Kaunas

Montag, 30.06.2025 - von Trakai nach Kaunas - 99 km 

Nachdem unsere Stippvisite in Kaunas zu Beginn unserer Reise ziemlich unglücklich verlief, haben wir es nun am Ende unserer Reise doch tatsächlich gepackt, Kaunas bei schönstem Wetter und mit inzwischen reichlich Baltikum-Erfahrung ein zweites Mal zu besuchen. Vor acht Wochen noch waren wir recht unsicher, ob wir im Baltikum in einer größeren Stadt überhaupt frei stehen können, und wollten unbedingt auf den Campingplatz, der ja geschlossen war. Davon wollen wir jetzt nichts mehr wissen und übernachten mit der größten Selbstverständlichkeit auf einem nicht weiter gesicherten Parkplatz. So ändern sich die Zeiten. Allerdings werden wir unseren Aufenthalt in Kaunas auch nicht lange ausdehnen, denn wir haben uns noch eine einigermaßen angenehme Rückreise mit zwei weiteren Stadtbesichtigungen vorgenommen, um nicht völlig abgehetzt zu Hause anzukommen.  

Das Kärtchen zeigt unseren Übernachtungsparkplatz in Kaunas, unweit der Mündung des Neris in die Memel (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Der Parkplatz in der Jaksto gatve 18 A liegt unmittelbar vor der Burgruine von Kaunas und unweit der Altstadt. Für unser Vorhaben, an einem Tag möglichst viel von der Alt- und der angrenzenden Neustadt sowie der Burgruine sehen zu können und zusätzlich auf einem Platz mit einem schönen Umfeld zu stehen, ist dieser Platz nahezu perfekt. Für einen Besuch des Centralmarktes ist er allerdings weniger geeignet, weil der doch ein ganzes Stück entfernt liegt (ca. 7 km nordöstlich unseres Parkplatzes).   

Es ist allerdings kein ruhiger Platz. Tagsüber herrscht hier ein ständiges Kommen und Gehen. Alle zwei Minuten fährt ein Auto, ein Moped oder ein Motorrad auf den Platz. Und gerade die Motorräder drehen, obwohl gar kein Platz zum Beschleunigen da ist, oft noch einmal richtig auf. Viele Jugendliche sitzen in offenen Fahrzeugen oder stehen drumherum und palavern. Es gibt offensichtlich keine geeigneten Einrichtungen, wo sie sich ansonsten treffen könnten. Im Sommer scheint es eher noch deutlich mehr Betrieb zu geben. Wir haben am Abend keinen Trouble, seid aber in der Hauptsaison darauf vorbereitet, dass es hier lange Abende geben kann.  
Der Platz kostet aktuell übrigens einen Euro pro Stunde, allerdings nur von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr. Übernachten kann man kostenlos. Wir zahlen erst einmal 5 € für die Zeit von 11 bis 16 Uhr, sehen uns kurz die Burgruine an und gehen dann in die Stadt.

Von der einstigen Festung ist nur noch wenig erhalten geblieben. Diese Festungsreste wurden allerdings liebevoll restauriert und hübschen das gesamte Umfeld deutlich auf. Über die Treppe im Bildhintergrund gelangt man auf eine kleine Aussichtsplattform, von der aus man eine ordentliche Aussicht hat. 

Das Bild zeigt das "Freiheitskrieger"-Denkmal (Vytis). Es befindet sich unmittelbar nördlich der Burg Kaunas. Die Skulptur stellt den "Vytis", einen berittenen Ritter, der das Staatswappen Litauens ziert, dar. Das Denkmal wurde 2018 enthüllt und ist ein Symbol für die Freiheit und Unabhängigkeit Litauens.  

Die Burg Kaunas ist die älteste steinerne Burg in Litauen. Sie befindet sich in der zweitgrößten litauischen Stadt Kaunas am Zusammenfluss der Memel und der Neris und unweit der Altstadt. Im Burggraben hat man eine Freilichtbühne errichtet. Auf dem Gelände der Burg finden Konzerte und Festivals statt. 

 

Die Burg wurde 1361 erstmals urkundlich erwähnt. Sie hatte eine wichtige strategische Position, da sie den Kreuzzug gegen den Einbruch in Litauen und in die Hauptstadt Vilnius blockierte. Aus diesem Grund wurde die Burg mehrmals von den Rittern des Deutschen Ordens überfallen. Wigand von Marburg, ein Diplomat des Kreuzritterordens in Preußen, schrieb in einer Chronik, dass die Burg Kaunas aus Ziegeln bestand, hohe Mauern hatte, starke Türme in der äußeren Verteidigungsmauer und von Deichen und Gräben umgeben war. Die Burg Kaunas wurde von einer großen Zahl gut bewaffneter litauischer Kämpfer verteidigt, die von Vaidotas, dem Sohn des Fürsten Kęstutis, angeführt wurden. Die Kreuzritter besetzten die Burg erst nach heftigen Kämpfen, die fast einen Monat andauerten.

Blick von der Empore der Burgruine nach Osten über den Burggraben auf den Übernachtungsparkplatz. Nachdem wir die wenigen erhaltenen Überreste gesehen haben, geht es nun in die Alt- und die Neustadt. 

Das Kärtchen zeigt das Zentrum von Kaunas mit der Alt- und der Neustadt und der Einkaufsmeile "Allee der Freiheit" (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Wir sehen uns zunächst die Festungsreste an und laufen dann über die M. Valanciaus gatve und die Vilnius gatve durch einen Teil der Altstadt, bis wir die Prachtstraße Laisves al. erreichen, die sich schier endlos bis zur Kirche Kauno Sv arkangelo Mykolo hinzieht. Das Bild oben zeigt das Bernelių Užeiga Restaurant in der M. Valančiaus gatve 9.

Bernelių Užeiga

ist eine bekannte litauische Restaurantkette, die für traditionelle, gutbürgerliche Küche steht.

Die Kathedrale St. Peter und Paul in der M. Valanciaus gatve.

Das Eingangsportal in die Kathedrale St. Peter und Paul in der M. Valanciaus gatve.

Gepflasterte Straße und historische Häuserzeilen in der Vilniaus gatvė.

Gepflasterte Straße und historische Häuserzeilen in der Vilniaus gatvė.

ŠV. IGNACO LOJOLOS KOLEGIJA: Die Aufnahme zeigt die Kirche des Allerheiligsten Sakraments in Kaunas, Litauen, die auch als Ignatius-von-Loyola-Kirche bekannt ist. Es handelt sich um ein historisches Kirchengebäude im Herzen der Stadt. Das Gebäude wird derzeit als Teil des Ignatiuskongresses genutzt.

Streetart in der Nemuno gatve 30 und unweit der Ignatius-von-Loyola-Kirche.

Unterwegs besuchen wir in den Nebenstraßen noch zwei Humana Secondhand-Shops und werden auch dieses Mal wieder fündig.

Wir erreichen die Laisvės alėja (Freiheitsallee), eine der längsten Fußgängerzonen Europas. 

Dieses Bild zeigt den Brunnen auf der Laisvės alėja. 

Detailaufnahme des Brunnens in der Laisvės alėja (Freiheitsallee).

Was hier auf den ersten Blick lediglich als eine hübsche Aufwertung der Fußgängerzone daherkommt, ist ein Denkmal für Jan Zwartendijk. Als niederländischer Konsul in Kaunas half Jan Zwartendijk 1940 Tausenden von Juden bei der Flucht aus Litauen, indem er ihnen gefälschte Visa ausstellte. 

 

Mehr als 2.000 kleine Lichtlinien bilden eine Spirale von über sieben Metern Durchmesser, die sich um den Baum gegenüber von Jan Zwartendijks ehemaligem Büro windet. Die Lichtlinien symbolisieren die Überlebenden – Erwachsene und Kinder –, die dank Jan Zwartendijks mutiger Tat den Holocaust überlebten. Das Denkmal wurde am 15. Juni 2018 in Kaunas, Litauen, offiziell enthüllt. Anwesend waren zwei von Zwartendijks Kindern, einer der Überlebenden (der eigens aus Australien angereist war), der niederländische König Willem-Alexander, der litauische Präsident und der Bürgermeister von Kaunas.  

Das Bild zeigt die Kirche des Heiligen Erzengels Michael in Kaunas, Litauen. Die Kirche wurde im neobyzantinischen Stil erbaut und befindet sich am östlichen Ende der Freiheitsallee (Laisvės alėja). 

Ursprünglich diente sie als Garnisonskirche für die russische Militärgemeinde in Kaunas. Sie ist eines der markantesten Wahrzeichen der Stadt. Hier endet unser kurzer Besuch in der Neustadt von Kaunas und nun geht es über die Freiheitsallee wieder in Richtung Wohnmobil.

Auf dem Rückweg fällt uns noch dieser stilisierte Fischschwarm auf. Ob auch der eine tiefere Bedeutung hat, können wir leider nicht herausfinden. 

Die Innenstadt böte sicher noch mehr interessante Details, die einen längeren Aufenthalt rechtfertigen würden. Aber wir sind schon froh, dass wir überhaupt noch einen Tag loseisen konnten, um uns einmal einen ersten Eindruck zu verschaffen. Und wir finden, ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. 

Wir sind jetzt doch froh, dass wir Kaunas noch einen zweiten Besuch abgestattet haben. Nach unserem ersten Besuch wäre die Stadt viel zu schlecht weggekommen. Sollten wir wieder ins Baltikum reisen, werden wir Kaunas gerne wieder besuchen.  

 

Bezüglich der Heimreise können wir es diesmal kurz machen. Die Fahrtroute durch Deutschland und Polen ist für Heimreise und Anreise annähernd gleich. Auf dem Heimweg haben wir allerdings noch in Breslau und Bamberg Station gemacht. Das hat dafür gesorgt, dass wir einigermaßen entspannt zu Hause ankamen. Um diese beiden Stationen mit in den Reisebericht aufzunehmen, hätten wir etwas fleißiger Daten sammeln müssen. Das haben wir aber versäumt und so müssen wir diese Stationen zurückstellen, bis wir vielleicht einmal eine Polenrundfahrt machen.