Litauen

Von der polnischen Grenze bis nach Merkine

 

Samstag, 03.05.2025 - von Zambrow nach Lazdijai, Druskininkai und Merkine - 300 km

Das Kärtchen zeigt unseren Weg von Polen in das südliche Litauen mit unseren ersten Reisezielen.

Acht Kilometer südlich der Ortschaft Lazdijai passieren wir die Grenze nach Litauen. Von Grenzkontrollen ist nichts zu sehen. Das muss aber nicht bedeuten, dass uns niemand registriert. Im Baltikum wimmelt es von Kameras, eine Kontrolldichte, die wir vorher nur aus London kannten. Wir haben während unseres Aufenthaltes manchmal wirklich das Gefühl, die Behörden wissen immer, wo wir uns gerade herumtreiben. Sei es drum, wir verstehen schon, warum hier so viel kontrolliert wird. Im Baltikum gilt übrigens osteuropäische Zeit, wir haben also schon 21:00 Uhr, wenn es bei uns zu Hause erst 20:00 Uhr ist.

Nachdem wir nach Litauen hineingefahren sind, fremdeln wir noch ein wenig mit dem neuen Land. Das größte Problem ist erst einmal die Sprache. Man kann sich manches aus dem Polnischen ableiten, aber das können wir ja auch nicht wirklich. Immerhin müssen wir uns bei der Währung nicht umstellen. Das gesamte Baltikum zahlt mit Euro. Und in Litauen ist die Digitalisierung auch noch nicht so weit fortgeschritten, dass die nicht mehr wissen, wie Bargeld aussieht.

 

Eigentlich würden wir uns jetzt gleich im ersten Ort einen Übernachtungsplatz suchen und dort erst einmal bleiben. Aber die möglichen Übernachtungsstellen sagen uns alle nicht zu. Und so beschließen wir weiterzufahren und erreichen den Ort Druskininkai mit dem Naujasodė-Skulpturenpark. 

 

Der Skulpturenpark befindet sich etwas außerhalb der Bebauungsgrenze im äußersten Nordwesten der Gemeinde Naujasodė. Stilecht weist uns ein großes hölzernes Schild den Weg. Erwachsene zahlen aktuell 6 € Eintritt, Rentner 4 €. Das fängt doch schon gut an. 

Antano Česnulio Skulptūrų Ir Poilsio Parkas. Antanas Česnulis hat sich in Naujasodė seinen Lebenstraum erfüllt, Skulpturen und Installationen aus Holz, Stein und Metall kreiert und am Rande eines lauschigen Baches diesen bunten Strauß künstlerischen Schaffens in die Landschaft gestellt. Nicht alle, aber die meisten der Exponate stammen aus seiner Werkstatt. 

Da wir der Sprache nicht mächtig sind und auch die teils englischen Erläuterungen nicht vollständig verstehen, ergötzen wir uns an den Formen, und die sprechen ja manchmal für sich. 

Über dem Bach ein schöner Platz zum Rasten, findet Angelika. So lässt es sich aushalten. 

Hier ist wohl der heilige Georg, der den Drachen tötet, dargestellt.   


Neben vielen christlichen Motiven gibt es auch Witziges, wie diesen Riesen.

Vögel unterm Sonnenschirm?

Hier bilden die zwölf Apostel das Leitmotiv.

Diesen aus hunderten, wenn nicht tausenden quadratischen Holztafeln gefertigten Pavillon kann man als skurril bezeichnen. 

Kauzig oder verschroben ist der Pavillon sicher nicht, aber ein wenig bizarr schon. Für Michael eine wirklich gelungene und ansprechende Arbeit und was für ein Aufwand. Die Brettchen mussten erst einmal einzeln zugeschnitten werden. 


Nicht alle, aber einige Exponate gefallen uns richtig gut. 

Eine Installation aus Holz und Metall.

Auch diese Windmühle hat der Künstler gefertigt. In der mehrgeschossigen Mühle befinden sich weitere Ausstellungsstücke und man darf hineingehen und sich diese ansehen. Insgesamt finden wir, dass es sich lohnt, den Park zu besuchen, wenn man ohnehin in der Nähe ist. Nur für dieses eine Objekt würden wir den Weg aber nicht auf uns nehmen. 

Weiter geht unsere Reise zum Grūtas-Park. Hier befinden sich Skulpturen verschiedener Sowjetgrößen, die uns aber nun wirklich überhaupt nicht interessieren. Für den Park sind wir heute ohnehin schon zu spät dran. Aber im Außenbereich davor können wir uns ein wenig umsehen. Der Park befindet sich in einem landschaftlich schönen Umfeld, wie man hier sieht.

Stacheldraht, besonders in der hier gezeigten Anordnung, kann eigentlich nichts Gutes bedeuten. Tatsächlich hat man vor dem Park eine großformatige Installation geschaffen, die an einen sowjetischen Gulag erinnern soll. Die Balten haben unter sowjetischer wie auch unter nationalsozialistischer Herrschaft ganz erheblich gelitten. 

Ein spartanisch ausgestatteter Wachturm überblickt die Szenerie. Bei minus 20 Grad möchte man hier keine Wache schieben. 

Diesellokomotiven und Viehwaggons dienten in den vierziger und fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts oft dazu, Menschen in Lager zu befördern, aus denen sie gar nicht mehr oder nur noch gebrochen zurückkehrten. 

Ein Eisenbahnwaggon und die dahinter befindliche monumentale Skulptur sind ebenfalls Teil der Installation.

Martialisch dreinschauende Soldaten einer Großskulptur am Rande des Parkplatzes. War vielleicht ganz gut, dass die Ausstellung schon geschlossen war und wir nur diesen kleinen Teil sehen konnten. 

Nachdem wir in den letzten drei Tagen fast 1.500 km zurückgelegt haben, sind wir heute doch ein wenig platt. Hinzu kommt, dass auch dieser Tag schon wieder recht weit fortgeschritten ist und es höchste Zeit wird, einen nächtlichen Rastplatz ausfindig zu machen. Weil in Druskininkai nichts Geeignetes zu finden ist, fahren wir weiter nach Merkinè, wo wir am Flussufer der Memel unweit der Merkinės tiltas (Flussbrücke) diesen schönen freien Stellplatz finden. Am Fluss sind nur einige wenige Angler und eine Gruppe Jugendlicher, die den schönen Sonnabend genießen. 

Jenseits der Flussbrücke Merkinės tiltas befindet sich dieser Hügel, auf dem sich einst eine kleine Festung befand, von der aber nichts mehr übrig ist. Heute taugt der Hügel nur noch als Aussichtspunkt. 

Blick von der Brücke Merkinės tiltas auf den Nemunas. Nemunas ist die litauische Bezeichnung für den Fluss Memel. Der 937 km lange Strom entspringt in Belarus, fließt durch Litauen und mündet über das Memeldelta in das Kurische Haff. Wir kommen gerade noch rechtzeitig, um uns ein wenig im Umfeld unseres Nachtlagers umzusehen. Am Abend erleben wir unseren ersten stimmungsvollen Sonnenuntergang. Es wird nicht der Letzte gewesen sein. Wir sind nun doch froh, noch etwas weitergefahren zu sein und diese prächtige Abendstimmung genießen zu können.

Hätte uns einer in den 70er- oder 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts gesagt, dass wir irgendwann einmal mit einem Wohnmobil im hellen Licht einer Straßenlaterne an der Memel (bzw. dem Nemunas) stehen, wir hätten ihn für verrückt erklärt. Und jetzt stehen wir hier, schon etwas surreal. Ab sofort werden die Distanzen deutlich geringer und jetzt fängt unser Urlaub so richtig an.