Dienstag, 30.09.2025
Am Dienstag, dem 30.09.2025, fahren wir von Santander in Richtung Playa de la Arnia. Das sind gut 10 km Wegstrecke. Unweit des Strandes gibt es einen Campingplatz, den auch wir gerne genutzt hätten, der aber für dieses Jahr am 15.09.2025 seine Pforten geschlossen hat. Noch vor wenigen Jahren konnte man sein Fahrzeug auch direkt oberhalb des Strandes abstellen und dort zur Not sogar übernachten. Das ist inzwischen vorbei. Hier befinden sich aktuell zwei Restaurants mit einem mittelgroßen Parkplatz, der aber ausschließlich Pkw vorbehalten ist. Die Restaurants wollen möglichst viele zahlende Gäste, also Pkw, da stören Wohnmobile nur.
Und in der angrenzenden Siedlung möchte man am liebsten weder mehr Touristen noch mehr Wohnhäuser, denn das alles stört deren Ruhe. No mas casas en la Arnia hat einer an die Mülltonne gesprüht. Wir müssen uns also eine andere Bleibe suchen.
Wir fahren ein wenig herum und werden ca. 2 km südöstlich des Strandes in der Calle el Penon, unweit Playa de San Juan de la Canal, fündig. In dem bereits erschlossenen, aber noch nicht bebauten Areal, finden wir mehr als genug Parkplätze. Solange hier gelegentlich ein oder zwei Fahrzeuge stehen, wird das gut gehen. Werden es mehr, kommt bald das Verbot (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Uns ist das eigentlich ein wenig zu einsam, aber was will man machen? Von hier aus müssen wir nun die Avenida Playa San Juan de la Canal entlang auf einen langgezogenen Höhenrücken hinauflaufen.
Oben weht uns ein sanfter Wind um die Nase und man hat eine schöne Aussicht auf die umliegenden Ortschaften.
Nach 30 Minuten sind wir zurück an der Playa de la Arnia. Wir gehen vom Restaurantparkplatz die Asphaltpiste hinunter und schauen auf die Arniabucht, die gegenüber des Strandes liegt.
Am Ende der Straße gelangen wir auf den vorgelagerten Felsen (Bildmitte), der die Arniabucht (links) nach Osten (Strand, rechts) abgrenzt. Auf der linken Seite des Felsens direkt nach unten in die Bucht zu steigen, ist schwierig. Die Felsabbruchkante ist relativ hoch und steil, da kann man sich leicht verletzen. Besser man geht auf der rechten Seite zum Strand hinunter, umrundet den Fels und gelangt dann hinter dem Felsen mit etwas Kraxeln zwischen den in die Luft ragenden Gesteinsplatten hindurch zurück auf die linke Seite.
Aber blicken wir erst einmal vom Felsvorsprung auf die Arniabucht. Und da sehen wir ein Träumchen von einer Flyschlagune und wir sehen, dass der Niedrigwasserstand noch nicht erreicht ist, denn die Hälfte des Strandes befindet sich noch immer im Wasser. Zum Baden eignet sich der Platz sicher nicht, aber Strände gibt es schließlich mehr als genug, da ist man auf diese Lagune nicht unbedingt angewiesen. Probleme macht die schon recht hoch stehende Sonne. Die Steilwände sind immer noch im Schatten, aber alles, was davor liegt, wirkt blass und leblos. Kein schöner Anblick. Um hier ordentliche Fotos machen zu können, braucht es sonniges Wetter, einen nicht zu starken Schattenwurf, Vollebbe und das alles zur richtigen Zeit. Ebbe bei Dunkelheit oder bei grellem Tageslicht nutzt ja auch wenig. Nicht ganz einfach, das hinzubekommen, wenn man nur ein bis zwei Tage Zeit hat.
Unten auf dem Felsvorsprung angekommen, hat man eine schöne Aussicht auf die vorgelagerten Felsen und den Sandstrand.
Weil die Flyschbucht noch voll Wasser steht, laufen wir auf der Ostseite des Felsvorsprungs hinunter an den eigentlichen Arniastrand (vgl. Kärtchen oben). Und der besteht, man möchte fast sagen, wie es sich gehört, aus feinem Sand. Aber auch der wird, wie man hier sieht, links und rechts von Flyschpaketen begrenzt, die im Zuge der Gebirgsbildung aus der Horizontalen in die Vertikale gedreht wurden.
Oft ist die Flyschwechselfolge ja durch engständigen Wechsel der Schichten geprägt. Hier sieht man einmal, dass die Schichtmächtigkeiten auch deutlich mehr als wenige Zentimeter oder Dezimeter betragen können. Angelika passt da locker hinein. Vom Hoch- bis zum Niedrigwasserstand dauert es sechs Stunden. Das ist noch eine ganze Weile hin und die Zeit wollen wir gerne nutzen, um uns noch ein wenig umzusehen.
Klüfte als bevorzugte Angriffsflächen der Verwitterungskräfte geben vor, wie die Felswand nach und nach zerlegt wird. An dem Sichtfenster im Fels kann man das gut nachvollziehen.
Wir laufen jetzt um die ganze Flyschbucht herum auf deren Westseite und sehen uns das Spektakel noch einmal von dort aus an. Die Wegstrecke beträgt etwa 700 m, das Teil ist also gar nicht einmal so klein. Da die Küste nach Norden weist, hat man um die Mittagszeit fast immer Stress mit der Sonne. Michael wünscht sich deshalb eine aufgelockerte Bewölkung, bei der die Sonne gelegentlich hinter einer dicken Wolke verschwindet. Aber auch der bekommt oft nicht, was er gerne haben möchte.
Dreihundert Meter westlich vom vorletzten Foto eröffnet sich dieser Blick in die benachbarte Flyschbucht. Wie man sieht, ist die Erosion hier noch nicht ganz so weit fortgeschritten und es liegen noch deutlich mehr Gesteinsblöcke auf der Flyschoberfläche.
Noch einmal 300 m weiter westlich eröffnet sich diese schöne Aussicht. Von hier aus hat man ferner einen schönen Blick auf die Playa de Portio (links im Bild).
Zurück an der Flyschbucht von Arnia. Am späten Nachmittag ist das Meerwasser tatsächlich fast vollständig verschwunden. Doch die kurze Trockenheit reicht nicht überall aus, um die glitschige Algenvegetation abzutrocknen.
Diese braungrünen Abschnitte sind sehr glitschig. Allerdings hilft die raue Felsoberfläche, das "Glatteis" ein wenig zu entschärfen.
Der Tag ist weit fortgeschritten, trotzdem bringt er nicht das von Michael erhoffte Licht, um die Bucht ordentlich in Szene zu setzen. Dazu setzt schon wieder die Flut ein und man muss aufpassen, dass man nicht den Rückweg abgeschnitten bekommt. Nichts wie raus aus dem Flysch, heißt die Devise.
Im Restaurant Pausau, oberhalb des Arniastrandes, trinken wir einen Kaffee.
Der Sonnenuntergang hält dann leider nicht, was wir uns von ihm versprochen haben. Als die Sonne untergegangen ist, gehen wir zurück zum Womo. Am Womo angekommen, fahren wir noch schnell zum nächstgelegenen Mercadona, um unsere Pfirsichmarmelade zu kaufen. Die hat uns letztes Jahr so gut geschmeckt und kostet gerade einmal die Hälfte von dem, was wir inzwischen in Deutschland bezahlen. Danach haben wir endlich Feierabend. Heute war ein außerordentlich erfolgreicher Tag und das auch noch bei bestem Wetter.
Mittwoch 01.10.2025
Wenn wir alleine stehen, schlafen wir immer etwas unruhiger, also sind wir schon früh wach und brechen alsbald von der Playa de la Arnia in Richtung Santillana del Mar auf. Die Strecke beträgt gerade einmal 25 km.
Der Ort ist ein Tourihotspot, aber wir sind ja bereits um 08:30 Uhr vor Ort und um diese Zeit geht es hier noch recht beschaulich zu. Erst wenn die ersten Reisebusse ankommen, wird es etwas ungemütlicher, aber die treffen jetzt in der Nebensaison selten vor 10 Uhr ein, bis dahin dürften wir einen Großteil des Örtchens gesehen haben (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Oberhalb bzw. nur etwa 1,5 km südwestlich der Stadt befinden sich die Höhlen von Altamira, mit ihren berühmten prähistorischen Felsmalereien und -gravuren. In einem Museum sind originalgetreue Nachbildungen dieser Zeichnungen öffentlich zugänglich. Nachbildungen dieser Felsmalereien gibt es übrigens auch im Deutschen Museum in München.
Wir stellen unser Auto auf einem eigens für Wohnmobile eingerichteten Parkplatz ab. Dieser befindet sich 500 m südöstlich des historischen Ortszentrums. Für 6 € können wir hier 5 Stunden stehen oder sogar übernachten. Bezahlen kann man über eine App oder bar, was wir natürlich vorziehen. VE haben wir keine gesehen.
Der Weg in Richtung Ortszentrum hat wenig zu bieten und wir bekommen erste Zweifel, ob sich der Besuch überhaupt lohnt. Im Ortszentrum angekommen, werden wir aber schnell eines Besseren belehrt. Santillana del Mar ist eine gut erhaltene, mittelalterliche Stadt. Sie ist bekannt für ihre gepflasterten Straßen, Renaissance-Paläste und die romanische Stiftskirche Santa Juliana, um die herum sich das Dorf entwickelte. Was wir ganz toll finden: Im gesamten historischen Ortskern herrscht ein Fahrverbot für unautorisierte Fahrzeuge, d. h., nur Hotelgäste, Anwohner und Geschäftsinhaber dürfen dort fahren.
Durch kopfsteingepflasterte Gassen geht es zwischen historischen Gebäuden mit landestypischen, teils pflanzengeschmückten hölzernen Balkonen und Erkern durch den Ort.
Oben bzw. links im Bild ein weiteres Beispiel für die vielen blumengeschmückten Erker. Rechts bzw. unten im Bild: Santillana del Mar ist ein wichtiges Touristenziel und eine Station am Jakobsweg (Camino del Norte). Und so bekommt man eine Menge Schnickschnack zu kaufen. Zu Hause weiß man dann nicht so recht, was man damit anfangen soll.
Auch Kunsthandwerker haben hier eine Heimstatt. Ihre Produkte sind zwar nicht billig, aber qualitativ hochwertig und von zeitloser Eleganz.
Im Bild sehen wir die Calle Cantón. Langgezogene steinerne Mauern, Hotels, Souvenirläden und Restaurants dominieren die verwinkelten Gassen. Zum Glück sind die Gassen so eng, dass nur wenige Abschnitte Parken erlauben. So bekommen wir endlich mal Gebäudeaufnahmen, die nicht ständig durch parkende Autos verschandelt sind. Also hier könnte man ohne Weiteres einen Historienfilm drehen.
Die Sidreria el Jardin (Apfelweinwirtschaft), ebenfalls in der Calle Cantón. Das ist gewissermaßen die Hauptstraße des Ortes.
Der Torre de Don Borja ist ein kantabrischer Verteidigungsturm, der gleichzeitig als Wohngebäude diente. Der Torre de Don Borja wurde im 15. Jahrhundert erbaut.
Hier sehen wir die romanische Keimzelle von Santillana del Mar, das Colegiata de Santa Juliana de Santillana del Mar (die Stiftskirche der Hl. Juliana, Sant Iuliana). Die Kirche hat ihren Ursprung in einem Kloster aus dem Jahr 870. Der Überlieferung nach beherbergte sie die Reliquien der Heiligen Juliana.
Im Laufe des 11. Jahrhunderts wurde sie in eine Stiftskirche umgewandelt, obwohl das heutige Gebäude aus dem 12. Jahrhundert stammt. Sie besitzt drei Schiffe mit Kuppel, ein Querschiff, drei halbrunde Apsiden und einen Turm. Im Inneren befinden sich mittelalterliche Gräber und romanische Reliefs aus dem 11. und 12. Jahrhundert.
Als wir, ganz im äußersten Norden des Ortes, durch die Calle de Mateo Escagedo Salmón schlendern, sehen wir, dass man durch eine unscheinbare Pforte in den Innenhof des Klosters und sogar in die Kirche gelangen kann. Drei Euro kostet der Spaß, da kann Michael nicht widerstehen. Und es lohnt sich wirklich, sich das einmal anzuschauen.
Der Kreuzgang ist im Wesentlichen romanisch. Die Kapitelle der Säulen sind praktisch in jedem Fall paarweise voneinander abweichend. Nach der Besichtigung des Kosters orientieren wir uns so langsam wieder in Richtung Wohnmobilstellplatz.
Auf dem "Heimweg" kommen wir auch an diesem Gebäude vorbei. Es ist das Casa de Sagrario in der Calle de la Carrera.
Zuletzt erreichen wir das Museo Diocesano Regina Coeli (Regina Coeli Diözesanmuseum) in der Calle Sánchez Tagle. Von hier aus geht es dann gemütlich durch die Altstadt in Richtung Womo zurück. Nun kommen uns die ersten Busladungen mit Touristen entgegen und Fotografieren wird jetzt ein wenig schwieriger. Also machen wir uns vom Acker und sind nach 2,5 Stunden wieder am Womo. Gegen 13:45 Uhr verlassen wir Santillana del Mar.