Freitag, 09.05.2025 - von Dreverna zum Seebad Palanga - 71 km
Die Nacht auf dem Stellplatz war nicht so kalt, wie wir es gestern befürchtet hatten. Trotzdem bleiben wir lange im schönen, warmen Bettchen, stehen erst kurz vor 9:00 Uhr auf und frühstücken danach ausgiebig. Wenn wir schon mal genügend Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten haben, müssen wir das ausnutzen, spülen deshalb das ganze Geschirr und reinigen das Fahrzeug innen. Gegen 11:00 Uhr ist unser Auto wieder voll autark und wir machen uns auf den Weg nach Klaipėda. Auf Klaipėda sind wir überhaupt nicht vorbereitet. Deshalb fahren wir mit dem Wohnmobil verschiedene Straßen ab und schauen, ob wir einen Zufallstreffer landen. Aber weder im Stadtzentrum noch im Hafen werden wir fündig. Immerhin finden wir eine Tankstelle, und das war auch höchste Zeit, denn unser Dieselvorrat geht zur Neige. Klaipėda müssen wir uns irgendwann noch einmal besser vorbereitet anschauen. Vielleicht kommen wir ja mal mit der Fähre hier an. Einstweilen finden wir einfach keinen Gefallen an dieser Stadt und machen uns gegen 14:00 Uhr auf den Weg in Richtung Seebad Palanga.
Palanga erreichen wir gegen 15:00 Uhr. Zunächst gehen wir in den Lidl, um einzukaufen, dann geht es auf einen Übernachtungsparkplatz in der Ganyklų gatve 30, direkt gegenüber der Polizei. Der Parkplatz ist keine Bleibe, auf der man sich so richtig wohlfühlt. Wir sind auch nicht so sicher, ob man hier wirklich übernachten darf. Es ist einfach eine Notlösung, damit wir uns heute noch die Stadt ansehen können und danach nicht noch lange nach einer Übernachtungsmöglichkeit suchen müssen. Vor allem fühlen wir uns hier sicher.
Das Kärtchen zeigt unseren Übernachtungsplatz im Seebad Palanga, den Standort der Kirche sowie die Lage der Promenade und der Seebrücke (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Auf dem Parkplatz angekommen, richten wir uns häuslich ein, machen das Fahrzeug dicht und begeben uns in die Stadt. Wie in vielen anderen litauischen Städten gibt es auch hier kein so richtiges Stadtzentrum. Alles ist sehr weitläufig, das gefällt uns nicht wirklich. Immerhin soll man hier Bernstein käuflich erwerben können. Eine Bernsteinkette oder Ähnliches für Angelika, das wäre schon eine schöne Sache. Der Weg vom Parkplatz in Richtung Zentrum zieht sich ganz schön, knapp 30 Minuten werden wir wohl unterwegs sein. Wir halten einfach immer auf die Kirche zu und werden belohnt.
Rund um die Kirche ist ein Markt mit zahlreichen Pavillons aufgebaut, an denen Kunsthandwerk und Leckereien feilgeboten werden.
Hier wird Šakotis (Baumkuchen), eine typisch litauische Süßspeise, vorbereitet. Das ist ein kunstvoll angefertigtes Gebäck mit Ast-Formen, gebacken auf einem Drehspieß. Außen knusprig und innen zart, das schmeckt lecker.
Hier probiert Angelika mal kleine Teigkügelchen. Anbieter ist vermutlich die Bäckerei Mindaugo Kepykla eine bekannte litauische Marke für Backwaren, die eine breite Palette an süßen Leckereien anbietet.
Und hier sehen wir nun Bernstein in allen Variationen. Wir haben allerdings keinen Schimmer, wie man den Wert der Ware korrekt ermittelt. Ob das eine gute Idee ist, hier etwas zu kaufen?
Am Ende des Marktes biegen wir auf eine sich scheinbar endlos in Richtung Strand erstreckende Promenade ein und folgen dieser. Es ist eine breite, sehr gepflegte Promenade, die reichlich Publikum aufnehmen kann.
Und man kann sich gut vorstellen, dass in den Sommermonaten an Wochenenden und an Feiertagen hier richtig etwas los ist, denn das Kurbad zieht nicht nur Otto Normalverbraucher an.
In manchen Restaurants hat man demonstrativ den Champagner und die Austern ins Schaufenster gestellt.
Die Promenade in Richtung Seebrücke. Entlang dieser Flaniermeile sieht man eine Vielzahl von Restaurants, Schnellrestaurants und Fahrgeschäften.
Wir laufen immer weiter, bis wir endlich den Strand und die Seebrücke erreichen. Die Seebrücke ist ganz hübsch gemacht, aber man muss gar nicht weit hinauslaufen, denn der schöne Blick in Richtung Landseite bringt hier nichts, weil man von der Stadt ohnehin nichts sieht.
Es reicht, bis auf Höhe des Strandes zu laufen, den Fotoapparat einmal nach links und einmal nach rechts zu halten, und das war’s. Dann geht es auf fast dem gleichen Weg zurück zum Wohnmobil. Wie geplant übernachten wir heute in Palanga auf dem Parkplatz vor der Polizei.
Samstag, 10.05.2025 - vom Seebad Palanga zum Pape Naturpark - 47 km
Bevor wir uns noch einmal tief nach Litauen hineinbegeben, wollen wir noch einen Abstecher in den 40 km entfernten Pape Naturpark machen, denn der liegt fast auf der Strecke, und insofern bietet sich das an. Gegen 08:00 Uhr brechen wir in Palanga auf. Da der Park in Lettland liegt, müssen wir die Landesgrenze überschreiten. Das ist aber genauso unproblematisch wie der Übertritt von Polen nach Litauen. Natürlich werden wir von Kameras gecheckt, ansonsten keine Menschenseele weit und breit.
Das Kärtchen zeigt die von uns im Pape Naturpark und dessen Umgebung besuchten Locations L1 bis L4 (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0). Naturpark lesen wir übrigens in allen Publikationen im Netz. Die Beschilderung im Park selbst ist nicht ganz so eindeutig, da haben wir auch eine Schautafel gefunden, die das Areal teilweise als Nationalpark ausweist. Da wir aber so früh im Jahr keine Sachkundigen haben fragen können, ist das für uns auch nicht aufzulösen.
Besucht haben wir:
L1: Besucherzentrum, Leuchtturm, Strand und Übernachtungsplatz.
L1a: Einge wenige Wildpferde in einer Koppel
L2: Aussichtsturm zur Vogelbeobachtung und Strand.
L3: Parkfläche am Funkmast und Wildpferde.
L4: Heckrinder
Das Naturschutzgebiet Pape liegt in Lettland, etwa 15 km südlich von Liepāja. Es umfasst eine Fläche von 57 Quadratkilometern. Der sumpfige Pape-See, der das Gebiet dominiert, ist von Dünen, Mooren und Bruchwäldern umgeben. Es gibt ein Informationszentrum für Besucher. Die Landschaft ist von Feuchtgebieten und Wäldern beherrscht. Die Wälder bestehen vorwiegend aus feuchten Birken- und Erlen-Bruchwäldern. Auf höheren Standorten findet man Fichten- und Kiefernbestände. An der Küste liegen Sandstrände mit Wanderdünen. Der Pape-See stellt ein wichtiges Gebiet für Zugvögel dar. Etwa 50.000 der gefiederten Gäste stellen sich jeden Herbst ein. Sie nutzen die Feuchtgebiete als Zwischenstopp auf ihren Wanderungen.
Mithilfe des WWF wurden auch Heckrinder, Wildpferde und Wisente im Naturschutzgebiet angesiedelt. Die Heckrinder sind Abbildzüchtungen des ausgestorbenen Auerochsen und sollen ihn ökologisch ersetzen. In ähnlicher Weise stellen die Konik-Pferde einen Ersatz für den ausgestorbenen Tarpan, das europäische Wildpferd, dar. Wisente waren in Lettland ebenfalls ausgerottet. Die Heckrinder und Wildpferde wurden im Jahr 1999 angesiedelt. Die Wisente einige Jahre später. Im Jahr 2007 hatten sich die Pferde auf über 100 Tiere, die Heckrinder auf über 80 Tiere vermehrt. Die Wisente zählten zu diesem Zeitpunkt noch weniger als 20 und vermehrten sich langsam. Bereits vor der Ansiedlung der drei großen Herbivoren lebten im Gebiet um den See Elche, Rehe, Rothirsche, Wildschweine, Biber, Wölfe, Fischotter und Luchse. Damit beherbergt das Reservat heute eine nahezu vollständige holozäne Großtierfauna. Zudem kommen Marderhunde als Neozoen vor. Wie die meisten von uns wissen werden, umfasst das Holozän die letzten 10.000 bis 12.000 Jahre, also den Zeitraum nach der letzten Eiszeit.
Also folgen wir der einzigen Straße noch kurz nach Norden und biegen nach wenigen hundert Metern links in Richtung eines Besucherparkplatzes an der Ostsee ab.
Der Parkplatz am Leuchtturm ist komplett leer. Wir parken unser Fahrzeug, frühstücken und laufen anschließend an den etwa 150 m entfernten Strand. Obwohl heute Mittag etwas Regen angesagt ist, zeigt sich am Morgen die Sonne in voller Pracht. Wir durchlaufen ein kleines Dünenfeld und erreichen den Strand, der aus feinem Sand aufgebaut ist. Kaum eine Menschenseele ist zu sehen. Nur einige Hundehalter haben sich zu einem längeren Spaziergang entschlossen. Woher die kommen, wissen wir nicht, von unserem Parkplatz jedenfalls nicht (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Wir wandern an einem kleinen Leuchtturm vorbei den Strand etwa 500 m in nördliche Richtung hinauf und machen Fotos.
Mit Geröllen schreibt Michael Baltikum 25 in den feinen Sand und kreiert so unser mögliches Titelbild für die aktuelle Reise. Doch so richtig gut wird das diesmal nicht, das haben wir schon besser hinbekommen.
Da sich das Erscheinungsbild des Strandes auf der absehbaren Wegstrecke kaum ändert, drehen wir um und laufen zurück an das Wohnmobil.
Weil wir nicht wissen, wie lange das Wetter hält, führt unser Weg nun innerhalb des Naturparks noch mal 4 km weiter nach Norden bis zum Ende der für Kraftfahrzeuge erlaubten Wegstrecke. Die Straße wird gleich hinter dem Abzweig nach Norden wieder zur Schotterpiste, die allerdings recht breit ist. Gemütlich zu fahren ist sie dennoch nicht, denn es gibt zumindest im südlichen Teil viele Waschbrettabschnitte, denen man nicht aus dem Weg gehen kann, trotz allem Pendeln auf die äußerste rechte oder linke Seite.
Das Kärtchen zeigt die von uns besuchten Locations im Pape Naturpark (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Unterwegs sehen wir einen großen Campingplatz und ein naturnahes Hotel, die die letzten Vorbereitungen für den Ansturm treffen, der in 2 bis 3 Wochen hier erwartet wird. Dann ist es sicherlich nicht mehr so gemütlich, wie wir das heute erleben, dafür gibt es dann aber sämtliche Services, die uns heute noch vorenthalten bleiben.
Hier stehen wir nach etwa 4 Kilometern Strecke an der Location L2, am Ende der Zufahrtsstraße. Am Waldrand, gleich gegenüber unseres Abstellplatzes, befinden sich weitere Unterkünfte. Leider gibt es hier oben keinen Parkplatz, da wir aber erneut alleine sind, können wir unseren Brummer in einen Zugang zu einem Wanderpfad platzieren. Noch ist alles ruhig und die Betreiber bereiten sich auf den Sommer vor. In der Hauptsaison könnten wir unser Mobil vermutlich gar nicht hier abstellen, weil da viel zu viel Betrieb ist.
Von unserem Womoabstellplatz führt ein etwa 800 m langer Weg durch den Wald zu einem Aussichtsturm. Ein Holzbohlenpfad sorgt für trockene Füße auf dem letzten Teilstück bis zum See und dem vorgelagerten Aussichtsturm, der gerne auch für die Vogelbeobachtung genutzt wird.
Die Strecke ist potteben, genauso wie das ganze Land in diesem südlichsten Teil Lettlands. Nur die Dünen am Rande der Ostsee bringen ein wenig Abwechslung in die Morphologie.
Vom Aussichtsturm hat man einen schönen Fernblick auf die Schilfsäume der vorgelagerten kleinen Seen und den dahinter einsetzenden Wald.
Zurück am Wohnmobil entscheiden wir uns, auch von hier aus einmal vorzulaufen an die Ostsee und den Strand an diesem nördlichen Ende der Straße in Augenschein zu nehmen.
Der Weg durch den Wald ist ein wenig verwinkelt, aber wir wissen ja tendenziell, in welche Richtung wir laufen müssen, und erreichen schließlich auch den Strand. Der Wind hat deutlich aufgefrischt und so kommt uns am Meer anders als noch heute Morgen eine steife Brise entgegen. Deshalb bleiben wir nicht lange, sondern ziehen uns schon bald in den windgeschützten Wald zurück. Danach geht es mit dem Wohnmobil über die Schotterpiste zurück zu dem kleinen Besucherzentrum am Leuchtturm, wo wir unser Fahrzeug erneut abstellen.
Michael fährt anschließend mit dem Fahrrad noch einmal die Schotterpiste nach Norden, um die halbwilden Pferde, die es hier geben soll, zu finden und abzulichten. Mit dem Fahrrad ist es noch mühsamer als mit dem Wohnmobil. Die etwa 2 Kilometer lange Strecke zieht sich ganz schön. Als Michael an den Stacheldraht der Koppel herantritt, sieht er nur eine weite, leere Fläche. Das war dann wohl Pech. Von Pferden ist hier weit und breit nichts zu sehen. Aber dann tut sich doch noch etwas. Ganz hinten am Waldrand kommt Bewegung auf und plötzlich rasen in vollem Galopp einige wenige Tiere über das weite Grasland.
Die Pferde vermuten wohl, Michael könnte Leckerlis dabei haben. Dem ist aber nicht so und er würde sie auch nicht füttern, denn ahnungslose sollten keinesfalls Futter an Tiere verteilen, deren Speiseplan sie nicht kennen. Trotzdem schön, dass sie angerannt kamen, denn aus der Ferne hätte Michael keine Chance gehabt, sie vernünftig ins Bild zu bekommen.
Die "Pape Wildpferde" sind Konik-Pferde, die im Naturpark Pape gehalten werden, um eine offene Landschaft zu erhalten, ähnlich wie die ausgestorbenen europäischen Wildpferde (Tarpane). Sie wurden dort 1999 angesiedelt und sind Teil eines Naturschutzprojekts des WWF, das die biologische Vielfalt durch natürliches Beweiden fördert, indem sie Gras, Schilf und Sträucher fressen. Besucher können die Herden nur mit einem lokalen Führer erleben, der die Geschichte und ökologische Bedeutung der Pferde erklärt.
Nun geht es mit dem Rad zurück zum Womo, wo Angelika bereits das Essen vorbereitet hat. Anschließend wird gegessen, gespült und am Reisebericht geschrieben, während Angelika sich ein wenig am Meer umschaut.
Mit dem Wetter haben wir dann auch noch Glück. Zwar bleibt es kalt, aber der angekündigte Regen fällt aus, und so haben wir heute einen richtig schönen Tag.
Windrippel sind wellenartige Muster im Sand. Sie entstehen, wenn Wind Partikel durch „Saltation“ (Hüpfen) über den Boden bewegt, wobei leichte Körner an der Kammseite abgelagert und schwerere auf der windabgewandten Seite (Lee) gesammelt werden, was die charakteristische Wellenform erzeugt. Rippel sind eine grundlegende Sedimentstruktur, die in Küsten, Wüsten und sogar in alten Gesteinen (fossil) zu finden ist. Analog den Windrippeln kann auch bewegtes Wasser solche Rippelstrukturen erzeugen.
Das Zusammenspiel von untergehender Sonne und Wolken zaubert heute ein ganz besonders schönes Bild an den abendlichen Himmel.
Für einen Reiter oder eine Reiterin dürfte es sicher auch ein ganz besonderes Glücksgefühl sein, bei dieser Abendstimmung einen einsamen Strand entlang zu reiten.
Der Ausflug hier hoch nach Pape hat sich absolut gelohnt und man könnte hier noch so manchen Wanderweg laufen. Leider haben wir weder die Heckrinder noch die Wisente gesehen und so starten wir morgen noch einen zweiten Versuch und hoffen, dass wir dann etwas mehr Glück haben.