geplante, oft abgeschlossene Wohnsiedlung mit Gemeinschaftseinrichtungen wie Pools und Grünanlagen, die sich außerhalb des Stadtzentrums oder in Küstennähe befindet, ähnlich einer deutschen Wohnanlage, aber mit spezifischer Infrastruktur und Verwaltung (z. B. durch eine Hausgemeinschaft). Es geht um die Erschließung und Schaffung neuer städtischer Wohngebiete, oft mit Fokus auf Tourismus oder Zweitwohnsitze, und es ist nicht nur ein abstrakter Begriff für Verstädterung. 

An der Urbanización El Montico machen wir Mittag und können außerdem in der Repsoltankstelle duschen.

Lage der Repsoltankstelle mit Duschgelegenheit in El Montico, östlich Tordesillas (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).   

Jenseits El Montico ist der Straßenbelag der A-62 nun deutlich besser. Zwar rumpelt es ab und zu mal leicht, aber im Großen und Ganzen rollen wir jetzt ganz ruhig durch einen riesigen Talkessel. Das leichte Auf und Ab der Landschaft meistert unser Brummer mühelos und die geringe Verkehrsdichte macht die Fahrt so richtig angenehm. Wir stellen den Tempomat wieder einmal auf Lkw-Geschwindigkeit ein und so werden wir von den ganz dicken Brummern nur selten überholt und müssen auch selbst nur selten die Spur wechseln.

Diese gemütliche Fahrt geht bis Burgos bzw. bis zum km 220, dann müssen wir die Autobahn verlassen, weil die kostenlose Autovia A-62 in die kostenpflichtige Autopista AP-1 übergeht. Parallel zur AP-1 verläuft die Nationalstraße N-1, auf die wir jetzt ausweichen. Die N-1 führt überwiegend um die wenigen Siedlungen herum, zeitraubende Ortsdurchfahrten sind die Ausnahme, sodass wir bis auf wenige Streckenabschnitte praktisch durchgehend mit 80 km/h fahren können und dementsprechend schnell vorankommen. Kurz vor Miranda de Ebro passieren wir bei Pancorbo einen Gebirgszug, in den sich das Tal, dem auch die Straße folgt, tief eingeschnitten hat (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Wenig später erreichen wir Miranda de Ebro, ganz offensichtlich ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. Vom Ort selbst sehen wir nicht viel, denn der dient uns heute nur als Schlafplatz. Der Schlafplatz befindet sich auf dem Gelände des Hipermercado E. Leclerc  in der Carretera Bilbao. Der Platz ist in recht ordentlichem Zustand. Bei voller Belegung wird es ein wenig eng, aber das geht schon mal für eine Nacht. Da wir sehr nahe an der Straße stehen, ist die natürlich deutlich zu hören, aber auch das lässt sich aushalten. In der Nacht wird es recht ruhig und wir schlafen überraschend gut. Fernsehempfang haben wir ebenfalls, und wäre unser Kühlschrank leer, könnten wir uns morgen früh bei Leclerc eindecken. Insgesamt also keine schlechte Sache. Am Morgen wird man dann allerdings mit dem einsetzenden Verkehr doch etwas unsanft geweckt. 

Der hintere Teil des kostenlosen Stellplatzes in Miranda de Ebro auf dem Gelände des Hipermercado E. Leclerc.

Der Grauwasserablass befindet sich am Ende des umzäunten Areals. Rechts im Bild sieht man die Carretera Bilbao (Landstraße nach Bilbao).

Gleich gegenüber der Grauwasserentsorgung befinden sich die Schwarzwasserentsorgung und der Trinkwasseranschluss. Einige wenige Stromanschlüsse sind ebenfalls vorhanden.  

Hier die Schwarzwasser- und Trinkwasserstation im Detail. Morgen haben wir nun bis Bilbao nur noch etwa 80 km zu bewältigen. Und auch wenn nun das Küstengebirge vor uns liegt, sollte das in ca. 2 Stunden zu bewältigen sein.

Zamudio unweit Bilbao Flughafen

Dienstag, 21.10.2025, von Miranda de Ebro nach Zamudio bei Bilbao 

Gegen 09:00 Uhr begeben wir uns wieder auf die Piste. In unmittelbarer Nähe des Stellplatzes von Miranda befindet sich eine Billigtankstelle, an der wir den Tank gleich wieder komplett vollmachen. Da wir gerne weiter mautfrei fahren möchten, fahren wir von Miranda aus auf die Autovia 1 in Richtung Vitoria-Gasteiz. Damit beschreibt unser Weg einen etwas weiten Bogen und wird etwa 15 km länger als der Weg über die AP-68 gewesen wäre. So what? Wir sind uns nicht immer so ganz sicher, ob die Autovia oder die Autopista am Ende die bessere Alternative darstellen. Beide haben ihre Vorzüge. Wir bewegen uns jetzt jedenfalls erst einmal auf Vitoria-Gasteiz zu und halten der A-1 die Treue bis zur Abfahrt auf die N-240. Auf der geht es dann zunächst noch 4-spurig nach Norden.

 

Die Anstiege in Richtung Gebirge sind moderat und gut zu bewältigen. Wenn es so bliebe, gäbe es keinen Grund, auf die Bezahlautobahn auszuweichen. Aber das tut es natürlich nicht. Bei Legutio wird die vierspurig ausgebaute Straße 2-spurig und die Geschwindigkeit auf 60 bis 80 km/h reduziert. Obwohl die Landschaft auch weiter unten im Tal ihre Reize hatte, wird sie nun noch etwas reizvoller. Die Anstiege werden steiler, aber man kommt weiterhin gut voran. Dann wird es straßentechnisch aber doch etwas unschön. Die Careterra beginnt Haken zu schlagen, und wir kommen jetzt deutlich langsamer voran. Dafür ist es landschaftlich richtig schön, aber es geht nicht lange so weiter, denn schon bald erreichen wir den Pass. Danach geht es dann wieder mit 8 % nach unten, und nun fahren wir noch langsamer, als wir den Berg hochgekommen sind. Die Motorbremse leistet Schwerstarbeit, und trotzdem müssen wir mit der Bremse immer wieder nachsteuern. Das alles dauert aber bei weitem nicht so lange wie in den Picos de Europa, und schon bald haben wir die Serpentinen bergab gemeistert und gleiten wieder elegant talwärts. Am Horizont sehen wir Bilbao auf uns zukommen, müssen aber aufpassen, dass wir uns nach Nordosten orientieren, weil dort unser nächster Stop unweit des Flughafens von Bilbao liegt. 

An unserem Zielort Zamudio befindet sich, nur 15 Busminuten vom Flughafen Bilbao entfernt, ein kostenloser Stellplatz, den wir uns einmal ansehen wollen (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Im Bild ist der kombinierte Wohnmobil- und Pkw-Parkplatz in Zamudio zu sehen. Hier eine Aufnahme mit der Stellplatzseite im Bildvordergrund. Bei unserer Ankunft ist der Platz relativ voll. Allerdings sind auch einige Wohnwagen dort langfristig geparkt, wo sie sicher nicht hingehören, und auch Kleinlaster nutzen den Platz temporär. Wir finden aber einen freien Platz und parken ein. Der Platz liegt in direkter Verlängerung der Start- und Landebahn des Flughafens Bilbao. Tagsüber ist es also mitunter recht laut, was diejenigen nicht stört, die Bilbao besuchen. Nachts schläft man gut bis etwa 05:15 Uhr, dann startet ein erster Schwall an Fliegern, danach wird es ein wenig ruhiger, Bilbao ist schließlich kein Großflughafen. Hier tagsüber am Platz zu bleiben, ist trotzdem eher suboptimal. Die Schwarzwasserentsorgung hat keine Wasserspülung, Trinkwasser fehlt gänzlich. Nur die Grauwasserentsorgung funktioniert ganz normal. Wer hierherkommt, sollte also vorher seinen Wassertank füllen und die Toilette entleeren. Wir haben für Notfälle immer einige Flaschen voll Brauchwasser dabei, um die Toilettenbox auch ohne Wasseranschluss vor Ort spülen zu können. Und Nudelwasser oder stark fettiges Spülwasser mögen wir übrigens, wie viele andere, auch nicht in unserem Grauwassertank. Ist kein Grauwasserabfluss verfügbar, wird ggf. nicht gespült oder wir lagern dieses Wasser in Brauchwasserflaschen zwischen. 

Hier sieht man den kombinierten Wohnmobil- und Pkw-Parkplatz von der Pkw-Stellfläche aus. Nicht gern gesehen, aber offensichtlich geduldet, stehen hier zwischen den Pkw auch Wohnmobile.

Die Mülltonnen und Grauwasserentleerung. Rechts neben der grünen Tonne im Bildhintergrund gab es einmal einen Trinkwasseranschluss. Die Leitung ist aktuell aber abgeklemmt.

Der ehemalige Trinkwasseranschluss ist blindgeschlossen, eine Wasserentnahme ist aktuell deshalb nicht möglich. 

Die Stellplatzordnung. Erlaubt ist ein maximal 72-stündiger Aufenthalt.

Am Rand des Pkw-Parkplatzes befindet sich diese Fahrradstation. Dort befindet sich auch ein Wasseranschluss mit recht dünnem Strahl für die Radreinigung. Mancher Camper nutzt den als alternativen Trinkwasserhahn. Hier Kaffeewasser abzuzapfen, ist nicht unser Ding, wir lesen meist vorher die Stellplatz-App und wissen, was auf uns zukommt. In der größten Not haben wir auch noch zwei, drei Trinkwasserflaschen im Kofferraum oder es wird einfach mal nicht gekocht. 

Für uns heißt es nun Abschied nehmen. Angelika fliegt zum Zahnarzt und Michael muss sehen, wie er unseren Brummer alleine und unbeschadet nach Hause bekommt. Allerdings besteht überhaupt kein Anlass zur Eile. Vielmehr ergibt sich jetzt die Gelegenheit zu einer Stadtbesichtigung, die er schon seit einiger Zeit geplant hat, aber nie umsetzen konnte, weil die Stadt ein wenig abseits unserer üblichen Fahrtrouten in den Süden liegt.

 

Bevor er allerdings seinen Plan in die Tat umsetzen kann, muss er erst einmal sehen, ob das Wetter überhaupt einen angenehmen Aufenthalt zulässt. Wer möchte schon ein Domizil ansteuern, das ihm sechs Tage Regen offeriert? Also wird das Wettergeschehen für die Mittelmeer- und die Atlantikküste in mehreren Wettervorhersageportalen genau unter die Lupe genommen. Leider verspricht weder die eine noch die andere Variante ein letztes sommerliches Aufbäumen, und so geht Michael ein wenig ins Risiko und entscheidet sich für den Atlantik. Die Stadt, die er schon immer einmal sehen wollte, ist La Rochelle mit der Île de Ré und, wenn möglich, auch noch mit der Île d'Oléron. Ob er das allerdings alles noch hinbekommt, ist angesichts der Wetterlage mehr als fraglich.  

 

Mit einer Zwischenübernachtung im südlichen Frankreich fährt Michael in zwei Etappen nach La Rochelle. Den Reisebericht hierzu haben wir ausgegliedert und bereits vor einigen Wochen fertiggestellt. Vielleicht habt ihr ihn ja bereits überflogen. 

  

Damit ist unsere Nordspanienreise beendet. Der Norden Spaniens bietet eine perfekte Mischung aus Stadt und Land, urbaner Kultur und grandioser, manchmal auch rauer Natur, mit Bergwelten und Meeresküsten und einigen geologischen Besonderheiten, die man andernorts vergebens sucht. Das Baskenland, Kantabrien, Asturien und Galizien sind wirklich eine Reise wert. Die ersten drei Regionen sind zumindest in der Nebensaison gut besucht, aber keinesfalls überlaufen. Galizien ist dann schon recht abgelegen und bietet abgesehen von Santiago de Compostella vor allem eine raue Natur, die recht erholsam, aber auch ein wenig monoton sein kann. Im ganzen Norden gibt es Badewetter, zumindest in der Nebensaison, nur für Hartgesottene. Zum Glück, möchte man sagen. Ansonsten sähe es bald so aus, wie am Mittelmeer. Hoffen wir, dass es noch lange so bleibt.

 

Bedauerlich finden wir, dass man im Winterhalbjahr die Küstenparkplätze, die kaum von Pkw genutzt werden, nicht für Wohnmobile zugänglich macht. Zwar gibt es in diesen Landstrichen alternative Stellplätze im Hinterland, aber in den teils stark profilierten Küstenregionen mit dem Fahrrad in Richtung Meer zu fahren, ist zeitraubend und kräftezehrend. So bleiben diese Landstriche einem nicht unbedeutenden Teil der Wohnmobilreisenden ganzjährig verwehrt.