Donnerstag, 19.06.2025 - von Daugavpils nach Daugavpils - 61 km
Auf unserem Übernachtungsplatz in Daugavpils haben wir prima geschlafen. Gestern sind wir wegen des Regenwetters auf unserem Weg von Krāslava nach Daugavpils an einigen Locations vorbeigefahren, die wir uns gerne einmal angesehen hätten. Da für heute Mittag weiterer Regen angesagt ist, machen wir uns früh auf den Weg in Richtung Krāslava, um die Sonnenstunden optimal auszunutzen.
Das Kärtchen zeigt das Zentrum der Stadt Daugavpils und die Lage der beiden von uns besuchten Kirchen (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Der Kirchturm und das Kirchenschiff der Altgläubigen-Kirche von Gajoksin in der Jaunā iela 5. Die Kirche liegt gut versteckt hinter einem hohen Zaun. Michael schaut hier aus dem Dachfenster des Wohnmobils, um überhaupt ein vernünftiges Foto hinzubekommen.
Unweit der Altgläubigen-Kirche treffen wir in der Tautas iela 2 auf dieses prächtige Kirchengebäude. Hier sehen wir die orthodoxe Kathedrale des heiligen Boris und Gleb. Gestern haben wir das Gebäude schon einmal bei Regenwetter fotografiert. Die Aufnahmen konnte Michael alle in die Tonne kloppen. Kein Vergleich zum heutigen Prachtwetter.
St. Boris und Gleb ist die russisch-orthodoxe Kathedrale der Diözese Daugavpils und Rēzekne der lettisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats. Sie fasst bis zu 5.000 Personen. Das Gotteshaus St. Boris und Gleb befindet sich – zusammen mit der katholischen Kirche der unbefleckten Empfängnis, der evangelischen Martin-Luther-Kathedrale und dem Gebetshaus der Altgläubigen – auf dem sogenannten Kirchenhügel im Stadtteil Jaunbūve von Daugavpils.
Die Kirche wurde ab 1905 für die russische Garnison im neobyzantinischen Stil errichtet. Die vom Militär finanzierte Kirche wurde am 25. Juli 1905 den Heiligen Boris und Gleb sowie dem Moskauer Metropoliten Alexius geweiht. Die dominierenden Farben sind himmelblau und weiß. Die Kuppeln der zehn Zwiebeltürme sind vergoldet. Die Ikonen der Eichen-Ikonostase sind wahrscheinlich von Wiktor Michailowitsch Wasnezow angefertigte Kopien der Wladimirkathedrale in Kiew. An der Stelle der heutigen Kirche befand sich die 1866 errichtete Vorgängerkirche, die Konstantin dem Großen und seiner Mutter Helena gewidmet war. Auch sie war bereits russische Garnisonskirche.
Klugscheißerwissen: Die Ikonostase ist eine mit Ikonen geschmückte Wand mit drei Türen, die in orthodoxen Kirchenbauten zwischen dem inneren Kirchenschiff und dem Altarraum steht. Ikonostasen gehören zur Tradition der Ostkirchen.
Auch hier sieht man, was ein blauer Himmel bei strahlendem Sonnenschein ausmacht. Die Ostseite des Kirchenschiffs von der umgebenden Grünanlage aus aufgenommen.
Ein Seiteneingang auf der Nordseite am hinteren Ende der Kirche. Bei diesen Anblicken hat sich die Entscheidung, noch einmal ein Stück in Richtung Kraslava zurückzufahren, ja schon gelohnt.
Das Kärtchen zeigt die von uns besuchten Locations entlang der Daugava bzw. Düna zwischen Daugavpils und Krāslava. An der Kirche in Sprukti drehen wir um und fahren zurück nach Daugavpils (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Unser erstes Ziel an der Daugava ist die Dinaburgas pilsdrupas bei Naujene. Die Daugava ist auf dem Streckenabschnitt zwischen Daugavpils und Kraslava ziemlich naturbelassen, mäandriert ordentlich und die zahlreichen Flussschleifen erzeugen ein malerisches Bild und ziehen eine ganze Reihe von Wasservögeln an. Von mehreren hölzernen Aussichtstürmen hat man einen wunderbaren Ausblick auf den Fluss. Außerdem soll es dort eine Burgruine geben.
Die Zuwegung ist nicht so richtig gut ausgeschildert, wir brauchen mehrere Versuche, bis wir den richtigen Zugang gefunden haben. Von der Hauptstraße führt zunächst ein Stück Asphalt und dann eine gut zu befahrende Schotterpiste in Richtung einer Flussschleife der Daugava. Am Ende der Schotterpiste ist weit und breit keine Burgruine zu sehen. Wo ist die Burg? Ein kurzer Gang zu der im Foto abgebildeten Aussichtsplattform hilft weiter. Von hier aus sieht man zwar auch keine Burg, aber das Modell einer Burg, und so weiß man zumindest, wo man die Burg suchen muss.
Was wir sehen, ist eine wirklich schöne Freizeitanlage mit einem kleinen Aussichtspodest, einer Schaukel, einem Bootsnachbau als Kinderspielplatz, ein paar Bänken und zwei Toiletten.
Nach dem Blick von der Aussichtsplattform geht es über Treppen zunächst hinunter in die Nähe des Flusses, dann ein Stück parallel zum Fluss durch das Gelände und anschließend wieder eine längere Treppe den Hang hinauf.
Dann stehen wir vor dem Modell der ehemaligen Burg. Von der selbst sind nur noch einige Grundmauern schemenhaft zu erkennen. Wären die schöne Freizeitanlage und das Modell der ehemaligen Burg nicht errichtet worden, wäre die ganze Veranstaltung ein ziemlicher Flop gewesen.
Immerhin hat man einen ganz schönen Ausblick auf den Fluss. Wer einen wirklich schönen Übernachtungsplatz sucht, der ist hier außerhalb der Saison und werktags goldrichtig. Extra wegen der Burg hierherzufahren, kann man vergessen. Für uns lohnt es sich nicht, hier länger zu verweilen, denn die Regenwolken machen uns ein wenig Druck.
Also fahren wir einige Kilometer weiter in Richtung eines hölzernen Aussichtsturms, dem Vasargelisku skatu tornis, von dem aus man ebenfalls eine Flussschleife der Daugava überblicken kann. Die Straße ist hier asphaltiert, trotzdem holpert es während der Fahrt ganz schön. Unterwegs treffen wir auf eine Gruppe von 8 Störchen, die die frisch gemähte Wiese nach Nahrung absuchen. Als wir uns nähern, sind sie alarmiert und bereit zum Abflug. Doch ein Geländeeinschnitt und Heuballen geben uns Deckung, so können wir etwas weiter entfernt drehen, langsam noch einmal an die Wiese heranrollen und vom Auto aus Fotos machen, ohne dass wir als Bedrohung wahrgenommen werden.
Dann geht es weiter zum Aussichtsturm, den wir schon bald erreichen. Hier stehen wir auf dem geschotterten kleinen Parkplatz unweit des Aussichtsturms Vasargelisku skatu tornis.
Vom Schotterparkplatz sind es etwa 250 m Fußweg bis zum Turm. Der Turm Vasargelisku skatu tornis ist wirklich schön, die Aussicht ebenso und das Bauwerk ist in einem guten Zustand.
Bei der soliden Bausubstanz wagt sich selbst Angelika einmal mit nach oben.
Ein wirklich schönes Bauwerk haben die Letten hier errichtet. Selbst wenn es einmal regnet, ist man hier oben gut geschützt und kann ein Niederschlagsereignis auch einmal aussitzen.
Und hier der Blick mit Angelika auf den Fluss. Michael fielen jetzt einige weitere Kommentare ein, aber die könnten ihm zum Nachteil gereichen. Deshalb zieht er es vor, zu schweigen.
Hier der schöne Ausblick in Richtung Fluss.
Und hier geht der Blick in Richtung Straße. Hinter allerlei Grün kann man unseren Brummer stehen sehn.
Den Weg ganz nach unten an die Daugava hat Michael wieder mal alleine angetreten. So richtig gelohnt hat es sich nicht. Angelika hatte da den besseren Riecher. Oft ist es aber genau umgekehrt. Wir haben jetzt genug gesehen von den Flussschleifen der Daugava. Auf Höhe der Kirche Sruktu baznica biegen wir auf eine Schotterpiste ein, die uns zunächst zu besagter Kirche und dann an die A 6 zurückbringt. Auf der streben wir nun ein zweites Mal Daugavpils entgegen. Nachdem sich unser Übernachtungsplatz am Vogelschutzgebiet bewährt hat, werden wir auch heute wieder dort übernachten. Aber noch haben wir reichlich Zeit und deshalb stellen wir unser Auto nur ab und starten noch zu einem Stadtbummel.
Daugavpils (deutsch: Dünaburg) ist die zweitgrößte Stadt in Lettland. Das an der Daugava (Düna) gelegene, rund 92.000 Einwohner zählende Dünaburg geht auf eine Burg des Deutschen Ordens aus dem 13. Jahrhundert zurück. 1582 erhielt es Stadtrechte. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Zugehörigkeit mehrfach zwischen Polen-Litauen und dem Russischen Reich. Anders als das übrige Lettland blieb die Provinz Lettgallen auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu Polen katholisch, ungeachtet ihres in den Städten hohen jüdischen Bevölkerungsanteils (Ende des 19. Jahrhunderts rund 46 %).
Von unserem Übernachtungsparkplatz sind es etwa 15 Minuten bzw. 750 m bis ins Zentrum mit vielen Einkaufsmöglichkeiten, diversen Märkten und einer Fußgängerzone. Zu unserer Überraschung ist das Wetter heute einmal trockener als vorhergesagt. Also gehen wir, wie so oft, planlos in Richtung des Zentrums dieser mittelgroßen Stadt und schauen, was sich am Wegesrand alles so aufgabeln lässt. Als Erstes kommt Michael die Orthodoxe Kapelle des Heiligen Alexander Newski in der Saules iela vor die Kamera. Schon wieder eine wirklich schöne kleine Kirche in einem ebenfalls hübsch gestalteten Umfeld.
Unweit der Alexander Newski Kirche treffen wir in der Rīgas iela auf einen ersten Konsumtempel.
Hier laufen wir auf die Römisch-katholische Kirche St. Peter in Ketten, ebenfalls in der Rīgas iela gelegen, zu.
Und hier sehen wir die Frontansicht der Römisch-katholische Kirche St. Peter in Ketten.
Vom Secondhand-Shop geht es hinüber zum Freimarkt von Daugavpils. Wie man sieht, wieder einer dieser zweckmäßigen, aber nicht besonders attraktiven Märkte. Die Nordlichter haben es einfach nicht drauf. Aber frische Ware gibt es ja trotzdem, und besonders die Kartoffeln haben es uns angetan. Lustig wird es übrigens auch. Denn hier dominieren die Russen und da verstehen wir rein gar nichts. Aber auch Russen und Russinnen können Zeichensprache, und so benötigen wir für den Einkauf zwar deutlich mehr Zeit, bekommen aber, was wir wollen. Fast jedenfalls, denn einige Sachen sind hier komisch.
Wir haben den Eindruck, dass wir es nicht mit echten Marktbeschickern, sondern mit Privatpersonen zu tun haben, die hier alle ihre Kleinstproduktion aus dem heimischen Gemüsegarten verticken. Für jeden einzelnen Artikel, den wir kaufen möchten, werden wir an eine andere Person verwiesen. Manche verkaufen nur Pfefferminze, andere nur ein bestimmtes Gemüse, einzelne Gartenkräuter oder eben nur Kartoffeln oder Tomaten oder Zwiebeln. Und was immer wir auch kaufen, wir bekommen jedes Mal mehr in die Hand gedrückt, als wir haben wollen. Und wir haben nicht den Eindruck, dass die uns übers Ohr hauen wollen. Ein ungewohntes Gebaren, aber die Verkäuferinnen und wir sind nur noch am Lachen, weil wir deren Benehmen und die unseres nicht verstehen. Und so verlassen wir den Markt mit deutlich mehr Ware, als wir eigentlich benötigt haben.
Zum Markt gehören auch etliche kleine Hallen, die ineinander verschachtelt sind und immer neue Überraschungen bereithalten. In den Hallen haben wir keine Fotos machen können, weil an einigen Hallen klar signalisiert wurde, dass Fotos unerwünscht sind. Vielleicht verkaufen hier viele Altgläubige, die keine Fotos mögen. Große Geheimnisse sind hier jedenfalls mit einem Foto nicht aufzudecken und auch Produktpiraterie ist hier sicher kein Thema. Ist aber auch egal. Fest steht: Gerade an regnerischen Tagen kann man sich hier ganz gut die Zeit vertreiben, Daugavpils hat für jedes Wetter etwas zu bieten. Und noch ein Hinweis zum Schluss: In einer der Hallen gibt es so eine Art russische Kantine, in der man günstig zu Mittag essen kann und auch Kaffee und Stückchen bekommt.
Gegen 16:00 Uhr sind wir zurück auf unserem Übernachtungsplatz an der Kandavas iela 1c und machen Mittagessen. Der Platz ist echt schön gelegen. Zentrumsnah und doch in der Natur, schöne Freizeiteinrichtungen direkt vor der Nase und es gibt auch einen Kinderspielplatz.
Direkt neben dem Parkplatz sind diverse Klangkörper aufgestellt, an denen man sein musikalisches Talent testen kann.
Diverse Bahnen für Inliner-, Rollschuhfahrer oder auch kleine Fahradfahrer findet man hier ebenfalls.
Von einer Aussichtsterrasse am Rande eines schilfgesäumten Teiches, der von hunderten Seevögeln bevölkert ist, kann man den gefiederten Freuden beim Brutgeschäft oder auch bei Streit und Zank zusehen. Die machen dabei auch ordentlich Krawall. Da es sich aber um ein natürliches Geräusch handelt, stört uns das nicht.
Ein Nachteil hat die Sache aber dennoch. Die Vögel nutzen die mit viel Liebe neu errichtete hölzerne Terrasse als Ansitz und hinterlassen dabei jede Menge Vogeldreck. Man muss deshalb darauf achten, wo man hintritt, und vom Anlehnen an einem der Geländer sollte man komplett Abstand nehmen.
Auch einen hübschen Teich gibt es hier. Am frühen Abend gehen wir noch einmal zum Lidl einkaufen, das sind nur etwa 10 Minuten Fußweg. Wir haben es hier wirklich gut getroffen.