von Limbaži nach Pärnu

Lettlands Nordwesten und Estlands Südwesten

Mittwoch, 28.05.2025 - von Limbaži nach Pärnu - 140 km

Von Riga aus sind wir am 25. Mai zunächst in den Gauja Nationalpark gefahren und haben uns dort noch zweieinhalb Tage umgesehen. Da konnten sich unsere Füße dann auch vom Stadtgeläuf etwas erholen. Weil es am gestrigen Dienstag ein recht langer Tag im Gauja Nationalpark wurde, hätten wir gerne auch noch dort, unweit des Adlerfelsens übernachtet. Doch wir hatten Pech. Auf unserem Parkplatz fanden sich Autoposer ein, und wir hatten die Befürchtung, dass wir in der Nacht kein Auge zubekommen würden. Also sind wir am Abend noch schnell nach Limbaži gefahren und haben hier an einem wirklich schönen Badeplatz übernachtet. 

Übersichtskarte Riga - Gauja-Nationalpark - Pärnu. 

Detailkarte: Limbaži - Pärnu. Limbaži, Camping Jūrasdzeņi bei Tūja, Veczemju klintis, Grenzübertritt nach Estland bei Ainaži und Pärnu (Übernachtung).

Das Kärtchen zeigt unseren Übernachtungsplatz an einer Freizeitanlage in Limbaži (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Wir haben wunderbar geschlafen und sind wirklich froh, dass wir uns gestern Abend noch so spät aufgerafft und einen ordentlichen Platz gesucht haben. Es ist ein wirklich schöner Platz für die Vorsaison, in der Hauptsaison eher nicht, denn da dürfte hier ordentlich Betrieb sein. Auch wenn die VE, wie immer, fehlt, eine saubere Toilette gibt es immerhin. Unser Übernachtungsparkplatz liegt an einer größeren Freizeitanlage am nordöstlichen Ufer des Limbažu Lielezers (Großer Limbaži-See).  

Wir frühstücken, haben einen schönen Blick auf den See und die Freizeitanlage und am Morgen ist es hier überall noch richtig ruhig. Weil es inzwischen doch erträglich warm ist, können wir sogar schon am Morgen die Aufbautür offenlassen. Gegen 10:00 Uhr kommen dann zunehmend Besucher und genießen die Möglichkeiten, die die Freizeiteinrichtungen bieten. Es gibt einen großen Kinderspielplatz, Volleyballnetze, dann natürlich den Seestrand, man kann Tretboote mieten oder einfach nur am See entlang flanieren, also es ist für alle Altersklassen etwas dabei. Allerdings nerven auch Moskitos ein wenig, aber kein Vergleich zum nordschwedischen Backcountry. 

Auch wenn es dem Städtchen vielleicht nicht ganz gerecht wird. Heute ist Limbaži für uns vor allem ein Übernachtungsort. Kaum haben wir die Fahrbereitschaft hergestellt, geht es los. Als Erstes müssen wir jetzt allerdings noch unsere Ansichtskarten aus Riga in einen Briefkasten werfen. Ein Blick in Google Maps hilft uns dieses Problem zu lösen. Bei der Fahrt durch den Ort sehen wir, dass der ausnahmsweise einmal so etwas wie einen historisch gewachsenen Kern hat. Angelika sieht außerdem einen R.D.A., da machen wir natürlich einen Zwischenstopp. Vielleicht gibt es ja auf dem Land bessere Preise und ein anderes Sortiment.  

Auf den ersten Blick ein durchschnittliches Stadthaus. Aber eines, an dessen Eingang R.D.A. steht, also keines an dem Angelika so ohne weiteres vorbeigehen könnte. Hinzu kommt, dass wir ja nun bald Lettland in Richtung Estland verlassen. Letzte Chance also auf günstige Kleidung. Und ja, es lohnt sich wieder einmal. Besonders für die Enkel sind diese Einkäufe immer eine dankbare Angelegenheit. 

Während Angelika einkauft, entdeckt Michael noch diesen schönen Kiosk. Die Ostseeküste ist jetzt nur noch 20 km entfernt. Die werden wir nun als Erstes ansteuern und dann wieder Strand um Strand abklappern und gemütliche Spaziergänge machen. Da freuen wir uns jetzt schon drauf. 

 

Um 10:30 Uhr verlassen wir Limbaži. Auf der Straße P 11 geht es nach Westen in Richtung Tūja. Die Straße bleibt in Teilen holprig und bietet nicht mehr allzu viel Sehenswertes, nur die riesigen, gelb leuchtenden Rapsfelder stechen positiv hervor. Kurz vor dem Ort überqueren wir die stark befahrene Nord-Süd-Verbindung A 1, nun sind es nur noch 2,5 Kilometer und die Straße bleibt bis zum Schluss asphaltiert. 

Zurück am Meer, ist das Städtchen Tūja unser erster Kontakt zur Ostsee (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Tūja ist wieder eine dieser kleinen Streusiedlungen mit dem recht schönen Camping Jūrasdzeņi.  Der Platz ist mit einer Schranke versehen, hinein kommt man nur gegen Gebühr. Deshalb parken wir an der Ortseinfahrt auf dem kleinen Parkplatz hinter der Bushaltestelle. Im Sommer ist der Platz wegen der wenigen Parkbuchten eher keine Option aber jetzt geht das ganz bequem. Die 700 m bis zum Strand sind ein Klacks. Nutzt man den Campingplatz nur temporär, muss man übrigens keine 25 € abdrücken. Dann wird es deutlich günstiger, wie man oben sieht und man kann hier dennoch einen schönen Nachmittag verbringen. Aber das wussten wir vorher ja nicht. 

Entscheidet man sich für die Übernachtung, kann man entweder etwas zurückgezogen von der See auf grüner Wiese stehen oder auf einer Schotterterrasse etwas eng stehend aufs Meer blicken (nächstes Foto). Oder man stellt sich direkt hinter den schmalen Dünensaum, ebenfalls mit Meerblick und fällt dann mit seinem Handtuch in den Sand. 

Hier der Blick von der Schotterterrasse. Die Anlage ist insgesamt sehr gepflegt und wirklich einladend, die Übernachtung kostet allerdings auch um die 25 €. Wären wir heute schon etwas weiter vorangekommen, kämen wir in Versuchung hier zu bleiben. Wir wollen uns aber nur mal kurz den Strand ansehen, da lohnt die Einfahrt in das Freizeitgelände nicht.  

Der dem Campingplatz vorgelagerte Strand lädt zum Sonnen ein und nachdem es inzwischen doch einiges wärmer geworden ist, liegen die ersten Urlauber und natürlich erst recht die Einheimischen entweder auf Liegen vor den Womos oder direkt am Strand und lassen sich die Sonne auf den Pelz brennen. Der flache Strand bietet sich für Kinder und Jugendliche an, aber Algen lassen das Wasser derzeit etwas unschön aussehen.  

 

Ein letztes Foto vor der Tūja Mole, dann geht es von hier aus die etwa 700 m Fußweg zu unserem Parkplatz am Ortseingang zurück. Von dort fahren wir anschließend zu den Veczemu klintis (Klippen der Alten Welt).

Zurück auf der Hauptmagistrale A 1 bzw. der Europastraße 67 geht es nach Norden. Dass wir hier auf einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen unterwegs sind, merkt man deutlich. Wegen des doch recht ordentlichen Verkehrs können Lkw kaum überholen und so sammeln sie sich regelmäßig hinter dem langsamsten Fahrzeug und kommen einem dann als Kolonne entgegen. Doch von Tūja bis zu den Klippen sind es nur 20 km und so können wir die Hauptverkehrsader recht bald wieder verlassen. Kein Grund zur Freude allerdings, wie man oben sieht! Denn kaum sind wir abgebogen, geht es mit der Schotterpiste los und die ist diesmal mit 5,2 km recht lang und gerade auf dem ersten Teilstück mit reichlich Waschbrettabschnitten versehen, sodass es alles andere als angenehm ist hier mit dem Womo zu fahren. Am Ende des Weges werden wir allerdings belohnt. 

Das Übersichts-Kärtchen zeigt die Zufahrt zu den Veczemju klintis im Nordwesten von Lettland (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Zwar müssen wir 3,50 € Parkgebühren abdrücken, aber die Anlage ist abgesehen von der Trockentoilette sehr schön gemacht. 

Das Kärtchen zeigt die Lage der Veczemju klintis und des Freizeitparks mit Picknick-, Grill- und Stellplätzen (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Oberhalb des Strandes breitet sich ein Kieferhain aus, in dem Bänke und Tische mit Grills stehen. Hier kann man es sich an Wochenenden und in den Ferien richtig gut gehen lassen. 

Etwas zurückgesetzt in einem Birkenhain stehen überdachte Bank-Tisch-Kombinationen. Sowohl die Grillplätze als auch die überdachten Sitzgruppen sind durchnummeriert, deshalb vermuten wir, dass man diese Plätze vorbuchen kann.

Hier kann man notfalls auch mal einen kurzen Schauer aussitzen. Wirklich durchdacht und gut gemacht. Und die Parkgebühren auf unserem Womoabstellplatz sind auch nicht übertrieben, denn für den Preis können wir hier sogar übernachten. Nur die VE ist wie immer das Problem.

Der Strand ist voll mit Findlingen, was vermutlich nicht jedem gefällt, was den Fotos aber Tiefe und Farbigkeit verleiht.

Das Wasser sieht dank Algenteppich eher noch schlechter aus als in Tuja. Über weite Strecken ist der Strand voll mit Treibholz, Kiesen und Findlingen und selbst bei sauberem Wasser wäre das Baden an diesen Stellen kein Vergnügen. Es ist auch mit Schuhen schon nicht besonders angenehm auf diesem unebenen und schweren Geläuf den Strand entlangzugehen. Da schauen wir uns doch lieber die Veczemju klintis an, die hier in der Bildmitte bereits zu erkennen sind. 

Hier haben wir die Klippen nun erreicht. Sie weisen eine Höhe von 2 bis 5 Metern auf und sind an vielen Stellen durchlöchert wie ein Schweizer Käse.

Auf der Oberfläche der Klippen liegt eine dünne Humusdecke, die es der Vegetation ermöglicht, sich darauf anzusiedeln.  

Das geht dann immer eine Weile gut, bis die Bäume zu groß werden. Dann packt sie der nächste Sturm, notfalls in Verbindung mit einer ordentlichen Flut und übergibt sie dem Meer.

Die Hohlräume an den Klippen sind teilweise ganz schön groß, wie man hier sehen kann. 

Die meisten Besucher möchten natürlich ein Selfie von sich und einer der Kammern. Aktuell gar kein Problem, im Sommer bestimmt mit Wartezeiten verbunden. 

Auch Stechmücken ärgern uns nun, vermutlich kommen sie oben aus dem Wald, wo es windstill ist. Nachdem es jetzt doch etwas wärmer geworden ist und wir mehr Sonnentage haben, finden auch die Gefallen, an der neuen Situation.  

Der nördlichste Klippenabschnitt gefällt uns am besten.

Hier sehen wir uns die Rastplätze einmal etwas näher an. Die sind ideal für mittelgroße Gruppen, hier kann man so richtig die Wutz rauslassen.

Weiter südlich wollen wir uns den Strand auch einmal ansehen und gehen noch einmal hinunter. 

Ein Strandabschnitt voll mit Findlingen. Für Badende vielleicht ein Ärgernis, für ein schönes Foto mit Tiefenwirkung aber ein Glücksfall. Und mit jedem Meter, den man vorangeht neue Einblicke infolge des sich ständig ändernden Gesteins. Herrlich.

Doch in unmittelbarer Nachbarschaft, dann dieser Strandabschnitt. Die Natur hat also an alle gedacht und dass gibt es dann alles für 3,50 €. Zwar sind die Algen auch hier nicht vollständig verschwunden, sammeln sich aber weniger stark an, weil keine Strömungshindernisse im Wasser liegen.  

Vergleicht man die Strände von Tuja und den Klintis, dann kommen die Klintis etwas besser weg.  Dafür hat der Campingplatz in Tuja alle Hookups. Ja, man ist hin und hergerissen.

Von den Veczemu klintis geht es jetzt zurück auf die A 1. Der Verkehr scheint nun eher noch zugenommen zu haben und diesmal ist es mit 20 km Asphalt nicht getan. Wir müssen heute noch ein wenig Strecke aufholen, deshalb stellen wir die sporadischen Strandausflüge nach den Veczemu klintis ein und fahren zunächst einmal an die Landesgrenze zu Estland, die wir bei Ainaži erreichen. Der Grenzübertritt ist so unproblematisch wie die beiden vorangegangenen. In Estland wird die A 1 nun zur Straße 4, der wir noch einmal weitere 60 km folgen müssen. Die Straße ist gut zu befahren es rollt wunderbar auf dem Asphalt, aber hier scheint der gesamte Lkw Verkehr von und nach Tallinn drüber zu rollen. Es kommt wirklich ein Konvoi nach dem anderen. Wusch, wusch, wusch, geht es die ganze Zeit. Wir kommen uns fast vor, wie zu Hause. Es wird nur wenige Jahre dauern, dann ist die Straße überlastet und muss ausgebaut werden. Wir kommen trotz des dichten Verkehrs gut voran. Obwohl wir nach Tacho 85 km/h fahren, ist das vielen Lkw zu langsam. Noch schneller ist uns aber zu gewagt, wir sind hier nicht ortskundig und wenn wir unaufmerksam sind und eine Geschwindigkeitsbegrenzung übersehen, dann wird es teuer und Geld verbrennen können wir uns nicht leisten. 

Auf der E 67 (Via Baltica) nähern wir uns Pärnu. Unmittelbar vor dieser Stadt befindet sich die Ansiedlung Raeküla (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Hier verlassen wir gleich an der Bebauungsgrenze die Fernstraße und orientieren uns in Richtung des markanten Raeküla vaatlustorn bzw. des Aussichtsturms Raeküla, den wir gegen 20:00 Uhr erreichen (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Vor dem Turm befindet sich der kostenlose Übernachtungsplatz, den wir uns ausgesucht haben. Es ist ein naturbelassener Parkplatz unweit der Ostsee mit großen Brachflächen und Schilfgürteln und mit dem oben angeführten markanten Aussichtsturm versehen. VE fehlt, wie fast immer, war hier auch nicht wirklich zu erwarten. Aber eine Miettoilette befindet sich dort. Seit Riga sind wir nun nicht mehr alleine, sondern treffen auf immer mehr Wohnmobile. Fünf Womos sind es mit uns auf dem Platz aber noch herrscht kein Gedränge.  

Natürlich geht Michael gleich einmal auf den Aussichtsturm und macht die Fotos, die er in einer Stunde nicht mehr machen kann. 

Auch wenn es eigentlich ein wenig öde zugeht, weil keine profilierte Landschaft, keine Bäume, kein Moorpfad oder irgendetwas Außergewöhnliches anzutreffen ist, empfinden wir diesen Ostseeabschnitt dennoch als Bereicherung. 

Nachdem wir uns vergewissert haben, dass wir hier sicher stehen, schließen wir unser Fahrzeug ab und machen noch einen schönen Abendspaziergang.  

Das Spiel von Licht und Schatten begleitet uns über eine Stunde in immer neuen Variationen. 

Aber dann geht es erkennbar dem Ende entgegen und wir machen uns auf den Rückweg. Ein ereignisreicher Tag ist zu Ende. Es war vermutlich richtig, das Baltikum im Uhrzeigersinn zu umrunden, denn die Anzahl an Wohnmobilen wird mit dem aufziehenden Sommer entlang der Ostsee und in den Hauptstädten weiter zunehmen und im Osten werden wir dann sicherlich wieder etwas ruhigere Tage verbringen können.