Samstag, 17.05.2025 - von Kuldiga nach Ventspils - 59 km
Kuldīga (deutsch Goldingen) ist eine Stadt mit 10.000 Einwohnern (Stand vom Jahr 2022) in der Region Kurland im Westen Lettlands am Fluss Venta. Seit 2023 gehört die Altstadt von Kuldīga zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Am Nachmittag verlassen wir die Cinevilla bei Tukums und machen uns auf den Weg nach Kuldiga. Wir fahren querfeldein über die Straße P 121 und kommen dennoch gut voran. Es ist kaum Verkehr. Gegen 17:00 Uhr treffen wir in Kuldiga ein. Gut, dass es im Norden Europas so lange hell ist, da können wir Zeitverluste von den Regentagen zumindest teilweise wiedergutmachen.
Kuldiga mit der Lage des Aussichtsturms, der Stromschnellen ("Wasserfall") und der Altstadt (Quelle: OpenStreetMap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Als wir nach Kuldiga hineinfahren, sehen wir unweit der Brücke über den Fluss Venta auf der rechten Seite der Straße zwei Wohnmobile auf einem kleinen Parkplatz in der Krasta iela stehen. Der Platz liegt günstig, weil man von dort kurze Wege zur Venta und dem Wasserfall, zum Aussichtsturm, zu den rudimentären Überresten der ehemaligen Festung und zum Zentrum der Kleinstadt hat. Also suchen wir uns ein Plätzchen und stellen uns dazu. Wenn keine Pkw dort stehen, passen etwa 5 bis 7 Wohnmobile drauf, VE gibt es weder hier noch an einem sonstigen öffentlichen Platz in der Stadt. Aber oben am Aussichtsturm (vgl. Kärtchen) ist zumindest tagsüber eine Toilette geöffnet. Und dort befindet sich auch ein weiterer Parkplatz.
Nachdem es die letzten Tage viel geregnet hat, haben wir jetzt endlich mal Sonne. Das müssen wir ausnutzen. Zunächst sehen wir uns die Brücke von unten an, dann begeben wir uns auf die Brücke, um von dort aus die Wasserfälle Ventas ruma zu fotografieren.
Die Wasserfälle der Venta (deutsch Windau) sind mit 270 bis 275 Metern die breitesten Europas. Im Umfeld sind Ansiedlungen von Jägern und Fischern aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. nachgewiesen. Weiter flussabwärts auf einem Hügel bestand seit dem frühen Mittelalter eine Befestigungsanlage der Kuren (Alt-Kuldinga). Die Wasserfälle können von beiden Ufern, als auch von der alten Ziegelbrücke über den Fluss Venta, die sich ca. 200 m unterhalb der Wasserfälle befindet, besichtigt werden. Die Fallhöhe dürfte im Mittel etwa 1,70 Meter betragen.
Von der Brücke aus laufen wir am östlichen Ufer der Venta in Richtung der Wasserfälle. Direkt unterhalb der Wasserfälle kann man über kleine Landbrücken ein ganzes Stück in den Fluss hineinlaufen und kommt den Wasserfällen auf diese Weise recht nah. Nasse Füße bekommt man aber auch recht schnell, wenn man nicht aufpasst.
Von weitem sieht man unmittelbar vor den Wasserfällen kurze dunkle Striche im herabfallenden Wasser. Michael kann das erst einmal gar nicht auflösen. Also wird das Teleobjektiv herausgeholt, um der Sache auf den Grund zu gehen. Und da machen wir eine überraschende Entdeckung.
Ob das Lachse sind, können wir nicht erkennen, aber es sind in jedem Fall Fische, die mit größter Kraftanstrengung versuchen, die Steilstufe zu überwinden. Für den Fischzug haben wir offensichtlich genau die richtige Reisezeit gewählt. Dass sich hier schon sehr früh Fischer angesiedelt haben, wundert uns jetzt nicht mehr. Denn leichter als an diesem Geländeabsatz konnten unsere Vorfahren, die Fische sicher nirgendwo fangen.
Blickt man von der Backsteinbrücke über die Venta in nördliche Richtung, sieht man am östlichen Ufer des Flusses den Aussichtsturm. Der überragt die Baumkronen deutlich. Der Turm kann kostenlos zu jeder Tages- und Nachtzeit besichtigt werden. Zur Blauen Stunde oder zum Sonnenunter- oder -aufgang ist man hier oben bestens positioniert.
Wir wollen uns auch noch kurz die ehemalige Festung an der Westseite der Venta ansehen. Wir suchen einige Zeit, aber von Festung ist da nichts mehr zu sehen außer einem grünen Hügel. Aber morgen soll dort ein kleines Fest stattfinden und die Vorbereitungen sind im vollen Gange. Michael gönnt sich ein frisch gezapftes Bier und lässt es sich schmecken. Weiter in die Altstadt gehen wir nicht, das sparen wir uns für morgen auf.
Nachdem wir uns lange unten am Fluss ausgetobt haben, wird es recht spät bis wir den Turm ins Visier nehmen können. In einem Anflug von geistiger Umnachtung vergisst Michael die Kamera mitzunehmen und muss nun mit den Handyfotos vorliebnehmen.
Tagsüber kann hier schon mal eine Busladung an Besuchern aufkreuzen, aber um diese Zeit sind die allermeisten Tagestouristen längst abgereist und am Turm trifft man nur noch auf ganz wenig Publikum. Und von denen sind auch bei weitem nicht alle bereit, den Weg nach oben anzutreten.
Auch hier wieder ganz typisch, die sehr bequem zu begehenden Trittstufen und der kostenfreie Zugang, dass machen die Balten wirklich ganz toll. Und an unsere Gesundheit denken sie bestimmt auch und haben deshalb auf den Aufzug verzichtet.
Auf der Aussichtsplattform ist man meist alleine. Das Handyfoto ist zum abgewöhnen, aber man bekommt zumindest einmal einen Eindruck wie es auf dem Turm und um diesen herum aussieht.
Blick auf halber Höhe des Turms durch die Stahlgitterkonstruktion in Richtung der Venta.
Wir übernachten vor der Brücke unweit der Venta in Kuldiga!
Sonntag, 18.05.2025 - von Kuldiga nach Ventspils - 59 km
Die ganze Nacht hat es geregnet, zum Glück nur leichter Landregen, geschlafen haben wir aber gut. Leider endet der Regen heute Morgen aber nicht, sondern es tröpfelt in einer Tour immer weiter. Deshalb schießen wir heute den Vogel ab und stehen erst um 10:30 Uhr auf.
Nach dem Frühstück sehen wir, dass sich der Regen erst einmal eine Pause gönnt, nehmen uns aber zur Sicherheit die Schirme mit und laufen über die Brücke in das Zentrum der Stadt. Wie so oft gibt es auch in den weniger gut betuchten ländlichen Regionen des Baltikums manch hübsche Ansicht.
Und nur wenig weiter sieht man eine Gebäudefassade, der ein Facelift so richtig guttäte. Aber wo das Geld fehlt, fehlt auch das Lifting.
Trotz des teilweise bröckelnden Putzes finden wir dieses Souvenirlädchen in der Baznīcas iela ganz hübsch.
Kuldīgas Svētās Katrīnas, die Evangelisch-Lutherische Kirche von Kuldiga.
Bei dieser Statue in der Baznīcas iela 5, handelt es sich um ein Denkmal für den lettischen Schauspieler Ēvalds Valters.
Die Statue zeigt Valters, wie er vor dem dunkelbraunen Gebäude (Touristeninformation) in der Bildmitte an einem Tisch sitzt und eine Tasse Tee trinkt. Valters war eine einzigartige Persönlichkeit, die sich in Kuldīga sehr wohl fühlte. Er sagte einmal: „Ich liebe Kuldiga so sehr, dass alles, was ich tun muss, ist, Pateika Kuldiga zu sagen, und ich bin schon glücklich“.
Wir hätten dieses Gebäude für das Rathaus gehalten, es scheint aber eher ein Bürgerhaus zu sein.
Auch diese hölzerne Fassade müsste dringend einmal auf Vordermann gebracht werden.
In vielen Gebäuden dürften sehr hohe Heizkosten anfallen, denn die Isolierung ist teilweise in einem erbärmlichen Zustand.
Wie so oft, gibt es einige nicht immer schöne aber manchmal doch interessante Gebäude, die wir ablichten können und wir sind natürlich auch froh, dass wir mal 2 Stunden raus können, ohne im Dauerregen gefangen zu sein.
Trotz aller Mängel gefällt uns Kuldiga.
Wenn sich eines Tages die Gelegenheit bieten sollte, würden wir sicher noch einmal hierher kommen.
Dieses Gebäude steht in der Liepājas iela, einer Seitenstraße der Baznīcas iela, die hier so eine Art Hauptstraße darstellt.
Auch dieses inzwischen hübsch renovierte Gebäude steht in der Liepājas iela. Also Licht und Schatten liegen in Kuldiga wirklich ganz nah beieinander und man ist hin- und hergerissen.
Hinter diesem Gebäude, das sich ebenfalls in der Baznīcas iela befindet, beginnt eine kleine Fußgängerzone. Wir sind jetzt im Zentrum des Städtchens angekommen. Auch wenn bei so manchem Gebäude noch einiges zu tun ist, finden wir Kuldiga doch recht hübsch. Diesen Ort würden wir uns gerne einmal bei 3 Tagen Sonnenschein ansehen. Wenn alle draußen sitzen, gemütlich Bier trinken oder einen Kaffee schlürfen. Ja das können wir uns hier gut vorstellen.
Nach dem Stadtbesuch fahren wir weiter nach Ventspils, das wir am Nachmittag erreichen. Der Himmel bleibt wolkenverhangen und es macht nicht wirklich Spaß, bei diesem Wetter unterwegs zu sein.
Michael hat auch schon den ganzen Tag Bauchgrummeln von dem Bier, das wir aus Biržai mitgebracht haben. Wir glauben nicht, dass es an der Qualität des Bieres liegt, die Art der Herstellung haben
wir in Verdacht. In Deutschland hatten wir noch nie Probleme, irgendetwas müssen die hier anders machen. Wir fahren zunächst einmal an den Parkplatz am Olympiazentrum und machen Mittag. Aber auch
das hilft nicht. Nach dem Essen geht es Michael eher noch schlechter. Also legt er sich gegen 16:00 Uhr hin und pennt dann erst einmal bis 19:00 Uhr. Danach geht es ihm ein wenig besser.
Dann sehen wir uns draußen auf dem Olympiaparkplatz um und finden keinen Gefallen an dieser Location. Platz haben wir hier genug, aber es ist uns zu einsam. Also ziehen wir mit dem Womo von dem
sehr einsamen Olympiaparkplatz zu dem Parkplatz gegenüber des Glockenspiels am Markt um und übernachten dort. Die Stadt wirkt am heutigen Sonntag wie ausgestorben, so etwas haben wir in Schweden
auch schon erlebt, fast schon ein wenig spooky. Was machen die Leute nur. Bleiben sie in ihren vier Wänden. Das Wetter war ja die letzten Tage nicht sehr einladend aber man muss doch mal an die
frische Luft.