von Haanja nach Alūksne

Lettlands Nordosten

 Sonntag, 15.06.2025 - von Haanja (Biathlonstadion) nach Alūksne - 112 km

Unsere Route im Südosten von Estland und im Nordosten von Lettland. Von Haanja geht es nach Rõuge und zum Hinni Kanjo, dann weiter zum Besucherzentrum RKM Pähni. Danach überschreiten wir die Grenze nach Lettland und erreichen im Nordosten Lettlands den Ort Korneti. Am Abend des 15.06.2025 erreichen wir unseren Übernachtungsplatz in Alūksne bzw. Marienburg. Die fettgedruckten Stationen findet ihr auf dieser Unterseite. 

RMK Pähni külastuskeskus

Das Kärtchen zeigt das Besucherzentrum RMK Pähni külastuskeskus 6 km nordwestlich der estnisch-lettischen Grenze (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).  

Vom Hinni-Kanjon fahren wir nun zurück auf die Straße 134 und folgen dieser nach Nordwesten bis Nursi, wo wir die Straße 67 erreichen. Der folgen wir dann für 20 km nach Süden und biegen anschließend auf die Straße 108 nach Pähni ab.   

Wir erreichen den Fluss Pähni jögi (bzw. Pähni oja) und mit diesem den Pähni külastuskeskuse parkla, eine weitere Station der estnischen Forstbehörde.  

Hier herrscht eine Ruhe, wie man sie aus den Ballungsräumen Mitteleuropas überhaupt nicht mehr kennt.  

Diese Schutzhütte an der Bushaltestelle unweit des malerischen Pähni jögi (Pähn-Fluss) ist ein wenig in die Jahre gekommen, aber im Winter dürfte sie immer noch gute Dienste leisten. Denn hier herrschen dann andere Temperaturen, als wir das in Mitteleuropa gewöhnt sind.

Während die RMK-Plätze in aller Regel sehr elementare Einrichtungen ohne feste Gebäude sind, liegt die Sache hier ein wenig anders. Neben mehreren Gebäuden sehen wir Baumaterial herumliegen und das ganze Gelände macht eher so den Eindruck, als sei das hier eine Art Stützpunkt, von dem aus Reparaturarbeiten an den umliegenden RMK-Plätzen in Angriff genommen werden. Es könnte sich auch um ein Sommercamp handeln. Aktuell ist hier allerdings niemand zu sehen.  

Wir steigen aus und sehen uns ein wenig um. Dabei kommen wir auch an diesem hübschen Holzstapel vorbei, der im kommenden Winter noch gute Dienste leisten dürfte. Als sich nach 15 Minuten immer noch niemand blicken lässt und wir nicht so recht wissen, ob wir uns hier niederlassen dürfen, setzen wir unsere Reise fort. Vom RMK Pähni külastuskeskus sind es nun noch gut 6 Kilometer, dann erreichen wir die lettische Grenze und verlassen Estland. Schade, nun ist es vorbei mit diesen wirklich außergewöhnlichen RMK-Plätzen.  

Dieses Schild weist uns darauf hin, dass der Asphalt leider bald endet und die nächste Schotterpiste beginnt. Generell haben wir den Eindruck, dass es in Lettland die meisten Schotterpisten gibt und die Straßen hier mit die schlechtesten im Baltikum sind. Das heißt aber nicht, dass man hier generell auf schlechten Straßen unterwegs ist. 

Das Grenzgebiet zwischen Estland und Lettland (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).  

Skatu tornis liegumā "Korneti-Peļļi"

Die Übersetzung von „Skatu tornis liegumā "Korneti-Peļļi" lautet: Aussichtsturm im Schutzgebiet „Korneti-Peļļi“. Das Bauwerk befindet sich in der Nähe von Veclaicene an der lettisch-estnischen Grenze. Skatu tornis: Aussichtsturm, Liegums: Naturschutzgebiet. Und Korneti-Peļļi ist der Name des spezifischen Schutzgebietes (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

In Korneti parken wir an einem schönen schattigen Parkplatz zwischen zwei Seen und unweit eines Freizeitgeländes. Einen Stellplatz gäbe es hier ebenfalls, aber der scheint noch geschlossen zu sein. 

Jenseits dieser Wiese steht in dem Wäldchen im Bildhintergrund der Aussichtsturm im Schutzgebiet „Korneti-Peļļi“. Während Angelika Mittagessen macht, sieht sich Michael den Turm einmal aus der Nähe an. Für das Baltikum völlig ungewöhnlich ist: Die Wiese ist nicht gemäht. Es wäre allerdings auch ein wenig schade um die hübsche Blumenwiese, die Insekten brauchen schließlich auch etwas zu futtern. Für die Besucher des Aussichtsturms bleibt erst einmal nur ein schmaler Trampelpfad durch die Wiese.  

Hier erreicht Michael den Fuß des bewaldeten Hügels. Den etwas steileren Anstieg hinauf auf ein kleines Plateau überwindet eine Treppe. Der Weg ist schon etwas schweißtreibend, denn es ist richtig schön warm, und Michael muss sich sputen, denn Angelika macht Dampf mit dem Essen.

Oben angekommen, muss man dann noch ein Stück durch den Wald laufen, und schon steht man vor einem stählernen Koloss. Das Umfeld ist inzwischen etwas weiter zugewachsen. Deshalb zeige ich euch hier einmal den Turm auf der Schautafel.   

Von unten sieht der Turm wieder einmal recht beeindruckend aus. 

Und hier der Blick, nachdem Michael etwa dreiviertel des Anstieges bewältigt hat.

Der ganze Turm und auch die Aussichtsplattform machen einen sehr aufgeräumten Eindruck. Nirgendwo liegen Abfälle herum und das Bauwerk ist in einem recht guten Zustand. 

Die Aussicht ist natürlich wieder einmal prächtig. Mit dem Sendemast kann Michael allerdings wenig anfangen, vielleicht der Rest eines gewerblich genutzten Areals.  

Ein paar Schnappschüsse und ein kurzer Rundumblick müssen reichen, und schon befindet sich Michael wieder auf dem Rückweg. An der Baumgruppe im Bildhintergrund sieht er bereits das Wohnmobil. 

Nun wird erst einmal in Ruhe gegessen. Wie man sieht, hätten wir auch hier wieder einiges mehr ansehen können, doch Alūksne ruft und so geht es nun weiter. 

Alūksne bzw. Marienburg

Nach dem Mittagessen geht es dann endgültig nach Alūksne bzw. nach Marienburg. Schlappe 26 km sind das jetzt noch, denken wir, doch wir werden wieder einmal mit reichlich Schotterpiste bedacht und sind in Alūksne ein wenig platt.

In Alūksne angekommen, haben wir nicht das Gefühl, dass Wohnmobile hier über die Maßen beliebt sind. Wir können ja verstehen, dass man in Wohngebieten oder mitten in der Stadt kein wildes Wohnmobillager haben möchte. In Südeuropa ist man dieses Problem aber offensiver angegangen und hat mit kostenlosen oder kostengünstigen Parkplätzen am Stadtrand für Ordnung gesorgt. Etwas Vergleichbares können wir in Aluksne nicht erkennen. Also fahren wir eine ganze Weile herum, bis wir nach einiger Suche endlich erfolgreich sind. In der Dzirnavu iela, unweit der Evangelischen Kirche zu Marienburg, finden wir unseren Park- bzw. Übernachtungsplatz. Wieder einmal so ein Platz für die Vorsaison und einige wenige Mobile. Für der Hauptsaison sind wir eher skeptisch. Versucht es einfach. 

Nach einer längeren Pause, dem Mittagessen und zwei Kaffees lassen wir die Rüttelstrecken hinter uns und fühlen uns ausreichend erholt, um heute noch einen kleinen Bummel durch die wirklich schöne, mit vielen Grünanlagen und reichlich Gewässern bedachte Kommune zu machen. Als Erstes sehen wir uns natürlich die Evangelische Kirche zu Marienburg an (Ev. luteriskā baznīca). Die befindet sich ja gleich hinter unserem Fahrzeug und gibt bei strahlendem Sonnenschein eine ausgesprochen gute Figur ab.  

Eine Nahaufnahme des Kirchenschiffs und des Kirchturms ist schnell im Kasten. 

Und den freien Blick auf das hintere Ende des Kirchenschiffs nehmen wir natürlich auch gerne mit. Oft genug sind die Gebäude von hohen Bäumen vollständig umschlossen, sodass man diese zwar gut ansehen, aber schlecht aufnehmen kann. 

Da wir noch genügend Zeit haben, entschließen wir uns zu einem Spaziergang in Richtung der Insel Pilssala. Wir laufen hinunter zur Seebrücke 1 (unsere Bezeichnung, nicht offiziell) und überqueren den Alūksne-See. Auf der Seebrücke haben wir einen schönen Blick auf das Gewässer. Auf der Insel befinden sich diverse Freizeiteinrichtungen, die wir uns aber erst morgen ansehen wollen. 

Heute Abend wenden wir uns, gleich hinter der Seebrücke nach Westen und laufen auf die Ruine der Marienburg zu.   

Neben diesem hübschen Rundturm treten wir in die Ruine ein. 

Die Burgruine Alūksne, ehemals Marienburg, ist eine historische Ordensburg des Livländischen Ordens.

Um 1342 vom Livländischen Orden erbaut, diente die Burg als Grenzfeste und eine der östlichsten Festungen des Ordens. Die Feste war Schauplatz wechselnder Herrschaften (Deutsche, Polen, Schweden, Russen). Zu Beginn des 18. Jahrhunderts (im Großen Nordischen Krieg) wurde die Anlage gesprengt.

Die Ruine beherbergt eine Freilichtbühne mit 3000 Sitzplätzen. 

Der Name "Marienburg" sowie der Inselname sind mit der Legende einer eingemauerten Jungfrau namens Maria verbunden.

Wie die Bilder oben zeigen, sind heute nur noch kümmerliche Reste der Burgmauer und der restaurierte südliche Turm (von ehemals acht) erhalten. Für uns war das heute Abend noch ein schöner Spaziergang. Wir konnten uns ein wenig orientieren und sind schon gespannt, was uns morgen erwartet.