Saaremaas Osten

Orissaare, Maasi ordensburg, Koigi-Pfad, Kuressaare

Freitag, 30.05.2025 - von Koguva (Muhu) nach Kuressaare - 131 km 

Übersichtskarte der Insel Saaremaa: Die größte Insel Estlands ist immerhin 120 km lang und bis zu 50 km breit. Gleich hinter dem Muhu-Damm biegen wir ab in Richtung Orissaare. Auch hier wollen wir uns den Ort und den kleinen Hafen ansehen. Die Bilder ähneln sich nun natürlich ein wenig, denn von Ort zu Ort wird die Welt nicht neu erfunden. Man konzentriert sich mit den begrenzten finanziellen Mitteln auf das, was man sich leisten kann (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).  

Das Kärtchen zeigt die Lage der Gemeinde Orissaare und die Lage der Ordensburg Maasi auf der Insel Saaremaa, unweit des Muhu-Damms (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). 

Das Kärtchen zeigt die Gemeinde Orissaare auf der Insel Saaremaa (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). Wie man sieht, befindet sich im Norden der Stadt eine kleine Insel. Ihr Name ist Illiku und sie ist über einen Damm fußläufig zu erreichen. Das sehen wir uns einmal an. 

Wir parken am Orissaare Kultuurimaja (Kulturhaus Orissaare) in der Sadama tänav, also der Hafenstraße. Wie einfach das alles in der Vorsaison geht, irgendwann müssen wir das einmal im Hochsommer testen. 

Hier die Rückseite des Kulturhauses. Schräg gegenüber unserer Parkbucht befindet sich der Coop von Orissaare. Und es gibt auch einen Secondhand-Shop. Ist ja wohl klar, dass Angelika da hinein muss. 

Vom Secondhand-Shop geht es die Hafenstraße hinunter in Richtung der Insel Illiku. Inzwischen ist es merklich wärmer geworden, Nachtfröste haben wir überhaupt keine mehr und tagsüber können wir immer öfter mit dem T-Shirt herumlaufen. Über dem ganzen Ort liegt eine angenehme Ruhe und man bewegt sich hier ganz entspannt zwischen den weit verstreut liegenden Gebäuden.  

Links und rechts der Hafenstraße breiten sich Schilfgürtel aus. Der Damm, auf dem wir hier herumlaufen, wurde vermutlich irgendwann einmal aufgeschüttet, denn das Wasser reicht sehr nahe an die Straße heran.

Hier befinden wir uns bereits auf der Insel Illiku. Das ganze Gelände sieht nach einem größeren Freizeitpark, allerdings ohne den üblichen Rummel, aus. 

Vor dem Bau des Damms zwischen den Inseln Saaremaa und Muhu, im Jahr 1896, war Orissaare mit seinem Hafen Ankunftsort der Fähren des Festlandverkehrs nach Saaremaa. Der Hafen auf der kleinen, dem Dorf vorgelagerten Insel Illiku hat heute aber keine logistische Bedeutung mehr.

Viele Gebäude und Außenanlagen machen einen halbfertigen Eindruck bzw. sind noch im Aufbau begriffen, und man kann nicht immer erkennen, wozu die einmal gut sein könnten. Aber das ist alles nichts, womit man nun die Website füllen müsste. Wir kehren einstweilen zurück zu unserem rollenden Heim und fahren 4 km weiter nach Nordwesten zur Ordensburg Maasi.

Das Kärtchen zeigt die Ordensburg Maasi auf der Insel Saaremaa (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). Von der Straße 129 führt eine asphaltierte Stichstraße bis an die Ruine. Der Zugang zur Ruine ist kostenlos. 

Im Jahre 1345 begann der Livländische Orden mit dem Bau der Ordensburg Soneburg (estnisch Maasilinna ordulinnus). Der Aufbau wurde durch Zwangsarbeit der Inselbewohner errichtet. Auf diese Weise strafte der herrschende livländische Orden die Ureinwohner des Landes für einen vorangegangenen Aufstand, während dessen der bisherige Stützpunkt des Ordens vernichtet wurde. Die am Meer gelegene Burg wurde zu einem sicheren Bollwerk, bis Dänen diese im August 1576 sprengten. Seit dieser Zeit steht die Burg in Ruinen. Die intakt gebliebenen 8 m hohen Mauern der Ruine sind eine Sehenswürdigkeit geworden.  

Schießpulver (Schwarzpulver) wurde vermutlich im 9. Jahrhundert in China von daoistischen Mönchen bei der Suche nach einem Lebenselixier entdeckt. Es handelt sich um eine Mischung aus Salpeter, Schwefel und Holzkohle. In Europa wurde die Technologie im 13. Jahrhundert bekannt und ab dem 14. Jahrhundert militärisch genutzt.

Mit 15 Metern Breite und 50 Metern Länge ist es eine kleine Festungsruine, die hier zu besichtigen ist. Zum Schutz vor weiterem Zerfall hat man die Ruine großzügig überdacht. Das ermöglicht es Besuchern und an den Gemäuern Arbeitenden, auch bei garstigem Wetter vorbeizuschauen. Das Gebäude besteht aus einem Gewölbekeller und dem stark zerfallenen, überdachten Obergeschoss. Den Gewölbekeller betritt man von der hier aufgenommenen Südseite der Ruine. 

Den Keller hat man ganz ordentlich instand gesetzt und gut ausgeleuchtet. Stirnlampen benötigt man also nicht, wenn man hier etwas sehen möchte.

An einigen Stellen liegen Bruchsteinhaufen herum. Deshalb hat man den Eindruck, so ganz am Ende sind die Aufbauarbeiten noch nicht angekommen. Es wird wohl an den Ressourcen hängen, die sind wie überall knapp bemessen.  

Schlechter als im Keller sieht es im Obergeschoss aus. Aus Sicherheitsgründen können nicht alle Bereiche zugänglich gemacht werden.

Für sehr neugierige Personen, wie Michael, haben sich die Restauratoren aber bemüht, Zugänge über einen Holzbohlenweg zu schaffen. Sie haben wohl erkannt, dass solche Personen ansonsten zu unbesonnenen Handlungen neigen.   

Eines hat man im Obergeschoss aber in jedem Fall. Und das ist eine schöne Aussicht auf die Ostsee. Auch wenn man es nur erahnen kann. Dort hinten liegt Koguva, auf Muhu (Muhu-Museum), das wir heute Morgen besichtigt haben. Vergleicht dazu auch unsere Kärtchen. 

Im Schilfgürtel unterhalb der Burg fühlen sich Hunderte von Vögeln ausreichend sicher, um erste Vorbereitungen für die nächste Brut zu treffen. Die kreischen und machen ordentlich Rabatz. 

Mit dem Teleobjektiv lassen sich die Herrschaften noch etwas genauer in Augenschein nehmen.

 

Von der Ordensburg Maasi führt unser weiterer Weg nun zum Koigi-Moorsee. Das sind auch wieder nur 13 km. Wir wundern uns oft, wenn wir am Ende des Tages weit über hundert Kilometer auf dem Tacho stehen haben, gefühlt aber kaum Strecke gemacht haben. Und nach einer Woche sind es dann manchmal 500 km und das klingt alles total anstrengend und überhaupt nicht nach Urlaub. Wieso sind wir eigentlich trotzdem tiefenentspannt? Nun, das liegt zum einen daran, dass die Zeiten im Auto immer nur kurz, die Zeiten im Freien dagegen lang sind. Es liegt ferner daran, dass Verkehrsbehinderungen, nervige Staus und Baustellen komplett fehlen, und es liegt daran, dass die Tage superlang sind und sich das ganze Geschehen über einen langen Zeitraum verteilt. Drei Wintertage zu Hause sind ebenso lang wie zwei Sommertage hier oben.  

Das Kärtchen zeigt den Koigi-Moorsee mit dem gleichnamigen Wanderpfad (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). Von der Straße 129 führt eine schmale Stichstraße in Richtung des Moorsees. Bis auf die letzten etwa 1,5 km ist das Sträßchen asphaltiert, dann folgt wieder Schotterpiste, die aber einigermaßen gut zu befahren ist. Waschbrettabschnitte sind aktuell jedenfalls keine vorhanden. Das tut uns auch einmal gut. Wir sind den Schotter inzwischen nämlich mehr als leid, denn im Wohnmobil sind diese Strecken doppelt unangenehm zu befahren. 

Infolge des trockenen Wetters staubt es auf dem letzten Kilometer ordentlich und man kann sich ungefähr vorstellen, wie das hier erst im Sommer zugeht. Immerhin ist der Schotterparkplatz am Ende der Strecke recht geräumig. Bei unserer Ankunft stehen bereits 4 Wohnmobile dort. Der Moorpfad scheint also recht bekannt zu sein. 

Aus den Streckenangaben können wir nur überschlagen, wie lange die Wanderung sein wird. Bevor wir jetzt halb hungrig loslaufen, machen wir erst einmal Mittag. Steigungen sind hier ja keine zu erwarten, da läuft es sich auch mit vollem Bauch noch ganz gut. Noch bevor wir dann loslaufen, ziehen alle anderen davon und wir stehen nun alleine. Hier kann man übrigens auch ohne Probleme übernachten, aber wir würden nachher schon gerne noch bis zur Inselhauptstadt vorankommen. Und dass VE Fehlanzeige ist, muss man eigentlich schon gar nicht mehr erwähnen. 

Beim Start fällt unser Blick auf diese hübsche Kolonie von Honigsammlern.

Über diesen überkronten Wanderpfad geht es durch einen Laubwald in Richtung Koigi õpperada bzw. Koigi-Lehrpfad um den Moorsee. Nach etwa 1,20 km Strecke gabelt sich der Weg und dann beginnt der Rundweg um den See. Der Weg ist sehr angenehm zu laufen, denn es sind aktuell kaum Moskitos unterwegs und der Untergrund federt bei jedem Schritt. 

Hier sehen wir vermutlich Eriophorum vaginatum, das Scheidige Wollgras, das uns auf vielen Wegen durch die Moore des Baltikums begleitet.

Es ist nicht wahllos über das Moor verteilt. Aber dort, wo ihm die Bedingungen zusagen, macht es sich so breit, wie nur irgend möglich. 

Wir haben uns entschieden, den See im Uhrzeigersinn zu umrunden. Auf diese Weise kommen wir rasch zum einzigen Aussichtsturm auf der Strecke, den Michael unbedingt sehen möchte. Das Himmelsblau am Turm täuscht nämlich. Der Blick in die Ferne lässt gar nichts Gutes erahnen.  

Hier sieht man bereits, wie die Wolkendecke beginnt, das Himmelsblau wegzuschließen, und bei dem maritimen Wettergeschehen auf den westestnischen Inseln muss man auf rasche Wetterwechsel gefasst sein. 

Wir sind deshalb etwas unschlüssig, ob wir tatsächlich weiterlaufen oder nicht besser umkehren sollen. 

Aber wir sind von dem vorzüglich präparierten Holzbohlenweg so begeistert, dass wir einfach immer weiterlaufen. Da wir schon viele Moorpfade gegangen sind und dieser hier sich bezüglich der Flora kaum von dem unterscheidet, was wir schon kennen, gibt es wenig, was uns noch in Erstaunen versetzen könnte.   

Blick auf den Moorsee, den wir nun weitgehend umrundet haben. Der Himmel hat uns mit Nässe bisher verschont, aber wir trauen dem Frieden nicht. Also sputen wir uns. Insbesondere Angelika legt ein Tempo vor, das Michael sonst sehr selten bei ihr sieht. 

Dann erreichen wir wieder den federnden Waldweg. Nun ist es nicht mehr weit bis zum Parkplatz. Und das Glück ist uns hold, es bleibt trocken bis zum Schluss. Zurück am Parkplatz hat sich ein weiteres Womo eingefunden, aber jetzt sind wir es, die es weiterzieht. Am Ende waren es dann wohl doch etwa 5,5 km Wanderstrecke. Heute Abend werden wir bestimmt wieder 15 km auf der Uhr haben. Wir fahren nun erst einmal weiter zum nächsten Ziel, einem Meteoritenkrater.   

Wir sind schon wieder etwa 30 Minuten unterwegs, als wir südlich des Weilers Laimjala von der Straße 132 aus in einem Wäldchen ein sakrales Gebäude durchschimmern sehen. Kurz darauf kommt die Stichstraße und wir sind langsam genug, um links abbiegen zu können. Wir stehen hier vor der EAÕK Laimjala Vassilius Suure kirik, wenn die Übersetzung stimmt, der Kirche des Heiligen Basilius des Großen der Estnischen Apostolisch-Orthodoxen Kirche in Laimjala.

Michael steigt aus und macht einige Aufnahmen. Das hat schon Potenzial, dieses Gebäude, doch es scheint, als fehle wie so oft das Geld. Was wir schon am Moorsee haben kommen sehen, wird nun langsam Realität. Der Himmel ist nicht länger gewillt, seine Feuchtefracht oben zu behalten, und gibt zunächst in homöopathischen Dosen immer wieder einmal eine Kostprobe nach unten ab. Deshalb bleiben wir auch gar nicht lange, sondern machen uns z. Z. auf den Weg zum Meteoritenkrater.   

Schon kurz nachdem die 132 die Inselhauptstraße 10 erreicht, verlassen wir diese wieder, um über die Straße 130 auf den Kaali-Meteoritenkrater zuzufahren. Inzwischen hat auch der Regen die Oberhand gewonnen. Unsere späte Ankunft und das garstige Wetter sorgen dafür, dass kaum noch Leute auf der Straße sind. Auch Angelika zieht es vor, in trockenen Gefilden zu bleiben. Das ist aber gar nicht so schlecht, sondern erspart Michael das Verrammeln des Fahrzeugs. Mit einem großen Schirm bewaffnet, geht er schnellen Schrittes die 300 Meter in Richtung des Kraters und hofft, dass er trotz des bescheidenen Wetters einige vernünftige Aufnahmen machen kann. Michael umrundet einmal den Kratergipfelweg, geht auch zweimal hinunter an den See, macht Fotos aus allen Lagen und unterschiedlichen Niveaus und eilt dann zurück zum Womo (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).  

Der Kaali-Meteoritenkrater ist der auf der estnischen Insel Saaremaa gelegene Hauptkrater eines vor etwa 4000 Jahren erfolgten Meteoriteneinschlages. Er befindet sich 18 Kilometer von Kuressaare entfernt in einem Wäldchen bei dem Ort Kaali. Das Zentrum des Kraters ist ein Tümpel mit grünlichem Wasser und etwa 50 Metern im Durchmesser. Ihn umgibt ein 16 Meter hoher Erdwall mit etwa 110 Metern im Durchmesser. Der Hang ist damit überraschend steil und die Location ist es wert, besucht zu werden, denn so etwas sieht man schließlich nicht alle Tage.  

In der Umgebung befinden sich acht Nebenkrater, die mit Durchmessern zwischen 15 und 40 Metern deutlich kleiner sind. Durch die Explosion wurden die den Hauptkrater umgebenden Dolomitfelsen schräg aufgeworfen. Die Deutung als Einschlagskrater wurde erstmals von dem berühmten Geografen Alfred Wegener vorgeschlagen, der 1927 im Rahmen einer Reihe von Gastvorlesungen in Riga die Insel Saaremaa besuchte. Schließlich konnte der Geologe Ivan Reinwald im Jahre 1937 nach Funden verkohlter Holzreste und von Meteoritenbruchstücken mit einem Nickelgehalt von 8,3 % eindeutig den Einschlag eines Eisenmeteoriten nachweisen.  

Die miese Belichtung und die deutlichen Helligkeitsunterschiede werden dank der dichten Bewaldung so weit abgemildert, dass man trotz der ungünstigen Rahmenbedingungen noch ganz ordentliche Aufnahmen bekommt.

 

Nach dieser letzten Station ist Michael froh, dass das nun alles doch noch ganz gut über die Bühne ging und er endlich wieder im Womo angekommen ist. Inzwischen ist es schon nach 19:00 Uhr und es wird höchste Zeit, einen Schlafplatz zu suchen.  

Nun gilt es noch die letzten 18 km bis zur Inselhauptstadt Kuressaare zurückzulegen. Inzwischen regnet es etwas stärker, der Regen ist uns jetzt aber ganz willkommen, denn er spült ein wenig den vielen Staub vom Auto, den wir über den Tag auf diversen Schotterpisten aufgesammelt haben. Kuressaare (deutsch Arensburg) hat lediglich 13.500 Einwohner. Das Schöne an solchen Kleinstädten ist, dass sich der Verkehr in engen Grenzen hält. Wir können so ganz gemütlich in die Stadt hineinrollen und nach einem geeigneten Parkplatz Ausschau halten. Angelika hat bereits eine Vorauswahl getroffen. Wir entscheiden uns schließlich für den Parkplatz in der August Kitzbergi Tänav gegenüber eines Busdepots und unweit der Bischofsburg. Das Wichtigste an diesem Platz ist die saubere Toilette im Busdepot. Mit der Kreditkarte hat man Zugang zu diesem sauberen Plätzchen, da legen wir gerne 50 ct hin.