Sonntag, 15.06.2025 - von Haanja (Biathlonstadion) nach Aluksne - 112 km
Zum Glück sind wir gestern noch umgezogen vom RMK-Platz am See zum PP am Biathlonstadion. Denn unser Nachtlager war trotz der Nähe zur Straße absolut ruhig. Wir haben sogar recht lange geschlafen. Gegen 09:30 Uhr kommen Jugendliche Biathlonsportler, die hier auf Rollskiern die Piste entlanglaufen, andere machen Lauftraining, was ja für Biathleten auch recht förderlich sein soll. Wir denken erst, wir sind denen im Weg, aber der Platz reicht locker für alle.
Unsere Route im Südosten von Estland. Von Piusa geht es nach Haanja, Rõuge und zum Hinni Kanjon, von dort weiter zum Besucherzentrum RKM Pähni. Danach überschreiten wir die Grenze nach Lettland und erreichen im Nordosten Lettlands den Ort Korneti. Die fett gedruckten Stationen findet ihr auf dieser Unterseite, den Rest auf den Seiten davor und danach. Auf der Route gibt es noch einiges mehr zu sehen, als wir euch zeigen können.
Das Kärtchen zeigt Haanja, unseren Übernachtungsplatz am Biathlonstadion und einen potenziellen Übernachtungsplatz am Vasknasee. Die Entfernung vom Vasknasee bis zum Biathlonstadion beträgt 2,50 km (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Gegen 10 Uhr fahren wir vom Biathlonstadion zum Parkplatz unterhalb des höchsten Berges des Baltikums. Dieses gewaltige Massiv von mehr als 300 m Höhe wollen wir uns doch einmal ansehen. Bis dorthin ist es nur einen guten Kilometer zu fahren, ein Klacks also.
Wir stellen unser Fahrzeug auf dem Besucherparkplatz unterhalb des Berges ab und laufen dann die vielstufige Treppe hinauf zum Gipfel, den ein Aussichtsturm krönt.
Der Aufstieg auf den Turm kostet für Erwachsene aktuell 7 Euro. Für Rentner sind es allerdings nur 4 Euro.
Der hohe Preis liegt am Fahrstuhl, der „Aufstieg“ ist hier also wieder einmal sehr bequem.
Ruckzuck geht es in den 9. Stock, danach noch eine Wendeltreppe hinauf und schon hat man eine schöne Aussicht. Keine Absperrgitter, kein Netz, keine Sichtbehinderung, so hat Michael es gerne.
Nachdem er sich oben sattgesehen hat, geht es wieder nach unten. Da sieht er vor dem Aufzug stehend, dass es auch ein Treppenhaus gibt. Da könnte man doch mal nach unten laufen.
Gesagt, getan, und schon fliegt ein Stockwerk nach dem anderen an ihm vorbei. Die Bildtafel vor der Aufzugtür signalisiert, dass man die Stockwerke mit dem Aufzug aktuell nicht erreichen kann. In den einzelnen Stockwerken hat man sich eine schöne Sache überlegt.
Angefangen im untersten Stockwerk mit dem niedrigsten höchsten Berg eines Landes (Litauen), geht es nach oben immer weiter in die Höhe, bis im obersten Stockwerk der Mt. Everest vorgestellt wird.
Das erkennt Michael aber erst, als er ganz unten angekommen ist und den Turm verlassen möchte. Da steht er dann vor einer Glasscheibe, die den Weg versperrt. Soooo ein Mist. Was bleibt ihm übrig? Er muss nun die ganzen Stufen wieder nach oben steigen, „schwitz“, um danach mit dem Aufzug nach unten fahren zu können, da macht man doch oben mal eine Absperrung hin. Egal, was tut man nicht alles der Gesundheit zuliebe.
Nun geht es wieder den Berg hinunter, dann der Straße entlang zum Womo und anschließend mit unserem Gefährt hinüber in den Nachbarort Rõuge. Treppen sind wir heute genug gelaufen.
Wir parken auf einem kleinen Parkplatz unten im Tal, unmittelbar nordwestlich des Suurjärv, was auf Deutsch „Großer See“ bedeutet. Hier befinden sich zum einen der obige gelbe Schriftzug mit dem Ortsnamen der Großgemeinde und ein gelber Bilderrahmen mit dem See als Bildhintergrund. Weiterhin bietet das Seeufer für den Sommer eine Badegelegenheit an. Und es gibt eine Informationstafel, die Auskunft über Freizeitaktivitäten in der Region gibt. Eigentlich würden wir gerne eine Wanderung machen. Doch der angebotene Wanderweg von 10 km ist uns zu lang. Gegenüber des Parkplatzes befindet sich ein Coop, in dem wir gerne unsere Vorräte ergänzen würden. Doch als wir die paar Schritte hinübergelaufen sind, sehen wir, dass der Markt geschlossen ist. Kurz enttäuscht erfahren wir, dass der Grund für die Schließung die Errichtung eines neuen und zeitgemäßen Supermarktes ist, der sich etwa 500 m weiter oben auf einem Hügel befindet. Wir folgen der Straße 195 bzw. der Vöru MMT den Berg hinauf und sehen alsbald rechts der Straße einen nagelneuen Coopmarkt stehen. MMT bedeutet frei übersetzt in etwa Schotterpiste. Das trifft die aktuelle Situation vor Ort allerdings in keiner Weise. Denn inzwischen hat auch hier der Asphalt Einzug gehalten.
Klugscheißerinfo: In Estland bezieht sich der Begriff "MMT" im Kontext von Straßen in der Regel auf "mullatee", was wörtlich übersetzt Erdstraße oder Feldweg bedeutet. Es handelt sich dabei um unbefestigte Straßen, oft Schotter-, Kies- oder reine Naturstraßen, die besonders in ländlichen Gegenden Estlands häufig vorkommen. Sie sind ein integraler Bestandteil des estnischen Straßennetzes, insbesondere für den Zugang zu abgelegenen Häusern, Feldern oder Wäldern. Diese Wege sind oft schmal, nicht asphaltiert und können bei nasser Witterung (insbesondere während der Schneeschmelze im Frühjahr, der sogenannten "Schlammsaison") schwer befahrbar sein.
Das Kärtchen zeigt den 10 km westlich von Haanja gelegenen Ort Rõuge. Auch dieser Ort hat einen hohen Freizeitwert und hätte einen etwas längeren Besuch verdient. Es ist das alte Lied. Würden wir jeder Versuchung nachgeben, hätten wir von den drei baltischen Staaten nur die Hälfte gesehen (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Oben auf dem Berg angekommen, erleben wir die Zukunft estnischer Coopmärkte. So einen Markt hätten wir eher in Pärnu, Tallinn oder Tartu vermutet. Und vielleicht gibt es den dort ja auch. Wir aber, sehen ein solches Exemplar nun zum ersten Mal und das mitten auf dem flachen Land. Natürlich gehen wir hinein und versorgen uns, setzen uns dann bei dem schönen Wetter auf die Wiese und snacken.
Von hier oben hat man einen schönen Überblick über die wirklich reizvolle Landschaft in und um Rõuge. Der Rõuge Suurjärv ist der tiefste See des Landes. Er befindet sich im Kreis Võru im Westen des Höhenzugs Haanja. Seine Fläche beträgt 0,13 km². Die tiefste Stelle des Rõuge Suurjärv liegt bei 38 m.
Der malerisch sich durch das Tal schlängelnde Wasserarm verbindet den Jatasjärv mit dem Suurjärv.
Übrigens gäbe es hier, gar nicht weit entfernt, auch noch einen richtig schicken Aussichtsturm, den wir uns heute aber schenken. Wer Zeit hat und hier in der Ecke vorbeikommt, sollte sich den ruhig einmal ansehen. Rouge und dessen Umfeld sind ein richtig schönes Erholungsgebiet, und wir haben in der Kürze der Zeit das Potenzial dieses südöstlichen Winkels von Estland gar nicht ausschöpfen können.
Eigentlich müssten wir nun nach Süden weiterfahren. Doch wir wollen dem Hinni-Kanyon noch einen kurzen Besuch abstatten und folgen deshalb der Straße 95 in nordwestliche Richtung. Bei Kiidi biegen wir auf die Straße 134 ab, behalten den Kurs Nordwest bei und folgen der 134 jetzt nach Nursi und unserem oben angeführten Ziel. Zuvor legen wir noch einen kurzen Zwischenstopp bei Seedri Puhketalu ein. Die Straße verläuft die ganze Zeit leicht oberhalb eines langgezogenen Tälchens, in dem sich ein See an den nächsten reiht. Eine landschaftlich wirklich schöne Gegend ist das hier.
Das Kärtchen zeigt den 6 km nordwestlich von Rõuge gelegenen Hinni-Kanjon. Auch den muss man noch der erweiterten Ferienregion Haanja-Rõuge zurechnen (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Hier stehen wir bereits auf dem Parkplatz oberhalb des Hinni-Kanyons.
Gleich jenseits des Parkplatzes weist uns ein Schild den weiteren Weg.
Ein schöner Waldweg führt etwa 200 m hinunter in Richtung eines Tälchens.
Schließlich wird der Waldweg von einem Holzbohlenweg abgelöst, der den letzten Teil des Hanges überwindet.
Unten angekommen, führt ein weitgehend ebener Holzbohlenpfad in die kleine Schlucht hinein.
Abwechselnd ragen zu beiden Seiten Felswände in die enge Schlucht. An der Sohle des Tälchens sucht ein Rinnsaal zwischen Holzbohlenweg und Fels seinen Weg ins Tal.
Dann passieren wir Abschnitte, in denen der Fels unter humosem Oberboden verschwindet. Sehr lange geht das dann aber nicht mehr. Dann sehen wir, dass das Rinnsal sich gelegentlich auch in einen wilden Bach verwandeln kann. Denn im hinteren Teil der Schlucht hat er dem Holzbohlenweg arg zugesetzt.
Hier muss man schon genau schauen, wohin man seinen Fuß setzt, und noch etwas weiter hinten blockieren dann auch umgestürzte Bäume den Weg. Wie lange das so bleibt, können wir nicht abschätzen. Vielleicht sieht im Sommer 2026 alles schon viel besser aus. Für uns hat sich der Weg jedenfalls gelohnt, denn es ist ein schöner kleiner Ausflug ohne größere Anstrengungen, und an der Zahl der Besucher auf dem Parkplatz kann man ablesen, dass andere das ganz ähnlich sehen. Für uns geht es nun über den RMK Pähni külastuskeskus (noch Estland) zum Aussichtsturm im Schutzgebiet „Korneti-Peļļi“ (bereits Lettland) und dann zum Tagesziel Aluksne bzw. Marienburg, wo wir übernachten werden.