Montag, 16.06.2025 - von Alūksne nach Rēzekne - 177 km
Das Kärtchen zeigt das Zentrum von Alūksne bzw. Marienburg mit einigen wichtigen, von uns besuchten Sehenswürdigkeiten. Auf dem Parkplatz haben wir übernachtet (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Das Neue Schloss von Marienburg wurde von 1859 bis 1863 im neugotischen Stil auf Veranlassung von Alexander von Vietinghoff errichtet. Die Schlossfront mit ihrer polygonalen Halle ist nach Norden zu den Terrassen in Richtung des Alūksner Sees ausgerichtet.
Hier sehen wir die parkseitige Ansicht des Neuen Schlosses (Rückseite). Im Jahre 1924 wurde das Schloss durch das 7. Siguldaer Infanterieregiment requiriert. Mittlerweile werden die Räume durch das Museum für Kulturerbe, das Kunstmuseum, das Naturmuseum Vides labirints, ein Kino, ein Kinder- und Jugendzentrum, die Keramikfakultät der Alūksner Kunstschule sowie das Tourismusinformationszentrum der Region Alūksne genutzt.
Der Rundturm am „Neuen Schloss“ von Alūksne (erbaut 1859–1863) ist ein markantes Merkmal des im neugotischen Stil errichteten Herrenhauses der Familie von Vietinghoff. Er dient primär als architektonisches Gestaltungselement, das den repräsentativen Charakter des Schlosses unterstreicht, und beherbergt unter anderem das Wappen der Familie von Vietinghoff.
Der am linken Bildrand einsetzende Schlosspark hätte übrigens auch einen Besuch verdient. Wenn wir uns einmal vor Augen führen, wo wir überall hätten länger bleiben sollen, dann muss man so langsam doch sagen, dass das Baltikum einen zweiten Besuch verdient hätte.
Vom Schloss kommend, wenden wir uns nach Norden, überqueren die Schlossstraße und erreichen den Schlosspark Marienburg. Im unteren Teil des Bildes stehen wir auf einer Terrasse, an der nach dem Zweiten Weltkrieg ein Denkmal für die gefallenen sowjetischen Soldaten errichtet wurde. Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Lettlands wurde dieses Denkmal um eine Gedenkstätte für alle Gefallenen beider Weltkriege erweitert. Michael hat es leider verpennt, hier ein vernünftiges Foto zu machen, und so sind wir froh, dass Angelika zumindest noch einen kleinen Teil der Gedenkstätte erfasst hat.
Auf unserem weiteren Weg nach Norden verlassen wir den Schlosspark und stoßen in der Ojāra Vācieša iela auf diesen schönen Pavillon, in dem ebenfalls eine Touristeninformation untergebracht ist. Wie so oft sind wir zu früh unterwegs, aber wir sind ja nicht hier, um unsere Zeit im Auto zu vergammeln. Wir wollen möglichst viel Baltikum in uns aufnehmen, und da muss man die eine oder andere Kröte schlucken. Was wir andererseits inzwischen alles gesehen haben, ist bei der begrenzten Reisezeit kaum zu glauben.
Weiter geht es in Richtung Seebrücke 1, die korrekt eigentlich Burginsel-Brücke genannt wird. Kurz vor der Seebrücke passieren wir diesen hübschen, ja, wie soll man das nennen, Obelisken vielleicht?
Hier sind wir, wie gestern schon, auf der Insel Pilssala. In diesem, etwas futuristisch anmutenden Gebäude, ist die Agentur für Sportreisen "Latvia Rivers" untergebracht. Auch dieses Gebäude ist bei unserem Besuch noch geschlossen.
Jenseits des Gebäudes befinden sich eine ganze Reihe von Freizeiteinrichtungen, die in den Sommermonaten sicher von ganz besonderem Interesse für die Einheimischen sind.
Auch ein Kinderspielplatz ist hier untergebracht.
Kurz vor der Seebrücke 2 hat ein Wasservogel sein Nest errichtet. Schön für uns, denn normalerweise verstecken sie sich weitab jeder menschlichen Aktivität, um dem Brutgeschäft nachzugehen.
Nun passieren wir die Seebrücke 2, die eine reine Fußgängerbrücke ist. Korrekt müsste man sagen Tempļakalna ielas gājēju tilts was auf Deutsch in etwa bedeutet Tempelbergstraßen-Fußgängerbrücke. Ziemlich umständlich, da bleiben wir doch lieber bei unserer Sprachregelung. Wir überqueren damit erneut den Alūksne-See und verlassen die Insel Pilssala in Richtung der Tempelberghalbinsel.
Das namengebende Bauwerk des Tempļa kalns bzw. Tempelberges. Neben dem Tempel befinden sich hier der Startpunkt einer Zipline, der Aussichtsturm Alūksnes skatu tornis und der Alūksnes garnizona kapi bzw. Garnisonsfriedhof von Alūksne. Hinzu kommen ein schön ausgebauter Uferweg, eine Bootsanlegestelle und verteilt über den ganzen Hügel eine Reihe von Aussichtspunkten, die immer wieder schöne Ausblicke auf das umliegende Gewässer zulassen.
Hier sehen wir den Startpunkt der Zipline.
Die schwingt sich den Tempelberg hinunter, verläuft dann über diesen Bootsanleger und den Alūksnesee und endet auf der gegenüberliegenden Seite am Ufer der "Pilssala" bzw. "Burginsel". Bestimmt ein Rausch der Sinne, hier über den See segeln zu dürfen.
Hier sehen wir nun den Aussichtsturm Alūksnes skatu tornis, am heutigen Tag eigentlich unser primäres Ziel, hier auf der Tempelberg-Halbinsel. Von der Seebrücke 2 sind es etwa 500 m Fußweg, also kein allzu langer Weg. Der Turm überragt die Bäume und wird sicherlich einen wirklich schönen Rundumblick über die Seenlandschaft von Marienburg ermöglichen. Er hat nur einen Schönheitsfehler: Er öffnet erst um 11:00 Uhr. Jetzt ist es aber noch nicht einmal 09:00 Uhr und so lange wollen wir jetzt doch nicht warten. Schade drum, aber Michael war die letzten Wochen auf mehr als einem Dutzend unterschiedlichster Türme, da kommt es auf diesen nun wirklich nicht an. Bezeichnend ist aber wieder einmal: Solange man gezwungen ist, Besucher anzulocken, ist der Eintritt frei und ein Besuch in 24h/7d ohne Probleme möglich. Sobald ein Gebiet touristisch ein wenig erschlossen ist, möchte man vor allem gut betuchte Klientel, und die soll möglichst auch für jede Kleinigkeit bezahlen.
Nachdem wir den Eindruck haben, dass wir die interessantesten Punkte in Alūksne gesehen haben, nehmen wir jetzt den kürzesten Weg in Richtung Wohnmobil, machen unser Gefährt startklar und fahren weiter in Richtung Gulbene. Von Alūksne geht es zunächst auf der Straße P 43 in Richtung Litene, wo wir nach Westen in Richtung Gulbene abbiegen.
Das Kärtchen zeigt den Bahnhof von Gulbene, den wir gegen 11:00 Uhr erreichen (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Hier sehen wir das Bahnhofsgebäude von Gulbene, an dem die Bahnstrecke Gulbene – Alūksne beginnt. Die Strecke verbindet die beiden livländischen Kreisstädte mittels einer schmalspurigen 750 mm Museumsbahn, die auch der regulären Personenbeförderung dient.
Zum Vergleich: Die Standard-Spurweite der Deutschen Bahn (DB) beträgt 1.435 Millimeter. Dies wird als Normalspur oder Regelspur bezeichnet. Die Standard-Spurweite in Russland sowie in den meisten Nachfolgestaaten der UdSSR beträgt 1.520 mm (sogenannte Russische Breitspur).
Den Bahnhof in Gulbene verlässt die Schmalspurbahn über manuell zu stellende Weichen. Dann geht es, nach Verlassen des Bahnhofs, auf eigenem Gleis in Richtung Nordosten. Die Strecke führt vorbei an ausgedehnten Wiesen und Feldern, die sich mit sumpfigen, naturnahen Wäldern abwechseln, hinunter bis zum nächsten Bahnhof in Stāmeriene. Von dort fährt die Bahn durch feuchte und sumpfige Waldgebiete hinauf nach Kalniena. Hier gibt es ein Ausweichgleis. Die Strecke verläuft anschließend weiter in nordnordöstlicher Richtung über Umernieki zu dem im Süden der Stadt Alūksne gelegenen Endbahnhof.
Die Bahnstrecke ist insgesamt 10 km kürzer als die entsprechende Straßenverbindung, jedoch dauert die Fahrt von Gulbene nach Alūksne 90 Minuten. Für den Rückweg braucht die Bahn, da es hierbei bergab geht, nur 85 Minuten. Dies ist gegenüber dem Fahrplan von 1924, als die Bahn noch 110 Minuten für diese Strecke benötigte, etwas schneller. Die Streckengeschwindigkeit ist durchgehend auf 25 km/h beschränkt.
Dieses schöne alte Dampfross steht am Eisenbahndepot von Gulbene. Ob es noch fährt, wissen wir leider nicht. Insbesondere Michael würde die Lok zu gerne einmal in Betrieb sehen.
Nachdem auf den Gleisen so gut wie nichts los ist, kann Michael wieder einmal der Versuchung nicht widerstehen und quert die Bahnhofsgleise in Richtung Bahnbetriebswerk. Da wenig los ist, kann er den einen oder anderen Blick in die Wartungshalle werfen. Die ganz großen Schmuckstücke sind hier nicht zu sehen. Wenn man eine wirklich schöne Lok in Betrieb sehen will, dann wird das, wie bei uns, vermutlich nur im Sommer möglich sein und muss ordentlich vorbereitet werden. Einfach so mal vorbeifahren und auf Glück hoffen, geht meist schief.
Der Lokschuppen auf dem Gelände des Schmalspurbahnbetriebsgeländes.
Zuletzt geht Michael auch noch in den Bahnhof und wird dank Klingelzeichen sofort von einer sehr freundlichen jungen Frau empfangen, die einiges zum Bahnhof zu erzählen weiß und ihm mitteilt, dass er gerne ein paar Fotos machen könne. Wenn er wolle, dürfe er auch in die erste Etage, dort würden die Fotos noch etwas besser.
Recht hat sie ja, die Gute, aber Angelika wartet schon mit dem Frühstück, und wenn er nicht bald zurückkehrt, gibt es besorgte Anrufe. Also besser die Kurve kratzen und zum Frühstück antreten.
Auf Abstellgleisen geparktes rollendes Material. Michael würde am liebsten einmal in die Wagen einsteigen. Man sollte es mit der Dreistigkeit aber auch nicht übertreiben.
Gegen 12:30 Uhr verlassen wir den Bahnhof in Gulbene und folgen der Straße P 36 in Richtung Süden mit dem Tagesziel Rēzekne. Bei Pededzes kapi führt die Straße mitten durch ein Feuchtbiotop. Bestes Elchland zum wiederholten Mal, nur der Elch lässt sich nicht blicken, der pfeift uns was. Und die Elchkühe erst recht.
In der fünften Jahreszeit dürfte man hier auf eine geschlossene Eisdecke treffen. Aber davon haben wir uns in Mitteleuropa inzwischen ja deutlich entfernt.
Etwas später sehen wir bei Kapune und unweit östlich der P 63 diese schöne kleine Kirche, an der wir erst einmal vorbeibrettern. Wir drehen um, und schauen uns die Kirche einmal aus der Nähe an. Das schön rosa getünchte Haus macht einen sehr gepflegten Eindruck. Es ist die katholische Kirche Augustovas Svētās Elizabetes Romas katoļu baznīca.
Neben der Kirche haben sich Störche niedergelassen, die inzwischen 3 Jungtiere haben, mit denen sie mehr als gut beschäftigt sind. Wir nehmen das Gebäude und das benachbarte Storchennest auf und fahren weiter.
Das Kärtchen zeigt den Lubānsee, unseren Rastplatz am nordöstlichen Seeufer und den Standort der hübschen Kirche in Gaigalava (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Weiter geht es in Richtung Gaigalava, das unweit westlich der Straße P 63 liegt. Hier verlassen wir die Hauptstraße und biegen in die Rēzeknes iela ein, die uns zunächst nach Gaigalava bringt. Dort verlassen wir die Hauptstraße, fahren durch den Ort und treffen auf dieses hübsche Bauwerk, eine für so einen kleinen Weiler doch erstaunlich große Kirche.
Der blaue Himmel und das grüne Umfeld setzen das Bauwerk ganz besonders schön in Szene.
Hinter dem Ort geht es auf Asphalt weiter, eine schöne Überraschung, denn wir hatten uns bereits auf Schotterpiste eingestellt. Nach gut 10 km Strecke erreichen wir drei Picknickplätze, die mit einer Feuerstelle, einer Toilette und einem Papierkorb ausgestattet sind.
Die Plätze liegen zwischen der Straße und dem Seeufer des recht großen Lubānsees. Zum Baden sind die Plätze nicht geeignet. Denn grobes Gestein, Schilf und ein Saum von Algen machen den Zugang zum Wasser unattraktiv.
Zahlreiche Schilfinseln erzeugen zumindest mit etwas Abstand ein malerisches Bild. Aber diese seichten Gewässer haben auch einen Haken. Wir sind noch nicht richtig ausgestiegen, da ist schon wieder eine Armada von Stechfliegen im Anflug und einige schaffen es auch ins Fahrzeug. So wird es uns nicht langweilig. Es ist also wie immer mit diesen idyllischen Plätzen. Die Bilder machen zu Hause Lust auf mehr, hier vor Ort auch, aber nur hinter den Fliegengittern unseres Fahrzeugs. Neid ist also nur bedingt angebracht.
Gegen 19:00 Uhr verlassen wir den Lubānsee und fahren zu unserem Tagesziel Rēzekne, das wir kurz vor 20:00 Uhr erreichen. Als Nachtlager haben wir uns den Parkplatz Stävvieta oberhalb des Rēzekneflusses ausgesucht. Da es jeden Tag ein wenig länger hell ist, reicht es selbst um 20:00 Uhr noch locker für einen kleinen Stadtbummel. Morgen werden wir wohl nicht so richtig viel Gelegenheit dazu haben, denn es soll wieder einmal regnen, nachdem wir nun 4 Tage Sonne satt hatten.