Der Berg der Kreuze

Ein Berg der Kreuze, der eigentlich ein Kreuzhügel ist

Dienstag, 13.05.2025 - von Plateliai zum Berg der Kreuze - 144 km 

Das Kärtchen zeigt das Umfeld des Kreuzhügels (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Da wir mehr als genug Platz haben, stellen wir uns parallel zur Parkplatzbegrenzung auf und missachten die Markierung. Danach muss sich Michael gleich mal den Berg der Kreuze ansehen während Angelika das Mittagessen macht. Nach einer halben Stunde ist er zurück und dann wird gegessen. Anschließend gehen wir zum Office, um unser Parkticket zu besorgen. Die Übernachtung kostet aktuell 3 Euro. Hinter dem Office ist außerdem ein Laden angegliedert, in dem es reichlich Bernsteinketten, Armbänder und dergleichen mehr gibt. Angelika braucht lange bis sie sich mal zu einer Entscheidung durchringen kann und nimmt schließlich eine Halskette mit. 

Um zum Kreuzhügel zu gelangen, geht man vom Besucherzentrum durch diese Unterführung. 

Dahinter beginnt dann ein schön ausgebauter ebener Weg, der auch für Rollstuhlfahrende kein Hindernis darstellt. Der Weg wird am Abend beleuchtet, sodass man auch während der Dämmerung und selbst nach Einbruch der Dunkelheit hier sehr bequem unterwegs ist.

Wohl wissend, dass dieses schöne Wetter nur den heutigen Tag anhält, nutzen wir den verbleibenden Nachmittag, um uns den Kreuzhügel von allen Seiten und aus allen nur erdenklichen Positionen einzuverleiben. Im Bild sehen wir als südöstlichen Ausläufer ein langgezogenes Band mit Kreuzen, das uns am späten Abend noch recht viel Freude bereiten wird.

Kreuze findet man hier wirklich in allen erdenklichen Größen, Formen und Farben. Bei unserem heutigen Traumwetter kommen sie natürlich besonders gut zur Geltung. 

Wir nehmen die Parade der Kreuze ab und tasten uns dabei so langsam nach Nordwesten zum eigentlichen Kreuzhügel vor. 

Mit dem Beginn der Treppe haben wir den Kreuzhügel im engeren Sinne schließlich erreicht. Der Berg der Kreuze (Kryžių kalnas) ist ein katholisch und touristisch geprägter Wallfahrtsort in Litauen. Der Berg liegt ca. 12 km nördlich von Šiauliai (deutsch: Schaulen) und 1,5 km östlich der Fernverkehrsstraße A 12, die von Šiauliai über Joniškis nach Riga führt.

Die relativ schmale Treppe aus Holzbohlen führt zunächst einmal hinauf auf einen ersten Aussichtspunkt. 

Dort erkennt man dann, das sich der Kreuzhügel noch deutlich weiter nach hinten erstreckt und dieser eigentlich aus einem Doppelhügel besteht. Pilger pflegen Kreuze auf diesen Hügel zu stellen, häufig verbunden mit einem Wunsch oder um ihren Dank auszudrücken. Die Wallfahrt erfolgt individuell und ist an keine Termine gebunden, jedoch wird der Berg der Kreuze besonders zu Hochzeiten, Geburten und an Ostern besucht. 

Die Kapelle des Kreuzhügels.

Zum Kreuzhügel hier noch einige Erläuterungen, die überwiegend Wikipedia übernommen sind: Nach der Dritten polnischen Teilung wurde Litauen Teil des Russischen Reiches. In der Folgezeit rebellierten Polen und Litauer zweimal gegen die russische Obrigkeit, und zwar im Novemberaufstand der Jahre 1830/31 sowie im Januaraufstand 1863/64. Beide Aufstände gegen das zaristische Regime wurden blutig niedergeschlagen. Zu dieser Zeit sollen die Bewohner der Umgebung begonnen haben, auf dem Hügel Kreuze für ihre bei den Aufständen getöteten Angehörigen aufzustellen, von denen sie nicht wussten, wo sie begraben sind. Andere Quellen gehen davon aus, dass die Aufständischen auf dem Hügel hingerichtet wurden. 

Nachdem die Sowjetunion im Juni 1940 Litauen okkupiert hatte und 1940/1941 und erneut von 1945 bis 1953 mehr als 100.000 Litauer nach Sibirien deportiert wurden, nahm das Aufstellen der Kreuze ab. Als nach Stalins Tod 1953 die Überlebenden unter den Deportierten nach und nach aus Sibirien zurückkehrten, stellten sie sogleich Kreuze zur Erinnerung an die im Gulag Verstorbenen auf. Ebenso errichteten viele politisch Gefangene und Gläubige weitere Kreuze. Dadurch wurde zunehmend der litauische Wallfahrtsort zu einem politischen Symbol gegen die kommunistische Herrschaft der Sowjets in Litauen. Der Hügel war daher zunehmend ein Dorn im Auge des kommunistischen Regimes in Litauen und es wurde beschlossen den Hügel zu zerstören. Eine erste Vernichtungsaktion fand am 5. April 1961 statt. Doch bereits in der nächsten Nacht wurden neue Kreuze errichtet. 1973, 1974 und 1975 wurden die Zerstörungsaktionen des Regimes wiederholt, jedoch blieb der Kreuzzug der Kommunisten gegen den Berg der Kreuze erfolglos, wodurch der Berg zunehmend zum Symbol des nationalen Widerstands wurde. 1990 soll es bereits 40.000 Kreuze auf dem Hügel gegeben haben. Zusätzlich stieg die Zahl der Kreuze, als im Januar 1991 im Kampf um die nationale Unabhängigkeit Litauens vierzehn Menschen bei der Erstürmung des Fernsehturms in Vilnius durch sowjetische Spezialtruppen ihr Leben lassen mussten. Anfang der 1990er Jahre wurde von Studenten der Universität Vilnius ein Versuch unternommen, die Zahl der Kreuze, die sich inzwischen auf einer Fläche von einem Hektar neben dem Hügel ausbreiten, zu bestimmen. Bei 50.000 Kreuzen haben sie zu zählen aufgehört. Auch diese Informationen sind natürlich Wikipedia entnommen. 

Der Kreuzhügel ist übrigens auch in eine schöne grüne Umgebung eingebettet, die zur Blütezeit des Rapses der Szenerie einen ganz besonderen Touch verleiht. 


Vom Sonnenuntergang haben wir uns mehr erhofft. Doch gleich danach werden wir von der Blauen Stunde mehr als entschädigt. 

Denn die Silhouetten der Kreuze heben sich nun wunderbar gegen das Restlicht des Himmels ab und erzeugen so einen schönen Kontrast. 

Gut, dass wir hier geblieben sind, da hätten wir doch einiges verpasst.

Um 20:15 Uhr ist bei uns, wann immer möglich Krimizeit. Der Krimi läuft in der Regel bis 21:45 Uhr.  Danach geht Michael ein letztes Mal zum Berg der Kreuze um Nachtaufnahmen zu machen.

Leider ist die Beleuchtung und vermutlich auch Michaels Ausrüstung nicht ausreichend, um vernünftige Nachtaufnahmen zu machen. Manchmal ist auch der Kontrast zwischen Laternenlicht und dunklen Hintergründen einfach zu groß. Es passt selten wirklich gut. 

Heute hätten wir wirklich einmal ein Stativ gebrauchen können. Aber 10 Wochen ein schweres Stativ spazieren zu fahren, um es dann zweimal zu nutzen, das lohnt nicht. Und so müssen wir uns mit zweitklassigen Aufnahmen zufriedengeben. Besser als nichts, denkt sich Michael.