Kap Kolka

Dienstag, 20.05.2025 - von Šlītere nach Valgalciems - 92 km 

Kap Kolka ist der nördlichste Punkt der Halbinsel Kurland, an dem die offene Ostsee und die Bucht von Riga zusammentreffen. Das Kap Kolka ist aufgrund seiner exponierten Lage der einzige Platz in Lettland, wo man sowohl den Sonnenaufgang als auch den Sonnenuntergang im Meer beobachten kann.

 

Für Vogelbeobachter ist der Platz von besonderem Interesse, da hier ein Sammelpunkt von Zugvögeln ist: Im April fliegen täglich bis zu 50.000 Vögel vorbei. Das Kap und die Ortschaft Kolka liegen im Nationalpark Slītere und sind ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen. 

 

Vom Leuchtturm in Šlītere geht es heute Morgen weiter in Richtung Kap Kolka. Vorher biegen wir noch auf eine Schotterpiste in Richtung Vaide ab, wo wir einen Förster suchen, der mehrere hundert Geweihe sein Eigen nennt. Aber wir finden ihn nicht und beschließen, unweit des Ortes an einem kleinen Rastplatz am Weiher Mittag zu machen. Wir haben heute gerade mal 30 km gemacht, so wird das ein langer Weg bis Riga. 

Übersichtskärtchen Kap Kolka und Leuchtturm Šlītere (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Detail-Lagekärtchen Kap Kolka mit den interessantesten Sehenswürdigkeiten. Auf dem kostenlosen Parkplatz links, kann übernachtet werden. Am kostenpflichtigen Parkplatz rechts, gibt es auch kleine Snacks und der Weg zum Kap ist kürzer. Auf dem von uns vorgeschlagenen Rundweg sieht man allerdings deutlich mehr, als wenn man auf direktem Wege einfach nur an das relativ langweilige Kap läuft (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Die P 124 führt uns kurz vor Kap Kolka an einen Kreisel. Jetzt haben wir die Wahl, entweder auf einen Parkplatz geradeaus zu fahren oder links abzubiegen. Wir biegen ohne zu überlegen erst einmal links ab und machen, ohne es zu ahnen, alles richtig. Denn der PP ist kostenlos, der andere hätte 3,50 € gekostet. Dabei stört uns der Betrag am wenigsten. Vom Parkplatz Bezmaksas autostavvieta (Aussichtssturm) führt ein kurzer Fußweg nach Norden an den Strand. 

Und hier sehen wir den kostenfreien Parkplatz am Aussichtsturm. Wir starten unseren Rundwanderweg und laufen zunächst an den Aussichtsturm und den Nordstrand. 

Rechts des Weges steht dieser Aussichtsturm, an dem Michael selbstverständlich wieder einmal nicht vorbeikommt. Angelika läuft schon einmal voraus, Michael dackelt später hinterher. 

Man merkt immer wieder, dass die Balten sehr viel Holz haben, den viele Aussichtstürme bestehen überwiegend aus diesem Baustoff.

Und so ist der Blick von der obersten Aussichtsplattform auf den Parkplatz, auf dem wir auch übernachten könnten. Und auch hier sieht man wieder, es gibt mehr als genug kostenlose Übernachtungsplätze, das Nadelöhr ist immer und überall die VE. 

Und so sieht der Blick in Richtung Ostsee aus. 

Am Strand weht ordentlich Wind, der den feinkörnigen Sand aufwirbelt und in Bodennähe über den Strand fegt. Von hier aus sind es etwa 500 m Fußweg in östliche Richtung bis zum Kap. Zum Glück bläst der Wind ebenfalls nach Osten so bekommen wir den Sand wenigstens nicht ins Gesicht. Der Strand ist weniger schön als alle Strände die wir jenseits Ventspils bisher gesehen haben. Aber ein Kap ist halt immer ein exponierter Punkt und das alleine reicht aus viele Leute anzuziehen. Während wir ansonsten fast immer alleine auf Park- und Übernachtungsplätzen gestanden haben, sehen wir hier gleich 6 Wohnmobile stehen.

Diese fassartigen kleinen Hütten stehen wohl für den kommenden Sommer bereit. 

Eine Installation deren tieferer Sinn sich uns entzieht. Als Fotomotiv eignet sie sich allemal. 

Hier steht Angelika am Kap Kolka. Also da haben wir in den letzten Tagen deutlich schönere Flecken gesehen. Hier punktet nur die geografische Lage. 

Wir umrunden die Spitze des Kaps und wenden uns dann nach Süden. Hier beginnt die Rigaer Bucht.  Kaum sind wir nach Süden umgebogen wird es fast windstill, und das Wasser ist weniger aufgewühlt als in der offenen Ostsee. 

Der Wald reicht fast direkt bis an das Wasser heran und die Bäume sind hier reihenweise in die See gestürzt und vom Seewasser in unterschiedlichem Maße ausgebleicht.

Wir laufen etwa 700 m die Küste hinunter, dann kommt die Stichstraße zum Bezahlparkplatz, der wir folgen, um an unser Fahrzeug zurückzukommen.  

Weiter geht es nach Kolka, wo wir gerne Lebensmittel einkaufen möchten. Es ist wieder einmal so eine Streusiedlung ohne echtes Zentrum wo man ewig sucht, bis man fündig wird. Schon nach 800 m Strecke treffen wir dafür auf die Kirche Kolkas Pareizticīgo baznīca.  

Das Gebäude steht unmittelbar neben der P 131. Das muss sich Michael dann doch einmal ansehen.

Wir fahren nochmals gut einen Kilometer weiter nach Süden und sind schon fast aus dem Ort heraus, als wir auf der rechten Seite einen Citro-Supermarkt sehen. Angelika geht alleine hinein. Drinnen sieht es aus wie Kraut und Rüben. Manche Gänge sind so zugestellt, dass man sie kaum begehen kann. Schilder signalisieren, man solle sie nicht benutzen. Doch die kann Angelika ja nicht lesen, also läuft sie da durch und wird barsch zurechtgewiesen von der Verkäuferin. So zusammengefaltet kommt sie ziemlich genervt aus dem Laden, aber jetzt haben wir immerhin Brot für das morgige Frühstück.  

Während Angelika rund gemacht wird, lichtet Michael die kleine Kirche ab. Also so richtig gelohnt hat sich das jetzt nicht. Aber das weiß man halt immer erst hinterher.

Wir fahren weiter und sehen zum wiederholten Male ein solches Hüttchen. In unregelmäßigen Abständen stehen sie zwischen Kap Kolka und Riga am Straßenrand der P 131. Bisher waren die alle geschlossen, deshalb konnten wir noch nicht herausfinden, was da verkauft wird. 

Die Straße ist wieder einmal wunderbar leer und man fährt hier so etwas von entspannt, das kann man sich in Mitteleuropa kaum vorstellen. Es ist einer der Gründe warum wir uns so gerne an den Rändern Europas herumtreiben. 

Wir passieren Roja, einen Fischerort mit Fischereihafen und eigener kleiner Fangflotte. Wären wir am frühen Morgen hier gewesen, hätten wir bestimmt frischen Fisch bekommen können aber jetzt am Abend sieht es mau aus. Wir fahren immer weiter die P 131 in Richtung Riga hinunter und haben heute etwas Probleme einen Übernachtungsplatz zu finden. In Valgalciems finden wir dann gegen 18:30 Uhr endlich ein Plätzchen, auf dem wir laut Stellplatz-App stehen bleiben dürfen und die Nacht in Ruhe verbringen können. 

Unser Übernachtungsplatz in Valgalciems und unweit der Rigaer Bucht (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Vor Ort werden wir aus der Parkplatzbeschilderung allerdings nicht so richtig schlau. Vorne steht ein nächtliches Parkverbotsschild, hinten ist Parken beschildert.

Der Platz ist jedenfalls komplett leer, wir nehmen also niemandem etwas weg. Es ist jetzt auch zu spät, um sich nach Alternativen umzusehen. Wir hoffen angesichts der fortgeschrittenen Zeit einfach, dass niemand an unserer Übernachtung Anstoß nimmt.

Die schöne Abendstimmung lockt uns aus dem Womo und animiert zu einem Spaziergang. Am Ende des Parkplatzes führt ein hübscher Holzbohlenweg in Richtung Ostsee. 

Kaum zu glauben, dass der Baum immer noch genug Nahrung bekommt und sich ausreichend im Boden verankert sieht, nachdem ihm die Ostsee derart das Fundament abgegraben hat. 

Auch an diesen Strand findet man zahlreiche Grüße aus Finnland. 

Noch taucht die Sonne das ganze Umfeld in ein leuchtendes Gelborange. 

Aber schon erreicht sie den Horizont.

Für uns Zeit zum Womo zurückzukehren und vielleicht einen gemütlichen Fernsehabend einzuläuten.