Dienstag, 17.06.2025 - von Rēzekne nach Gräveri - 123 km
Rēzekne (deutsch Rositten) ist eine Stadt in der Landschaft Lettgallen (lettisch Latgale), im Osten Lettlands. Rēzekne liegt am Knotenpunkt der Straßen und Bahnlinien Moskau–Riga und Sankt Petersburg–Warschau und ist eine der zehn Republik-Städte Lettlands. Republik-Städte sind eigenständig und unabhängig vom Umland. 2024 zählte Rēzekne 26.522 Einwohner.
Das Kärtchen zeigt unseren Übernachtungsplatz in Rēzekne und einige von uns besuchte Locations in der Stadt (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Unser Übernachtungsplatz an der Krasta iela kurz nach der Ankunft und bevor wir den abendlichen Stadtbummel starten. Noch ist ein wenig Betrieb, aber wir blockieren auch keine Plätze für die Einheimischen. Leider muss man es erwähnen: Wichtig für uns ist die Miettoilette im Bildhintergrund. Wenn sie fehlte oder unbenutzbar war, sind wir gelegentlich auch weitergefahren.
Grünanlage mit Sitzgelegenheiten am beschaulichen Rēzeknefluss.
Vom Parkplatz, auf dem wir übernachten werden, führt oberhalb und parallel zum Rēzeknefluss die verkehrsberuhigte Krasta iela, die den Charakter einer Fußgängerzone hat, in Richtung des Zentrums. Hier kann man sich ganz entspannt bewegen.
Der Rēzeknefluss unterhalb der Krasta iela.
Blick von der Brücke über ein Wehr auf den Rēzeknefluss.
Von der Ruine sind nur noch kümmerliche Reste erhalten.
Blick von der Krasta iela entlang des Rēzekneflusses in Richtung der Herz-Jesu-Kathedrale.
Das Kärtchen zeigt das Zentrum von Rēzekne und einige von uns besuchte Locations in der Stadt (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Das ostlettische Zentrum für kreative Dienstleistungen „Zeimuļs“ wurde 2012 im Zentrum der Stadt eröffnet. Es bietet Kurse zur Interessenerziehung für Schüler und Jugendliche an und ist mit entsprechenden Einrichtungen und Werkstätten für Kreativwirtschaft und Umweltdesign ausgestattet.
Das Marktgelände in der Liepājas iela, bei unserem Besuch leider verwaist.
Die Herz-Jesu-Kathedrale ist die Bischofskirche des katholischen Bistums Rēzekne-Aglona. Die Kirche wurde mit der Errichtung des Bistums 1995 zur Kathedrale erhoben.
Ursprünglich befand sich an Stelle der heutigen Kirche eine Holzkirche aus dem Jahre 1685. Nachdem sie 1887 während eines Gewitters niederbrannte, wurde die heutige Kirche in einem historistischen Stil aus romanischen und frühgotischen Elementen erbaut. Für die 1902 fertiggestellte und 1904 geweihte Kirche zeichnete der Rigaer Ingenieur Florians Viganovskis verantwortlich. Die Weihe erfolgte nach Abschluss der Innenarbeiten im Jahre 1914. Bis heute gehört sie zu den größten Kirchen Lettlands.
Besonders sehenswert sind die geschnitzten, neogotischen Holzaltäre mit Statuen von Jesus Christus, der Jungfrau Maria, der hl. Therese von Lisieux, der hl. Elisabeth von Thüringen und von anderen Heiligen. Weiterhin sind die Glasmalereien bedeutend, welche die ersten Bischöfe Lettlands zeigen: St. Meinhard und St. Albert. Die letzte Renovierung betraf hauptsächlich Ausbesserungsarbeiten am undichten Dach.
Läuft man von der Herz-Jesu-Kathedrale auf der Latgales iela noch 100 m weiter nach Osten und biegt dann an der Straßenkreuzung nach links in die Ludzas iela ein, dann sieht man nach weiteren 80 Metern Straße links einen Fußweg, der hinunter zum Fluss und dort über eine Brücke führt. Jenseits der Brücke befindet man sich dann wieder in der verkehrsberuhigten Straße Krasta iela. Auf diese Weise kann man den Rückweg zum Wohnmobil deutlich abkürzen (vgl. hierzu auch das Kärtchen etwas weiter oben).
Zurück an unserem Übernachtungsplatz ist inzwischen Ruhe eingekehrt und wir gehen nun ganz entspannt einem ruhigen Abend entgegen.
Das Kärtchen zeigt unseren Haltepunkt am Rāznas ezers bzw. Rāznasee (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Von Rēzekne aus geht es heute Morgen auf der P 55 weiter nach Süden mit einem ersten Halt am Rāznasee. Wir folgen dabei dem Ostufer des Rāznas ezers (Rāznasees) und fahren unweit der Ortschaft Kaunata von der P 55 auf die P 56 und gleich hinter der Abfahrt geht es auf einen naturbelassenen Parkplatz direkt am See.
Die letzten Tage war es total windstill, aber heute bläst der Wind ordentlich und peitscht die Wellen des Sees gegen das Ostufer. Wir genießen die frische Brise, weil sie sämtliche Moskitos zum Teufel jagt und wir völlig ungeschoren am Ufer auf und ab gehen können. Aber es ist halt auch ein kalter Wind, der einem hier um die Ohren pfeift, und so halten wir es dann nicht allzu lange draußen aus. Nach einer Viertelstunde fahren wir ziemlich erfrischt weiter.
Kaum sind wir im Auto, setzt Regen ein, und diesmal wird es heftiger als heute Morgen. Mit gedrosselter Geschwindigkeit folgen wir der P 55 weiter nach Süden, fahren bis Ezernieki und sehen dann südlich der Ortschaft bei Ezernieku pludmale einen kleinen Picknickplatz direkt am See (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Der Wind bläst hier weniger heftig als am Rāznasee. Beim Niederschlag ist es allerdings ein ständiges Kommen und Gehen. Man wagt keine Prognose für mehr als eine Viertelstunde, und wenn dann gerade mal kein Regen fällt und eine schöne Location in der Nähe ist, dann gilt es, den Augenblick zu genießen. Natürlich hätten wir am liebsten 10 Wochen blauen Himmel, aber dann gäbe es diese schöne grüne Landschaft nicht. Es ist ein schöner Picknickplatz, auf dem wir hier Aufstellung genommen haben, und wir sind bei diesen Witterungsbedingungen natürlich wieder einmal alleine. Also legen wir hier eine etwas längere Rast ein, vertreten uns draußen am Seeufer ein wenig die Beine und wärmen uns mit reichlich Kaffee, Tee und etwas Gebäck, das wir im Vorratsschrank gebunkert haben.
Weiter geht es in Richtung Dagda, wo wir die P 55 verlassen und in Richtung Aglona auf die P 61 abfahren.
Noch in Dagda sehen wir links der Straße eine nagelneue kleine, rosafarben angestrichene Kirche, die wir unbedingt ablichten wollen.
Leider regnet es ohne Unterbrechung. Michael muss wieder einmal den großen Schirm herausholen, um überhaupt Fotos machen zu können. Wie man sieht, hat sich der Aufwand aber gelohnt. Uns gefallen die vielen, fein herausgeputzten, kleinen orthodoxen Kirchen im Baltikum fast besser als die großen Kathedralen und Basiliken. Die sind zwar beeindruckender, können aber selten mit den goldenen Kuppeln und dem Farbenspiel der Winzlinge mithalten. Gerade in Ländern, in denen der Himmel oft grau ist, finden wir solche Farbtupfer in der Landschaft sehr erfrischend.
Von Dagda geht es in einem Rutsch weiter bis zum Kloster Aglona. Auch dieser Ort ist wieder eine Streusiedlung ohne echtes Zentrum. Noch vor der Einfahrt in den Ort sehen wir links der P 62 Kristus karala kains, eine Kapelle auf einem Hügel, eingebettet in eine kleine, mit Brückchen verbundene Seenlandschaft, in der diverse Holzfiguren aufgestellt sind. Die vielen Kunstwerke sind harmonisch in die Landschaft eingepasst. Wir fahren aber erst einmal daran vorbei und wenden uns dem Kloster zu.
Das Kärtchen zeigt die Lage des Klosters Aglona und des Christus-König-Berges, ca. 2 km östlich des Klosters (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Unser erstes Ziel dort ist die heilige Quelle. Sie liegt etwas versteckt, wir müssen ein wenig suchen, werden aber nach kurzer Zeit fündig. Die Quelle wird nun unseren Tank zu 80 % füllen, und mit einem solchen Wasser ausgestattet, sollte es uns die nächste Zeit richtig gut gehen. Die Quelle ist übrigens gut besucht. Viele Pkw fahren vor und füllen ihre mitgebrachten Kanister.
Dann fahren wir auf den großen Parkplatz vor dem Kloster, der uns heute fast alleine gehört. Es regnet jetzt wieder kräftiger und wir überlegen eine ganze Weile, wie wir den Tag sinnvoll gestalten können. Wir machen erst einmal Mittag. Eine gute Wahl, wie sich zeigt, denn nun hilft uns der Himmel. Die Schauer lassen innerhalb der nächsten Dreiviertelstunde langsam nach und die Wolkendecke bekommt Löcher. Also sehen wir uns das recht große Areal einmal aus der Nähe an.
Den Eingang zum Klostergelände markiert ein großes Portal.
Dahinter weitet sich die Fläche deutlich und bietet bei Feldgottesdiensten Zehntausenden von Gläubigen Platz. Vor der Kirche befindet sich eine überdachte Terrasse, die wir gleich noch besser sehen werden. Sie dient bei Großveranstaltungen als Außenaltar.
Der Bau der heutigen Kirche wurde 1768 begonnen und 1780 fertiggestellt. Auch wenn das weder von außen noch von innen zu erkennen ist, handelt es sich um einen Ziegelbau. Das Gebäude wurde im späten italienischen Barockstil errichtet. Bischof Jānis Benislavskis weihte sie 1800 der Himmelfahrt der Jungfrau Maria. Ihre Fassade wird von zwei 60 Meter hohen Türmen dominiert.
Und hier sehen wir nun die Terrasse mit dem provisorischen Altarraum für Feldgottesdienste und davor die gewaltige Fläche für die Gläubigen. Im Jahr 1980 feierte die Kirche ihren 200. Geburtstag und Papst Johannes Paul II. verlieh ihr den Titel einer Basilica minor. 1986 war Aglona der Ort der Feier des 800. Jahrestages des Christentums in Lettland. Eine größere Renovierung der Basilika und Erweiterungen des Kirchengeländes wurden 1992 in Vorbereitung auf den Papstbesuch begonnen. Im September 1993 besuchte Papst Johannes Paul II. das Heiligtum und über 300.000 Pilger versammelten sich dazu.
Im Inneren befindet sich ein Kreuzgewölbe, Bögen und Säulen sind mit Rokoko-Ornamenten verziert. Die Kirchenausstattung stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die Ikone der Muttergottes von Aglona wurde in den Hauptaltar integriert. Das Bild wird allerdings nur zu hohen Festen gezeigt.
Die Orgelempore mit der wirklich sehenswerten Orgel im hintersten Teil des Hauptschiffes.
Die Rückseite der Basilika von Aglona.
Die Grünfläche nördlich der Basilika mit Kreuzen und Gedenksteinen.
Ein großes Kreuz schmückt die Freifläche im Südosten des Klostergeländes vor dem Aglonasee.
Aufzucht und Hege im Schilfgürtel des Aglonasees.
Von der Basilika von Aglona führt unser Weg nun noch einmal 2 km nach Osten zum Christus-König-Berg bzw. dem Kristus karala kains. Wir wollen nicht lange bleiben, sondern uns die Location nur einmal kurz ansehen. Doch kaum stehen wir, da kommt eine Frau mit einem Roller angefahren und teilt uns per Googleübersetzer mit, dass wir hier nicht übernachten dürfen. Vielleicht ist es so ihre Art, aber sie übermittelt die Botschaft mit einem sehr strengen Blick und vermittelt uns, dass wir hier nicht wohlgelitten sind. Der Tag ist schon weit fortgeschritten, und da ist die Annahme, dass Wohnmobilisten, die jetzt noch hier erscheinen, dann vielleicht auch übernachten wollen, vielleicht gar nicht so abwegig. Wir gehören aber auch nicht zu den Leuten, die sich anderen ohne Not aufdrängen. Deshalb nehmen wir von einem Rundgang Abstand, machen nur noch ein paar Aufnahmen mit dem Teleobjektiv, um zumindest einmal zeigen zu können, wie es hier aussieht, und fahren dann unverrichteter Dinge weiter.
Die Idee zur Einrichtung dieses Parks stammt von Ēriks Delpers, der im Jahr 2006 mit der Gestaltung des Ortes begann. Der Park ist dem christlichen Glauben gewidmet. Er umfasst über 500 Holzskulpturen, darunter Christusfiguren, Engelsfiguren und biblische Motive.
Der Hügel ist terrassenförmig angelegt, bietet Spazierwege und ist mit verschiedenen Baumarten bepflanzt. Er gilt als ein Ort der Stille, des Gebets und der Besinnung.
Der Christus-König-Berg ist ein beliebtes Ausflugsziel, besonders in Verbindung mit der nahegelegenen Basilika von Aglona. Also wem so etwas gefällt, der sollte sich das ruhig einmal ansehen, wenn er ohnehin in Aglona ist.
Der erste Platz ist ganz neu eingerichtet und macht den besten Eindruck. Hier sind auch die Toiletten untergebracht und es gibt eine Treppe hinunter zum Čertoka ezera (Tschertoksee) zu einer Aussichtsplattform, einer Holzbohlenterrasse mit Sitzgelegenheit und einer Feuerstelle und natürlich mit einem Zugang zum Gewässer. Außerdem ist ein Rundweg um den Čertoka ezera angelegt, an dem man allerdings nur begrenzt Freude haben dürfte, denn es wimmelt stellenweise von Mücken. Das ist uns aber egal, denn wir wollen vor allem einen Schlafplatz. Kleiner Schönheitsfehler: Der erste, der drei Plätze ist nur mit einem kleinen Parkplatz versehen und der ist zugeparkt. Also fahren wir weiter und finden einen zweiten PP ohne jegliche Infrastruktur, der auch frei ist. Der ist allerdings etwas zu schräg, um vernünftig schlafen und kochen zu können, und ebenfalls ohne jede Infrastruktur. Also wieder nichts. Michael geht zu Fuß weiter in Richtung Wald hinein und findet schließlich 100 m weiter einen Platz, der halbwegs eben ist und etwas erhöht über dem See liegt. Infrastruktur fehlt zwar auch hier, aber der sagt uns mehr zu und den nehmen wir. Wir bleiben heute wieder einmal alleine, sehr idyllisch, aber zwei weitere Camper in der Nähe wären uns lieber. Wir haben es gerne ein ganz klein bisschen kuschelig.