Bauska in Lettland

Kirkilai - Biržai - Bauska - Mežotnes pils (Schloss)

Donnerstag, 15.05.2025 - von Biržai (Litauen) nach Bauska (Lettland) - 92 km 

Nach unserem kleinen Abstecher nach Kirkilai geht es jetzt zurück nach Biržai und dann auf der Straße 1303 zur A 7 bzw. der E 67 nach Bauska und damit nach Lettland. Kaum haben wir uns einige litauische Vokabeln angeeignet, wechseln wir die Landesgrenze, und schon werden unsere minimalen Sprachkenntnisse wieder auf null gesetzt. 

 

Die Straße 1303 hat einige Flickstellen und abgesenkte Fahrbahnränder, sie ist auch recht schmal, aber hier ist wenig Verkehr und so können wir die ganze Straßenbreite zum Fahren nutzen. Auf der fernstraße A 7 sieht das dann schon anders aus. Die Straße hat in der Regel zwar wieder eine ordentliche Breite, dafür aber auch deutlich mehr Verkehr. Vor allem zahlreiche Lkw sind unterwegs und die haben es mächtig eilig. Generell sind 90 km/h erlaubt, aber auf der Strecke sind an Straßeneinmündungen immer wieder 70er-Zonen wo wir abbremsen müssen. Hinzu kommen etliche mit Wasser gefüllte Spurrillen. Deshalb stellen wir irgendwann den Tempomaten auf 75 ein, um Aquaplaning aus dem Weg zu gehen und keine Radarfalle zu übersehen. Auch wenn Überholmanöver nicht wirklich etwas bringen, weil nach dem ersten Lkw immer vor dem zweiten Lkw ist, wird alles überholt, was nur irgendwie geht. Weil aber der Gegenverkehr ziemlich dicht ist, geht wenig und so kommt es zu manchem kritischen Überholmanöver und es ist heute wirklich recht unangenehm unterwegs zu sein. Zum Glück sind es nur 30 km die wir bewältigen müssen und die haben wir nach einer guten halben Stunde hinter uns gebracht.

 

Einen geeigneten Parkplatz für Bauska hat Angelika bereits ausfindig gemacht und das Navi entsprechend eingestellt. Bei der Einfahrt nach Bauska staut es ein wenig und schon haben wir alle Lkw, die uns vor kurzem noch überholt haben, wieder eingefangen. Wir stauen uns jetzt gemeinsam in die Stadt hinein und fahren dann umgehend zu unserem mutmaßlichen Übernachtungsort.

 

Im Netz haben wir gelesen, dass der Kraftstoff etwas teurer sein soll als in Litauen und genau das stellen wir jetzt auch fest. Es werden etwa 10 Cent pro Liter mehr verlangt. In Lettland hat man somit in etwa deutsche Spritpreise.

Das Kärtchen zeigt unseren Übernachtungsplatz im Zentrum von Bauska und die  Deutschordensburg. Die Stadt liegt auf niedrigen Hügeln und am Zusammenfluss der Flüsse Mūša und Nemunėlis zur Lielupe bzw. der Kurländische Aa (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

 

Wegen des wechselhaften Wetters leben wir aktuell wirklich von der Hand in den Mund. Niederschlagszeiten versuchen wir mit dem Besuch von Innenstädten, Supermärkten, Museen, Schlössern, Secondhand-Läden oder sonstigen trockenen Locations zu überbrücken, aber das funktioniert natürlich nur bis zu einer gewissen Grenze. Heute erreichen wir diese Grenze und erfreuen uns wieder einmal am halbwegs geräumigen Inneren unseres Wohnmobils.

    

Während es draußen Bindfäden regnet und längst alle Fenster angelaufen sind, beschäftigen wir uns mit sämtlichen Dingen, die sonst immer gerne einmal liegen bleiben. Wir stehen inzwischen seit einiger Zeit auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in der Uzvaras iela (iela: lettisch Straße). Der ist recht groß aber wir haben eine etwas abseitige Ecke gefunden, wo wir eigentlich richtig gut stehen und uns aus dem Parkplatzgetümmel heraushalten können. Und je länger wir uns das hier so ansehen, umso besser gefällt uns dieser ebene Platz mit Tankstelle und allen Einkaufsmöglichkeiten. Und so beschließen wir einfach hier zu bleiben für die Nacht. Allerdings darf man sich nichts vormachen. Wir sind hier an einem Verkehrsknotenpunkt der Stadt und es ist den ganzen Tag richtig viel Verkehr auf der Straße und auch auf dem Parkplatz, also ein ruhiges Plätzchen sollte man hier nicht erwarten. 

Das Kärtchen zeigt die Deutschordensburg von Bauska, am Zusammenfluss von Nemunėlis und Mūša gelegen. Als man die Burg errichtete, war dies sicherlich eine Toplage, denn diese Lage war ja kaum zu überbieten (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Als der Regen gegen 19:00 Uhr von uns ablässt, beschließen wir ganz kurzfristig zur Ordensburg hinunterzufahren und diese zumindest von außen einmal anzusehen. Da sich der Supermarktparkplatz jetzt ohnehin leert, finden wir hier garantiert wieder einen geeigneten Platz.

Kaum sind wir an der Burg angekommen, setzt schon wieder ein Schauer ein. Aber jetzt reicht es! Jetzt kommen die großen Schirme raus und ab geht es die 200 m zur Burg. 

Wir nehmen sie von außen auf und können sogar noch in den Innenhof, nur die Innenräume sind jetzt natürlich geschlossen.

Auch ohne Innenraumbesichtigung hat das alte Gemäuer doch einiges zu bieten. 

Die Festung Bauska wurde 1443 vom Deutschen Orden zum Schutz vor den litauischen Fürsten angelegt. 1609 erhielt die umliegende Ansiedlung Stadtrechte. 

Im Großen Nordischen Krieg sprengten russische Truppen 1706 die Burg. Während der Großen Pest starb ein Drittel der Einwohner.

Auch dieses Ensemble ist wieder sehr schön renoviert worden und man hat im gesamten Baltikum den Eindruck, dass trotz begrenzter Mittel beim historischen Erbe eher geklotzt als gekleckert wird. 

Jetzt sind wir doch froh, dass wir trotz des Regens einen Blick auf die Ordensburg geworfen haben. Wir sind noch nicht ganz zurück am Parkplatz oberhalb der Burg, da endet auch der Niederschlag. Wirklich nett, wie man uns heute zusetzt.

 

Jetzt machen wir noch etwas Verrücktes. Eigentlich sollten wir nun zum Supermarktparkplatz fahren und unser Nachtlager einrichten. Da aber für morgen erneut unbeständiges Wetter vorhergesagt ist, beschließen wir auf die Schnelle zum 10 km entfernten Schloss Rundāle zu fahren und dieses im Trockenen kurz vor Einbruch der Dunkelheit noch schnell abzulichten. Vor allem aber wollen wir sehen, ob es sich überhaupt lohnen würde morgen hier noch einmal vorbeizuschauen. Natürlich ist auch hier längst geschlossen, aber das, was wir außen sehen ist so beeindruckend, dass diese Frage sehr schnell beantwortet ist. Eigentlich könnten wir hier draußen auch übernachten, doch der Parkplatz ist mit einer Kette abgesperrt. Also fahren wir auf die Schnelle zurück zum Einkaufszentrum in Bauska und übernachten dort wie geplant.

 

Wir übernachten am Supermarktparkplatz in Bauska!

 

Freitag, 16.05.2025 - von Bauska nach Tukums - 151 km

Zunächst befinden wir uns noch in Bauska. 

Michael ist heute ausnahmsweise mal richtig früh wach. Gegen 05:00 Uhr blickt er aus dem Fenster und sieht, dass der Himmel zwar wolkenverhangen ist, aber kein Niederschlag fällt. Einmal wach, nutzt er die Zeit, in der Angelika noch schläft, um sich draußen ein wenig umzusehen. Nur 200 m südwestlich des Supermarktparkplatzes befindet sich in der Uzvaras iela 5 diese schöne orthodoxe Kirche der Orthodoxen Gemeinde St. Georg der Große Märtyrer. Das ist doch ein Klacks, da mal hinzulaufen. 


Um diese Zeit sind die Eingänge zu Grundstück und Gebäude selbstverständlich verschlossen, aber wenn man die Kamera zwischen den Gitterstäben des Zaunes hindurchschiebt, lässt es sich doch ganz gut fotografieren. Ein echtes Schmuckstück dieses sakrale Bauwerk.  

Und wenn wir jetzt schon dabei sind, dann machen wir auch noch schnell einen kurzen Ausflug durch die angrenzende kleine Innenstadt und lichten die schönsten Gebäude ab. 

Welche Funktionen, die im Einzelnen haben, lässt sich um diese Zeit nicht ergründen. Aber manchmal reicht es auch, sich an einer schönen Architektur zu erfreuen.

Bei diesem Gebäude ist es anders, steht ja groß drauf, worum es sich handelt.

Eine farblich hübsch abgestimmte Taverne. 

Zumindest beim Rathaus steht die Nutzung des Gebäudes außer Frage. 

Nach einer halben Stunde ist Michael zurück, ohne dass Angelika überhaupt bemerkt hätte, dass er einen kleinen Ausflug gemacht hat. Also bereitet er gleich mal das Frühstück vor. Nachdem wir den Morgen dann ganz gemütlich beginnen, muss Angelika anschließend unbedingt noch in den R.D.A. Secondhand-Store. Und auch der ist nur 200 m entfernt, diesmal allerdings in nordöstliche Richtung. Michael tankt in der Zwischenzeit an der nahegelegenen Futuratankstelle, denn der Preis dort ist weit und breit der günstigste.

Nachdem Angelika erfolgreich gewesen ist, fahren wir nun noch zum Schloss Mežotnes pils. Das Schloss ist relativ klein, wir sehen es uns nur von außen an, laufen ein wenig durch die Parkanlagen, machen einen kurzen Abstecher hinunter an den Fluss und fahren dann zurück nach Bauska und von dort zum Schloss Rundale, dass wir gestern schon kurz fotografiert hatten. Unmittelbar vor dem Schloss Mežotnes pils befindet sich ein großer Parkplatz. In der Nebensaison ist der Besucherandrang überschaubar, wie man sieht. 

Das Schloss von der Parkseite aus fotografiert (gegenüber Parkplatz). Schloss Mesothen (lettisch Mežotnes pils) ist ein Schloss in Mesothen nahe Bauske in Semgallen und gilt als eines der herausragenden klassizistischen Bauwerke in Lettland.

 

Im Jahr 1795 gewährte Zarin Katharina II. der Erzieherin ihrer Enkel, Charlotte von Lieven, das Nießrecht für das Gut in Mesothen. Zar Paul I. verwandelte dieses in ein Erbrecht der Familie Lieven und erhob Charlotte von Lieven 1799 zu einer Gräfin. Im Jahr 1826 erhob deren Ziehsohn, Zar Nikolaus I., sie zu einer Prinzessin. Charlotte von Lieven lebte mit der Zarenfamilie in Sankt Petersburg. Nur einmal besuchte sie ihren Besitz in Mesothen: Im Jahr 1818 begleitete sie Maria Feodorovna auf ihrer Reise nach Deutschland und nächtigte dort am 2. September. Nach Charlottes Tod 1828 erbte ihr Sohn Johann das Anwesen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss 1944 durch sowjetischen Artilleriebeschuss teilweise zerstört, ehe es 1946 der lettischen landwirtschaftlichen Versuchsanstalt übertragen wurde. Eine Restaurierung begann Ende 1958. Im Jahr 1996 kam das Schloss an die staatliche Immobilienverwaltung, die es ab 2001 erneut restaurierte. Heute ist dort ein Hotel untergebracht. 

Auch wenn es recht klein ist, hat man das Gebäude zumindest von außen schön renoviert, von innen können wir es ja nicht beurteilen. 

Das könnte das Haus eines Schlossverwalters gewesen sein. Auch dieses Gebäude wurde hübsch renoviert und scheint bewohnt zu sein. Deshalb halten wir Abstand. Manchmal haben die Zweibeiner ja auch Vierbeiner, die die allzu große Nähe von Besuchern nicht mögen. Der Schlosspark im Stil eines englischen Landschaftsgartens erstreckt sich hinter dem Haus bis zum Fluss Lielupe (kurländische Aa).

Der Besuch dieses Schlosses ist etwas für Leute mit viel Zeit. Wer das Baltikum in 2 bis 4 Wochen sehen möchte, der wird sicher lohnendere Ziele finden. Eines der wichtigsten ist sicherlich Schloss Rundāle, das wir uns auf der nächsten Unterseite ansehen werden.