Mit dem Womo auf die Île de Ré

Saint-Martin-de-Ré und Umgebung

Wenn der gestrige Tag eine Erkenntnis gebracht hat, dann war es die, dass bei dem aktuell sehr unbeständigen Wetter alleine mit dem Fahrrad nicht viel Staat zu machen ist. Da heute, am Dienstag, dem 28.10.2025, ohnehin der letzte Tag in La Rochelle sein wird, macht Michael das Wohnmobil abreisebereit, begleicht die Rechnung für den Stellplatz am Automaten und fährt schon am frühen Morgen mit dem Wohnmobil auf die Île de Ré.

 

Die Wetterprognose ist auch heute nicht wirklich gut. Aber der Ausflug am Sonntag hat doch Appetit auf weitere schöne Strände, malerische kleine Orte und die Salinen sowie den Leuchtturm Phare des Baleines im Nordwesten der Insel gemacht.

Das Kärtchen zeigt die Lage der Altstadt von La Rochelle und die vorgelagerte Insel Île de Ré. Heute werden das Zentrum der Insel und der äußerste Westen besucht. Zunächst gibt es einen Ausflug mit dem Fahrrad nach Saint-Martin de Ré, zu den Salinen, dann weiter nach Le Couarde-sur-Mer und schließlich nach Le Bois-Plage-en-Ré und zurück zum Womo-Parkplatz. Die Fahrtstrecke beträgt mit allen Nebenwegen etwa 20 km (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).  

Ein erstes lohnendes Ziel verortet Michael in Saint-Martin de Ré, dem nordwestlich der Gemeinde La Flotte gelegenen Nachbarort. Eigentlich sollte der gestern bereits besucht werden, aber am Ende lief dann einfach die Zeit davon. Heute mit dem Wohnmobil ist es erst einmal gar nicht so einfach, einen Parkplatz zu finden. In den Inselkommunen sind die Parkplätze für Wohnmobile meist zu klein. Aber Michael hat Glück und findet einen Kilometer südlich des Ortszentrums einen großen kostenlosen Parkplatz, wo er das Auto abstellen kann. Der Parkplatz Saint-Martin-de-Ré, an der Route de la Couarde gelegen, hat keine Höhenbeschränkung. Laut Beschilderung bietet er Platz für 300 Fahrzeuge. Von dort aus lässt sich das Inselzentrum mit dem Fahrrad wunderbar erkunden. 

Keine fünf Minuten nachdem das Auto abgestellt ist, geht es mit dem Fahrrad über diese hübsche Brücke und das nachgelagerte Stadttor (La Porte des Campani) hinein ins Vergnügen.

Kleine Restaurants und Cafés mit hübschen Fassaden findet man überall auf der Insel. Hier legt man Wert auf ein gepflegtes Äußeres.

Der Leuchtturm Phare Rouge de Saint-Martin am Hafenausgang in Richtung Atlantik.

Blick vom Quai de Bernonville auf den östlichen Teil des Jachthafens. 

Im Ortszentrum von Saint-Martin de Ré wird am Wochenende alles aufgefahren, was man hat.

Und auch hier gibt es wieder einen hübschen lokalen Markt. Während wir oft zu spät zum Markt kommen, ist Michael heute offensichtlich zu früh. Vielleicht wartet man noch auf die Kundschaft vom Festland, die am Morgen noch gemütlich frühstücken möchte, bevor sie zu einem Inselbesuch aufbricht. Der Besucherandrang ist jedenfalls noch überschaubar. 

Die örtliche Kirche Clocher Observatoire de Saint-Martin en Ré (Glockenturm-Observatorium) erscheint, wegen der fensterlosen Aufbauten, aus der Ferne wie eine Ruine. Erst unmittelbar vor dem Gebäude erkennt man, dass dem nicht so ist. Den Kirchturm kann man besteigen und hat dann in alle Richtungen einen schönen Überblick über den Ort.

Ein schlichter, aber farblich gut abgestimmter Altar ziert das Kirchenschiff.

Der Blick vom Glockenturm über das Kirchenschiff und das nördliche Saint-Martin de Ré.

Der Blick vom Glockenturm in Richtung Hafen. Nun geht es erst einmal zurück zum Wohnmobil auf dem Tagesparkplatz. Dort wird Mittagessen gemacht. Wirklich sehr praktisch, wenn man so eine Basisstation in der Nähe hat, um neue Kräfte zu sammeln. Eine gute halbe Stunde später schwingt sich Michael wieder auf sein Fahrrad, um seine Sightseeingtour westlich von Saint-Martin de Ré fortzusetzen. 

Dabei kommt er an diesen zotteligen, wirklich gut aussehenden Gesellen vorbei. Sie sind die Maskottchen der Île de Ré. Sie symbolisieren die Verbindung der Insel zu ihrer landwirtschaftlichen Vergangenheit. 

Esel mit Hosen sind auf der ganzen Insel in Souvenirläden präsent und erinnern an Zeiten, in denen die Tiere tatsächlich Hosen trugen, um sie in den Salzgärten vor den zahlreichen Stechmücken zu schützen. Bei Feierlichkeiten kann man dieses Brauchtum auch heute noch sehen.

Das am Morgen noch etwas verschlafene Austernrestaurant Ré Ostréa, 700 m westlich der Bebauungsgrenze von Saint-Martin de Ré gelegen, bereitet sich in aller Ruhe auf seine Besucher vor. Gestern schon und auch heute Morgen wieder haben wir an vielen Punkten der Küste kleine Austernzuchtstationen gesehen. Jetzt ratet mal, was hier vorrangig bei einem lauen Lüftchen und einem wirklich schönen Ausblick auf das Meer verkostet wird.

Gleich hinter den ehemaligen Festungsanlagen von Saint-Martin de Ré setzt wieder einer der wunderbaren Fahrradwege ein, auf denen man die Insel ganz gemütlich erkunden kann.

Und weil dem so ist, trifft man im Laufe des Tages auf immer mehr Fahrradgruppen. Schließlich ist das zumindest bei den Einheimischen ja alles andere als ein Geheimnis. Der Radweg folgt nun erst einmal der Küstenlinie nach Westen bis auf Höhe der Ortschaft La Couarde-sur-Mer. 

Aktuell herrscht Ebbe und die Küste ähnelt immer mehr einem Wattenmeer.  

Etwa 2,5 km westlich von Saint-Martin de Ré trifft man auf eine ganze Reihe von länglichen Basins, die zunächst ziemlich verwildert aussehen. Ob die überhaupt für irgendetwas nützlich sind, ist nicht erkennbar.

Weiter westlich sieht man dann kultivierte Becken, die erkennen lassen, dass hier doch gelegentlich etwas getan wird. Das dürften wohl Salinen sein. 

Letzte Zweifel schieben vereinzelte Verkaufsstände für Salz beiseite. 

Etwa 3,5 km westlich Saint-Martin verlässt Michael nun die Küste und wendet sich nach Westen.

Die Segelschule Centre Nautique Couardais du Goisil liegt abseits vom Verkehr, umgeben von Salzgärten, im Norden von La Couard. Auf dem nicht gerade warmen Gewässer üben sich junge Männer beim Pumpfoilen, einer Trendsportart, bei der man durch rhythmische Bewegungen Vortrieb erzeugt und auf diese Weise über das Wasser gleitet. Gute Kondition scheint da vonnöten, denn selbst austrainierten Körpern geht da nach einigen Runden auf dem Teich die Puste aus.   

Hinter der Segelschule liegen bei "Le Goisil" die Boote auf dem Schlick eines während der Ebbe trockengefallenen Hafenbeckens.