Mittwoch, 07.05.2025 - von Schloss Panemunė nach Šilutė - 146 km
In Vilkyškiai verlassen wir die Straße 141 und biegen nach Süden auf die Straße 4229, die uns schon bald nach Šereitlaukis bringt (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Gegen 07:30 Uhr verlassen wir unseren Übernachtungsplatz an der Memel unterhalb des Schlosses von Panemunė. Wir haben gut geschlafen. Trotz der nicht weit entfernten Straße war es ordentlich ruhig. Allerdings war es auch richtig kalt. Wir haben heute Morgen leichten Frost und sind froh, dass wir uns gestern Abend gut eingepackt haben. Das Frühstück fällt erst einmal aus, aufwärmen während der Fahrt ist angesagt. Allerdings steigen die Temperaturen, wenn die morgendliche Sonne erst einmal aufsteigt, rasch an und so dauert es gar nicht lange, bis wir uns entblättern können. Die Straße gleicht inzwischen stellenweise einem Flickenteppich und der Wagen rumpelt ein wenig, aber kein Vergleich zu einer Schotterpiste.
Bei dem Weiler Viešvilė finden wir einen schönen großen Picknick-Platz, auf dem wir frühstücken können. Von diesen Plätzen haben wir inzwischen einige gesehen. An potenziellen Übernachtungsplätzen mangelt es also nicht. Oft hat man hier sogar die Möglichkeit, ein kleines Feuer zu entfachen und Grillfleisch aufzulegen. Auch überdachte Bank-Tisch-Kombinationen sind gar nicht so selten. Was fehlt, sind Entsorgungsmöglichkeiten. Die sind wirklich der Flaschenhals im Baltikum und da kann man sich nur wünschen, dass das in Zukunft besser gelöst wird. Allerdings ist die Saison auch nur kurz und in der Nebensaison haben wir bisher so wenige Wohnmobile gesehen, dass es sich für die Litauer wahrscheinlich noch nicht so richtig lohnt entsprechende Einrichtungen zu etablieren.
Nach dem Frühstück geht es weiter nach Vilkyškiai. In der Ortsmitte biegen wir nach Süden in Richtung Šereitlaukis ab und bewegen uns nun in den Bogen des Nemunas hinein. Die Straße bis Šereitlaukis ist zwar stellenweise etwas schmal aber sie ist komplett asphaltiert und es gibt aktuell recht wenig Verkehr.
Südlich Šereitlaukis fängt dann die Schotterpiste an. Die folgt nun dem Bogen, den die Memel beschreibt, zunächst weiter nach Süden, biegt dann nach Westen und schließlich wieder nach Norden um. Dem Schotter sieht man schon an, dass hier keine Freude aufkommt.
Etwa einen Kilometer südlich des Weilers Šereitlaukis befindet sich der Šereitlaukis Observation Tower, den wir aber rechts liegen lassen. Wir können schließlich nicht jeden Aussichtsturm ansehen. Darüber hinaus befindet sich auf der westlichen Seite des Memelbogens der baugleiche Merguva lake observation tower. Dort können wir ja dann unser Mütchen kühlen.
Während wir auf der Anfahrt zum Memelbogen durch eine bunt gemischte Wald- und Wiesenlandschaft gefahren sind, öffnet sich nun, ganz im Süden eine weite Graslandschaft. Da wir leider immer noch auf Schotter unterwegs sind und deshalb selten mehr als 20 km/h erreichen, haben wir mehr als genug Zeit unsere Blicke in die Ferne schweifen zu lassen.
Schließlich erreichen wir den Merguva lake observation tower.
Der Turm befindet sich unweit des Nemunasufers. Sehr hoch ist der nicht, aber bei dem flachen Gelände gewinnt man dennoch einen ganz guten Überblick.
Hier blicken wir hinüber auf den Ort Neman, der bereits in der Oblast Kaliningrad liegt.
Da unser Wägelchen direkt neben dem Turm parkt, können wir uns auch bildlich einmal aufs Dach steigen und schauen, ob dort oben alles in Ordnung ist.
Die Schotterpiste endet schließlich im Weiler Bitėnai. Als wir den Ort erreichen, müssen wir uns erst einmal einen Parkplatz suchen. Den würden wir eigentlich am Museum finden. Allerdings ist dort heute eine Veranstaltung und somit ist der ohnehin schmale Seitenstreifen komplett zugeparkt. Also folgen wir der Hauptstraße 4229 weitere 2,2 km nach Nordwesten und biegen dann in die Stichstraße in Richtung Memel, Rambynas Hügel und Tagesparkplatz ein (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Von diesem Parkplatz bis zur Ortsmitte von Bitėnai und der Storchenkolonie sind es etwa 1,5 km zu laufen. Bis zum Opferstein am Rambyno kalnas (Rambyno Hügel) sind es in die entgegengesetzte Richtung etwa 350 m und zu dem unterhalb des Hügels befindlichen Flusskilometer 434 über die lange Treppe etwa 550 m zu laufen. Auf dem Parkplatz herrscht in der Vorsaison gähnende Leere, Verbotsschilder gibt es auch keine. Somit könnte man auch hier wieder übernachten.
Wegen der kürzeren Strecke wenden wir uns zunächst nach Nordwesten zum Opferberg Rambynas Hügel und erreichen oben auf der Kuppe diesen Gedenkstein.
Auf unserem Weg kommen wir auch an einem Schachtelhalmwäldchen vorbei. Schachtelhalme gibt es bereits seit 400 Mio. Jahren. Im Paläozoikum bildeten sie ganze Wälder. Und sie entwickelten sich zu einer Zeit, als die Pflanzen noch nicht die Fähigkeit zur Blütenbildung besessen haben und sie zur Mineralwelt, zu Wasser und Licht ein noch urtümliches Verhältnis hatten. Dass sie nach so langer Zeit immer noch ihren Platz behaupten können, nötigt Michael Respekt ab. Die Menschheit dagegen, hat beste Chancen zum Leitfossil zu werden. Das sind keine guten Aussichten.
Ein kleines Sichtfenster gibt den Blick auf den Nemunas frei. Auch hier kein Boot zu sehen. Ob das im Sommer anders aussieht?
Wir folgen einer langgezogenen Treppe hinunter an den Fluss. Wie alle Treppen bisher ist sie in einem Topzustand. Man gibt sich hier wirklich Mühe.
Nun stehen wir unten am Fluss und schauen hinüber in die Oblast Kaliningrad. Viel zu sehen gibt es hier nicht. Also geht es wieder die Treppe hoch, dann erneut am Wohnmobil vorbei und weiter nach Bitėnai.
In dem kleinen Haus lebte und arbeitete der Schriftsteller und Publizist Martynas Jankus. Von deutscher und sowjetischer Seite als Nationalist verfolgt, starb er 1946 im Flensburger Zwangsexil. Rund um dieses heutige Museum dauern die Feierlichkeiten, die wir bereits bei unserer Ankunft in Bitėnai beobachten konnten, weiter an. Deshalb hat heute niemand Zeit für uns. Vielleicht feiert man das Ende des Zweiten Weltkriegs, das wäre allerdings erst morgen zu feiern.
Wir entrichten unseren Obolus und flanieren auf eigene Faust durch den zum Haus gehörenden, kleinen Park. Dort sind großformatige Bilder verschiedener litauischer Künstler ausgestellt. Wir sehen uns in aller Ruhe um, sind allerdings von den auf Holz verewigten Gemälden nur mäßig beeindruckt. Die Farben verblichen, das Holz verwittert und die Motive von mäßiger künstlerischer Eleganz. Wir können damit wenig anfangen.
Da bleibt nur die verbale Botschaft des einen oder anderen Bildes, die wir aber mangels Sprachkenntnissen auch nicht verstehen. Ohne Hintergrundwissen richten wir hier nichts aus und machen uns relativ bald vom Acker.
Was hier los ist, durchschauen wir auch ohne Hintergrundwissen. Allerdings dürften die niedrigen Temperaturen den Bienenvölkern wenig gefallen.
Das Produkt der fleißigen Insekten steht zum Verkauf und da sind wir doch neugierig, ob der litauische Honig vielleicht eine andere Geschmacksnote zu bieten hat als unsere mitteleuropäischen Varianten.
Vom Museum aus laufen wir zurück zur Hauptstraße 4229 und suchen nach der Storchenkolonie, die hier irgendwo sein muss. Von der Straße aus ist nichts zu erkennen und auch das übliche Geklapper, das wir auf dem Fußweg vom Parkplatz in Richtung Ortsmitte ständig gehört haben, ist nicht zu vernehmen.
Ein Einheimischer bringt uns dann auf die richtige Fährte. Er meint, wir sollten von der Hauptstraße weg hinter dieses grau angestrichene Gebäude laufen. Dort würden wir die Nester am besten sehen. Nachdem wir sie erst einmal entdeckt haben, sehen wir sie dann auch von der Hauptstraße aus. Und es sind sogar noch weitere Nester in der nahen Umgebung dieser kleinen Kolonie auszumachen. Insgesamt zählen wir 10 Horste.
Da sind wir doch die ganze Zeit im Kreis um die Vögel herumgelaufen und haben vor lauter Wald die Bäume nicht gesehen. Leider lässt der Nachwuchs auch hier auf sich warten und so werden wir uns wohl noch einige Zeit gedulden müssen.
Dieser Kamerad ist uns bei unserer Nestsuche vor die Kamera gelaufen. Wir haben ihn offenbar bei der Futtersuche gestört.
Wir machen unsere Fotos und wollen danach eigentlich vor Ort übernachten, entschließen uns dann aber spontan noch bis ins Memeldelta weiterzufahren, um uns das Delta morgen in aller Ruhe ansehen zu können.
Wir erreichen gegen 17:00 Uhr das Städtchen Šilutė und finden dort unweit des Zentrums einen mittelgroßen Parkplatz in der Turgaus gatve, auf dem bereits ein französisches Womo steht. Auf den ersten Blick steht man hier zwischen Tür und Angel, aber die Straße ist gar nicht so stark befahren, wie man vermuten könnte.
Nach ein wenig Eingewöhnungszeit erscheint uns der Platz als Übernachtungsort geeignet, also bleiben wir, wo wir sind und läuten dann den gemütlichen Abend ein.