Samstag, 31.05.2025 - von Kuressaare nach Kaugatoma Löo - 81 km
Von der Hauptstadt Saaremaas, Kuressaare, geht es heute auf die Halbinsel Sörve zum Leuchtturm am südlichsten Punkt von Saaremaa. Dort könnten wir die folgende Nacht verbringen, entscheiden uns aber im Lauf des Tages noch ein wenig Strecke zu machen, und stattdessen am Kaugatoma-Lõu MKA (Lõu Lighthouse) unser nächstes Nachtlager aufzuschlagen.
Die vergangene Nacht haben wir auf dem Parkplatz in der August Kitzbergi Tänav gegenüber eines Busdepots geschlafen (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Gegen 08:00 Uhr machen wir erst einmal einen Bummel durch die nahegelegene Altstadt der Inselhauptstadt.
Wir finden einige interessante Gebäude und Plätze, auch eine hübsche Kirche, aber vor 09:00 Uhr läuft hier ziemlich wenig.
Die Straßen sind menschenleer, aber überall ist es richtig sauber. Die kümmern sich hier um ihre Stadt.
Vielleicht eine Verschwendung von Holz, aber vom künstlerischen Standpunkt mal etwas anderes. Wir haben übrigens den Eindruck, dass Estland der teuerste baltische Staat ist. Die Preise in den Restaurants und Cafés nähern sich schon bedenklich den finnischen Preisen, da freuen wir uns jetzt schon, wenn es wieder nach Lettland geht. Landschaftlich gefällt es uns in Estland allerdings mit am besten.
Nach einer Stunde Bummeln geht es zurück zum Womo, wo wir erst einmal frühstücken. Nach dem Frühstück geht Angelika alleine in die Altstadt, um die dann geöffneten Läden in Augenschein zu nehmen, während Michael die Buchführung macht und die Erlebnisse des gestrigen Tages aufnotiert. Angelika findet neben diversen Geschäften, die ihre Neugier wecken, auch wieder einmal einen Secondhand-Laden, in dem jedes Teil 3 € kostet. Als Angelika zurück ist, geht es zur Bichofsburg. Die müssen wir uns unbedingt noch ansehen.
Die Bischofsburg Arensburg (estnisch Kuressaare linnus) ist ein Schloss auf der estnischen Insel Saaremaa (ehemals Ösel). Ursprünglich war das Schloss eine Burg, die im 14. Jahrhundert errichtet wurde. Damals gehörte sie zu den bedeutendsten estnischen Bauwerken. Nach ihrer Zeit als Festung diente sie als Residenz der Bischöfe von Ösel-Wiek. Heute dient es als Museum für die Geschichte und Architektur der gesamten Region.
Von unserem Parkplatz bis zur Festungsanlage sind es gerade einmal 250 m.
Die Festungsanlage ist ein wirkliches Schmuckstück. Mit dem Wassergraben und den äußeren Befestigungswällen muss sie insbesondere in den ersten Jahrhunderten nach ihrer Fertigstellung sehr beeindruckt haben. Denn da standen ja noch andere Anforderungen im Vordergrund.
Die Burg selbst ist gar nicht einmal so beeindruckend, die kommt recht schlicht daher.
In der ganzen Grünanlage um die Burg herum ist eine herrliche Ruhe und auch hier kann man sehr gut entspannen. Überall stehen Bänke und wenn man sich einmal ausruhen möchte hat man ausreichend Gelegenheit dazu. Oder man legt sich einfach auf eine der ausgedehnten Grasflächen.
Jede Ecke der Burg hält neue Panoramen bereit.
Es ist sehr schön, dass man sich die Burg von außen aus allen Winkeln kostenlos ansehen kann. Die gesamte Anlage macht einen ausgesprochen gepflegten Eindruck. Kein Schmutz, kein Unrat, nicht ein Papierfetzen, der irgendwo herumläge. Wir sind beeindruckt.
Michael überlegt sich, ob er nicht doch noch in die Burg hineingehen soll. Aber die Wege sind lang, wir möchten auch noch den nahegelegenen Strand ansehen und wir haben heute schon so viel Zeit vertrödelt. Darüber hinaus haben wir uns schon so viele Burgen und Schlösser angesehen, dass das heute nicht unbedingt sein muss, denn wir würden gerne als Minimalziel noch bis an die südlichste Spitze von Saaremaa vordringen. Es ist halt unser erster Besuch am Rande des demokratischen Europas und da möchte man so viele Impressionen, wie möglich mitnehmen.
Auch außerhalb der Bischofsburg trifft man auf sehenswerte Anlagen und Gebäude. Wir hätten uns gerne etwas mehr Zeit genommen, aber wir bleiben diszipliniert. Denn wir brauchen auch ein wenig Zeitpuffer für Locations, die uns vielleicht dermaßen gut gefallen, dass wir sagen: Hier müssen wir unbedingt noch ein oder zwei Tage dranhängen.
Das Kärtchen zeigt die Halbinsel Sörve mit dem großen Leuchtturm im Süden und unserem Übernachtungsplatz im Nordwesten der Halbinsel. Von Kuressaare kommend, geht es zunächst auf der Ostseite der Halbinsel bis zum großen Leuchtturm (Sõrve-Leuchtturm) und anschließend auf der Westseite wieder nach oben, weil wir für den kommenden Tag Kilometer von der Uhr nehmen wollen (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Und so geht es nun in einem Rutsch in Richtung der Halbinsel Sörve. Die Halbinsel Sõrve ist das langgestreckte, schmale, südliche Ende der estnischen Insel Saaremaa. Sie erstreckt sich über eine Länge von 32 km, ist bekannt für ihre unberührte Natur, das Naturschutzgebiet der Järve-Sanddünen und die strategisch wichtige Lage an der Irben-Straße. Bekannte Highlights sind der Sõrve-Leuchtturm (im Bild), der Hafen Mõntu und die karge Alvar-Landschaft. Alvar-Landschaften kennen wir bereits von unserem Besuch auf Öland. Dort sieht es tatsächlich ganz ähnlich aus wie an der Südspitze von Sörve. Das Wort Alvar bezeichnet ein nahezu baumloses, für Landwirtschaft ungeeignetes Land mit einer dünnen Vegetationsschicht auf felsigem Kalkuntergrund.
Am Leuchtturm sieht es ziemlich so aus, wie Michael sich das gedacht hat. Rundherum Wasser schöne Schilfgürtel und in 25 km Entfernung ist sogar Kap Kolka am Horizont zu sehen. Der Besucherandrang ist überschaubar. Der Eintritt für den Leuchtturm kostet 5 € für Rentner, ansonsten 7 €. Der Aufstieg ist etwas mühsam, der Turm ist ganz schön hoch. Aber dafür hat man natürlich auch eine tolle Aussicht.
Michael muss natürlich sofort nach oben. Der Leuchtturm Sõrve (estnisch Sõrve tuletorn) ist nach dem Leuchtturm Kõpu der zweitälteste Leuchtturm Estlands. Seine aktuelle Höhe beträgt 53 m. Hier geht der Blick nach Süden.
Das Kärtchen zeigt die Südspitze der Halbinsel Sörve mit dem gleichnamigen Leuchtturm (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Die Aussichtsplattform bietet etwas mehr Platz, als man das von anderen Leuchttürmen kennt.
Der Blick auf den Parkplatz mit unserem Brummer.
Angelika hält nach Fossilien und Hühnergöttern Ausschau.
Was es mit diesem Steinkreis auf sich hat, haben wir nicht vollständig verstanden. Vielleicht soll es einfach nur ein Irrgarten für Anfänger sein. Oder man hat auf Findlinge zurückgreifen müssen, weil es ja in einer Alvar-Landschaft bekanntermaßen wenig Vegetation gibt.
Als Michael wieder unten ist, laufen wir gemeinsam bis zum Ende der Landzunge, halten Ausschau nach silurischen Muschelpflastern, die in Wahrheit aber gar keine sind, denn es handelt sich meist um Brachiopoden.
Wir könnten hier am Turm ohne Probleme übernachten, entscheiden uns aber die Halbinsel noch ein ganzes Stück nach oben zu fahren, um morgen etwas weniger Strecke zu haben. Also folgen wir der Straße 103 auf die Westseite der Halbinsel Sörve und fahren küstennah in nördliche Richtung auf Ohessaare pank zu.
Bei Ohessaare pank ja kivitornid befindet sich ein Strand mit plattig absonderndem Kalkstein. Diese kleinen Platten bieten sich an, um Steintürmchen zu bauen und davon haben natürlich auch viele Besucher Gebrauch gemacht. Steht erst einmal eines in der Landschaft, fühlen sich die Nachkommenden natürlich genötigt ein größeres oder zumindest künstlerisch anspruchsvolleres danebenzustellen und so wächst im Laufe der Zeit eine kleine Kolonie heran.
Bilder im Netz zeigen die Steintürmchen teils deutlich größer, inzwischen sind sie entweder durch Vandalen oder Witterungseinflüsse deutlich kleiner geworden. Schade drum, das sah richtig gut aus.
Etwas weiter oben nimmt auch die Zahl der Findlinge deutlich zu. Schade, dass wir nicht einmal sehen können wie es hier oben aussah bevor der Mensch hier eingegriffen hat.
Lange halten wir uns nicht auf, dann geht es etwas weiter nach Nordwesten, wo uns eine Stichstraße an eine Windmühle bringt. Auch hier sind noch vereinzelte Steintürmchen und Findlinge am Strand verteilt.
Nach einem kurzen Stopp geht es weiter zu unserem Tagesziel, nach Kaugatoma-Lõu MKA, zu einem wirklich einsamen Strand, an dem allerdings bereits ein weiteres Womo steht. Inzwischen mussten wir uns bei Löpe-Kaimri tankitörjeliin bereits wieder mit der Piste anfreunden. Die ist allerdings überraschend gut zu befahren, bisher gab es keine Waschbrettabschnitte, was vermutlich daran liegt, dass hier keine Heizer unterwegs sind.
Hier sind wir bereits kurz vor unserem Übernachtungsplatz. Die Piste mutiert immer mehr zum Feldweg. Solange der Mittelstreifen nicht höher wird, ist das kein Problem. Ansonsten müssten wir um drehen, wir haben ja schließlich kein Geländefahrzeug.
Der von der abendlichen Sonne angestrahlte, kleine Leuchtturm Lõu tuletorn markiert unseren Übernachtungsplatz in Kaugatoma-Lõu.
Wir platzieren unser Fahrzeug, läuten den gemütlichen Abend ein und warten auf einen weiteren herrlichen Sonnenuntergang.
Angelikas Fossilienausbeute vom Tag.