Freitag, 13.06.2025 - von Nina am Peipusee nach Tartu - 44 km
Wir sind früh wach und verlassen Nina bereits gegen 08:00 Uhr. Die 44 km bis Tartu sind auf den leeren Straßen schnell zurückgelegt und um 08:45 Uhr trudeln wir bereits in Tartu ein. Die Stadt hat fast 100.000 Einwohner, und das merken wir bei der Einfahrt, denn es klemmt ein wenig beim Vorankommen. Einen Übernachtungsplatz haben wir uns vorab bereits ausgesucht. Es ist der kostenpflichtige Parkplatz in der Soola 5, direkt hinter dem Marktplatz und unmittelbar vor dem Emajögi-Fluss, der an dieser Stelle eine Schleife beschreibt.
Tartu (deutsch auch Dörpt) ist die zweitgrößte Stadt Estlands und Sitz der Universität Tartu, Estlands größter und ältester Universität. Die ehemalige Hansestadt im historischen Livland liegt im Kreis Tartu (Tartumaa) im Südosten des Landes, rund 180 Kilometer von Tallinn entfernt.
Das Kärtchen zeigt einige der von uns besuchten Sehenswürdigkeiten in Tartu (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). Da insbesondere Michael den großen Kaufhäusern, wegen des ewig gleichen monotonen Warenangebotes wenig abgewinnen kann, sind diese Konsumtempel in unseren Reiseberichten meist unterrepräsentiert. Deshalb hier noch der Hinweis: Wenn ihr vom Parkplatz hinter dem Markt etwa 200 m in südwestliche Richtung lauft, trefft ihr auf eine ganze Reihe dieser Konsumtempel. Aufgrund der Größe sind die auch vom Parkplatz aus zu sehen.
Wir schauen uns erst einmal auf dem Freimarkt um. Der beginnt ja unmittelbar vor unserer Haustür, was wir ausgesprochen praktisch finden.
Er hat außerdem ein ordentliches Warenangebot und das entspricht dem, was man für eine Stadt dieser Größe erwarten kann. Südeuropäische Eleganz sucht man, wie so oft, vergebens, Zweckmäßigkeit ist angesagt. Das wirkt sich aber nicht unbedingt auf die Qualität der angebotenen Waren aus. Garantiert findet man hier auch die eine oder andere regionale Spezialität, die wegen der Sprachbarriere an uns vorbeigeht. Wir trauen uns einfach nicht, bei allem, was vielleicht lecker aussieht, gleich zuzugreifen, weil das dem mitteleuropäischen Gaumen dann vielleicht doch gar nicht so zusagt. Eine Ware müssen wir aber deutlich herausheben, und das sind die Kartoffeln. Ja, die Kartoffeln, und das gilt nicht nur für Tartu. So schmackhafte Kartoffeln wie im Baltikum haben wir wirklich selten gegessen. Dazu ein schönes Stück Fisch, einfach lecker. Warum die hier so gut schmecken, wissen wir nicht. Vermutlich hat es etwas mit den Böden und dem Klima zu tun, und wahrscheinlich werden hier auch noch andere Kartoffelsorten als im monotonisierten mitteleuropäischen EU-Markt angebaut.
Blumen stehen im Baltikum ebenfalls hoch im Kurs. Vielleicht will man dem wechselhaften Wetter und einer ganzen Reihe von grauen Tagen etwas entgegensetzen.
Unweit des Freimarktes steht die Turuhall (Markthalle), die allerdings recht mickrig daherkommt.
In der Halle ist nur ein Teil der Verkaufsräume belegt und das Publikumsaufkommen ist sehr überschaubar, wie man hier sieht. Gerade am Morgen, wäre da in unseren Breiten deutlich mehr los.
Und dann mischen sich auch noch Bekleidungsstände mit den Lebensmittelständen. Alles irgendwie Stückwerk. Wir suchen nach einer schönen, großen, lichtdurchfluteten Halle, aber davon ist hier nichts zu sehen.
Am Rande des Marktes treffen wir auch auf ein wenig Streetart.
Die ganz große Kunst ist das nicht immer.
Trotzdem nehmen wir gerne ein paar Aufnahmen mit, um unseren Reisebericht ein wenig bunter zu gestalten.
Nun geht es aber erst einmal in die Stadt. Direkt hinter unserem Parkplatz verläuft entlang des Flussufers eine Flaniermeile.
Auf der gelangt man, abseits vom lärmenden Verkehr und mit schönen Ausblicken auf den Fluss, ganz gemütlich ins Zentrum.
Und während wir auf unserem Weg immer mal in alle Richtungen schauen, fällt uns dieses etwas unscheinbare Gebäude auf. Auf der Ostseite findet sich wenig, was unser Interesse wecken könnte.
Auf der Westseite aber, latschen eine ganze Reihe von Leuten durch dieses Portal in das Gebäude. Und als wir uns die Sache einmal aus der Nähe ansehen, sieht das doch tatsächlich wie eine Markthalle aus. Und tatsächlich ist das die Halle, die wir so vermisst und jetzt doch noch gefunden haben.
Ja, genau so hatten wir uns das vorgestellt. Etwa 500 m von unserem Übernachtungsplatz entfernt und durch eine etwas höhere innerstädtische Bebauung versteckt, muss man schon etwas genauer hinsehen, um nicht daran vorbeizulaufen. Oder man sucht halt ganz direkt in einem Routenplaner.
Wie üblich im Baltikum sind die Fischtheken ganz besonders gut bestückt.
Da macht das Einkaufen Spaß. Im Umkreis von 500 m um unseren Übernachtungsplatz findet man alles, was das Herz begehrt. Ob Kleidung, Technik oder Speisen, man wird vielfach fündig. Die Preise sind teilweise allerdings ganz schön hoch. Etliche Produkte sind teurer als zu Hause, man muss in Estland wirklich genau hinschauen.
Wir folgen nun weiter dem Fluss in Richtung Zentrum. Die Nähe des Flusses sorgt an heißen Tagen bestimmt für ein gutes Mikroklima. Auf dem Fluss verkehren diverse Ausflugsdampfer, eigentlich nichts Besonderes. An Wochenenden und in der Hauptsaison können die allerdings ziemlich nerven. Denn auf ihrem Weg aus der Stadt heraus, fahren sie auch an unserem Übernachtungsplatz vorbei. Die Vorbeifahrt stört da überhaupt nicht, aber die Disco auf dem Außendeck, die stört mitunter ganz gewaltig, insbesondere wenn die Boote bis spät in die Nacht elend langsam unterwegs sind. Letzten Abend waren es nur zwei Boote, also 4 Vorbeifahrten, das war auszuhalten. Aber alle 15 Minuten braucht man das nicht. Werktags und in der Vorsaison ist unser Übernachtungsplatz ideal. Im Sommer müsst ihr schauen, ob das auszuhalten ist.
Und hier sehen wir jetzt das hübsche Rathaus aus der Nähe.
Der "Küssende Studenten"-Brunnen (estnisch: Suudlevad tudengid) vor dem Rathaus in Tartu wurde 1998 eingeweiht und gilt als eines der wichtigsten Wahrzeichen und zentraler Treffpunkt der Stadt. Die Bronzeskulptur zeigt ein junges Paar unter einem Regenschirm und symbolisiert Tartus Ruf als junge, akademische Studentenstadt.
Das Bild zeigt die Rüütli-Straße in Tartu. Die Straße ist ein beliebter Ort mit Cafés und Restaurants.
Hier sehen wir das Hauptgebäude der Universität Tartu in der Ülikool tänav, 250 m nördlich des Rathauses gelegen. Auf der Rückseite dieses prächtigen Gebäudes beginnt der Toomemägi, die grüne Lunge der Stadt. Gratulation an unsere Absolventen steht hier in großen Lettern. Der älteste Jahrgang hat dieses Jahr also die Strapazen bereits hinter sich.
Der Toomemägi (deutsch: Domberg) ist ein historischer, zentral gelegener Parkhügel in Tartu. Er ist bekannt für die Ruinen des Tartuer Doms, die alte Sternwarte, seine Brücken (Engels- und Teufelsbrücke) und als Standort der ehemaligen estnischen Burg Tarbatu. Der Hügel ist ein zentraler Erholungsort mit Aussichtspunkten.
Vom Grün können wir gar nichts zeigen, weil uns der Dom sofort in seinen Bann gezogen hat. Wir haben deshalb schlicht vergessen, auch ein paar Fotos im Park zu machen. Andererseits unterscheiden sich Parkanlagen in unseren Breiten aber auch nicht so sehr, dass Fotos hier zwingend nötig gewesen wären.
Auch wenn heute nur noch eine Ruine übrig geblieben ist, wird die doch so gut gepflegt, dass sie ein wirklich schönes Bild abgibt. Und Einblicke in die Bautechnik gewinnt man hier ebenfalls.
Ein wenig Pech haben wir aber auch. Es sieht so aus, als würde man sich aktuell auf eine Abschlussfeier der Universitätsabsolventen vorbereiten, und die findet wohl zumindest in Teilen innerhalb der Ruine statt. Deshalb sind umfangreiche Aufbauarbeiten im Gange und an vielen Punkten liegt Baumaterial herum und gibt kein schönes Bild ab. Wir müssen uns deshalb ganz schön Mühe geben, um die Ruine von ihrer schönen Seite zeigen zu können und das ganze Gerödel im Umfeld außen vor zu lassen.
Ein letzter Blick auf das Hauptschiff, von der Grünanlage aus aufgenommen.
Östlich des Doms kommen wir an der Rotunde, einem hübschen kleinen Café, vorbei und sehen nun doch noch ein klein wenig vom Park. Von hier aus bewegen wir uns jetzt in Richtung des Stadtteils Supilinn, im Westen von Tartu. Charakteristisch sind für diesen Teil der Stadt die alten Holzhäuser, die wir immer wieder gerne ansehen, auch wenn sie nicht das perfekte Bild der Neustadt anbieten können.