Donnerstag, 09.10.2025, Abfahrt in Navia um 09:00 Uhr
Von Navia kommend bewegen wir uns auf Barres-Castropol zu. Von der Autobahnausfahrt sind es gerade einmal 1,5 km und schon stehen wir vor der Einfahrt zum Campingplatz Vegamar (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Der Platz ist überwiegend für Dauercamper eingerichtet, Tagestouristen sind in der Minderheit. Das kann uns aber egal sein, denn die Saison geht zu Ende und die Wohnwagen der Dauercamper sind längst verwaist. Aktuell geht es hier ganz gemütlich zu. Der Platz bietet neben der VE die üblichen Leistungen eines Campingplatzes. Die sanitären Einrichtungen sind zwar ein wenig eng und auch etwas in die Jahre gekommen aber einwandfrei sauber. Bei voller Belegung könnte es aber etwas eng werden in den Sanitärräumen. Für Camper, 2 Personen und Strom zahlen wir 25 €, das ist für diesen Platz angemessen. Der unweit des Strandes gelegene, benachbarte Campingplatz hätte über 40 € für unwesentlich mehr Leistungen genommen. Die wesentlichste Leistung ist wohl, wie so oft, die Nähe zum Strand.
Das Nervigste ist wieder einmal die Aufnahmeprozedur. Zunächst müssen wir unsere beiden Ausweise zeigen, dann gilt es die Daten in den PC einzupflegen, ein Formular zu unterschreiben, die Rechnung zu drucken und zuletzt folgt noch die Platzeinweisung. Worin liegt eigentlich der tiefere Sinn, den Campingplätzen so viel Aufwand aufzuerlegen. Wenn wir 30-mal am Stück freistehen und keine Kreditkarte benutzen, weiß doch niemand, wo wir uns gerade herumtreiben. Wenn jemand unerkannt bleiben möchte, hat er unendlich viele Möglichkeiten ausschließlich kostenlose Plätze aufzusuchen und so unter dem Radar zu bleiben. Dass das Freistehen so beliebt ist, liegt keinesfalls nur an den Kosten. Es ist einfach herrlich unkompliziert.
Der Platz liegt mitten im Nirgendwo, scheint aber doch genügend Besucher anzuziehen, denn die Grasflächen sind infolge einer intensiven sommerlichen Nutzung ordentlich gebeutelt. Sie brauchen den Winter dringend, um wieder in Form zu kommen.
Im Eroski-Supermarkt in Navia haben wir heute Morgen noch einmal ordentlich eingekauft, deshalb benötigen wir heute auch einmal Landstrom, denn Fleisch und Fisch müssen eingefroren werden, damit sie wenigstens 3 Tage halten. Schon beim Mittagessen müssen aber die Crevetten dran glauben. Danach waschen wir unsere Wäsche und säubern wieder einmal das Wohnmobil. Das machen wir zumindest drinnen, denn draußen dürfen wir das ja nicht. Die Wäsche können wir gleich neben dem Waschraum auf eine dort aufgespannte Wäscheleine aufhängen. Bei der beständigen leichten Brise und Sonnenschein ist die Wäsche am Abend komplett trocken. Das und natürlich die "Außenterrasse" mit Campingtisch und Stühlen, im Zweifel auch noch unter der Markise, sind die angenehmen Seiten eines Campingplatzes.
Am späten Nachmittag laufen wir hinunter an den Strand, das sind rund 800 m Wegstrecke. Die kann man locker zu Fuß bewältigen. Lauffaule können aber auch den Pkw benutzen, am Strand gibt es Parkplätze (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Die Playa de Penarronda ist fast menschenleer und hat einen sehr schönen breiten Sandstrand. In Strandnähe läuft man vielfach bequem über Holzbohlenwege.
Im Wasser demonstrieren einige Surfer ihr Können. Wild rauschen die Wellen über den Strand und gegen die Steilküste. Durch eine aufgelockerte Bewölkung dringen wärmende Sonnenstrahlen auf den Boden, sorgen für milde Temperaturenund machen unsere Wanderung sehr angenehm. Zum Baden sind wir nicht hierhergekommen. Angelika reicht in der Regel ein Strandspaziergang. Gelegentlich steckt sie auch schon einmal die Füße ins Wasser oder setzt sich an den Rand des Dünensaumes, um die Umgebung in sich aufzunehmen.
Michael bevorzugt wie immer den Überblick. Dafür sind nur wenige Wege zu weit oder zu steil. Die Dinge aus der Vogelperspektive zu sehen, ist einfach noch einmal etwas ganz anderes. Zunächst geht es auf die Ostseite des Strandes zum Aussichtspunkt Mirador Playa de Penarronda.
Hinter dieser kleinen Kapelle hat man eine tolle Aussicht auf den Strand und das Meer.
Anschließend geht es wieder hinunter an den Strand, um dem Spiel der Wellen zu lauschen und Angelika zu motivieren gemeinsam auf die Anhöhe westlich des Strandes hinaufzugehen.
Die Westseite des Strandes ist deutlich felsiger ausgebildet.
Hier haben wir nun auch das westliche Ufer des Strandes erklommen. Einfach toll, hier oben. Am späten Nachmittag geht es zurück zum Campingplatz.
Über eine Holzbohlenallee gelangen wir zurück auf die Straße, dann sind es nur noch gut 500 m Asphalt und wir sind zurück in unserer Unterkunft. Den Abend lassen wir dann gemütlich ausklingen.
Freitag, 10.10.2025, Abfahrt in Bares-Castropol um 09:30 Uhr
Um 09:30 Uhr verlassen wir den Campingplatz und fahren zurück auf die Autovia A-8. Bis zu unserem Ziel sind es gerade einmal 34 km, das geht ganz flott, denn Staus sind hier im äußersten Nordwesten von Spanien praktisch unbekannt. Wo sollte der Verkehr auch herkommen, wir sind ja nie weit entfernt vom Atlantik. Bei A Rochela fahren wir ab, jetzt sind es nur noch etwa 2 km nach Norden und schon erreichen wir die N-634, die wir überqueren. Dann geht es noch über die Eisenbahn und schon sehen wir rechts der Straße LU-P-0610 den großen Tagesparkplatz auf einer ausgedehnten Wiese, auf dem sich viele Wohnmobile eingefunden haben. So richtig gerade ist die Wiese fast nirgendwo, aber die Camper scheinen zufrieden, denn Klappstühle und Campingtische werden hier, soweit wir das erkennen können, nicht beanstandet, zumindest in der Nebensaison. Das ist allerdings ein Tagesparkplatz, auf dem entweder nicht genächtigt werden sollte oder nicht genächtigt werden darf. Ob sich alle daran halten? Man weiß es nicht.
Das Kärtchen zeigt rechts den großen Tagesparkplatz auf der grünen Wiese. Ganz links und unweit des Zugangs zum Strand befindet sich der kostenlose Stellplatz für die Wohnmobile. Hier kann man übernachten. Wenige hundert Meter östlich hiervon befindet sich nördlich der Straße ein Parkplatz, der nur von Bussen oder Pkw genutzt werden darf. Wohnmobile sind hier ausdrücklich nicht erlaubt (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Der kostenlose Stellplatz unweit des Zugangs zum Strand. Weil die Wohnmobile ja meistens die weniger attraktiven Plätze erhalten, können wir gar nicht glauben, dass man direkt am Zugang zur Playa de Las Catedrales sein Wohnmobil so bequem abstellen kann. Bis wir uns eingerichtet haben, ist es 10:30 Uhr. Macht aber nichts, denn Niedrigwasser, also Ebbe ist heute erst um 13:00 Uhr angesagt. Allerdings darf man bereits 2 Stunden vorher unten an den Strand.
Entgegen unseren Erwartungen kann man die meisten, aber nicht alle Bereiche des Strandes bereits 60 Minuten vor dem niedrigsten Wasserstand trockenen Fußes erreichen. Ansonsten zieht man einfach kurze Hosen an und Schuhe und Strümpfe aus, dann kommt man schon deutlich vor Niedrigwasserstand überall hin. Folgt man nun der Treppe hinunter an den Strand, befindet sich etwa ein Viertel des Strandes westlich des Zugangs und dreiviertel des Strandes östlich des Zugangs.
Unwissend wie wir sind, laufen wir erst einmal nach Westen und sehen einige gefällige Felseninseln im Sand.
Von dem, was wir auf Fotos gesehen haben, kann das aber nur die Vorspeise gewesen sein. Wir turnen zwischen Felswänden, Wassertümpeln und glitschigen Felsoberflächen herum und machen einige Aufnahmen.
Dann gehen wir zurück Richtung Zugangstreppe und wenden uns von dort aus weiter nach Osten. Auch hier sehen wir gefällige Felsformationen mit kleinen Höhlen, aber mit dem Fotografieren ist es mühsam, denn die Sonne steht noch zu weit im Osten. Im Bild versperrt ein Tümpel den Zugang nach Osten, also geht es etwas ungelenk über den hier auskeilenden Fels. Der sieht eigentlich recht unbedeutend aus, stellt aber für einige Besucher ein unüberwindbares Hindernis dar.
Da die Ebbe von Tag zu Tag immer etwa 30 Minuten später eintritt, wäre wohl in 7 Tagen ein guter Zeitpunkt für Aufnahmen in östliche Richtung. Aber wir wollen nicht klagen. Immerhin gibt es um diese Jahreszeit keine Zugangsbeschränkungen mehr, das ganze Zulassungsgedöns über Onlineanmeldung entfällt und wir haben einen traumhaften Tag erwischt. Bei so viel Dusel sollte man einfach mal die Klappe halten. Und so machen wir es auch, zumal das Beste hier erst ganz zum Schluss kommt. Allerdings ist auch dieses Arrangement der Natur nicht von schlechten Eltern.
Die Felsspitzbögen, die dem Strand den Kathedralenvergleich beschert haben, befinden sich ganz im Osten, kurz vor dem Ende des begehbaren Strandabschnittes.
Ein echter Traum hier Fotos zu machen. So ganz perfekt werden die wegen der nicht perfekten Ausleuchtung nicht. Michael ist aber ohnehin kein perfekter Fotograf.
Für unsere Möglichkeiten sind wir aber schon ganz zufrieden mit dem Ergebnis, machen wieder viel zu viele Fotos und wenden uns dann wieder in Richtung unseres rollenden Heims. Wir sind echt begeistert von diesem Strand und können nur jedem empfehlen, diese Location nicht auszulassen.
Nachdem wir uns zwei Stunden ausgetobt haben, geht es zurück zum Stellplatz. Zurück im Wohnmobil gibt es heute Spareribs. Die haben wir auf dem Campingplatz so hart eingefroren, dass wir sie nun unter der sonnigen Windschutzscheibe wieder mühsam auftauen müssen. Gegen 15:00 Uhr gibt es dann lecker Mittagessen und danach kurzes Powernapping. Danach sind wir unschlüssig was wir machen sollen. Eigentlich gefällt es uns hier ganz gut. Das Wetter ist perfekt, wir haben viel Platz, nur der Wind frischt ganz schön auf und wird immer stärker.
Michael sagt sich: ist dein Ziel noch unbekannt, geh doch erstmal an den Strand. Und so macht er es dann auch. Von mehreren Punkten an der Steilküste werden Aufnahmen zum Vergleich Ebbe / Flut gemacht. Und siehe da, nur 3 Stunden (16:00 Uhr) nach dem Niedrigwasserstand ist der allergrößte Teil des Strandes bereits komplett geflutet. Der Treppenabgang und ein kleines Stück Strand sind gerade noch frei, der Rest der Küste ist vom Meer zurückerobert. Wo wir um 13:00 Uhr noch über den Sand liefen, reicht das Wasser jetzt bis an die Steilwände heran. Dabei ist doch das Glas erst halb voll. Denn Höchstwasserstand ist ja erst um 19:00 Uhr.
Nicht nur wegen des weiter auffrischenden Windes überlegen wir, ob wir wirklich noch die Nacht hier verbringen sollen. Und wir fragen uns, ob am morgigen Samstag in Santiago de Compostela wohl Markt ist, und ob wir dort gegen Mittag noch einen Platz auf dem kostenlosen Stellplatz bekommen. Am Wochenende ist bestimmt ganz schön was los. Ein kurzer Blick auf Google zeigt uns, dass es bis Santiago noch fast 190 km sind. Das möchten wir morgen früh eher ungern am Stück fahren. Also entschließen wir uns doch noch einmal den Wagen anzuwerfen und uns Santiago möglichst weit zu nähern.
Unser Weg führt zu etwa zwei Drittel (100 km) über die Autobahn und das geht wunderbar schnell, denn wir befinden uns hier in Galizien praktisch am Ende der Welt. Kein Stau, keine Baustellen und minimaler Verkehr. Allerdings geht es ganz schön den Berg hoch. Vom Meer aus bewegen wir uns erst einmal auf 700 m ü. NN. Da schnauft unser Brummer ganz schön. Über die A-8 geht es zur A-6 bis kurz vor As Barbudas. Dort verlassen wir nun die A-6 und folgen der N-634 nach Südwesten. An der Straße liegen einige langgezogene Ortschaften und Streusiedlungen, sodass es jetzt nicht mehr so schnell vorangeht. In den Streusiedlungen sind teilweise 90 Kilometer pro Stunde erlaubt, das ist uns nicht geheuer und wir gehen runter auf 60 km/h, was uns bei einigen Pkw-Fahrern nicht gerade beliebt macht. Denn das Überholen ist nicht immer ganz einfach.
Dann erreichen wir gegen 19:00 Uhr endlich die ein wenig abseits der kürzesten Route gelegene Ortschaft Ordes. Auf dem kostenfreien Stellplatz, etwas südwestlich von Ordes und nur gut 20 km vor Santiago gelegen, stehen bereits zwei Fahrzeuge, also wäre noch reichlich Platz. Der Platz wird in der Stellplatz-App P4N übrigens recht gut bewertet.
Der Platz ist ein wenig versteckt, aber nach kurzem Suchen haben wir ihn gefunden. Der Platz hat etwa 15 Stellplätze, liegt an einem ehemaligen Bahnhof und die Stellflächen sind nahezu eben. Die Gleise sind abgebaut und einer schönen Grünanlage gewichen, bei der man noch erahnen kann, wie es hier früher einmal aussah. Ver- und Entsorgungseinrichtungen sollen vorhanden sein, die haben wir allerdings nicht genutzt. Ganz in der Nähe gibt es auch einen Kinderspielplatz. Ebenfalls unweit des Platzes verläuft eine neuere Bahntrasse, die allerdings deutlich zu hören ist. Wir haben hier gut geschlafen und können uns nicht beschweren. Die meisten werden diesen Platz nie kennenlernen, denn ist man einmal so nahe an Santiago de Compostela, dann fährt man in der Regel auch durch und macht keine Ausflüge mehr in die Botanik. Hätten wir geahnt, wie groß der Platz in Santiago tatsächlich ist, wären auch wir durchgefahren.
Das stilvolle ehemalige Bahnhofsgebäude, da könnte man etwas draus machen. Leider ist es halt ziemlich abgelegen. Wir verbringen eine ruhige Nacht auf diesem Stellplatz und fahren am folgenden Morgen ganz entspannt die letzten Kilometer in Richtung Santiago de Compostela.