Anreise via Polen

Mittwoch, 30.04.2025 - von Rodgau nach Bad Berneck - 277 km

Für die meisten Leser wird unsere An- und Abreise über Deutschland und Polen relativ uninteressant sein, weil sie die Strecken selbst kennen oder eigene Wege bevorzugen. Weil aber jedes Jahr neue Wohnmobilisten dazukommen, die vielleicht noch keine entsprechenden Erfahrungen haben, haben wir uns trotzdem wieder die Arbeit gemacht unsere An- und Abreise zu dokumentieren. Neben der Mautvermeidung haben wir auch bevorzugt kostenlose oder kostengünstige Übernachtungsplätze ausgewählt. 

 

Von Rodgau geht es mit Übernachtungen in Bad Berneck (bei Bayreuth), Görlitz und Zambrow nach Ltitauen. Den südlichsten der drei baltischen Staaten steuern wir über Druskininkai an. 

 

Gegen 18:30 Uhr fahren wir bei Seligenstadt auf die Autobahn A 3. Trotz des morgigen Feiertages ist die Fahrzeugdichte auf der Autobahn erträglich. Und das wird mit zunehmender Entfernung vom Ballungsraum Rhein-Main auch immer besser. Als ersten Übernachtungsort haben wir uns in der Stellplatz-App P4N mehrere kostenlose Stellplätze zwischen Bamberg und Bayreuth angesehen und uns schließlich für Bad Berneck entschieden. Eigentlich wären wir dort gegen 21:30 Uhr angekommen, aber die B 505 die uns von der A 3 auf die A 73 überleiten soll, ist gesperrt wegen einer Baustelle und so müssen wir einen Umweg fahren, der uns fast eine halbe Stunde Zeit kostet. Also sind wir erst gegen 22:00 Uhr vor Ort. Der Platz fast eigentlich nur 5 Fahrzeuge aber mit etwas Zusammenrücken passen dort auch 8 hin und schräg gegenüber befindet sich ein Parkplatz auf dem zumindest für die Nacht weitere Fahrzeuge Platz finden.

Der Stellplatz in Bad Berneck.

Donnerstag, 01.05.2025 - von Bad Berneck nach Görlitz - 321 km

Wir haben gut geschlafen und sind schon gegen 06:30 Uhr wach. Gegen 07:00 Uhr brechen wir in Richtung polnische Grenze auf. Die Strecke von 325 km bewältigen wir inklusive einer Frühstückspause bis 12:00 Uhr. Das letzte Stück der Dresdner Autobahn ist ziemlich nervig, weil die Betonplatten an den Fugen ständig rattern und das ganze Auto dabei wackelt. Aber irgendwann liegt das auch hinter uns und wir freuen uns nun auf Görlitz.

Der von uns ausgesuchte Stellplatz im Zentrum von Görlitz bot ursprünglich wohl nur fünf Fahrzeugen Platz. Inzwischen finden dort allerdings etwa 10 Wohnmobile Platz. Es ist allerdings recht eng und man fühlt sich ein wenig wie zwischen Baum und Borke. Aber der Betreiber bemüht sich so lange irgend möglich jeden Gast unterzubringen. Für 10 € gibt es Trink-, Grau- und Schwarzwasser, Ver- bzw. Entsorgung und Strom obendrein. Zudem steht man stadtnah. Also ein fairer Preis bei dem man nicht meckern kann. 

 

Nachdem wir uns etwas akklimatisiert haben, laufen wir in die Stadt. Wie so oft laufen wir aufs Geratewohl los und glauben, die interessantesten Punkte automatisch zu finden. Wir finden auch einige schöne Straßenzüge aber so richtig zufrieden sind wir nicht. Die Straßen wirken wie ausgestorben. Kaum jemand ist unterwegs und historische öffentliche Gebäude sind ebenfalls Fehlanzeige. Wir laufen zurück zum Bahnhof und wollen schon resigniert aufgeben, als uns eine ältere Dame auf Nachfrage den Weg zum schönsten Teil der Stadt weist. Und diesmal haben wir Glück. Endlich finden wir, was wir gesucht haben. Da wir nicht auf den Besuch vorbereitet sind, haben wir allerdings keine Ahnung was wir da alles sehen. Da muss uns zu Hause Wikipedia aus der Patsche helfen. Insgesamt bleiben wir 4 Stunden in der Stadt und als wir zurück am Stellplatz sind, sind wir so richtig platt. Wir haben zu Hause wohl unseren Hintern zu wenig bewegt und sind etwas aus der Übung. Heute waren es immerhin bereits wieder 15.000 Schritte, das geht ja schon gut los. 

 

Freitag, 02.05.2025 - von Görlitz nach Zambrów (Nordostpolen) - 642 km

 

Wir sind richtig früh wach, ver- und entsorgen noch, klemmen den Strom ab und fahren schon gegen 07:00 Uhr los. Am städtischen Grenzübergang in Görlitz steht deutsche Polizei. Hier soll wohl illegalen Grenzübertritten vorgebeugt werden. Auf der polnischen Seite ist der Posten verwaist. 

 

Schnell erreichen wir die Autobahn auf der polnischen Seite, legen den Tempomaten ein und tuckern im Lkw-Tempo gen Nordosten. Die Autobahn ist auch hier betoniert aber es rattert bei weitem nicht so wie auf der Dresdner Autobahn. Irgendwie bekommen die Polen das besser hin als unsere Straßenbauer. Endlich haben wir auch das ständige Auf und Ab des sächsischen Vorgebirges hinter uns und es fährt sich auf der polnischen Seite extrem angenehm.

 

Für heute haben wir uns viel vorgenommen. 450 km sollen es mindestens werden. Alle 200 km machen wir eine Pause und gegen 13:00 Uhr machen wir auf einer der Autobahnraststätten Mittagspause. Leider fangen wir uns während der Essenszubereitung eine ganze Menge Fliegen ein, die wir nicht wieder loswerden. Wenigstens stechen sie nicht, sie nerven halt. 

 

Die Abschnitte der polnischen Autobahnen, die wir befahren, sind in gutem bis sehr guten Zustand. Sie sind aktuell komplett mautfrei. Die Toiletten auf den Parkplätzen sind überwiegend sauber und werden auch regelmäßig gereinigt. Wir befahren auch längere Strecken autobahnähnlicher Schnellstraßen wie z. B. die S 8, die in vergleichbar gutem Zustand sind.

An den Park und Rastplätzen gibt es manchmal Wasserspender die aussehen wie Schwengelpumpen. Hier kann man Trinkwasser zapfen. Während der An- und Abreise bemühen wir uns ja immer alle Tanks möglichst leer zu lassen, um Sprit zu sparen und bei Kontrollwägungen der Polizei möglichst die Gewichtsgrenzen des Fahrzeugs einzuhalten.

 

Gerne nutzen wir auch die Infrastruktur der Rastplätze, um dort Essen zu machen, weil wir dort auch gleich spülen können und sämtlichen Ballast dann gleich wieder los sind.  

 

Insgesamt durchfahren wir in Polen nur ganz wenige sehr kleine Baustellen, die meist Wartungsarbeiten dienen. Wir haben auf der Hinfahrt in ganz Polen keinen einzigen Stau auf der Autobahn. Selbst in Warschau bleibt der Verkehr auf der gesamten Strecke überschaubar. Das liegt vielleicht auch am Brückentag, denn am Donnerstag war ja Feiertag und den nehmen die Polen ja doch noch etwas ernster, als wir.  

 

Als wir dann die avisierten 450 km erreicht haben, fühlt sich Michael nach einer etwas längeren Mittagspause doch noch recht fit und beschließt noch ein gutes Stück weiter zu fahren. Angelika soll dann bei 600 km Wegstrecke eigentlich einen geeigneten Stellplatz finden, aber sie macht die Ansagen für die Abfahrt von der Autobahn mehrfach zu spät und so landen wir am Ende in Zambrów auf einem großen Parkplatz. Hier übernachten auch Lkw-Fahrer und die Sache scheint einigermaßen sicher. 

Doch Michael ärgert sich schon beim Auffahren auf den Platz, weil die Gemeinde hier grobe Nägel und Reste von Ketten auf dem Pflaster belassen hat, die geeignet sind einen Platten zu verursachen. 

 

Als wir stehen sieht er sich erst einmal die Reifen an. Zum Glück scheint nichts passiert zu sein. Ruhig ist der Platz auch nicht, denn Jugendliche fahren hier permanent mit dem Motorrad vorbei und drehen die Zweiräder so richtig auf, um möglichst viel Lärm zu machen. Das geht etwa zwei Stunden so, dann zieht ein Gewitter auf und es kracht ordentlich. Hinzu kommt ein ordentlicher Gewitterguss und auf einmal ist es richtig ruhig. Manchmal lieben wir Wolkenbrüche. 

Unser ungeliebter Übernachtungsplatz in Zambrów in Nordostpolen. Nachdem der Regen endet sind erneut einige Jugendliche auf dem Platz. Der Ort scheint doch recht langweilig zu sein oder sie wissen nichts mit sich anzufangen. Von uns aus kann es gerne noch weiter regnen, dann haben wir Ruhe. Wenn ihr es irgendwie vermeiden könnt. Bleibt diesem Platz fern.  

 

Samstag, 03.05.2025, von Zambrow über Bialystok nach Lazdijai (Litauen)

Gegen 07:00 Uhr verlassen wir unser Nachtlager. Die Nacht war doch ruhiger als wir gedacht haben, es ist allerdings schwer zu sagen, ob wir nicht einfach nur Glück hatten wegen des Unwetters. 

 

Unser kürzester Weg würde nun eigentlich über Elk führen, aber die Straße soll in der Richtung in relativ schlechtem Zustand sein, weshalb wir die längere Strecke über die gut ausgebaute 4-spurige S 8 nach Bialystok wählen. Aktuell endet die gut ausgebaute Strecke bei Bialystok. Zwischen Bialystok und Augustow passieren wir aber eine ganze Reihe von Baustellen, sodass man annehmen kann, dass sich auch hier die Verhältnisse in den nächsten Jahren weiter verbessern.

  

Bevor wir die Schnellstraße verlassen fahren wir noch mehrere Parkplätze an, um einen der blauen Trinkwasserspender zu finden, die vermutlich für die Lkw-Fahrer errichtet wurden, um deren Bedarf an Frischwasser zu decken. Da das Wasser im Baltikum gelegentlich von recht schlechter Qualität sein soll, füllen wir uns den Trinkwassertank zu 80 % auf und füllen danach auch noch unsere leeren Plastikflaschen mit dem Wasser. Damit sollten wir nun für die erste Woche genügend Wasser gebunkert haben.

 

Die Straße zwischen Bialystock und Augustow ist nur zweispurig ausgebaut, führt durch viele langgezogene Orte und durch etliche Baustellen hindurch, sodass man hier nur sehr langsam vorankommt. Kaum gibt man am Ende eines Dorfes Gas, schon kündigt sich der nächste Ort an. Außerdem gibt es zahlreiche Blitzer, die aber angekündigt werden und gelb angestrichen sind und damit deutlich auffallen. Allerdings gibt es wohl auch radargestützte mobile Blitze. Gesehen haben wir keinen, allerdings wurden Autofahrer auf der Gegenseite aus dem Verkehr gezogen. 

 

Wir haben übrigens zum ersten Mal 800 km mit einer Tankfüllung geschafft. 

Etwa 10 km südlich Augustow finden wir einen ganz ordentlichen Rastplatz wo wir endlich frühstücken können, nachdem wir kurz zuvor noch einmal den Tank ordentlich gefüllt haben, weil wir annehmen, dass der Diesel in Litauen teurer ist. Leider haben wieder einige Herrschaften ihren Müll liegen lassen. Nachdem wir hier gefrühstückt haben, geht es gegen 12:00 Uhr wieder auf die Piste. Wir werden nun noch etwa 100 km über eine kleine Landstraße fahren müssen, dann sind wir an unserem ersten Ziel in Druskininkai.