Zamora

Sonntag, 19.10.2025, von Porto über die Transmontana nach Zamora

Um 09:15 verlassen wir den Stellplatz in Cabo do Mundo (bzw. Perafita) nördlich Porto. Zunächst geht es über Kopfsteinpflaster und enge Sträßchen durch einige Ortschaften bis wir endlich eine Hauptstraße erreichen. Schon kurz danach sind wir auf der Stadtautobahn A 28, die uns am Hafenbecken der Stadt Matosinhos vorbeiführt. Über mehrere Schnellstraßen und Autobahnteilstücke erreichen wir schließlich den östlichen Stadtrand von Porto und diverse Vorstädte der Großstadt. Von hier aus beginnt nun eine 60 km lange, äußerst mühevolle Fahrt. Ein Ort reiht sich an den anderen, sodass wir schier endlos lange mit 45 km/h durch die Lande fahren. Am schlimmsten ist, dass wir nicht wissen, wann das endet. Wir haben uns extra den Sonntag für die Abreise ausgesucht, um einen Tag zu haben, an dem wir möglichst ungeschoren aus dem Ballungsraum herauskommen. Doch entgegen unseren Erwartungen ist selbst am Sonntagmorgen ganz schön viel Betrieb. Um diese Strecke werktags zu befahren, bedarf es sicher sehr guter Nerven. Immerhin sind wir die letzten 6 Tage keinen Meter selbst gefahren und dieser Umstand, aber auch die Aussicht, in einem einzigen Tag in ruhigere Gewässer zu kommen, helfen uns heute ruhig zu bleiben.

 

So etwa 80 km nach unserem Start am Stellplatz nördlich Porto erreichen wir endlich südöstlich der Stadt Amarante die IP-4. Auch diese Straße verfügt meist nur über einspurig ausgebaute Richtungsfahrbahnen, verläuft aber nun nicht mehr mitten durch sämtliche Ortschaften und Streusiedlungen, sondern führt an diesen vorbei, sodass wir nun deutlich schneller vorankommen. Allerdings geht es auf der IP-4 des Öfteren 6 bis 9 % nach oben oder unten und in beiden Fällen reduziert sich unsere Geschwindigkeit merklich. Schließlich erreichen wir die kostenfreie Autobahn A4 (Transmontana) und nach 170 km Strecke und 3! Stunden Fahrtzeit legen wir eine erste Rast auf einer kleinen Autobahnraststätte auf der A4 (Transmontana) ein. 

 

Die Transmontana können wir noch bis nach Braganca (noch Portugal) kostenfrei befahren, dann müssen wir kurz vor der Stadt die Autobahn verlassen, wegen einer vermutlich elektronischen Mautstelle. Nach wenigen Kilometern schon dürfen wir wieder auf die Autobahn, die dann erst wieder an der spanischen Grenze endet.

Gleich hinter der Grenze mündet die A4 in die N122. Die ist zwar ebenfalls nur 2-spurig ausgebaut, führt aber weitgehend über Land und dabei an den meisten Siedlungen vorbei, ist deshalb durchgehend mit 80 bis 90 km/h zu befahren und ermöglicht uns so ein schnelles Vorankommen. Die in Porto vom Navi ausgerechnete Fahrtzeit von 4,5 Stunden plus 1 h Zeitumstellung kommt ziemlich genau hin und so rollt unser Wägelchen gegen 16:30 Uhr auf den Stellplatz in Zamora. 

Der Stellplatz fast gut 40 Wohnmobile, da sollte es in dieser abgelegenen Gegend kein Problem sein einen Übernachtungsplatz zu finden. Doch da haben wir wieder einmal die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der Stellplatz ist bis auf den letzten Platz voll belegt. Wir gehen in Wartestellung und hoffen, dass am Sonntagnachmittag vielleicht doch noch das eine oder andere Fahrzeug abfährt. Doch nirgendwo rührt sich etwas. Wir ziehen unverrichteter Dinge ab und platzieren unser Auto einige hundert Meter weiter an einem Parkplatz unweit der Sportplätze (Ausweichplatz im Kärtchen unten). Wir machen am Sportplatz noch Mittagessen und begeben uns danach in die Stadt. Dabei kommen wir erneut am Stellplatz vorbei und schauen noch einmal nach, ob sich nicht doch noch etwas getan hat. Und siehe da, zwei Plätze sind frei. Ich lasse Angelika meinen Rucksack da, sage ihr sie soll den Platz freihalten und spurte zurück zum Wohnmobil. Als ich den Stellplatz erreiche, ist der Platz tatsächlich noch frei und wir sind froh, dass wir nun doch hier unten stehen können.

Der Stellplatz befindet sich direkt neben einer Freizeitanlage mit Trimmgeräten, einem Spielplatz und Bank-Tisch-Kombinationen, die bei schönem Wetter gut angenommen werden.

Das Kärtchen zeigt die Lage des Stellplatzes westlich der Altstadt (casco antiguo). Vom Stellplatz sind es 500 m Fußweg bis zum Castillo (Festung) und etwa 1,2 km, bis zum Zentrum der Altstadt an der Plaza Mayor (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). In Zamora wollen wir eigentlich nur übernachten. Von der kleinen, abgelegenen Stadt versprechen wir uns nicht allzu viel. Da wir aber grundsätzlich neugierig sind, gehen wir am Abend trotzdem noch einmal in das Städtchen und sind überrascht. 

Vom Stellplatz geht es die Paseo Concha nach Süden. Am Fuße eines Höhenzuges beginnt hier eine kleine Grünanlage, in der sich ein schöner Brunnen befindet. Über die Rúa los Notarios geht es dahinter den Hang hinauf, bis wir oben auf dem Kamm den Parque del Castillo erreichen.

Das Castillo de Zamora vom Parque del Castillo aus aufgenommen. Für den Eintritt in das Castillo benötigt man ein kostenloses Ticket, das man am Eingang erhält. Leider schließt die Pforte um 18:00 Uhr, aber morgen ab 10:00 Uhr dürften wir hinein. Da es, abgesehen von den Restaurants in der Stadt ähnlich aussehen dürfte, laufen wir gar nicht erst ins Zentrum, sondern überqueren den Höhenzug und erreichen auf der gegenüberliegenden Seite den Südhang.  

Auf dem Weg über den Kamm passieren wir auch die Catedral de Zamora, auch das ein prächtiges Bauwerk. Auf vielen alten Gebäuden befinden sich Storchennester und eine kleine Kolonie von Störchen hat sich hier häuslich niedergelassen.

Nach laufen ist uns heute nicht so richtig zumute, aber so hoch ist der Höhenzug nun auch wieder nicht, also gehen wir auch noch hinunter an den Fluss. Die Gasse, die uns dorthin führt, wurde mit viel Liebe zum Detail symbiotisch mit dem Fels verschmolzen und gibt heute ein prächtiges Bild ab. 

An der Straße, die uns hinunter zum Fluss bringt, tritt der Fels unter den massiven Festungsmauern beeindruckend zutage.

Und was sehen wir hier? Es ist der Douro, der hier Duero heißt und uns schon in Porto viel Freude bereitet hat. Fast 900 Kilometer legt er von der kastilischen Hochebene bis zur Hafenstadt Porto am Atlantik zurück. Dass wir den nun noch einmal sehen, überrascht uns. Unverhofft kommt halt oft. Der Fluss ist zwar recht flach, aber soweit im Hinterland hätten wir uns den doch etwas schmäler vorgestellt. 

Seit vielen Jahrhunderten überwindet die Puente de Piedra den Fluss und sorgt dafür, dass die Besucher trockenen Fußes die Stadt erreichen oder verlassen können. Heute sind es nur noch Fußgänger, die sich hier tummeln, längst haben jüngere Schwesterbrücken die Schwerstarbeit übernommen. 

Jahrhundertelang war diese Brücke die einzige Flussquerung der Stadt und verband die Außenbezirke mit dem historischen Stadtzentrum. Heute verbindet sie die Avenida de Vigo (rechtes Ufer) mit der Plaza de Belén (linkes Ufer). Aufgrund ihrer Lage an der Silberstraße (Vía de la Plata) war sie ein wichtiger Übergangspunkt für Menschen, Güter und Viehherden. Der Bau wurde Anfang des 13. Jahrhunderts abgeschlossen, und die Brücke wurde seither mehrmals renoviert. Sie zählt heute zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt.

Montag, 20.10.2025, Stadtbummel Zamora und Weiterfahrt nach Miranda de Ebro

Wir schlafen bis um 07:00 Uhr, frühstücken, spülen und entsorgen und machen uns gegen 10:00 Uhr auf den Weg hinauf in die Stadt. Bis wir oben sind, ist es bereits 10:20 Uhr, es ist also schon recht spät. Obwohl wir das Castillo zuerst besuchen, kommen wir zu diesem erst etwas später. Zunächst einmal wenden wir uns der Altstadt zu, wir haben nämlich gestern mitbekommen, dass die auch noch einiges zu bieten hat.  

Auf dem Weg in Richtung Zentrum sehen wir ein kleines Touristenbüro und denken, es kann nicht schaden, hier mal ein paar schnelle Informationen einzuholen. Eine freundliche und ausgesprochen auskunftsfreudige Frau drückt uns gleich Informationsmaterial und eine Karte in die Hand und beantwortet all die Fragen, die plötzlich aufgrund der Sichtung des Infomaterials und der Fotos, die überall an den Wänden hängen, aus uns heraussprudeln. Jede Antwort provoziert sofort neue Fragen und je mehr wir fragen, umso interessanter wird der Ort. Dann sehen wir, dass es neben den bereits besichtigten historischen Gebäuden eine ganze Reihe weiterer im Altstadtzentrum gibt. Hinzu kommt, dass die Altstadt viele Art Nouveau-Gebäude (Jugendstil) beherbergt. Das müssen wir uns unbedingt noch ansehen, auch wenn wir eigentlich ordentlich Zeitdruck haben, weil wir für Angelika in Bilbao für Mittwoch einen Rückflug nach Deutschland gebucht haben.

 

Und noch eines ist Michael hier klar geworden. Wir haben schon wieder einen Ort, an dem wir unbedingt noch einmal vorbeischauen müssen. Denn wir werden heute keinesfalls alle Sehenswürdigkeiten dieser Stadt sehen können und weitere Points of Interest warten im Umland. 

Als Erstes wollen wir nun noch einmal ein Auge auf den Fluss werfen und kommen auf unserem Weg an mehreren großformatigen Kunstobjekten vorbei, die den Altstadtgassen einen ganz besonderen Touch verleihen. Dieses Bildnis zeigt Alfons den 9.

Am Mirador del Troncoso sehen wir diese künstlerisch gestaltete Sitzbank mit Blick auf den Fluss und die Puente de Piedra. Die Lauffläche ist mit edlem Gestein ausgelegt, das zahlreiche, allerdings sehr schlecht erhaltene Fossilien erkennen lässt. Das Gestein ist wohl im Laufe seiner Entwicklung wie Ikarus der Sonne, in dem Fall aber wohl eher der Erdwärme zu nahe gekommen, und das ist den Fosilien nicht gut bekommen.  

Und so sieht die Sitzbank von unten aus (Standort Mirador del Troncoso).

Gleich nebenan ein weiteres großformatiges Gemälde, das wohl aufgetragen worden ist, um eine Abbruchfassade etwas aufzuhübschen. Für uns ein gelungener Versuch.

Diese Location in der Rúa de los Francos /Ecke Calle de Moreno ist etwas weiter entfernt. Aber auch hier hat man versucht, die Abbruchfassade durch ein Gemälde etwas harmonischer mit der Umgebung zu versöhnen. Und auch das sieht gut aus, finden wir.

 

Wandmalerei, auch als Mural bezeichnet, ist eine Form der Malkunst, bei der das Bild nicht wie bei einer Tafelmalerei auf eine Holztafel oder Leinwand aufgetragen wird und zum mobilen Einsatz bestimmt ist, sondern auf eine Wand oder Decke so appliziert wird, dass es fest mit dem Untergrund verbunden ist. Die Wandmalerei ist neben der Bildhauerei die älteste überlieferte Kulturleistung der Menschheit. Bei einer Wandmalerei versucht der Künstler, das charakteristisch Flächige der Wand zu wahren (strenge Wandmalerei) oder den Eindruck von Dreidimensionalität zu erzeugen (illusionistische Wandmalerei).

Die Fliege ist weniger gut gelungen, trotzdem ein schöner Blickfang. 

Das Teatro Ramos Carrión wurde im modernistischen Stil nach den Plänen des Architekten Francisco Ferriol erbaut. Das Gebäude wurde zu Ehren des humorvollen Schauspielers Miguel Ramos Carrión errichtet. Es befindet sich in der Calle de Ramos Carrión 25 in der nordöstlichen Verlängerung der Calle Rúa los Francos (Straße der Franken).

Häuserzeile auf der Ostseite der Plaza Mayor, gleich gegenüber des Baychimo Teatro und nicht weit entfernt vom Monumento al Merlú (Merlú-Denkmal).

Bei der Statue handelt es sich um das Monumento al Merlú (Merlú-Denkmal). Es zeigt zwei Bronzefiguren in Kapuzenmänteln, die traditionelle Instrumente spielen: eine Trommel und eine Trompete. Die "Merlú"-Figuren sind legendär für die Karwoche (Semana Santa) in Zamora. Das Denkmal wurde am 26. März 1994 eingeweiht. Die Skulptur stammt von dem Künstler Antonio Pedrero Yévoles.

Die Kirche Iglesia de Santa María Magdalena in der Rúa los Francos.

Das Rathaus von Zamora an der Plaza Mayor.

Die Calle del Oro, eine Seitenstraße der Calle de Balborraz und nicht weit entfernt von der Plaza Mayor. Gold findet man hier keines, dafür jede Menge Treppen. Zamora ist reich an Treppen. Wer hier jeden Tag in die Stadt läuft, benötigt keine weiteren Trainingseinheiten.

Hier sehen wir eine hübsche Häuserzeile in der Calle de Balborraz.

Häuserzeilen an der Plaza de Sagasta in der Verlängerung der Calle Renova im Nordosten der Altstadt.

Frontalansicht der Häuserzeile an der Plaza de Sagasta. Bei so mancher historischer Gebäudefassade sind wir uns nicht sicher, ob das noch Art Nouveau (Jugendstil) oder bereits Art Déco ist. Art Déco entwickelte sich aus dem Jugendstil heraus; der Hauptunterschied liegt in den Formen: Jugendstil bevorzugt organische, geschwungene Linien und florale Muster, während Art Déco auf klare Linien, Symmetrie und geometrische Formen setzt, inspiriert von Modernität und Technik. Der Jugendstil (ca. 1890–1910) war die Vorläuferbewegung, Art Déco (ca. 1920er–1930er) ist eine spätere Stilepoche mit klaren Kontrasten.

Der Palacio de los Momos in der Calle San Torcuato ist ein ehemaliger Adelspalast, der im 15. Jahrhundert errichtet wurde. Die Fassade des Gebäudes ist seit 1922 als Baudenkmal (Bien de Interés Cultural) geschützt. Der Palast wurde für Pedro Rodríguez de Ledesma, der Militärkommandant von Zamora war, errichtet. In den 1930er Jahren wurde das Gebäude zu einem Luxushotel umgebaut. Heute befindet sich der Justizpalast mit den Provinzialgerichten (Audiencias Provinciales de España) darin. Von dem Palast aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert ist lediglich die Fassade erhalten.

Das traurigste Stück Zamora während unseres Stadtbesuchs. Wirklich schade, dass der Mercado de Abastos (Markthalle) derzeit einer Komplettrenovierung unterzogen wird. Wenn die Stadt allerdings so viel Herzblut an den Tag legt, wie bei allen anderen Gebäuden, Straßen und Plätzen, die wir gesehen haben, dann dürfen wir für die Zukunft noch eine weitere Perle unter vielen anderen erwarten. Falls Zamora nicht schon europäische Kulturhauptstadt war, dann wäre sie bestimmt ein würdiger Kandidat in einem der nächsten Jahre. Echt blöd, dass wir heute so durchhecheln müssen, der Ort hätte mehr Zeit verdient. Aber man sieht sich ja manchmal zweimal im Leben. 

An der Plaza del Seminario /Ecke Calle de San Andrés befindet sich dieses schöne Gebäude, das Casa Almendral (Architekt Antonio García Sánchez-Blanco, 1921).

Dieses schöne Gebäude des Architekten Antonio García Sánchez-Blanco – der Architekt, der Zamora ins 20. Jahrhundert führte – befindet sich am Rande der Altstadt. Gerne hätten wir uns noch mehr angesehen, aber jetzt müssen wir uns wirklich beschränken, sonst bekommen wir die Kurve überhaupt nicht mehr. Wir sind beeindruckt von diesem Ort im spanischen Niemandsland und hätten nicht gedacht, dass wir in dieser Abgeschiedenheit auf so viel Kultur treffen.   

 

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