Schloss Rundāle

Freitag, 16.05.2025 - von Bauska nach Tukums - 151 km

Bauska - Schloss Rundāle - Dobele - Tukums

Gegen 10:00 Uhr erreichen wir Schloss Rundāle und platzieren unseren Brummer auf dem hinteren Parkplatz, der für Wohnmobile vorgesehen ist (vgl. hierzu auch das Kärtchen 2, unten). Die Absperrkette vom Vorabend ist nun entfernt worden und wir können einfahren.

 

Schloss Rundāle (lettisch: Rundāles pils; deutsch: Schloss Ruhental) ist neben Schloss Jelgava eines der beiden bedeutendsten Barockschlösser, die für die Herzöge von Kurland im heutigen Lettland erbaut wurden. Der Bau des Schlosses erfolgte in zwei Phasen, von 1736 bis 1740 und von 1764 bis 1768. Es befindet sich in Pilsrundāle, in der Gemeinde Rundāle, in der Region Semgallen, 12 km westlich von Bauska. Das Schloss zählt zu den wichtigsten Touristenzielen Lettlands. Es diente auch als Unterkunft für hochrangige Gäste. Das Schloss und die umliegenden Gärten beherbergen heute ein Museum. 

Das Kärtchen 1 zeigt die Lage von Schloss Rundāle, 12 km westlich der Stadt Bauska in Südlettland (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Etwa 100 m nordöstlich des Schlosses befinden sich die ehemaligen Stallungen. Um Vollblüter für den Hofbedarf bereit zu stellen, gab es zur Zeit des Herzogs mehr als 10 Gestüte, Ställe mit Manegen zum Zureiten der Pferde und sogar eine Reitschule in Jelgava. Auf jedem Gutshof gab es Pferde, auf den größeren sogar mehrere Ställe am selben Ort.

 

Die in Halbkreisform angeordneten Ställe, die heute auf Schloss Rundāle zu sehen sind, wurden in der zweiten Bauphase (1764 - 1768) errichtet, als Francesco Rastrelli mit Severin Jensen zusammenarbeitete. Die Stallanlage umfasste symmetrisch angeordnete Stallgebäude, die für 66 Pferde vorgesehen waren.

Hier blicken wir vom Eingang am Schlosshof auf das Schloss. Links befindet sich der Südostflügel des hufeisenförmigen Baus, in dem das Museum untergebracht ist. Im Bildhintergrund befindet sich der Südwestflügel. Der rechte Flügel (Nordwest) des Schlosses ist zumindest aktuell nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

Das Kärtchen 2 zeigt Schloss Rundāle mit dem angrenzenden Schlossgarten und den Parkmöglichkeiten (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Da uns der Himmel heute Morgen gnädig ist, sehen wir uns zunächst noch einmal die Außenanlagen an. Von den Außenanlagen haben wir keinen Zugang zu dem prächtigen Schloßgarten. Der ist  kostenpflichtig, weshalb wir uns alsbald nach drinnen begeben, um Tickets zu besorgen. 

Mit den Tickets sehen wir uns dann gleich mal den Schlossgarten an. Wer weiß schon, wie lange es heute trocken bleibt. Der Garten von Schloss Rundāle (Lettland) ist ein beeindruckendes Barockensemble, das nach französischem Vorbild mit einem französischen Garten (Parterres, Alleen, Bosketts, Labyrinth), einem Waldpark (Jagdpark mit radialen Alleen), einem Rosengarten mit 600 historischen Sorten und Obstgärten angelegt wurde. Der Schlossgarten ist von einem Kanal umgeben.

 

Oben im Bild sehen wir übrigens ein schönes Beispiel eines Parterres in der Gartenkunst. Es bezeichnet eine ebene, meist vor einem Schloss gelegene Gartenfläche mit kunstvollen, symmetrischen Mustern aus Beeten, niedrigen Hecken (oft Buchsbaum) und farbigem Kies oder Rasen. Diese sind von Wegen durchzogen und sollten am besten von einem erhöhten Standpunkt (z.B. dem Schloss selbst) aus betrachtet werden. Diese Elemente dienen als repräsentativer Übergang zwischen Architektur und Natur. Und noch eine Klugscheißerinfo: Bosketts sind kleine, künstliche Wäldchen oder „Lustwäldchen“ in barocken Schlossgärten.

Der Park wurde zeitgleich mit dem Schloss (1736 - 1740) von Rastrelli entworfen und seit den 1970er Jahren aufwändig restauriert, wobei Elemente wie das Grüne Theater und historische Rosensorten hinzugefügt wurden, um den Glanz des 18. Jahrhunderts wiederherzustellen.

Der Schlossgarten ist eigentlich eine Ansammlung thematisch gegliederter Einzelgärten. In dieser Aufnahme bekommt man eine ungefähre Vorstellung, wie groß dieser Garten tatsächlich ist. Gartenfreunde und -freundinnen können hier locker einen Nachmittag verbringen. 

Der Schlossgarten umfasst folgende Schlüsselbereiche:

 

Französischer Garten: Mit kunstvollen Hecken, Zierparterres, Pergolen, einem Labyrinth und einer zentralen Fontäne, inspiriert vom Design Rastrellis. Waldpark/Jagdpark: Eine Fortsetzung des formellen Gartens mit großen Bäumen, Sträuchern und den fünf radialen Alleen, die zum Schloss führen. Rosengarten: Beherbergt über 2.200 Rosen, darunter viele historische Sorten.

Obstgärten: Angelegt im 18. Jahrhundert und heute restauriert, mit vielen Apfel-, Birnen-, Pflaumen- und Kirschbäumen. Kanal und Teich: Der Park wird von einem künstlichen Kanal umgeben, gespeist von einem Teich mit Insel, der dem Ensemble eine romantische Note verleiht.

Ein wenig getrieben von den Wetteraussichten konnten wir uns gar nicht alles ansehen. Hier müsste man wirklich mal einen Tag Zeit haben.

Auch ein kleiner Tulpengarten gehört zur vielgestaltigen Auswahl. 

Nicht nur die Gärten selbst sind schön anzuschauen. Man trifft auch auf diverse kleine elegante Pavillons. 

Eine japanisch inspirierte Pagode als Gartenpavillon. Wenn wir uns recht erinnern, sind hier Toiletten untergebracht. 

Teil des Gartens sind auch zahlreiche Laubengänge, die so früh im Jahr leider noch gar nicht ihre volle Pracht entfalten können. Man kann halt nicht alles haben. Einen möglichen zweiten Besuch des Baltikums sollten wir tatsächlich 4 Wochen später beginnen. Das wird dann, wenn alle Einrichtungen und Freizeitaktivitäten geöffnet sind und in der Natur alles blüht und gedeiht noch einmal eine ganz andere Erfahrung. 

Eine hübsche kleine Allee, da wurde aber ganz genau Maß genommen. Was hier für ein Aufwand betrieben wird, ist enorm. Ein Besuch lohnt sich nicht nur für Gartenfreunde.  

Ohne es wirklich zu wissen vermuten wir hier das Grüne Theater. 

Wir könnten noch zwei Dutzend Fotos zeigen, aber das würde den Rahmen sprengen. Davon abgesehen, ist das Schloss nicht nur von außen sehenswert, auch die Innenräume sind stilvoll eingerichtet und man kann gut nachvollziehen in welchem Prunk die jeweils darin Wohnenden lebten. Die Ausstellungsstücke sind allerdings überwiegend nicht mehr im Original erhalten. 

Schloss Rundāle - Im Südostflügel

Nachdem wir uns die Gärten in aller Ruhe angesehen haben, läuft Angelika nun zurück zum Wohnmobil, während Michael sich noch die Innenräume des Schlosses ansieht. Im Schloss sind lediglich der Südostflügel und der hintere Teil des Schlosshufeisens (Südwestflügel) zu besichtigen. Die sind allerdings so groß, und es ist dort wirklich soviel Interessantes zu sehen, dass sich ein Besuch unbedingt lohnt. 


Im Keller des Südostflügels sind Fundstücke von Ausgrabungen und alte Beschläge, vereinzelt Waffen, Schlösser und Türen ausgestellt. Außerdem befindet sich dort ein kleines Restaurant.

Im Erdgeschoss sieht man wenig Aufregendes. Vielleicht liegt das allerdings auch daran, dass nicht alle Räumlichkeiten zugänglich sind. Wenn wir uns richtig erinnern, befindet sich im Erdgeschoss jedoch der wichtigste Teil des Schlosses und das sind natürlich die Küchen.

Arkadengang im Erdgeschoss von Schloss Rundāle.

Paradetreppenhaus mit Erdgeschoss und Obergeschoss.

Blick vom ersten Stock des Südwestflügels in den Schlossgarten. Hier ahnt man, was ein ordentlicher Aussichtsturm in doppelter oder dreifacher Höhe, irgendwo in Randlage des Schlosses, bringen würde. Aber Mischael hört schon die Schreie der Schlossfreaks. Welch garstiger Gedanke, diese Idylle mit einem Aussichtsturm beschädigen zu wollen.  

So einen schönen Kachelofen hätte man auch gerne zu Hause. 

Im Schloss gibt es auch eine Fülle wirklich schöner Exponate.

Die Bibliothek befindet sich am Ende der Enfilade (siehe unten). Aus dem ursprünglichen Mobiliar der Bibliothek ist ein in Eichenholz geschnitzter Bücherschrank erhalten, der als Vorlage für die Anfertigung von 11 Kopien gedient hat. 

 

Eine Enfilade ist übrigens eine architektonische Anordnung von Räumen, die in einer geraden Linie aneinandergereiht sind, wobei die Türen genau gegenüberliegen, was einen langen, ungehinderten Blick durch alle Räume ermöglicht. 

Und noch einer dieser wunderschönen Kachelöfen. Um die vielen Räumlichkeiten bei den bitterkalten Wintern ausreichend zu erwärmen, müssen große Mengen an Holz, Torf und ggf. auch Kohle verfeuert worden sein.

Das Paradeschlafzimmer des Herzogs.

In vielen Räumen kann man auch kunstvoll gestaltete Stuck- und Malerarbeiten sehen. 

Der Boudoir der Herzogin (Boudoir - kleiner eleganter Raumist einer der letzten Räume, die Johann Michael Graff im Schloss Rundāle bis Juli 1768 vollendete. Er hat hier einen Stuckofen und eine originelle Diwannische in der Gestalt einer Muschel mit floralen Dekoelementen geschaffen, in der ein zweiteiliges Sofa, das sog. duchesse brisée (fr. ‘die gebrochene Herzogin’) steht.  

Die Einrichtung des Billardsaals spiegelt den ursprünglichen Zweck dieses Raumes wider. Hier gibt es nicht nur einen nach Entwürfen des 18. Jahrhunderts rekonstruierten Billardtisch (sog. Karambolagetisch), sondern auch anderes Zubehör für Salonspiele des 18. und 19. Jahrhunderts.

Was uns an dieser Location besonders gut gefällt: Obwohl das Schloss wirklich außerordentlich attraktiv ist, gibt es hier zumindest in der Nebensaison keine langen Warteschlangen, keine umständlichen Onlineanmeldungen und auch keine völlig überfüllten Räumlichkeiten. Man geht einfach hin, löst ein Ticket und ist drin. Die einzige Anforderung: Rucksäcke müssen vorne getragen werden, damit man beim Drehen nicht die Übersicht verliert und Gegenstände umwirft oder beschädigt.   

Dobele - Ordensburg und Stadt

Wir verlassen Schloss Rundāle und fahren über die Straße P 103 nach Dobele. Wie man sieht, ist wieder einmal wenig Verkehr, die Straße ist ausreichend breit, es ist immer noch trocken und wir können die nächsten 65 km ganz gemütlich abspulen. Das ist für uns immer ein ganz großes Plus an den Peripherien Europas. 

Und die kleine Baustelle ändert daran gar nichts. Auch heute geht es wieder einmal darum, am Mittag noch ein wenig Strecke zu machen, damit die am folgenden Tag noch verbleibende Reststrecke ein wenig kürzer ausfällt. Darüber hinaus rückt Riga nun immer mehr in den Focus. In den größeren Städten versuchen wir nämlich immer ein Wochenende mit einzubauen. 

An der Ruine der Ordensburg finden wir einen Parkplatz und stellen unser Fahrzeug für den Stadtbesuch dort ab. Das Kärtchen zeigt u. a. die Lage der Burgruine von Dobele (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Auch wenn wir schon einige Schlösser und Burgen gesehen haben und weitere sehen werden, sind Ruinen aller Art immer von Interesse, zumindest für Michael. Angelika würde wohl den Secondhand-Store R.D.A. vorziehen. Weil Dobele ohnehin auf unserem Weg liegt, wollen wir uns das Bauwerk in Dobele auch einmal ansehen.

Die Ruine der Ordensburg Doblen (lettisch Dobeles pils) steht in der Stadt Dobele (deutschbaltisch Doblen) im historischen Semgallen, Lettland. Die Ordensburg wurde 1335 vom Livländischen Orden auf den Resten einer früheren semgallischen Wallburg erbaut. Anstelle der heutigen Burgruine befand sich eine, erstmals im Jahr 1254 erwähnte, Wallburg, die regionales Zentrum der ansässigen Semgallen war. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte war die Burg zahlreichen Angriffen ausgesetzt, wurde aber immer wieder instand gesetzt. Während des Großen Nordischen Kriegs wurde die Burg 1701 wieder von Schweden besetzt. König Karl XII. hielt sich sechs Tage in der Burg auf. Im Verlauf des Kriegs wurde die Burg schwer zerstört und ab 1736 aufgegeben.

 

Die Burg befindet sich auf einem hohen Hügel am rechten Ufer des Flusses Perse, von zwei Seiten durch Abhänge gut geschützt. Im Süden ist das Burggebiet durch einen Graben abgegrenzt. Die Burg ist vom Typ her eine den Turmburgen nahestehenden Hausburg.  

Wie man sieht, ist von der einstigen Burg nur sehr wenig erhalten. Dafür kann man hier kostenlos durch die Außenanlagen schlendern.  

Ein kleiner Teil der Burgruine wurde ausgebaut. Hier befindet sich ein kleines Museum und man hat außerdem die Möglichkeit dem Gebäude aufs Dach zu steigen und die Aussicht zu genießen. Dieser Blick ist allerdings kostenpflichtig. Da Angelika Stufen und Anstiege nicht über die Maßen liebt, darf Michael hier wieder einmal alleine ran. 

Obwohl das Gebäude nicht allzu hoch ist, hat man doch eine schöne Übersicht. Hier geht der Blick nach Osten in das Zentrum von Dobele mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche und dem historischen Marktplatz.

Blick nach Süden über den Burghof der Ordensburgruine in Dobele. Die wenigen Bilder zeigen schon, dass man die Reste dieser ehemaligen Ordensburg nicht zwingend gesehen haben muss. Da uns die Zeit jetzt nicht drängt und das Zentrum des Ortes nicht weit entfernt ist, machen wir auch noch einen kleinen Rundgang. 

Der historische Marktplatz von Dobele. Schön gemacht!

Die Evangelisch-Lutherische Kirche von Dobele steht am historischen Marktplatz der Stadt.

Und dann gibt es auch noch ein Geschenk für Angelika. In unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Rimi-Supermarkt treffen wir hier zum zweiten Mal auf einen Secondhand-Laden der Firma R.D.A. R.D.A. ist ein bekannter lettischer Einzelhändler für Secondhand-Kleidung und Gebrauchtwaren (,,Thrift Shop"), der eine große Kette mit vielen Filialen im ganzen Land betreibt. 

Der Händler ist bekannt für erschwingliche Preise und eine große Auswahl an Fundstücken, die es zu einem beliebten Einkaufsziel für preis- und umweltbewusste Käufer machen. Wir haben viele dieser Filialen besucht und uns zu sehr günstigen Preisen für das ganze Jahr mit Kleidung eingedeckt. R.D.A. steht vermutlich für Rīgas Dārzu Apgāds. Kleidungsstücke für unter einen Euro oder bei besserer Qualität für wenige Euro, das ist genau unser Ding. Wir müssen allerdings einige Zeit suchen, bis wir etwas finden, was eine wirklich gute Qualität hat und auch vom Design und der Farbgebung zu uns passt. 

 

Eigentlich wollen wir in Dobele übernachten, aber dann überlegen wir uns doch noch, bis Tukums weiterzufahren, weil dort morgen Markt sein soll und den würden wir uns gerne einmal anschauen. Von Dobele nach Tukums fahren wir allerdings über die P 102 und die P 98 und nicht die Strecke, die der Womoführer eigentlich vorgeschlagen hat. Das hätte vermutlich zu lange gedauert.  

 

Wir übernachten heute in Tukums auf dem Parkplatz am Marktplatz!