Erläuterungen Baltikum

Straßen und Plätze des Baltikums sind überreichlich mit Kameras ausgestattet, freies Übernachten deshalb sehr sicher. Uns ist aus den letzten Jahren überhaupt nur ein Einbruch bekannt geworden und wir lesen die Kritiken in P4N recht sorgfältig. In den Hauptstädten kann man also auch auf Parkplätze zurückgreifen, dies allerdings mit den bekannten Einschränkungen bezüglich VE und Straßenlärm.

 

Blutalkohol S t a n d   2 0 2 6

Die Alkoholgrenzen im Baltikum (Estland, Lettland, Litauen) sind streng, wobei Litauen die niedrigste Grenze für reguläre Fahrer hat. Besonders Fahranfänger und Berufskraftfahrer müssen sich auf eine Null-Toleranz-Grenze einstellen. Bei Verstößen drohen hohe Geldbußen, Fahrverbote und in Lettland sogar die Konfiszierung des Fahrzeugs.

Promillegrenzen im Überblick
  • Estland: 0,2 ‰ (Promille) für alle Fahrer.
  • Lettland: 0,5 ‰ für erfahrene Fahrer, 0,2 ‰ für Personen, die den Führerschein weniger als zwei Jahre besitzen (Fahranfänger).
  • Litauen: 0,4 ‰ für private PKW-Fahrer. Für Fahranfänger (unter 2 Jahren Führerscheinbesitz), Motorradfahrer, LKW- und Busfahrer gilt 0,0 ‰.
Strafen und Bußgelder
Die Strafen sind oft einkommensabhängig oder richten sich nach "Penalty Units" (Strafpunkten), die in Geld umgerechnet werden.
Estland
  • 0,2 - 0,49 ‰: Geldstrafe von bis zu 100 Penalty Units (ca. 400 €) oder Fahrverbot bis zu 6 Monaten.
  • 0,5 - 1,49 ‰: Geldstrafe von bis zu 300 Penalty Units (ca. 1200 €), Entzug der Fahrrechte bis zu 12 Monaten oder Freiheitsstrafe.
  • Ab 1,5 ‰ gilt dies als Straftat, die Geld- oder Freiheitsstrafen nach sich zieht.
Lettland
  • 0,2 - 0,5 ‰ (Fahranfänger): Hohe Bußgelder und Führerscheinentzug.
  • Über 0,5 ‰: Geldstrafen, Fahrverbot.
  • Ab 1,5 ‰: In Lettland ist bei Werten über 1,5 ‰ oder unter Drogeneinfluss die Konfiszierung des Fahrzeugs vorgesehen, auch wenn es einem Ausländer gehört. Bei Unfällen mit Personenschaden können extreme Strafen folgen.
Litauen
  • Die Bußgelder beginnen bei Verstößen ab 290 €.
  • Strenge Kontrollen, insbesondere in den Nachtstunden. 

Wenn ihr im Sommer fahrt, habt ihr einige Nachteile, aber auch den Vorteil, dass dann alle Campingplätze geöffnet sind. Wir empfehlen euch trotz der Kosten dann öfter einmal einen dieser Plätze aufzusuchen, weil ihr dann deutlich weniger Stress mit der V/E habt.  

 

Die Straßenverhältnisse sind überwiegend ganz ordentlich. Zwar folgen viele Straßen auch im Baltikum unmittelbar der Geländemorphologie, da es aber kein wirklich gebirgiges Terrain gibt, hat man damit wenig Probleme. Außerhalb Deutschlands hatten wir einen einzigen echten Stau und das war auf der Heimfahrt in Warschau. Da haben wir uns selbst ins Knie geschossen, denn wir meinten, unbedingt zur Hauptverkehrszeit die Stadtautobahn benutzen zu müssen. Da wurden wir dann eines Besseren belehrt. Die Weichselbrücken reichen angesichts des zunehmenden Verkehrs offenbar nicht mehr aus. Baustellen hatten wir nur einige wenige. Da gab es dann schon mal zähfließenden Verkehr. Hinter Görlitz haben wir auf der Heimfahrt dann sehr schnell bemerkt, dass wir wieder zu Hause sind, da hatten wir auf den ersten Zehnerkilometern gleich mal drei Baustellen. 

 

Insbesondere im Osten Lettlands, auf den westestnischen Inseln und generell auf den letzten 5 Kilometern zu abgelegenen Camping-, Bade- und Picknickplätzen muss man mit Schotterpisten rechnen. Wo wenig Wald ist und viele Einheimische unterwegs sind, haben diese häufig längere Strecken mit Waschbrettcharakter. Da drüberzufahren ist mit einem Womo ziemlich unangenehm. Es gibt Leute, die meinen, man müsste eher mit höherem Tempo drüberhinwegrauschen, um die Erschütterungen zu minimieren. Wir haben das getestet und können das nicht bestätigen. Wir haben dann eher die Geschwindigkeit auf 20 km/h reduziert. Manchmal haben aber auch wir die Geduld verloren und Gas gegeben.        

 

Ein wirklich großes Problem für Freisteher sind die fehlenden öffentlichen VE-Stationen. Wen wir auch getroffen haben, alle klagten über diesen Missstand. Beim Grauwasser kann man bei Tankstellen anfragen. Bei den Toilettenboxen kann man gegen Gebühr bei manchen Campingplätzen sein Problem lösen. Wenn gar nichts mehr geht, geht man halt mal für eine Nacht auf einen Campingplatz. Es gibt aber auch Camping- und Stellplätze ohne Entsorgungsmöglichkeit, also das ist alles nicht so einfach. Unser Abwassertank war zwischen den Städten immer sehr voll. Spülwasser haben wir teilweise in Plastikflaschen gebunkert, damit wir uns die Abwasserleitung nicht mit Speisefett verstopfen. Da haben wir manchmal 8 bis 10 Liter Spülwasser spazieren gefahren, bis dann endlich eine Grauwasserentsorgung in Sicht war. Gleiches galt auch für den Trinkwassertank, denn nicht jedes vermeintliche Trinkwasser ist geschmacksneutral. Also haben wir an Brunnen, die uns einwandfrei erschienen, den Tank vollgeknallt. Bezüglich der Toilette hatten wir eine zweite Box dabei und haben überdurchschnittlich oft öffentliche Toiletten genutzt. Sehr viele Miettoiletten und auch Trockentoiletten haben leider nicht den schwedischen Sauberkeitsstandard, da gehst du vorwärts rein und rückwärts gleich wieder raus. Manchen Übernachtungsplatz haben wir gleich wieder verlassen, weil die Toilettenproblematik zu groß war, und einige Umwege sind wir deswegen ebenfalls gefahren. Man kann nur hoffen, dass die Balten in den nächsten Jahren etwas gegen diesen Missstand unternehmen, sonst gibt es da größere Probleme.   

 

Mit den Sprachen hatten wir unsere liebe Mühe und Not. Polnisch, Litauisch, Lettisch, Estnisch und Russisch – wir wussten bald nicht mehr, wo uns der Kopf steht. Bei den unter 40-jährigen Balten kommt man mit Englisch ganz gut weiter, im Osten liegt der Anteil der russischen Bevölkerung manchmal deutlich über 50 %, da ging dann für uns Wessis überhaupt nichts mehr außer Gestik und Mimik. Allerdings war das auf den Märkten wegen der anfänglichen Missverständnisse manchmal auch recht lustig. Normalerweise eignen wir uns zu jedem Land einige wichtige Vokabeln an. Da wir von Süd nach Nord und dann wieder von Nord nach Süd gefahren sind, hatten wir angesichts der geringen Fläche der baltischen Länder spätestens alle zwei Wochen eine andere Sprache. Da haben wir es dann irgendwann aufgegeben, ständig der Sprache hinterherzuhecheln.   

 

Die Tour war diesmal insgesamt etwas naturlastig. Im Baltikum gibt es halt nur wenige Großstädte und das wird sich so schnell auch nicht ändern.

 

Das Wetter war recht durchwachsen. Manchmal hatten wir tagelang Sonne, dann aber auch tagelang Regen. Oft war das Wetter aber auch recht unbeständig und wir mussten unsere Ausflüge dann sehr flexibel an die Sonnenstunden anpassen. Den Glauben an mehrtägige Wettervorhersagen haben wir ziemlich bald aufgegeben. So richtig auf die Vorhersage verlassen konnte man sich oft erst am Morgen des Vorhersagetages. Was im Norden immer ein großer Vorteil ist, sind die langen Tage. Im Juni war es am Morgen bereits gegen 06:00 Uhr hell und am Abend ging die Sonne erst nach 22:00 Uhr unter. Da konnten wir so manchen Regenschauer gut kompensieren. An den Küsten, und die sind ja selten weit entfernt, ist es eher ein irisches Wetter. Wenn es regnet, ist es ein leichter Landregen, manchmal nur Spray. Den Fotografen ärgert das trotzdem, weil man ständig in Alarmbereitschaft sein muss. Im Mai war es recht kühl. Nachts hatten wir selten mehr als 5 Grad, manchmal sogar leichten Frost. Die Balten haben uns versichert, dass das Frühjahr 2025 kälter ausgefallen ist, als das im langjährigen Schnitt der Fall ist.