Mereoja Camping

Dienstag, 10.06.2025 - von Lüganuse zum Mereoja Campingplatz in Liimala - 11 km

Wir haben uns entschieden, heute auf einen nahegelegenen Campingplatz zu gehen, der sämtliche Dienstleistungen, die man sich so vorstellen kann, anbietet. Wir müssen dringend Wäsche waschen, den Innenraum mal wieder ordentlich durchwischen, duschen und die Toilettenbox gründlich reinigen, dazu das Grauwasser ablassen, die Plastikflaschen mit dem unterwegs gesammelten Spülwasser entleeren und einfach mal entspannen. Also die ganze Palette des Camperdaseins ist gefragt. Das kostet uns dann zwar 30 € für den Platz und nochmals 15 € für 3 Maschinen Wäsche, aber immerhin können wir auf den Trockner verzichten, weil sich vor Ort eine Wäschespinne befindet. Auf dem Platz ist wirklich alles sehr, sehr bequem für uns Camper, aber 30 € sind im Baltikum auch nicht von schlechten Eltern. 

Das Kärtchen zeigt den Mereoja-Campingplatz, der sich wie ein Schlauch in Richtung Ostsee hinzieht (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Heute Morgen ist der Regen wie weggeblasen und man könnte meinen, das sei gestern alles nur ein böser Traum gewesen. Wir haben jetzt nicht nur einen strahlend blauen Himmel, sondern auch ein Riesenrapsfeld, das die Sonne in einen gelben Traum verwandelt.

Da heute Morgen viele Camper den Platz verlassen, sind die beiden Waschmaschinen frei und wir können gleich am Morgen mit dem Waschen loslegen. Und während der Mann schafft, hat die Frau nichts Besseres zu tun, als Fotos zu machen. Bis 12:00 Uhr ist ein Großteil der Wäsche dank reichlich Wind und etwas Sonne auch schon wieder trocken und wir können unsere dritte Maschine starten. In der Zwischenzeit werden all die Arbeiten erledigt, die oben bereits angeführt worden sind. Gegen 14:00 Uhr wird Mittagessen gemacht und um 15:00 Uhr sind wir mit dem ganzen Programm durch. Leider fängt es da allerdings auch zu regnen an, sodass unser geplanter Nachmittagsausflug erst einmal zurückgestellt werden muss.

Nun wollen wir euch den Campingplatz einmal kurz vorstellen und beginnen ganz im Norden an der Steilstufe zur Ostsee: Jenseits eines schmalen Strandes steigt das Gelände von der Ostsee in Richtung Süden steil an. Diesen Geländeanstieg überwindet eine stählerne Treppe, und dort, wo diese das Plateau oberhalb der Steilstufe erreicht, beginnt der eigentliche Campingplatz.

Unmittelbar oberhalb des Geländeabsatzes hat der Betreiber eine separate Fläche für kleinere Camper eingerichtet. Vermutlich bekommen die wegen der geringeren Größe der Fahrzeuge den günstigsten Tarif. Recht praktisch sind diese Sitzgelegenheiten, weil die kleineren Camper ja weniger Platz bieten, und wenn es dann das Wetter zulässt und die Mücken nicht zu bissig sind, nutzt man gerne so eine Gelegenheit. 

An diesen Kleincamperplatz schließt in südlicher Richtung eine langgezogene Wiese an, auf der sich die Wohnmobilisten mit den etwas größeren Fahrzeugen ihren Stellplatz frei aussuchen können. In diesem Bereich befinden sich auch die Sanitäranlagen, die Waschmaschine, die Rezeption und ein großes Zelt als Aufenthaltsraum für Tage mit Regenwetter usw. 

Für Kinder ist ein Spielplatz eingerichtet, für die Eltern sind Bänke und Tische aufgestellt, wo man sich ausbreiten und die Kleinen unter Kontrolle halten kann.

Eines der Sanitärgebäude im mittleren Teil des Campingplatzes. Die Toilettenspülung und ein Trinkwasseranschluss sind für unseren Geschmack etwas zu dicht beieinander. Trotz deutlicher Hinweistafel kann es da zu Verwechslungen kommen. Die Grauwasserentsorgung ist bequem anzufahren.

Das Zelt für den Aufenthalt an Tagen mit regnerischem Wetter. 

Die Waschmaschinen und Trockner sowie Geschirrspülbecken auf der Rückseite des Rezeptionsgebäudes. Davon abgesehen gibt es sogar eine Küche mit eigenem Geschirr. Dort darf allerdings nicht gespült werden. Vor der Küche gibt es eine kleine Terrasse, auf der man das gerade zubereitete Essen verspeisen kann. Vermutlich will man vermeiden, dass sich die Leute, die Speisen zubereiten möchten, mit den Spülenden ins Gehege kommen. Aus unserer Sicht nachvollziehbar, denn es gibt ja auch Pkw- und Fahrradreisende, die auf solche Kochgelegenheiten angewiesen sind. Kritisiert wird das trotzdem von manchen Nutzern. Wir können diese Kritik nicht ganz nachvollziehen. Die Spülbecken, die Duschen und Toiletten, sonstige Einrichtungen – alles ist blitzsauber, der Rasen kurzgeschnitten, alles macht einen sehr guten Eindruck. 

 

Bemängelt wird vereinzelt, dass man die Hauptstraße hört, doch das monotone Geräusch ist kaum wahrnehmbar, uns hat es jedenfalls nicht gestört. Aber es gibt schon auch Leute mit leichtem Schlaf.

 

Das Wasser soll einen eigentümlichen Geschmack haben, behauptet ein Nutzer in der Stellplatz-App P4N. Wir können das nicht bestätigen, haben weder bei der Essens- noch bei der Kaffeezubereitung etwas bemerkt. Allerdings kommt das Wasser zunächst trüb aus der Leitung, ist aber nach 15 Sekunden klar. Wird wohl an einer hohen Mineralisation liegen. Also, um auf diesem Platz ein Haar in der Suppe zu finden, da muss man sich schon arg anstrengen. 

Oberhalb des Rezeptionsgebäudes schließen einige kleine Hüttchen und Zelte an, die vermutlich überwiegend von Pkw- und Radfahrern genutzt werden.

Noch weiter oben befinden sich dann gewissermaßen die Luxusplätze mit einzelnen Parzellen, einem eleganten Grillplatz und zusätzlichen Sanitärräumen. Hier seht ihr die wirklich großzügig gestalteten Einzelparzellen, die auch Dickschiffe aufnehmen können.

Und schräg gegenüber wurde eine der Einzelparzellen, in einen hübschen Grillplatz umgewandelt. Also alles vom Feinsten. 

Ein weiteres Sanitärgebäude, das sich vermutlich im Bereich der Einzelparzellen befindet. 

Ganz oben bzw. am südlichen Ende des Campingplatzes schließt aktuell ein Teich das Gelände ab. Der Campingplatz erstreckt sich damit über eine Länge von knapp 400 m bei einer Breite von etwa 50  m.

Über die Treppe am nördlichen bzw. unteren Ende des Campingplatzes gelangt man an die Ostsee und kann entlang des Strandes ausgedehnte Wanderungen unternehmen. 

Zwischen 15:00 Uhr und 20:00 Uhr regnet es sporadisch. Trotzdem machen wir noch einen Abendspaziergang in Richtung Strand und dann weiter in östliche Richtung zum Restaurant Tulivee restoran. Das befindet sich an der nach links auslaufenden grünen Landzunge, ganz hinten im Bild. 

Die einfache Strecke ist etwa 2 km lang. Das müssen wir heute einfach noch einmal auskosten, denn es wird wohl mit das letzte Mal sein, dass wir in diesem Urlaub die Ostsee sehen. Danach gibt es nur noch mehr oder weniger große Seen.

Es ist kein ausgesprochen schöner Strand, aber die Grenze zwischen Land und Wasser hat ja immer einen gewissen Reiz. Sonne und Wolkendecke sorgen wieder einmal für ein ganz besonderes Licht.  

Wähnten wir eben noch die dunkle Wolkendecke in weiter Ferne, rückt sie uns nun erstaunlich schnell auf den Pelz. Das Wetter ist schon wieder den ganzen Vorabend recht unbeständig. Und das macht uns nach den Erfahrungen der letzten Tage doch etwas unruhig.

Aber diesmal haben wir Glück. Als die Wolken direkt über uns sind, hellen sie sich auf und verschonen uns. Angelika ist das trotzdem nicht geheuer. Sie läuft direkt mal rüber zum Restaurant und trinkt einen Kaffee. Unweit des Restaurants befindet sich auch ein Hotel und davor ein kleiner Aussichtsturm. Wetterkapriolen hin oder her. Michael muss da noch schnell hoch. Schnellen Schrittes geht er auf den Aussichtsturm zu. Weil das Umfeld nicht so wirklich aufregend ist, ist auch der Blick von dort oben nur mittelmäßig. Also schließt er sich recht bald Angelika an und gönnt sich einen Aperol Spritz. Kaum sitzen wir beide, setzt ein leichter Niederschlag ein. Dementsprechend wird unser Restaurantbesuch jetzt doch etwas länger als geplant. 

Nun warten wir den Niederschlag ab, der aber bei weitem nicht so schlimm ausfällt, wie es die schwarze Wolke uns weismachen wollte, laufen dann aber über die Straße zurück, weil wir sonst noch einmal den Bach überspringen müssten, der kurz vor dem Café ins Meer fließt. Jetzt haben wir doch noch eine schöne Wanderung gemacht, damit hat alles wunderbar funktioniert, was wir uns für heute vorgenommen haben. 

Der Wasserfall Valaste juga

Mittwoch, 11.06.2025 - vom Mereoja Camping über Narva zum Kloster Kuremäe - 158 km

Da wir heute früh noch auf dem Campingplatz sind, nutzen wir die Chance, das Auto noch einmal voll autark zu machen, also sämtliche Abfälle und Abwässer zu entsorgen, den Trinkwassertank dreiviertel voll zu füllen, zu frühstücken, zu spülen und noch einmal zu duschen. Danach erst geht es wieder auf die Reise.  

Unser erstes Ziel heute ist der Wasserfall Valaste juga. Bei Saka verlassen wir die E 20 und fahren auf die Küstenstraße 133 ab. Auf einem kleinen Parkplatz etwa 2 km vor dem Wasserfall halten wir an, um uns noch einmal neu zu orientieren, denn wir haben etwas den Faden verloren und wollen nicht aus Versehen vorbeifahren. Da sehen wir, dass wir kurz davor sind, und nehmen wieder Fahrt auf. Ein Fahrzeug kommt auf uns zu, doch es ist weit genug weg, um unseren Brummer vorher noch auf den Asphalt zu bringen. Als wir das geschafft haben, sehen wir, dass es ein Polizeifahrzeug ist. Es passiert uns und fährt dann auf den Parkplatz, den wir soeben verlassen haben. Im Rückspiegel sieht Michael, dass sie drehen, gleich wieder herausfahren und uns mit Sirene und Blaulicht folgen. Erst denken wir noch, die haben einen Einsatz, doch dann merken wir, die meinen uns. Also fahren wir auf dem engen Sträßchen rechts ran und Michael steigt gleich mal aus, damit der Polizist sieht, was er macht. Der möchte die Papiere sehen, das übliche Programm halt, geht zu seinem Fahrzeug, um die Papiere zu checken, kommt zurück, will wissen, wann wir eingereist sind und aus welchem Grund. Na ja, das ist ja nun nicht wirklich schwer zu erraten. Michael erklärt es den Polizisten dann aber trotzdem noch einmal, dann lassen sie uns ziehen. Wir haben so ein bisschen das Gefühl, die langweilen sich in dieser Einöde. Aber da kann man auch ziemlich daneben liegen. Die Bedrohungslage ist hier oben schon eine andere als in Mitteleuropa.   


Der Wasserfall Valaste juga folgt nach wenigen Kilometern und liegt unmittelbar hinter dem kleinen Parkplatz, der zur Küste hin an die Straße 133 anschließt. Über eine zunächst in Form eines quadratischen Turms geführte Treppenkonstruktion, geht es rasch in die Tiefe. Schon am Anfang der Treppe hat man einen schönen Ausblick auf den Wasserfall.

Den nutzt Michael dann auch intensiv entlang des gesamten Abstiegs und ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis. 

Und der Ausblick wird noch besser. Die Treppe beschreibt nun einen Zickzackkurs, bei dem mal weniger und mal mehr vom Wasserfall zu sehen ist. Wir befinden uns hier an der Klintküste, an der das Gelände steil abfällt. Da diese Steilküste schlecht erschlossen ist und man in der Regel keinen Zugang zu Steilwänden und Ostsee hat, hat man hier neben dem Wasserfall auch gleich noch einen Aufschluss, in dem man den Aufbau der Steilwand bzw. der Klintküste einsehen kann.  

Will man den Wasserfall in voller Höhe einfangen, muss man allerdings die Komfortzone verlassen, über das Geländer der Treppe steigen und den Fall vom Rand der Böschung aus fotografieren. Die Bedenkenträgerin Angelika ist not amused, aber Opfer müssen gebracht werden.  

Weiter geht es die komplette Treppe hinunter, dann durch ein Wäldchen und schließlich bis zum Strand der Ostsee, wo das Wasser als gelbbraune Brühe in Form eines plätschernden Baches das Meerwasser einfärbt. 

Der Bach versperrt den Weg nach Osten und nach Westen nimmt bald dichtes Unterholz Besitz vom Strand. Stiefel könnte man hier unten also auch noch gebrauchen. 

Viel herumlaufen kann man also nicht. Trotzdem lohnt der Weg nach ganz unten. 

Mit dem Wetter haben wir natürlich Pech. Bei Sonnenschein hätten sich ganz andere Bilder ergeben. Aber immerhin ist es trocken. Wir haben auch nicht darauf geachtet, ob jetzt Ebbe oder Flut ist. Gut möglich, dass man zu einem anderen Zeitpunkt hier deutlich mehr Bewegungsfreiheit gehabt hätte. 

Wir nehmen also wie immer, was wir bekommen können, und dazu gehört auch diese Reihe von Steintürmchen, die unsere Vorgänger auf einem mächtigen Stück Treibholz hinterlassen haben. Wäre jetzt natürlich schön, wenn man so schnell wieder oben wäre, wie man hier heruntergekommen ist. Doch nun kommt der etwas anstrengende Teil des Unternehmens.