Merkinè und Birštonas

Am Nemunas entlang zur Kurischen Nehrung

Sonntag, 04.05.2025 - von Merkine nach Birstonas - 80 km

Das Kärtchen zeigt unseren Weg von Merkinè nach Birštonas und weiter nach Kaunas.

Das Memelland oder Memelgebiet (litauisch Klaipėdos kraštas) war ein Gebiet im nördlichen Ostpreußen, das Deutschland 1920 nach Artikel 99 des Versailler Vertrages ohne Volksabstimmung an die alliierten Mächte abtreten musste. Es lag rechts (immer in Fließrichtung gesehen) der Memel (heute Nemunas) bzw. ihres Deltaarms Skierwieth (Skirvytė) und umfasste auch den entsprechenden Teil der Kurischen Nehrung. Bis Anfang 1923 verwaltete Frankreich das Gebiet in Vertretung des Völkerbundes. Dann wurde es von Litauen annektiert. Das 2656,7 km² große Territorium (vergleichbar dem Saarland) ist etwa 140 km lang und bis zu 20 km breit (überwiegend Wikipedia entnommen).

 

Wie der Wetterbericht gestern schon angekündigt hat, haben wir heute kein schönes Wetter. Am Morgen tröpfelt es zunächst nur, aber gegen 09:00 Uhr Ortszeit setzt dann etwas stärkerer Regen ein, der bis 11:00 Uhr durchhält. Dann haben wir erst einmal Ruhe. Aber schon um 11:30 Uhr fängt es erneut an zu tröpfeln und das soll wohl auch bis zum frühen Abend so weitergehen. Wir müssen also schauen, wie wir eine Regenpause für unsere Zwecke nutzen können.  

 

Auch die Temperatur ist deutlich nach unten gegangen und so bleiben wir heute länger als sonst im Bett liegen. Die Nacht haben wir alleine an dem kleinen Parkplatz verbracht. Daran werden wir uns nun gewöhnen müssen, denn verglichen mit Süd- und Mitteleuropa sind hier oben um diese Jahreszeit noch sehr wenige Fahrzeuge unterwegs. Die Campingplätze könnten vermutlich mühelos den größten Teil dieser Fahrzeuge aufnehmen, aber die Preise sind nicht günstig, und so suchen nicht nur wir nach Alternativen. 

Um die Mittagszeit verlassen wir den Parkplatz an der Memel und fahren zum örtlichen Aussichtsturm im Wald oben über dem Fluss. 

Direkt am Turm befindet sich ein kleiner asphaltierter Parkplatz. Der ist eher auf Pkw ausgerichtet, aber ein oder zwei Wohnmobile bis 7,50 m Länge finden dort locker Platz. Als wir ankommen, ist der Platz leer. Also können wir uns eine Parkbucht aussuchen. Das ändert sich allerdings innerhalb der nächsten halben Stunde. Nach 20 Minuten kommt plötzlich ein Auto nach dem anderen und kurz darauf ist der Platz voll. Nicht zu glauben.  

Der Turm, eine extravagante, fast schon künhe Konstruktion ist echt beeindruckend. Trotz einer gewissen Gigantomanie haben die Stufen eine angenehme Tritthöhe, sodass auch ältere Semester dieses Bauwerk leicht besteigen können. 

Blick über das Memeltal und die Insel Pastraujo sala (salziger Priester) nach Westen. Wirklich schön, dass man so eine gelungene Konstruktion dem Besucher kostenlos zur Verfügung stellt. So macht man sich Freunde. 

Den Turm selbst abzulichten, macht bei dem miesen Wetter keine besondere Freude. Aber der Blick von oben auf die Memel ist schon eine Augenweide. 

Nachdem Michael oben war und die Fotos im Kasten sind, machen wir uns vom Acker. Wir wollen den Einheimischen, und die Besucher sind tatsächlich fast alle aus Litauen, nicht den Sonntagsausflug verderben. 

Nun geht es weiter in Richtung Birštonas.

Obwohl wir hier in der Provinz unterwegs sind, ist die Straße in recht gutem Zustand. Hier befahren wir noch die Straße 129 in nördliche Richtung, biegen aber bald auf eine Nebenstraße ab, die uns nach Westen auf die A 16 führt. Bis zum Aussichtsturm sind es dann nur noch etwa 7 km. 

Dem Turm kann man sich von zwei Seiten nähern. Es gibt zum einen die oben eingezeichnete Alternative Zufahrt. Ein möglicher Parkplatz am Rande dieses Weges ist aber bei unserem Besuch ziemlich verdreckt, sodass wir davon Abstand nehmen. Weil dem so ist, fahren wir auf der A 16 weiter in westliche Richtung und erreichen auf Höhe des Turms, der links von uns oben auf dem Bergrücken steht, einen Kreisel. Jenseits dieses Kreisels ist die Straße 4-spurig ausgebaut, hat aber keine Linksabbiegespur. Somit sind wir gewissermaßen auf der falschen Straßenseite unterwegs und müssen deshalb zunächst an der Abfahrt zum Parkplatz des Hotel-Restaurants Birštono Seklytėlė vorbeifahren, um bei nächster Gelegenheit zu drehen und zurückzukehren (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Nachdem wir gedreht haben, erreichen wir nach ca. 2 km die nun nach rechts abgehende Stichstraße. Von der A 16 sind es jetzt nur noch 250 m bis zum Parkplatz am Fuß des Anstieges zum Hotel-Restaurant Birštono Seklytėlė. Wie man hier sieht, ist auch dieser Parkplatz in keinem guten Zustand. Ob sich daran in absehbarer Zeit etwas ändert, wissen wir nicht. Außerdem haben wir etwas Mühe, eine passende Parkbucht zu finden. Nach 10 Minuten Wartezeit wird ein Platz frei.  

Zwischen unserem Parkplatz und dem Hotel-Restaurant Birštono Seklytėlė sind aktuell Bauarbeiten im Gange. Hier wird sich also noch 2025 die Situation verbessern. Die Parkplätze im Bildhintergrund dürften nach Fertigstellung aber den Besuchern des Lokals vorbehalten sein. Wegen der Schräge der Straße wären die aber ohnehin ungeeignet für Wohnmobile. Um nun vom Parkplatz zum Turm zu kommen, muss man diese Straße hinaufgehen und nach etwa 100 Metern links die Treppe hochlaufen. 

Oben auf dem Kamm angekommen führt dann dieser Fußgängerweg zum Turm. 

Auch dieser Aussichtsturm ist kostenlos zu benutzen und er ist sogar noch etwas höher als der erste Turm, den wir besucht haben.

Am Zugang zum Turm werden die Besucher gezählt. Man nimmt es recht genau hier. Wenn sich Michael richtig erinnert, ist bei 40 Besuchern Schluss. Danach heißt es warten, bis andere Besucher den Turm wieder verlassen haben. Und wenn man es hier mit den Sicherheitsvorschriften schon so genau nimmt, dann sollte man sich im eigenen Interesse auch daran halten.  

Am Treppenaufgang befindet sich ein Automat mit Heißgetränken. Diese Automaten werden wir in den nächsten Wochen im ganzen Baltikum recht häufig sehen. So spart man sich halt das Personal. Allerdings sind uns diese Teile aus hygienischen Gründen nicht geheuer und wir lassen deshalb die Finger davon.

Auch dieser Turm ist wieder sehr gut zu besteigen. Die Ausführung ist nordisch exakt. Michael ist mal gespannt, ob das so weitergeht bei den baltischen Bauten. Von oben hat man eine noch bessere Aussicht als vom letzten Turm. 

Hier blicken wir vom Turm in Richtung der alternativen Anfahrt von Südosten. Der Weg ist ok, aber der Parkplatz, der von hier aus nicht zu sehen ist, ist total verschlammt. Denkt aber daran, dass sich das auch zum Guten ändern kann. Wir liefern hier immer nur eine Momentaufnahme. 

Blick nach Norden. Dort soll sich gegenüber des Vytautas Mineral SPA ein Stellplatz befinden. Für uns ist der allerdings nicht nutzbar. Der Grund ist Michael entfallen, vermutlich war der noch nicht geöffnet.

Nach der Besichtigung des Turms ziehen wir noch einmal um und fahren hinüber nach Birštonas. In der Straße B. Sruogos gatve finden wir einen fast leeren gepflasterten Parkplatz. 

Zwar stehen wir auch hier ganz alleine, aber unser Bauchgefühl und die saubere, ebene Fläche bestärken uns in der Vorstellung, dass wir hier am Rande der Siedlung besser aufgehoben sind.