Livraria Lello

Die Livraria Lello (deutsch: Buchhandlung Lello) ist eine Buchhandlung in der portugiesischen Stadt Porto. Sie wird zu den schönsten Buchläden Europas und der Welt gezählt. Um die Buchhandlung Lello haben wir uns etwas zu spät gekümmert. Die vielen Eindrücke, die in den ersten beiden Tagen auf uns einprasseln, vernebeln uns die Sinne. Und so denkt Michael etwas blauäugig, wenn er nur früh genug käme, könne er die Onlineanmeldung umgehen und per Kreditkarte bezahlen. Doch dem ist nicht so. Also kümmern wir uns am dritten Tag unseres Aufenthaltes gerade noch rechtzeitig um die Onlineanmeldung. Und so erhält Michael für den letzten Tag in der Stadt sein Ticket. Wegen der Fotos hätte Michael gerne einen Termin gleich nach Öffnung des Hauses um 09:00 Uhr wahrgenommen, doch dafür sind wir viel zu spät dran und vor 12:00 Uhr ist an keinem Tag etwas zu machen. Wenn ihr also einen Portobesuch plant, meldet euch rechtzeitig dort an.

Das Kärtchen und die nachfolgende Fotodokumentation zeigen die Livraria Lello in der Rua das Carmelitas 144 sowie das Fachgeschäft Fernandes, Mattos & Ca., Lda. in der Rua Carmelitas 108 - 114 (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Das Jugendstil-Gebäude mit seiner neogotischen Fassade wurde von Ingenieur Xavier Esteves geplant und errichtet. Wenn man früh am Morgen hier die Straße hinaufläuft, ohne zu wissen, worum es sich bei diesem Gebäude handelt, könnte man fast daran vorbeilaufen. 

Von den ab etwa 08:30 Uhr ganztägig existierenden langen Schlangen vor dem Gebäude solltet ihr euch nicht abschrecken lassen. Die lösen sich recht schnell auf. Im Viertelstundentakt werden Besuchergruppen in die Buchhandlung eingelassen, und hat man erst einmal die richtige Besucherschlange gefunden, dann geht das am Ende recht flott. 

Hier der Eingangsbereich zu dem wirklich gelungenen Gebäude und einer atemberaubenden Innenarchitektur. Dass es drinnen voll ist, kann niemanden überraschen, der sich ein wenig kundig gemacht hat. Für Besucher, die tatsächlich nur wegen eines Buches hierherkommen, muss es allerdings schon frustrierend sein, hier nach Büchern zu schauen. 


Der Blickfang schlechthin ist die in der Mitte des langezogenen Innenraumes positionierte geschwungene Holztreppe, die in die offen gestaltete obere Etage führt. Die Treppenform selbst und die überall eingearbeiteten Holzvertäfelungen sind einzigartig. Vom Eingang aus realisiert man allerdings noch gar nicht, wie raffiniert die Künstler hier gearbeitet haben. Man muss sich dieses Meisterwerk aus unterschiedlichen Blickwinkeln ansehen, um seine ganze Eleganz zu erfassen.

Holzvertäfelungen allüberall. Was für ein Aufwand. Hier der Blick vom hinteren Teil der unteren Etage in Richtung Eingang der Buchhandlung bzw. auf die Rückseite der Treppe. Der Treppenaufgang macht hier auf halber Etagenhöhe eine Wende um 180 Grad und führt danach in die obere Etage. 

Die Decke, geschmückt mit kunstvollen Stuckarbeiten, das farbige Glasfenster und die rosa getünchten Wände verleihen insbesondere der oberen Etage ein weiches und warmes Licht.

Ein wirklich stimmiges Gesamtkonzept.

Wohin man auch blickt, die Detailverliebtheit der Erbauer lässt den interessierten Betrachter kaum mehr los. 


Auf diesen beiden Fotos kann man die raffinierte Wegführung des Treppenaufgangs erkennen. Ob in der unteren Etage, auf halber Höhe mit der 180-Grad-Wende oder am oberen Ende der Treppe: Hier möchte fast jede und jeder einmal stehen und sich ablichten lassen. Und da kann man sich in etwa vorstellen, wie viel Geduld man mitbringen muss, um diese Treppe auch nur halbwegs frei von Publikum fotografieren zu können. 

Für Gruppenfotos bietet sich das obere Ende des Treppenaufgangs an. 

Bei so vielen Eindrücken kommt Michael das Zeitgefühl ein wenig abhanden. Er gehört bestimmt zu den Besuchern, die mit am längsten in der Buchhandlung verweilen. Aber das hat auch einen Vorteil.


Mit der Zeit realisiert er nämlich, dass sich immer kurz vor Einlass des nächsten Besucherkontingents eine gewisse Leere in der Buchhandlung einstellt. Viele wollen halt doch nur ein paar Instaselfies machen und verschwinden danach. Und so gelingen ihm kurz vor dem Verlassen der Buchhandlung noch diese beiden Fotos. Um die hinzubekommen, muss man wirklich sehr viel Geduld haben und auch schon ein wenig dreist sein. 

Aktuell kostet der Eintritt bereits 10 €. Das Haus entwickelt sich zusehends zu einer Cashcow, Goldesel würde man in unseren Breiten auch sagen. Und man fragt sich, ob die nicht schon mehr Einnahmen durch Eintrittsgelder als mit dem Verkauf von Büchern generieren. Immerhin wird einem ja versprochen, dass der Eintrittspreis beim Erwerb eines Buches angerechnet wird. Nun sind Michaels Portugiesischkenntnisse allerdings mehr als mau, da macht ein Bucherwerb nicht so richtig viel Sinn. Deshalb überlegt er sich, dass eine bedruckte Jutetasche doch ein schönes Erinnerungsstück sein könnte, und bewegt sich damit in Richtung Kasse. Dass er dieses gute Stück nicht wie sonst überall in der Stadt für 5 bis 6 € erwerben kann, ist eingepreist. An der Kasse trifft ihn dann aber fast der Schlag. Annähern 25 €, ruft die Kassiererin auf. Hat die einen nassen Hut auf? Das ist wirklich Wucher für einen Artikel, der im Einkauf so um die 2 € kosten dürfte. Nein danke, so etwas sollte man nie unterstützen. Nach allem, was man hört, werden auch die Bücher zu überteuerten Preisen abgegeben. So macht man sich keine Freunde.    

Während Michael sich im Gedränge suhlte, hat Angelika gleich nebenan diesen stilvollen Laden der Firma Fernandes, Mattos & Ca., Lda. mit allerlei Haushaltsartikeln entdeckt. Dem Besucherandrang nach zu urteilen wurden hier noch keine Filme gedreht. Und es gibt auch keinen Bezug zu Harry Potter.

Zugegeben, das Interieur lässt sich nicht mit dem der Buchhandlung vergleichen, aber stilvoll geht es ganz sicher auch hier zu.

Und auch die Holztreppe in die erste Etage kann sich durchaus sehen lassen. 

Stilvolle Fliesen, die man nicht alle Tage und in jedem Haushalt sieht. Natürlich haben die auch einen ordentlichen Preis. 


Ganz entspannt und in aller Ruhe kann man sich hier umsehen und die Auslagen bestaunen. 

Michael würde sich diesen Laden wirklich gerne einmal ansehen, wenn hier irgendein Film gedreht worden wäre. Er würde sich vermutlich die Augen reiben. In vielen Ländern Europas haben wir schon die Erfahrung gemacht, dass Locations, sobald sie einmal als Film- oder Romankulisse dienten, verbrannt sind. Das mag man bedauern, aber das Rad wird sich wohl nicht mehr zurückdrehen lassen.